Große Chinesische Hungersnot

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Die Große Chinesische Hungersnot war der Zeitraum in der Volksrepublik China zwischen den Jahren 1958 und 1961, der durch eine weit verbreitete Hungersnot gekennzeichnet war. Trockenheit, schlechte Witterung, strukturelle Probleme in der Landwirtschaft[1] sowie die verfehlten politischen Maßnahmen der Kommunistischen Partei Chinas - insbesondere die Kollektivierung unter Mao - waren die Ursachen für diese Hungersnot. Hinzu kam dass nach dem weitgehenden Bruch mit der Sowjetunion Mao großen Wert darauf legte, die ausstehenden Darlehen zurückzuzahlen.[2] Reis, den die Volksrepublik China in Myanmar kaufte, wurde zu einem großen Teil in das damalige Ceylon geliefert, um ausstehenden Verpflichtungen nachzukommen. Weitere 160.000 Tonnen Reis wurden in die Deutsche Demokratische Republik exportiert, um das Handelsdefizit mit diesem Land zu reduzieren.[3] Um den Anspruch auf eine führende Rolle unter den sozialistischen Ländern zu unterstreichen, lieferte China noch auf dem Höhepunkt der Hungersnot Getreide kostenlos an befreundete Länder. Albanien, das zu dem Zeitpunkt eine Bevölkerung von rund 1,4 Millionen Menschen hatte, erhielt beispielsweise 60.000 Tonnen Weizen.[4] Zwischen August 1960 und den ersten Monaten 1961 wurden noch 100.000 Tonnen Getreide an Kuba, Indonesien, Polen und Vietnam gesendet. Myanmar, Kambodscha, Vietnam und Albanien erhielten darüber hinaus großzügige Darlehen.[5] US-Präsident John F. Kennedy verwarf daher die vorgeschlagenen Hilfsangebote an die Volksrepublik China mit Hinweis auf diese Exporte. Das Internationale Rote Kreuz unterbreitete der chinesischen Regierung Hilfsangebote in so undiplomatischer Weise, dass Regierungskreise diese mit Hinweis auf eine ungewöhnlich reichhaltige Ernte im Jahre 1960 ablehnten.[6]

Gemäß den Regierungsstatistiken starben 15 Millionen Menschen während der Hungersnot.[7] Inoffizielle Schätzungen variieren, Forscher schätzen die Anzahl von Hungertoten jedoch auf zwischen 20 und 43 Millionen.[8][9] Der Geschichtsforscher Frank Dikötter, dem besonderer Zugang zu chinesischem Archivmaterial gewährt wurde, schätzt, dass es mindestens 45 Millionen vorzeitige Todesfälle zwischen den Jahren 1958 und 1962 gab.[10][11] Der chinesische Journalist Yang Jisheng folgerte, dass es 36 Millionen Tote durch Verhungern gab, während weitere 40 Millionen nicht geboren wurden: „China’s total population loss during the Great Famine then comes to 76 million“ - deutsch: „Chinas gesamter Bevölkerungsverlust während der Großen Hungersnot beläuft sich auf 76 Millionen“.[12] Die Bezeichnung „Three Bitter Years“ (Deutsch: „Drei bittere Jahre“) wird oft von chinesischen Bauern verwendet, um diese Periode zu beschreiben.[13]

1 Andere Lexika





2 Literatur

3 Einzelnachweise

  1. Hochspringen Paul W. Wilm: Die Fruchtbarkeit und Ertragsleistung Nordchinas bis 1949. Mit einem Nachwort über den Einfluss der kommunistischen Umwälzung auf die Agrarerzeugung des Landes, Harrassowitz, Wiesbaden 1968
  2. Hochspringen Dikötter, S. 105.
  3. Hochspringen Dikötter, S. 112.
  4. Hochspringen Dikötter, S. 112–113.
  5. Hochspringen Dikötter, S. 113.
  6. Hochspringen https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Sprung_nach_vorn#Innen-_und_außenpolitische_Lage_im_Jahr_1960_und_1961
  7. Hochspringen Ó Gráda, Famine: A Short History, Seite 95
  8. Hochspringen Peng Xizhe (彭希哲), Demographic Consequences of the Great Leap Forward in China’s Provinces, Population and Development Review 13, no. 4 (1987), 639–70.
  9. Hochspringen Weiteres Zahlenmaterial auf Necrometrics
  10. Hochspringen Akbar, Arifa: Mao’s Great Leap Forward 'killed 45 million in four years'. In: The Independent, 17. September 2010. Abgerufen am 20. September 2010. 
  11. Hochspringen Dikötter, S. 333.
  12. Hochspringen Mirsky, Jonathan: Unnatural Disaster: 'Tombstone: The Great Chinese Famine, 1958–1962,' by Yang Jisheng. , 9. Dezember 2012, S. BR22. Abgerufen am 7. Dezember 2012. 
  13. Hochspringen Different Life of Scientist Yuan Longping (Chinesisch). Guangming Daily (22. -5 2007). Abgerufen am 16. März 2012.

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