Chaim Schitlowsky

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Profil.png Profil: Schitlowsky, Chaim
Namen Житловский, Хаим Осипович (russische Schreibweise)
Beruf Jiddischer Schriftsteller, Jiddischist und sozialistischer Theoretiker
Persönliche Daten
19. April 1865
Uschatschy, Gouvernement Witebsk, Russisches Reich
6. Mai 1943
Calgary


Chaim Schitlowsky (auch: Chaim Zhitlowsky, Chaim Schitlowski oder Chaim Shitlowskij; * 19. April 1865 in Uschatschy, Gouvernement Witebsk, Russisches Reich; † 6. Mai 1943 in Calgary, Kanada) war ein jiddischer Schriftsteller, Führungsfigur des Jiddischismus[1] sowie der jüdischen Arbeiterbewegung, jüdisch-nationaler sozialistischer Theoretiker und Agitator sowie "einer der bedeutendsten Übersetzer in die jiddische Sprache"[2] (Heine, Nietzsches Zarathustra, Herwegh).

1 Leben

Chaim Schitlowsky besuchte das Gymnasium seines Geburtsortes und schloss sich, ohne den Schulbesuch zu beenden, in Tula der russischen revolutionären Bewegung an.

Seit 1884 schrieb er Artikel für hebräische, jiddische, russische und deutsche Zeitungen und verfasste auch einige Lieder. 1885 beteiligte sich Chaim Schitlowsky an der Gründung der Partei der Sozialrevolutionäre und gründete deren jüdische Sektion Teschuath Israel. Deren Ziele waren die Etablierung des Jiddischen als Nationalsprache sowie die Ausbildung eines sozialistisch-antizionistischen jüdischen Nationalismus.

Nach seiner Verbannung aus Sankt Petersburg, wo er im Selbststudium an der kaiserlichen Bibliothek die jüdische Geschichte studiert hatte, flüchtete Schitlowsky 1888 nach Berlin[3], konnte dort aber wegen des Sozialistengesetzes nicht bleiben und ging in die Schweiz, wo er dann in Zürich und Bern Philosophie und Nationalökonomie studierte und seine Studien 1892 mit einer Promotion zum Dr. phil. abschloss.[4]

Nach dem Oktobermanifest 1905 kehrte er nach Russland zurück, gründete die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Sejmisten und publizierte in den verschiedensten Blättern[5] seine Ideen einer Synthese von Sozialismus, Nationalismus, jüdischem Autonomismus und Territorialismus.

1908 wanderte er über Finnland nach Amerika aus, wo er ein Führer der jüdischen Arbeiterbewegung wurde und in New York 1908 die Monatsschrift Dos naje Leben schuf, die bis 1913 Bestand hatte. Er propagierte in Amerika den jüdischen Kongress und trat der Partei Poale Zion bei. Auch bei der Czernowitzer Sprachkonferenz hatte er eine führende Rolle gespielt. Seit 1913 entwickelte er eine ausgedehnte Reisetätigkeit und war in den verschiedensten Ländern Mittel- und Osteuropas sowie in Palästina unterwegs.

Als populärwissenschaftlicher Autor war er u. a. philosophiehistorisch tätig und schrieb u. a. auch über Einsteins Relativitätstheorie.

Seine Gesammelten Schriften erschienen in zehn Bänden[6] in New York 1912-1919.

2 Werke (Auswahl)

  • Gedanken über die geschichtlichen Schicksale der Juden, 1887 (in Russisch)
  • Der Traum fun a Lediggeher, London 1891
  • Sozialismus und Kämpfe für politische Freiheit, 1898[7]
  • Das jüdische Volk und die jüdische Sprache, 1903[8]
  • Der Sozialismus und die nationale Frage, 1907 (in Jiddisch)
  • Die Philosophie, was sie ist und wie sie sich entwickelt hat, New York 1910, 2 Bände, in Jiddisch, 2. Aufl. 1920

3 Literatur (Auswahl)

  • Artikel Schitlowski, Chaim, in: Wininger Bd. V, Seite 426-427
  • Moses Waldmann: Schitlowsky, Chaim, Artikel in: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Bd. IV/2, Sp. 216-217
  • Kay Schweigmann-Greve: Jüdische Nationalität aus verweigerter Assimilation. Biographische Parallelen bei Moses Hess und Chajm Zhitlowsky und ihre ideologische Verarbeitung. In: Trumah. Zeitschrift der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg Band 17, 2007, Seite 91–116
  • Yelizaveta Ivanova Zhirkova, Artikel Zhitlowsky, Chaim, in: The Universal Jewish Encyclopedia, 2009 (Bd. 10, Seite 641)

4 Weblinks

5 Einzelnachweise

  1. Miriam Weinstein: Jiddisch - Eine Sprache reist um die Welt, Kindler, Berlin, 2003, S. 192
  2. Moses Waldmann: Schitlowsky, Chaim, Artikel in: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Bd. IV/2, Sp. 216-217
  3. Moses Waldmann: Schitlowsky, Chaim, Artikel in: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Bd. IV/2, Sp. 216-217
  4. Dissertation über "Abraham David Harischon"
  5. U. a. redigierte er das Wochenblatt der Sozialisten-Territorialisten Dus Folk
  6. Inhalt:
    • I. Tolstoi, Nietzsche, Karl Marx. Über Andrejews Anatema
    • II. Vorlesungen über den naturphilosophischen Materialismus. Über die Zukunft der Völker in Amerika
    • III. Programm und Ziele der Monatsschrift Dus naie Leben. Historische Ideenverbindungen. Die Geschichtsphilosophie und das Endziel. Moses Hess, der Philosoph. Der Jüd. Dr. Max Nordau und der politische Zionismus
    • IV. Nationalität und Progreß. Jüdische Geistesgrößen. Bundismus, Zionismus, Territorialismus, Sozialismus. Die Jüdische Sprachbewegung und die Czernowitzer Konferenz. Jiddisch und Hebräisch. Religion und Nation. Tod und Wiedergeburt von Göttern und Religionen. Die nationalpoetische Wiedergeburt der jüdischen Religion
    • V. Der Kampf für Volk und Sprache. Aus fremden Sprachen
    • VI. Der ökonomische Materialismus und die nationale Frage. Der Nationalismus und die Klassenpolitik des Proletariats. Die bittere Wahrheit [über Antisemitismus]
    • VII. Die Moralphilosophie und das Endziel. Der Materialismus und die dialektische Logik. Der Stuttgarter Kongreß [Internationaler Sozialistenkongress]. Herr [sic] Dubnows "geistiger" Materialismus
    • VIII. In schweren Zeiten [Artikel über den Ersten Weltkrieg]
    • IX. und X. Zeitartikel. Der geistige Kampf des jüdischen Volkes. Die Entstehung des Marxismus
  7. Eine erste Ausformulierung des Programms der Sozialistisch-Revolutionären Partei, erschienen unter dem Pseudonym Grigorowitsch
  8. Artikelserie im Fraind, unter dem Pseudonym G. Gaidarow