Bashraf

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Bashraf (pl. basharif; türk.: pişrev oder auch peşrev) ist eine instrumentale Form der klassischen arabischen und osmanischen Musik.
Anfangstakte der ersten vier khanan eines bashraf

1 Details[Bearbeiten]

  • Die Form des bashraf als Teil einer suitenartigen Form entwickelte sich im 17. Jahrhundert am osmanischen Hof. Im 19. Jahrhundert wurde sie dann auch in anderen Metropolen des osmaischen Reiches, wie Kairo oder Aleppo populär. Im Maghreb ist die Tradition des bashraf nur in Tunesien und Algerien verbreitet. Anstatt bashraf nennt man diese Form dort teilweise aber anders. [1]
    basharif werden oft im Ensemble vorgetragen zu dem meist auch die arabische Kurzhalslaute Oud gehört
  • Ein bashraf ist Teil einer suitenartigen Form (im arabischen Raum als nawba oder waslah bezeichnet, und im türkischen Raum fasıl genannt). Ein fasıl kann dann z.B. aus folgenden Satzgliedern bestehen: peşrev - kâr - beste - ağır - semâ'î - yürük semâ'î - gazel - şarkı - saz semâ'î. Dabei hat der bashfar/peşrev die Funktion eines Vorspiels/Präludiums. [2] Ein bashraf ist auch Teil der Musikform Mevlevi ayini der religiösen Sufibruderschaft Mevlevi-Tariqa. [3]
  • Ein bashraf besteht i.A. aus drei bis fünf Teilen (khanah, pl. khanat), die jeweils von einer Art konstantem Refrain (taslim/teslim) unschlossen werden. Der Ablauf ist ähnlich der Rondoform in klassischer westlicher Musik und kann als K1 - T - K2 - T -K3 - T ... dargestellt werden. Beginnen kann der bashraf mit dem ersten khanan oder auch dem teslim. Am Ende eines bashraf steht immer ein teslim. [4]
  • Jeder bashran ist auf einen melodischen Modus (maqām) bezogen. Der zweite khanah moduliert dann meist zu anderen maqāmāt. Im dritten khanah wird der Tonambitus der Melodie ausgeweitet und erreicht meist den Spitzenton, während der vierte khanah dann in den tieferen Tonbereich wechselt. [5] Der anfängliche maqām gibt einem bashran seinen Namen, wie z.B. bashraf farahfaza, bashraf saba oder bashraf sammai. Zusätzlich kann auch der Name des Komponisten der Bezeichnung angehängt werden. [6] Vor Eintritt des teslim wird eine Form von Halbkadenz, die man yarim karar oder nim karar nennt eingeschoben.
  • Ein bashraf basiert üblicherweise auf einer motivartigen musikalischen Kerngestalt, die im Verlauf des Stückes melodisch variiert wird. Ein khanan wiederum gliedert sich meist wieder in keinere, zwei bis dreitaktige Untereinheiten, die oft durch Pausen voneinander abgegrenzt sind.
  • Der Rhythmus ist konstant gehalten und meist eher im langsamen Tempobereich. Es sind verschiedene ryhthmische Gliederungen üblich, wie z.B. Dawr al kabir (28/4), Shanbar (24/4), Al-Fakhitah (20/4) oder Mukhammas (16/4). [7]
  • Ein bashraf wird oft von einem Ensemble (z.B. bestehend aus Oud, qanun (Zither), ney (Flöte), riqq (Tambourine) und kaman (Violine)) vorgetragen. Meist wird die Melodie gemeinsam gespielt. Es können aber auch Soli einzelner Instrumente enthalten sein. Einige türkische basharif sind auch in Form von Frage und Antwort (Call and Response) gestaltet.
  • In Ägypten und der Levante entwickelte sich der bashraf zu einer weniger festgelegten und freierern, d.h. improvisierteren Form, die auch einen musikalischen Dialog der einzelnen Instrumente beinhaltet. [8]
  • Bekannte Komponisten von basharif bzw. peşrev waren u.a. Tanburi Büyük Osman Bey, Tanburi Cemil Bey, Gazi Giray Han, Dimitrie Cantemir oder Dilhayat Kalfa.
  • Juden im Nahen Osten haben die Form des peşrev auch mit hebräischen Texten verwandt. So wurde z.B. von Aharon Hamon der peşrev semai mit dem Gedicht Avo el mizbeah elohim simhat gili textiert. [9]

2 Links und Quellen[Bearbeiten]

Anfang des bashraf farahfaza (anhören auf Youtube)

2.1 Siehe auch[Bearbeiten]

2.2 Weblinks[Bearbeiten]

2.2.1 Bilder / Fotos[Bearbeiten]

2.2.2 Videos[Bearbeiten]

2.3 Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Elsner: A Turkish Contribution to Algerian Music Culture - The Bashraf; in Jürgen Elsner, Gisa Jähnichen und Jasmina Talam: Maqām - Historical Traces and Present Practice in Southern European Music, Cambrige Scholars Publishing, 2014, Seite 146 bis 171
  • Angelika Sieglin: Untersuchungen zur Kompositionstechnik in den Pesrev des Tanburi Cemil Bey, Band V der Beiträge zur Ethnomusikologie, Verlag der Musikalienhandlung K. D. Wagner, 1975
  • Frédéric Lagrange: Al-Tarab - Die Musik Ägyptens (aus dem Französischen übersetzt von Maximilien Vogel), Palmyra Verlag, 2010, Seite 78 bis 80
  • Booklet von Walter Feldman zur CD Lalezar - Music of the Sultans, Sufis & Seraglio, Traditional Crossroads CD-4301, New York, 2000
  • Booklet von Bernard Moussali (übersetzt von Bernd Zimmermann) zur CD Hamza Shakkûrr & Ensemble Al-Kindî - Takasim & Sufi Chants from Damaskus, Network Medien GmbH, Frankfurt a. M., 1994

2.4 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Elsner: A Turkish Contribution to Algerian Music Culture - The Bashraf; in Jürgen Elsner, Gisa Jähnichen und Jasmina Talam: Maqām - Historical Traces and Present Practice in Southern European Music, Cambrige Scholars Publishing, 2014, Seite 147
  2. Booklet von Walter Feldman zur CD Lalezar - Music of the Sultans, Sufis & Seraglio, Traditional Crossroads CD-4301, New York, 2000, S. 22 und 24
  3. Walter Feldman: Structure and Evolution of the Mevlevî Ayîn - The Case of the Third Selâm; in Anders Hammarlund, Tord Olsson und Elisabeth Özdalga (Hrsg.): Sufism, Music and Society in Turkey and the Middle East, Swedish Research Institute in Istanbul, 2005, S. 42 - 57
  4. Eintrag zu bashraf in David Horn und John Shepherd: Bloomsbury Encyclopedia of Popular Music of the World, Band X: Genres - Africa and the Middle East, Bloomsbury Academic, 2015
  5. A. J. Racy: Making Music in the Arab World - The Culture and Artistry of Tarab, Cambridge University Press, 2003, S. 102
  6. Eintrag zu bashraf in David Horn und John Shepherd: Bloomsbury Encyclopedia of Popular Music of the World, Band X: Genres - Africa and the Middle East, Bloomsbury Academic, 2015
  7. www.maqamworld.com
  8. www.sharjahart.org
  9. Edwin Seroussi: From the Court and Tarikat of the Synagogue - Ottoman Art Music and Hebrew Sacred Songs; in Anders Hammarlund, Tord Olsson und Elisabeth Ozdalga: Sufism, Music and Society in Turkey and the Middle East, Curzon Press, 2005, S. 77 und 78

3 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Bashraf) vermutlich nicht.