Märchen

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Rotkäppchen, Darstellung des schwedischen Malers Carl Larsson
Regentrude-Brunnen in Norderstedt

Märchen (Verkleinerungsform von Mär[e]) bedeutet kleine Geschichte, Geschichtchen. Charakteristisch ist oft das Auftreten von sprechenden Tieren, sowie von Riesen und Zauberern. Auch Sonne, Mond oder Wind können direkt in die Handlung eingreifen. Während es bei Sagen und Legenden meist einen historischen Kern gibt, haben Märchen eine andere Bedeutung.

1 Definition[Bearbeiten]

Volksmärchen sind örtlich und zeitlich meist unbestimmt. Da sie ursprünglich ein Teil der mündlichen Überlieferung waren, sind ihre tatsächlichen Urheber unbekannt. Diese Märchen wenden sich an ein allgemeines Publikum oder an Kinder. Ein Beispiel ist die Sammlung der Gebrüder Grimm (Schneewittchen, Rotkäppchen, Bremer Stadtmusikanten, Schneeweißchen und Rosenrot). Kunstmärchen sind dagegen neue Erfindungen von Schriftstellern und haben die Volksmärchen als Vorbild. Beispiele sind Die kleine Seejungfrau von Hans Christian Andersen oder Die Regentrude von Theodor Storm.

2 Wortherkunft[Bearbeiten]

Das veraltete Wort Mär[e] (mhd.: mære, ahd.: mari[1]) bedeutet Nachricht, Kunde oder Erzählung. Es ist aus dem Tätigkeitswort mæren, bzw. maren gebildet. Dieses wiederum geht auf ein verschwundenes gemeingermanisches Eigenschaftswort für groß, bedeutend, berühmt zurück. Dieses Eigenschaftswort ist als Bestandteil der Namen Dietmar und Volkmar erhalten. Die mitteldeutsche Verkleinerungsform Märchen ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt und verdrängte das oberdeutsche Märlein.[2]

3 Heutige Umgangssprache[Bearbeiten]

Die Verwendung in der heutigen Umgangssprache ist zwiespältig: Ähnlich wie Legende erfuhr Märchen eine Bedeutungsverschlechterung zu „unbewiesene Behauptung, irreführendes Gerücht“, wie in dem Begriff „Ammenmärchen“ deutlich wird. Andererseits ist auch im positiven Sinne von einer „Märchenhochzeit“ die Rede. Wenn die kühnsten Hoffnungen übertroffen werden, gilt die Redewendung „Ein Märchen wird wahr.“

4 Bedeutung[Bearbeiten]

Mit der Bedeutung von Märchen befasst sich die Märchenforschung. Diese geht teilweise davon aus, dass die Märchen auf alte Mythen zurückgehen und im Laufe der Zeit durch verschiedene kulturelle Einflüsse verändert werden. Oft sind die ursprünglichen Mythen nur schwer zu entschlüsseln. Es gibt ähnlich wie bei den Sagen auch bei den Märchen bestimmte Mythen, die sich in vielen Kulturen wiederfinden. Insofern nehmen die Märchen zwischen den Sagen und Legenden eine mittlere Stellung ein, wobei allerdings kaum historische Bezüge nachweisbar sind. Das Märchen von der Entstehung des Namens Rübezahl spielt zum Beispiel auf die Vergänglichkeit der Jugend und das Problem des Alters an.

5 Siehe auch[Bearbeiten]

6 Märchen im Volltext (Weblinks)[Bearbeiten]

7 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. mhd. = mittelhochdeutsch, ahd. = althochdeutsch
  2. Duden. Das Herkunftswörterbuch, Band 7 Mannheim 2001 S. 508 ISBN 3-411-04073-4

8 Andere Lexika[Bearbeiten]