De facto Stadtteil

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Ein de facto Stadtteil ist ein städtisches Siedlungsgebiet, das räumliche oder infrastrukturell mit einer Kernstadt verbunden ist, jedoch als selbstständige Kommune verwaltet wird. Ob es zur Entstehung von de facto Stadtteilen kommt, hängt von der jeweiligen "Eingemeindungspolitik" ab. So wurde etwa im deutschen Bundesland "Baden-Württemberg" äußerst großzügig eingemeindet, während im benachbarten Land Hessen dies politisch nicht durchsetzbar war. Probleme machen de facto Stadtteile im Bereich der Statistik, weil die zugrundeliegenden Stadtgrößen nicht von einheitlichen Maßstäben abgeleitet werden.[1]

Das administrativ zerstückelte Stadtgebiet von Frankfurt am Main mit zahlreichen de facto Stadtteilen
Das administrativ zerstückelte Stadtgebiet von Los Angeles mit seinen de facto Stadtteilen

1 Beispiele[Bearbeiten]

  • Los Angeles: Besonders viele de facto Stadtteile finden sich u.a. im US-Bundesstaat Kalifornien, wo die Megametropole Los Angeles ein Flickenteppich dutzender selbständiger Gemeinden ist, deren Stadtgrenzen teilweise über Hauptverkehrsstraßen verlaufen. Sämtliche Einwohnerangaben über Los Angeles sind damit nichtig und irreführend, da rund 85% des realen Stadtgebietes darin nicht berücksichtigt werden. Eine der größten Städte der Welt mit einer Ausdehnung von fast 100km hat dadurch offiziell nur ca. 3 Millionen Einwohner. Die Realität liegt um ein Vielfaches höher.
  • Brüssel: Die belgische Hauptstadt und Millionenmetropole existiert als solche amtlich gar nicht, weil jeder Stadtteil Brüssels eine eigene Stadt ist. Dies führt zu der absurden Situation, dass Brüssel offiziell unter 200.000 Einwohner zählt. Doch damit ist der Stadtteil Brüssel-Kernstadt gemeint. In der Realität liegt die Einwohnerzahl deutlich im Millionenbereich.
  • Frankfurt am Main vs. Stuttgart: So hat die großzügig eingemeindete Baden-Württembergische Hauptstadt Stuttgart rund 700.000 Einwohner, die Stadt Frankfurt am Main auf dem Papier ebenfalls. Wären Frankfurts de facto Stadtteile jedoch nach Baden-Württembergischen Maßgaben eingemeindet worden, hätte Frankfurt am Main heute weit über 2 Millionen Einwohner in einem zusammenhängenden urbanen Siedlungsraum. Obwohl also Frankfurt am Main drei mal größer ist als Stuttgart, erscheinen auf dem statistischen Papier beide Städte gleich groß. Um dies zu nivellieren, hat die EU mittels Eurostat einheitliche Maßgaben vorgegeben, welche diese Fehler verhindern sollen. In Deutschland hat sich die Eurostat-Norm bisher allerdings kaum durchgesetzt.[2]

2 Abgrenzung zum Vorort[Bearbeiten]

Während de facto Stadtteile ein einheitliches oder infrastrukturell mit der Kernstadt verwobenes Siedlungsgebiet bilden, sind Vororte räumlich deutlicher getrennt vom Siedlungsgebiet der Kernstadt und deutlich weniger mit dieser verknüpft. Die Übergänge vom Vorort zum de facto Stadtteil können im Einzelfall verschwimmen.

3 Quellen[Bearbeiten]

  1. European Union. Eurostat. Larger Urban Zones
  2. Offizielle Zahlen der Stadt Frankfurt und der Stadtregion Frankfurt Rhein-Main