Sophie Dethleffs

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Profil.png Profil: Sophie Dethleffs
Namen Sophie Auguste Dethleffs (Name nach Kirchenbuch)
Beruf Heimatdichterin
Persönliche Daten
10.02.1809
Heide/ Dithmarschen jetzt: Heide (Holstein)
13.03.1864
Hamburg, Schröderstift


Sophie Dethleffs ist als jüngste Tochter des Branddirektors Dethleffs am 10. Februrar 1809 geboren worden. Ihre Mutter verstarb bei der Geburt. Der Vater lebte, mit spärlichem Einkommen, mit seinen vier Kindern und einer Haushälterin zunächst im heutigen "Alten Pastorat von 1739". Aufgrund unregelmäßiger Abrechnungen wurde er entlassen und lebte bis Anfang der 1840er Jahre bei seinem ältesten Sohn, einem Kirchspielsarzt im Norderdithmarischen Delve.[1]

Sophie selbst fand Aufnahme bei einer befreundeten Familie. Sie erweiterte ihr bis dahin nur sehr begrenztes Wissen hauptsächlich durch Lesen in der Hausbibliothek ihrer Gastfamilie. Sie begann Gedichte zu schreiben, welche sie bei Familienfeiern vortrug. Hierdurch wurde sie sehr beliebt. Ein Künstler, der Improvisator Bärmann wurde auf Sophies dichterisches Können aufmerksam und förderte sie, imdem er ihr Mut machte, dass Gedicht "Fahrt an de Isenbahn" zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung des Gedichts, es traf zeitlich beinahe mit der Einweihung der ersten Eisenbahnstrecke in Holstein (Strecke Kiel - Altona) zusammen, machte großes Aufsehen. Nun wurde Sophie Dethleffs allgemein bekannt. Sie musste nun eine Sammlung ihrer hoch- und plattdeutschen Gedichte veröffentlichen. Die erste Auflage war jedoch nur ihren Freunden und Bekannten zugedacht.[1]

Im Laufe der Zeit verfasste sie immer wieder neue Gedichte, aber auch einige Theaterstücke. Fachhistoriker sind sich einig, dass Klaus Groth, er gab später ebenfalls ihre Gedichte heraus, durch Sophie Dethleffs zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit inspriert wurde. 1853 zog sie nach Hamburg in das Schröderstift für "Hilfebedürftige aus besseren Ständen". Dort verstarb sie am 13. März 1864 im Alter von 55 Jahren.[2]

1 Wissenswertes am Rande[Bearbeiten]

1.1 Originalmanuskript und Foto der Dichterin[3][Bearbeiten]

Mit dem Vermerk "Originalmanuskript der Sophie Dethleffs - Geschenk von Herrn Dethleffs in Namslau, August 1896." befindet sich in der "Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin" eine Akte, in der das Manuskript des Gedichts "Fahrt na de Isenbahn" befindet.

Ebenfalls ist in der Bibliothek eine alte Photographie Sophie Dethleffs vorhanden. Nachträglich wurde diese in ein von Klaus Groth herausgegebener Gedichtband eingeklebt.

1.2 Im Frühjahr 2011: Ehrung für Sophie Dethleffs[4][Bearbeiten]

Die Erinnerungstafel an Sophie Dethleffs am "Alten Pastorat" in Heide/Schleswig-Holstein (Kreis Dithmarschen).

Zum 202 Geburtstag von Sophie Dethleffs enthüllte der Heider Bürgermeister Ulf Stecher am Geburtshaus Sophie's einer Erinnerungsplakette. Sie befindet sich an ihrem Geburtshaus, dem "Alten Pastorat von 1739".

„In diesem Haus wurde
am 10. Februar 1809
die Dichterin Sophie Dethleffs geboren.

Sie schrieb in hoch- und plattdeutsch
und wies damit Klaus Groth,
den Weg für seine Arbeiten.

Sie verstarb verarmt und nahezu vergessen
am 13. März 1864 in Hamburg.“


Erinnerungstafel am "Alten Pastorat von 1739" in Heide (Holstein)

2 Gedichte von Sophie Dethleffs[Bearbeiten]

2.1 Habe den Nächsten lieb.[Bearbeiten]

„Habe den Nächsten lieb.

Das Leben ist so arm an schönen Stunden,
Wenn man sich selber, seinem Ich nur lebt;
Doch, wer sein Glück in Andrer Glück gefunden,
Hat einen Reichthum, der ihm nie entschwebt;
Und bei dem eignen Leid in seiner Brust
Doch einen Quell des Trostes und der Lust.

Ach! es bedarf ja keiner reichen Habe,
Um Andern Vieles auf der Welt zu sein;
Es hat die Liebe immer eine Gabe,
Sie kann ja mit den Fröhlichen sich freun;
Sie hat ja Thränen, Mitgefühl im Leid,
Und immer hat sie einen Trost bereit.

Ja, Raum für Alle hat das Herz im Leben,
Und ist für Wenige noch oft zu eng.
Bei so viel Reichthum doch so karg im Geben,
Und mit der Selbstsucht ewig im Gedräng'.
O Mensch! wie bist du unaussprechlich arm,
Schlägt nicht dein Herz für Andre treu und warm.“

Sophie Dethleffs:
"Gedichte
von
Sophie Dethleffs.

Dritte vermehrte Auflage

Hamburg,
Verlag von Robert Kittler
1857.
"; ebd: S. 5

2.2 De Fahrt na de Isenbahn.[Bearbeiten]

„De Fahrt na de Isenbahn.


Hans har sien Fru dat all lang verspraken:
Se wullen tohopen[5] mal'n Lusttour maken,
Wenn dat Wedder ins moje[6] wer
Un nicks to dohn för de Wagen un Peer.
Denn wo ehr Fründschap, wo Clas-Ohm wahn,
Da gung jüs vöröber de Isenbahn.
Da weer all lang so vehl Snackens um wähn[7] ,
Nu wull'ne se doch sülvst den Spektakel mal sehn.

En Sünnabend Abend, dat Wedder weer schön,
Se seeten vör Dör up de Banken von Steen;
Dat suure[8] Wark för den Dag weer dahn,
De Sün all unner an'n Häven gahn.
De Magd har de Kalver noch börnt[9] in'n Stall,
De jüngsten dre Kinner de sleepen all.
- Lütj' Peter un Hänschen un Anna Margreeth -
Blot Stina noch mit vör de Huusdör seet.
Martin, de Knecht, lähn öber de Dör
Un nehm recht extra sien Brösel[10] vör;
He har mit dat Dampen sien egen Tier[11],
Da waag ok keen Mügg sik in sien Revier.
Denn wenn ok mit Ahland[12] all rökert weer,
Verslog doch Martin sien Fusel noch mehr;
Blot in de Feern hör de Müggen man summen,
Un de Flegen un Immen brummen.
De ohle Kat snurr um Hans sien Foot,
Un Stina har Dine noch op'n Schoot:
De dröhm, un schoot in Dutten[13] un stöhn,
He weer mit Martin op't Foder wähn,
Denn leep vör de Peer he ut, bell un sprung,
Dat em de Tung ut'n Hals herut hung. -

So seeten se denn nu tohopen vör Dör,
Und snaken so'n betjen von Em un von Er,
Dat weer ok'n Abend, dat is gewiß,
As he in'n Juni nich schöner is.
Dwer öber'n Weg, von de meihte Wisch[14],
Da rok et so krüderig un so frisch,
De Poggen de quarken, dat weer'n Pleseer,
As ohle Wiwer op'n Kindelbeer;

Un ünner de Linden, da günt[15] in de Reeg,
Wo linglangs de Balken von't Buholt leeg,
Da seet ok dat Junk-Volk tohopen un sung,
Dat et recht moje dat Dörp entlangs klung.
Meister Voß, de bruh ok in de Feern,
Un lustig funkel de Abendsteern.
Un achter de Büsch da, dat helle Licht,
Dat weer de Maand mit sien scheef Gesicht.
De lütje Vagel, de Nachtigall,
De slog in'n Appelbohm achter'n Stall,
Doch da geev Hans-Ohm nu gar nicks op,
He säh, he kunn't nich verdrägen in'n Kopp:
"Na, Schrieghals, büst du denn endlich still?
Hör, Antje, wat ick Di vörslagen will!"

"De Wag is erst anmalt, de Peer de hebt Tied,
De Weg hen na Clas-Ohm is ok jüs nich wiet,
Un drügt mi de Pogg nich, un't Abendroth,
So glöv' ick, dat Wedder ward morgen good.
Persepter sien Wedderglas, seggt he, is steg'n,
So dünkt mi, da weer wul nicks wieter in'n Weg'n.
Maak denn Di mit unse veer Kinner bereit,
Wenn't morgen to Hauptpredigt klingeln deit! -"

"Man los denn, säh Antje, mi paßt dat nich slecht,
Un wenn Du mi Bott stührst[16], so bin ick torecht!"
Aber de Mannslüdt verstaht dat nich so,
Se meent, dat is Alles so flödig[17] man to!
Antje schull sorgen för'n Sündagsstaat,
Un kriegen dat Kasseltüg[18] noch ut de Laad. -
As Allens torecht legt weer sauber un nett,
Da gung unse Antje ok endlich to Bett.
De ohle Marx-Wächter har dremal all tuut,
In't Dörp herum röhr sik keen eenzigen Luut,
Un ringsum weer Allens so moje[19] un still,
As wenn sik uns Herrgott mal utruhen will.

Den annern Morgen, as knapp de Sünn
Noch siet in'n Osten an'n Häven stün,
Un mit ehr näswisen Strahlen in'n Draff[20]
Den fuhlen Nebel von't Feld jag heraf:
Da träd all Martin herut ut de Dör,
Un drog op de Schullern dat Peergeschirr.
He sung recht kräftig, mit fröhlichem Sinn,
En lustiges Leed in den Morgen henin.
De lütje Lark[21], de op't Saatfeld seet,
De triller, as Martin, ehr fröhliches Leed
Un flatter so hoch in den Himmel hinop,
Dat Martin wor dus'lig dabi in'n Kopp.
Wo funkelt de Dau op de Spitzen von't Gras
In alle Farben so bunt, as von Glas,
Wo lach un läw doch dat frische Feld:
Wo weer se so prächtig, uns Herrgot sien Welt!

To Huus, in'n Höhnerkahm wor et ok luut,
De Höhner de recken de Flünken uut,
Un pratjen un kakeln un maken'n Geschrei,
Un twischen de Huushahn gewaltig frei;
Doch weer sien Stimm so heesch[22] un knarr,
As wenn Persepter den Snuppen har.
Un ünner dat Dack, dat weer nüdlich to hör'n,
Da seeten de Vageln to quinkeleern,
Dat weer en singen un Flegen un Flütten
Un en Hildigkeit unner de Lütten,
As harren se güstern dat gar nich sik dacht,
Dat ok noch för Morgens de Sünn wedder lacht.
Lischen Allerlei[23] vör op't Spit,
De wer der ümmer de erste mit;
Hardbar[24] Langbeen, baben op't Dack,
De heel sien Piepen wul ok nich in'n Sack,
He seeg heraf op dat Vagelgelag
Un klapper gewaltig henin in den Dag;
Do puust he sik op, stünn op't eene Been,
As weer dar recht wat an em to sehn,
Trock den Kop in de Bost[25] henin
Un dünk sik recht wichtig in sinen Sinn.
Mutjekat sleek sik öber de Straat
Un gung so patentlich, as op'n Draht,
Se schüddel de Poten, as weeren se natt,
Un mak en Anstalt, de ohle Katt;
Doch meen ick, se trock gau de Hacken[26],
As Nahbers Pudel keem ehr to packen.
Se mak en Puckel, ehn schudert de Hut,
Un pruß den Pudel liek in de Snut.
De arme Pudel verfehr sik gans,
He spiil de Ohren un dreih den Swans.
Nöös[27] jalp he un mall[28] he mit Dine in 't Gras,
De beiden de harren ehr'n egenen Spaß.

In't Dörp von'n Klocktohrn, da slog et veer,
Do keemen de Kinner ok in de Röhr[29].
De Sünn spehl all Bukiek in't Finster so hell,
Un Stina, de ohle Fitenvertell[30],
De snack nu ehr Süstern dat Ganze vör,

Wat güstern Abend beslaten weer.
Da weer en Frohlocken un Jubeleren,
Dat kan man sik vörstellen unner de Gören;
Nu weer dar keen Helpen un Holen mehr;
Ok Martin keem all heran mit de Peer,
So blank gestriegelt un flink op de Been;
Un denn de Wagen, von buten grön,
Von binnen de Stöhl von Zinnober roth
Un de Küssens so pulstrig un grot.
Hans-Ohm un Antje in vollen Staat
De keemen tohopen all öber de Straat,
De Utfahrt de schull nich dat Karkengahn stöhren,
Se wollen tovör erst de Fröhpredigt hören.

Hans har en Rock an von Egenreet[31],
De'n betjen hoch op de Schullern seet,
De Mauen[32] mit Krüsen na ohler Tied,
Doch in de Knäp[33] weer he'n betjen wiet.
He drog en Buksrundje[34] von roth un witt,
Denn unnerwegs weer de Rock em to hitt.
De West wer von Dreetritt[35], und Fiefkant[36] de Bücks;
Un kort - unse Hans-Ohm weer bannig[37] in Wix.
En lüt betjen breetköpsch un ruug weer de Hoot,
Doch wer kennt ümmer de niee Mood? -
Un Antje-Medder dat mut ick gestahn,
As weer se jüs ut de Bilaad nahm'n:
Rein so dräplich[38] un snöckern[39] un drall,
Un wat har de linn-wullen Rock för'n Fall!
De eene Foolt[40] as de anner geplett
Un nerden de Sohm noch mit Sammet besett.
Un blaue Strümp, un mit Snallen de Schoh,
Un en swarten tamisnen Platen dato;
En Jack mit sülwerne Knöp so blank,
Un in de Knäp[41] da weer se so schlank.
De lütje Mütz weer von golden Band,
De bläuliche Snipp har en Spitzenrand;
Un op'n Wagen da drog se'n Hoot
Von swarten Taft und gewaltig groot.
Ok de Kinner, von Höken to Fööt[42],
Alle gekleedet in Egenreet.
Stina weer Moder gans op un dahl,
De hehle Optog mit er egal. -
Lüt Petjen full ideromlütjet[43] um,
Drum drog he en Fallhoot, dat weer nich dumm,
De kled em recht dösig, den lütjen Quidips, -
So weeren se Alle nu fertig un fix,
Un klattern to Wagen, so Lütjet as Groot,
Un Antje nehm Petjen noch op'n Schoot.

Un as se nu langsam dat Dörp langs fohr'n,
Da klung justement et von'n Karkenthorn.
Herr Paster gar stattlich in sienen Ornat
Gung jüs in't Gott'shuus öber de Straat,
He nickkop gans blied[44], blev en Ogenblick stahn,
Un säh: "Gude Reis na de Isenbahn!"
Hans-Ohm de schmunzel und däh sik dick
Un schwenk sien Hoot, dat et Art har un Schick;
Hänschen as Vader ganz ebenso,
Un Alle nicken Herr Paster to.
Do keem Persepter in'n fierlichen Schritt,
Un alle Jungens op't Sleptau mit;
Uns Hänschen dach, glücklich in sienen Sinn:
Gott Lov, dat ick op'n Wagen bin!
So fohr'n se denn henin in de Welt,
In't schöne, gröne, blöhende Feld,
Un wat an de Landstraat se rings herum seegen,
Dat mak se tohopen en bannig Vergnögen.
Hans sprok vehl öber't Land mit de Fru,
Un wenn dar en Koh keem, säh Petjen: "buh!"
Un wenn dar en Schaap keem, so reep he: "bäh!"
Dat wer noch allens, wat Petjen säh.

Se fohren grad'swegs bi Clas-Ohm vör,
Un Telsche-Medder[45] stun jüs vör de Dör;
Se har all to Vader seggt: "Weest, wat mi swahnt?
Ick glöv bald, dat Hans-Ohm un Antje-Me'er kaamt!"
"Sieh!" reept se, "da sind jüm, na dat is ja schön,
Wi hebt ok all lange Tied ut na jüm sehn,
Un ok noch de Jungens, dat schall mi freun,
Wi hebt ok in'n Appelhof rahre Bein[46],
Da könnt se von plücken, so vehl as se mögt!"
Wedder, wat hebt do de Gören sik högt[47], -
Sünnerlich Hänschen, de lütje Schalk,
De sprung as'n Tüt[48] von de Ledderbalk,
Dat Moder noch bös wor, un to em säh:
"Hänschen, sitt ruhig doch up din Stäh[49]!"
Aber de hör ehr all lang nich mehr,
He jag all achter de Ahnten her,
De wackeln un schwenken de Fööt so wiet,
Ick glöv, de weren nich för de Visit.

"Kaamt neger!" säh Telsche, "legt af jüm Krahm,
Vör Namiddag geit't na de Isenbahn!
Hör, Anna! de Kätel[50] gau[51] över den Haken,
Nu wüllt wi uns erst 'n Taß Kaffee kaken,
De blankste Kann nimm van't Theetresor,
Hurtig, min Kind, mak din Saken in Flor!
De Schinken de kaakt all en rümige Tied,
Gliek krigt he en bunten Mehlbüdel[52] tor Sied!"
Dat duur ok man'n betjen, un munter un frisch
Seeten se All um'n Kaffeedisch.
Telsche ageer mit de blanke Kann
Un Alle schoven ehr Tassen heran,
Jedweder drunk söben, för't Kragen[53] twe,
Un een öber'n Hupen[54] , dat maken dre.
"Ich bin nich för't Drinken," säh Hans un stülp um,
Tein Tassen Kaffee, mi dünkt doch, dat gung! -
Na'n Kaffee besegen de Manslüd de Farken,
Un Hans-Ohm leet et sik gar nich marken,
Dat Clas sien mehr noch bald weeren as sien,
Un he har doch ok en paar düchtige Swien.
De Fruen de seeten vör Dör op de Bank,
Un streben[55] ok insmal den Kruthof[56] entlang,
Un Antje kreeg Latjens[57] noch nebenbi
Von Rosen, Lavendel un Krusefie[58].

Un as se do endlich bi'n Mehlbüdel seeten,
Un düchtig den Schinken sik smecken leeten,
Un tovör noch gebedet: "Herr Christ,
Segne was heut uns bescheeret ist!"
Do keem se dat vör, as wenn buten wat klopp,
Un Telsche pann[59] ins dat Slagfinster op:
Süh, da stun Dine un schwenzeleer,
Un dreih as en Ohrworm sik hen un heer:
De Ohren de legen em glatt an'n Kop,
Un ümmer bell he na't Finster henop.
Se leeten em in, wat weer he fideel,
As siene Sippschaft jüs Mahltied heel.
He schlick se de Hannen, un schwenzel un dans,
Un snapp in'n Krink na sien egen Swans.
Do steek he den Kopp in't Drinkennapp,
Un kehr sik an nicks mehr, un slapp un slapp.
Dat weer doch mal tru van den ohlen Hund,
He har ja däger[60] to Huus blieben kunt;
Se har em ok anbun'n in'n Pesel[61] , de Maid,
Doch richtig weer he er utgeneiht[62].

As se den Mehlbüdel to Lief gesla'n,
Da gung et denn los na den Isenbahn.
Antje un Telsche, un Clas-Ohm un Hans,
Un Hänschen un Stina de bilden den Swans,
Denn Anna Margreth blev bi Petjen torüg,
Dat weer so'n bastigen[63] Jung mit Geschrig.
Un as se weggung'n, dat lütje Seel,
Do sleep he en betjen to Uennermeel[64].
Hans mit'n meerschum'nen Pipenkop,
Da weer he immer so groothartig op,
Dat weer noch von Antje-Medder'n Verehr'n,
Tofören as Frier un Brut se noch weer'n;
Da bummeln twe Quasten an hen un her,
Von sülwern Beschlag weer de Kopp rein schwer.
Clas har sien Regenschirm ünner'n Arm,
Denn dat Wedder weer brüttig warm,
Un an' Häven in allen Ecken
Schien en Bullerwe'er[65] optotrecken.

Hans har sien Fru dat all lang verspraken:
Se wullen tohopen[66] mal'n Lusttour maken,
Wenn dat Wedder ins moje[67] wer
Un nicks to dohn för de Wagen un Peer.
Denn wo ehr Fründschap, wo Clas-Ohm wahn,
Da gung jüs vöröber de Isenbahn.
Da weer all lang so vehl Snackens um wähn[68] ,
Nu wull'ne se doch sülvst den Spektakel mal sehn.
Nu beseegen se Stück vör Stück,
De Schienen un ok den Bahnhof sik;
Da stünnen se jüstement so vör,
As de Koh vör de golden Dör. -
Op eenmal pip't dörch de Luft, und schrill, -
Uns' Antje stun rein de Athen still.
Doch kuum weer dat grusige Pipen vörbi,
Do keem dar, hest du, so sühst du mi,
En swartfarig Ungethüm angesuust,
So dat em de Damp ut de Nüstern bruust,
Un suk suk, suk suk, achter em an,
Da renn en endlos Wagengespann;
Allheel sünner Kutscher, un sünner Peer,
Leepen se achter dat Ungethüm her.
De Kutscher stun frielich wohl vör op't Spit,
Doch aber keen Leit un keen Pietsch har he mit;
Un wat dat leidigste noch dabi weer:
Dat de Wagen doch richtig spöör.

Op eenmal staat se'n betjen still,
As wenn sik de Swarte verpusten will,
Un antosehn as'n Miehremenhupen[69],
Keem et herut ut de Dören krupen,
Groote un Lütje, un Dicke un Dünn’,
Klattert se ut, un klattert se in,
Un twischenin is en Rönnen un Jagen,
Wur der mit Bündels un Kuffers dragen,
Un de Damen, so smuck as'n Brut,
Kickt mit de Köpp ut de Finstern herut.
Do keem dar'n Kerl mit'n Bart an de Reeg,
Klatter von Wagen to Wagen, un schreeg:
"Fünf Minuten!" - wat dat bedü
Weet de Düwel, ick weet et ni!
Op eenmal weer dar wedder'n Gerönn,
Se leepen, as wenn de Kopp se brenn,
Een, twe, dre - as'n Sneierluus[70],
Trocken de Damen de Köpp to Huus.
Pu, wo dat Ungethüm wedder dampt!
De ganze Wagenreeg swinkt un swankt,
Un eh sik Hans-Ohm noch recht besunn,
Do suust de Swarte all wedder davon.
Antje-Medder wur swiemlig to mood,
Se sä: "Ick beswög[71] hier, dat is mien Dod!"
Hans-Ohm wuß sülvst nich recht, wo he weer,
De meerschum Pipenkopp leeg an de Eer.
"Hahl doch de Kukuk den ganzen Krahm!
Bewahr mi Gott vör de Isenbahn!
Ne, da lööf[72] ick mien beiden Peer,
Dat hiere, dat geit mi nich richtig her!"

Hans weer in sien Leben nich so fideel,
As do he wedder den Tögel heel,
Da de Brunen davon mit em flogen,
Un mit de Swäns na de Flegen slogen.
Dat gung doch mit richtigen Dingen to,
Un Antje as Hans-Ohm dach eben so.
Da wur noch Väles vertellt un snackt, -
De Gören harren den Lief so vull packt,
Un weeren so unquier[73], se wussen knapp,
Wohen se schull'n mit ehr Flegenschapp.
Se dachen sik, Petjen wor balstürig[74] sien,
Un nicks ünnerwegs doon, as bölken und schrien,
Aber se har'n em in Unkün'n verschläten[75],
He har so geruhig bi Moder säten.
Erst weer he an't Snacken, un nöös[76] sleep he in,
Und endlich fohr'n se in't Dörp henin.

Martin un Wiebke de seeten vör Dör,
Un Martin har slaapen, da stah ick jüm för;
De Mutz de seet em op't eene Ohr,
Un vör de Ogen weer't em as Flor;
Doch as he man erst op'n Brunen seet,
Do fleut he sick wedder en lustiges Leed,
Un as he retour van de Koppel keem,
Do leeg all Allens in Slaap un dröhm.
De ohle Wächter tuut, roth in't Gesicht:
"Ein Jeder bewahre sein Feuer und Licht:
Behüt' uns Gott, der Herr,
Und ihm sei Preis und Ehr'!"

Sophie Dethleffs:
"Gedichte
von
Sophie Dethleffs.

Dritte vermehrte Auflage

Hamburg,
Verlag von Robert Kittler
1857.
"; ebd: S. 177

3 Bibliographie[Bearbeiten]

  • Gedichte. Heide: Pauly 1850
  • De Fahrt na de Isenbahn, Artur Fürst zu Ehren, Erasmusdruck Berlin, 1850 (1921 Neudruck)
  • Gedichte in hochdeutscher und plattdeutscher Mundart. 2 Bände. Leipzig: Kittler (versch. Auflagen, z.B.: 3. Aufl. 1857)

4 Einzelnachweise/ Fußnoten[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Klaus Groth: Sophie Dethleffs - "Allgemeine Deutsche Biographie", Bd. 5
  2. "Dithmarschen-Wiki: Dethleffs, Sophie"
  3. Ulrich Goerdten: Die Bibliothek des Plattdütsch Vereen Quickborn zu Berlin in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
  4. "Dithmarscher Landeszeitung"; Freitag, 11.02.2011; Heider Anzeiger, S. 8
  5. = zusammen
  6. = angenehm
  7. = gewesen
  8. = schwere
  9. = getränkt
  10. = kleine Pfeife
  11. = Benehmen
  12. (Kraut, durch dessen Verbrennen die Mücken vertrieben werden)
  13. (fuhr erschrocken zusammen)
  14. = gemähte Wiese
  15. = jenseits
  16. = Nachricht gibst
  17. = leicht
  18. (Sonntags- und Kirchenanzug)
  19. = angenehm
  20. = Trab
  21. = Lerche
  22. = heiser
  23. (eine Art Grasmücke)
  24. = Storch
  25. = Brust
  26. (nahm schnell Reißaus)
  27. = nachher
  28. (spielte er albern herum)
  29. (in Bewegung)
  30. = Wiedererzählerin
  31. (eigengemachtes Wollenzeug)
  32. = Ärmel
  33. = Taille
  34. (baumwollnes Oberhemd)
  35. (eigengemachtes Wollenzeug)
  36. (eigengemachtes Wollenzeug)
  37. = gewaltig
  38. (zierlich und ordentlich)
  39. = hübsch
  40. = Falte
  41. = Taille
  42. (von Kopf zu Fuß)
  43. (jeden Augenblick)
  44. = freundlich
  45. = Muhme
  46. (Stachel- und Johannisbeeren)
  47. = gefreut)
  48. = Regenpfeifer (ein Vogel)
  49. (= Platz)
  50. = kessel
  51. = schnell
  52. (Pudding mit Rosinen)
  53. (auf das Röthigen)
  54. (eine über die Zahl)
  55. = schreiten
  56. (Küchen- und Blumengarten)
  57. = Ableger
  58. = Salbei
  59. = öffnete
  60. (ebe so lieb)
  61. (Zimmer im Hinterhause)
  62. (davon gelaufen)
  63. (gewaltiger Junge)
  64. = Mittagsschalf
  65. = Gewitter
  66. = zusammen
  67. = angenehm
  68. = gewesen
  69. = Ameisenhaufen
  70. = Schnecke
  71. (werde ohnmächtig)
  72. = lobe
  73. (unbehaglich von zu vielem Essen)
  74. = unbändig
  75. (aus Unkunde falsch beurteilt)
  76. = nachher

5 Andere Lexika[Bearbeiten]