Sklavenhaltergesellschaft

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Sklavenhaltergesellschaft ist ein Begriff, den Karl Marx geprägt hat. Er bezeichnete damit die antiken Gesellschaften, die seiner Meinung nach ihren Reichtum auf der Grundlage von Sklaverei aufbauten. Mit diesem Begriff ergänzte Marx seine Theorie vom Klassenkampf. Im Mittelpunkt seiner Untersuchungen standen die Verhältnisse im 18. und 19. Jahrhundert, wie er sie angesichts der Industrialisierung wahrgenommen hat. Seiner Theorie nach sind Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus und Kapitalismus jeweils Ergebnisse von Klassenkämpfen und Revolutionen.

Aus heutiger Sicht war dies nur eine Hypothese oder eine philosophische Theorie, da es keine Belege für die von Marx beschriebenen Entwicklungen gibt. Es gab keine Revolution der Sklaven im Übergang der Antike zum europäischen Mittelalter. Es gab keine Klassenkämpfe, sondern Kriege zwischen Städten und Völkern, wobei die Besiegten oft versklavt wurden. So widersetzten sich beispielsweise die Einwohner von Milos zur Zeit des Peloponnesischen Krieges im 5. Jahrhundert v. Chr. dem mächtigen Athen und wurden daraufhin von den Athenern versklavt.[1][2] Xenophon formuliert grundlegend das Recht des Stärkeren:

„Denn es ist ein ewiges Gesetz in der ganzen Welt: wenn eine feindliche Stadt erobert wird, so ist die Person und die Habe der Einwohner Eigentum der Eroberer“

Xenophon: Kyrupädie, VII 5,73

Andererseits empfanden die freien Griechen die Existenz versklavter Griechen als Schande, und die Versklavung ganzer Städte blieb sehr umstritten. Einige Heerführer verweigerten sich dieser Praxis, so etwa die Spartiaten Agesilaos II.[3] und Kallikratidas.[4] Sie wurde auch gelegentlich durch Verträge zwischen den Städten verboten. So verpflichteten sich beispielsweise Milet und Knossos im 3. Jahrhundert v. Chr. gegenseitig dazu, die Bürger der jeweils anderen Stadt nicht zu versklaven.[5]

Dabei wird versucht, die marxistische Theorie mit Hilfe von Arnold J. Toynbee zu retten, der anhand des Römischen Reiches darlegte, dies habe sich in den umliegenden barbarischen Gesellschaften ein zum gleichen Kulturkreis gehöriges „äußeres Proletariat“ geschaffen, das in der Völkerwanderungszeit die Produktionsverhältnisse der Sklaven haltenden Spätantike umstürzte. Doch auch die Phänomene der Sklaverei in der Neuzeit nach der Entdeckung Amerikas werden damit nicht erklärt.

1 Vergleich zu Wikipedia



2 Einzelnachweise

  1. Thukydides; Der Peloponnesische Krieg.Melierdialog. / Übersetzung: Thukydides [v400], Georg Peter Landmann (Hrsg.): Der Peloponnesische Krieg (= Bibliothek der alten Welt; Historiae). Artemis & Winkler, Düsseldorf/ Zürich 2002, ISBN 3-7608-4103-1.
  2. Wolfgang Will: Der Untergang von Melos. (Machtpolitik im Urteil des Thukydides und einiger Zeitgenossen). Habelt, Bonn 2006, ISBN 3-7749-3441-X.
  3. Plutarch: Leben des Agesilaos 7, 6.
  4. Xenophon, Helleniká 1, 6, 14.
  5. Yvon Garlan: Les Esclaves en Grèce ancienne. La Découverte, Paris 1982, S. 57.

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