Libertarismus

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Libertarismus (von lateinisch libertas = "Freiheit", Adjektiv: "libertär") ist eine politische Richtung, aber auch eine Philosophie und Lebenshaltung, in welcher die individuelle Freiheit als wichtigster Wert gilt. Libertäre sind grundsätzlich skeptisch gegenüber jeder Form der gesellschaftlichen Herrschaft über das Individuum.

Freiheitlichkeit ist der Kern des Liberatismus.

1 Details[Bearbeiten]

Libertäre sehen die Grenzen der persönlichen Freiheit erst dort, wo Dritte durch die Freiheit des Einzelnen zu Schaden kommen. Oft wird das Adjektiv „libertär“ im Gegensatz zu „autoritär“ auch mit Bezug auf das politische Spektrum für eine freiheitliche Wertorientierung im gesellschaftlichen Bereich verwendet - unabhängig von der anderen ideologischen Hauptachse, die sich auf die wirtschaftspolitische Ausrichtung auf einer Skala „sozialistisch“ versus „marktliberal“ bezieht.

2 Hintergründe[Bearbeiten]

Im Libertarismus geht es vor allem darum, bis zu welchem Grad ein Staat jedem seiner Bürger Spielregeln setzen darf. Alle Libertären sind in einer Reihe von normativen Prinzipien einer Meinung, Unterschiede gibt es vor allem in Detailfragen. Robuste Eigentumsrechte und wirtschaftliche Freiheit sind stets zentral, woraus sich eine aus der freien Entwicklung getragene soziale Ordnung ergibt, die im Einklang mit ökonomischen Freiheitsrechten steht. Aktuelle Staatsaufgaben sollten so weit wie möglich ausgelagert und auf private Hände übertragen werden. Künstliche Aufsplittungen des Libertariamus in rechte und linke Strömungen gibt es in der Selbstdefinition von Gruppen oder Einzelpersonen, allerdings ist dies dann kein Libertarismus mehr, weil dieser immer nur der Freiheit verpflichtet ist.

3 Libertäres Menschenbild[Bearbeiten]

Der Libertarismus geht davon aus, dass Menschen befähigt und verpflichtet sind, die volle Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Das Abwälzen von Verantwortung auf ein Kollektiv (Gruppe, Gesellschaft) wird verneint. Der "idealtypische Libertäre" ist um Bildung bemüht, weitsichtig und extrem verantwortungsvoll, weil er ansonsten nicht in der Lage wäre, bei minimaler Autorität bzw. geringstmöglichen Einschränkungen von außen richtig zu handeln. Der Libertarismus akzeptiert daher nur ein Einschreiten von externen Autoritäten im Sinne der Beschneidung der Freiheit des Einzelnen, wenn sich dieser zum verantwortungsvollen Umgang mit seiner Freiheit als unfähig erweist und Dritte oder Projekte dadurch in konkrete Gefahr bringt, Stichwort "Nachtwächterautorität". Diese möglichst seltenen Eingriffe in die Freiheit des einzelnen Menschen dienen sodann auch nicht einer Konsensbildung wie im Fall des Liberalismus oder anderer Philosophien, sondern nur der Erhaltung der Freiheit der übrigen Menschen (Ablehnung von Konsens, Schutz vor Konsensdruck, Schutz der freien Entfaltung ohne Angst vor Sanktionen, Ablehnung von Ideologien oder allgemeingültigen Wahrheiten, Ablehnung von "Gesellschaft" als Konzept).

4 Libertarismus und PlusPedia[Bearbeiten]

Die Enzyklopädie PlusPedia versteht sich als libertäres und freiheitliches Projekt. Dies erklärt die extrem geringere Ratio von Artikelarbeit zu Diskussionen im Vergleich zum lexikonähnlichen Blog Wikipedia, Konzepte wie Doppelartikel zum gleichen Thema und eine zurückhaltende aber straffe Moderation.

5 Bekannte Libertäre[Bearbeiten]

Obwohl der Libertarismus allgemein viel weniger bekannt ist als der Liberalismus, hat er einflussreiche Anhänger:

Wichtige historische Vertreter:

  • Ayn Rand
  • Ludwig von Mises
  • Murray Rothbard
  • Milton Friedman (Nobelpreisträger)
  • David Friedman (Nobelpreisträger)
  • Roland Baader
  • Friedrich A. von Hayek
  • Margaret Thatcher ("So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht.")

Wichtige aktuelle Vertreter:

  • Prof. Hans Hermann Hoppe
  • Stefan Blankertz
  • Michel von Tell
  • Carlos Gebauer
  • Prof. Thorsten Polleit
  • Prof. Phillip Bagus
  • Prof. David Dürr

6 Strömungen[Bearbeiten]

Innerhalb des Libertarismus wird zwischen sehr verschiedenen Strömungen unterschieden. Ihnen allen gemeinsam ist die Überzeugung, dass die Freiheit des Individuums ein grundlegender und absoluter Wert ist, den es zu verteidigen gilt. Zu nennen sind exemplarisch:

  • Anarcho- oder Radikal-Libertäre, denen selbst ein Minimalstaat zu groß ist und welche die Staatlichkeit als Ganzes in Frage stellen.
  • Autoritäre bzw. rechte Libertäre, die den Staat nur im Bereich der Gewährleistung von Sicherheit und Freiheit seiner Bürger akzeptieren - dort jedoch einen autoritären Regierungsstil präferieren. Sie sehen Freiheit als absoluten Wert und Demokratie diesem als "nice to have" nachrangig. In Gesellschaften, in denen demokratische Wahlen zu Mehrheiten führen könnten, die eine Beschneidung oder Abschaffung der Freiheit des Einzelnen zur Folge haben würden, lehnen autoritäre Libertäre in einer Güterabwägung freie Wahlen als technischen Vorgang zugunsten der Freiheit als Wert ab. In ein autoritär libertäres Weltbild passen beispielsweise Vorgänge wie in Ägypten, wo ein Militärputsch eine demokratisch gewählte Regierung (Kabinett Mursi) abgesetzt hat, weil diese das Land nach illiberalen Prinzipien umzubauen begann.
  • Linke Libertäre, welche gesellschaftliche Begrenzungen und Regelungen der freien Entfaltung des Indiviuums ablehnen, ansonsten staatliches Handeln aber gutheißen und insbesondere auch Eingriffe in die monetären Besitzstände der Bürger nicht ablehnen ("Umverteilung").

7 Literatur[Bearbeiten]

  • Frédéric Bastiat: Der Staat – die große Fiktion. Ott, Thun 2001, ISBN 3-7225-6918-4.
  • David D. Friedman: Das Räderwerk der Freiheit. Für einen radikalen Kapitalismus. BoD, Norderstedt 2003, ISBN 3-8330-0529-7.
  • Murray N. Rothbard: Eine neue Freiheit – Das libertäre Manifest. 1999, ISBN 3-933631-08-4.
  • Murray N. Rothbard: Die Ethik der Freiheit. 2000, ISBN 3-89665-086-6.
  • David Boaz: Libertarianism: A Primer. Free Press, 1998.
  • Norman P. Barry: The New Liberalism. In: British Journal of Political Science. Bd. 13, Nr. 1, Januar 1983, S. 93–123.
  • Samuel Freeman: Illiberal Libertarians: Why Libertarianism Is Not a Liberal View. In: Philosophy and Public Affairs. Bd. 30, Nr. 2 (Frühling), 2001, S. 105–151.
  • David D. Friedman: libertarianism. In: Steven N. Durlauf und Lawrence E. Blume (Hrsg.): The New Palgrave – Dictionary of Economics. 2. Auflage. Bd. 5. *Palgrave Macmillan, New York 2008
  • Walter Horn: Libertarianism and Private Property in Land: The Positions of Rothbard and Nozick, Critically Examined, Are Disputed. In: American Journal of *Economics and Sociology. Bd. 43, Nr. 3, Juli 1984, S. 341–355.
  • Jan Narveson: Libertarianismus. Eine Philosophische Einführung. In: Aufklärung und Kritik. Bd. 2, 2004

8 Quellen[Bearbeiten]

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9 Weblinks[Bearbeiten]