Fremdenverkehr

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Der Begriff Fremdenverkehr umfasst die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Ortsansässigen und vorübergehend Ortsansässigen (Zugereiste). Fremdenverkehr ist ein Teil der Tourismus- und Freizeitwirtschaft und auf gleicher Ebene wie Tourismus angesiedelt.

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1 Definition

1.1 Allgemeines

Fremdenverkehr war bis etwa in die 1980er Jahre der allgemein gültige Begriff für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen und Beziehungen bei Reise. Dieser Begriff wurde dann in Folge von Entwicklungen vom Begriff Tourismus abgelöst, was aber sprachlich nicht korrekt ist. Grundsätzlich muss man nämlich zwischen Fremdenverkehr und Tourismus unterscheiden:

  • Fremdenverkehr: die in einem bestimmten Ort durch den Zustrom von Fremden (Touristen, Geschäftsreisende, nicht ortsansässige) entstehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderung und die daraus resultierende Industrie oder Tätigkeit, Incoming genannt; unter "Fremde" fallen hier alle Ortsfremden, also auch Deutsche, die in innerhalb der Bundesrepublik Deutschland reisen;
  • Tourismus: der Strom von Reisenden in ein fremdes Land oder in die Berge, auch englisch „Outgoing“ oder Fernreise genannt, wobei fremdes Land die Bedeutung von Ausland hat.

1.2 Wissenschaftliche Definitionen

1. Nach Walter Hunziker und Kurt Krapf (Schweiz, 1942):

"ist Fremdenverkehr der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Ausübung einer dauernden oder zeitweiligen hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet wird.[1]"

In dieser Definition zeigt sich bereits klar, dass der Fremdenverkehr schon damals als ein Gesamtsystem von Beziehungen und Erscheinungen betrachtet wurde und nicht nur einen Verkehrsvorgang oder einen wirtschaftlichen Tatbestand darstellt. Allerdings war der Geschäftsreise-Fremdenverkehr in dieser Definition noch nicht mit einbezogen.

2. Nach Paul Neff in seinem Buch Über den internationalen Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor[2]:

Neff versteht unter Fremdenverkehr "die Gesamtheit aller Bewegungen von Personen, die aus wirtschaftlichen, kulturellen Gründen, zu beruflichen, sportlichen, gesundheitlichen und vergnüglichen Zwecken ihren Wohnsitz, ohne Aufgabe der mit ihm verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, zu vorübergehenden Aufenthalt verlassen[3]

1.3 Freizeit

Unter Freizeit verstehen die meisten Menschen einen selbst zu bestimmenden Anteil des Lebens, der in starker Abhängigkeit zum fremdbestimmten Anteil, der Arbeitszeit, zu sehen ist. Dazu schreibt Jost Krippendorf in Freizeit und Tourismus (Hoffmann, 1981): „Freizeit ist jener schmale, frei disponible Zeitraum, in dem die freie Zeit für das Individuum Freiheit bedeuten könnte..."[4]

1.4 Urlaub

Clemens August Andreae stellte 10 Thesen über den durch Urlaubsmöglichkeiten geprägten Fremdenverkehr auf[4]:

Fremdenverkehr bedeutet Nachfrage: ...aus dem In- und Ausland
Fremdenverkehr als Angebot: je beweglicher die Anbieter sind, desto erfolgreicher können sie sein;
Fremdenverkehr als Impulsgeber
Fremdenverkehr als Impulsnehmer: nach Erreichen einer gewissen Quantität muss die Qualität gesteigert werden;
Fremdenverkehr: Kur- und Fremdenverkehrsdirektor: damit ist der Bedarf an ausgezeichnet ausgebildeten Fremdenverkehrsfachleuten zu verstehen;
Fremdenverkehr: Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Corporate Identity
Fremdenverkehr und Umwelt
Fremdenverkehr und Mode
Fremdenverkehr: Steuern und Transferzahlungen
Fremdenverkehrsgesinnung: die Belastungen von Hochsaisonszeiten auf die Bevölkerung ohne entsprechende Information und Einbindung wirkt sich negativ auf Fremdenverkehr aus; echte Gastfreundschaft ist das Lebenselexier des Phänomens Urlaub;

2 Geschichte

Die Geschichte des Fremdenverkehrs ist mit der Geschichte des Reisens größtenteils ident. Allerdings gab es durchaus regionale Unterschiede in der Entwicklung. Der Alpinismus, der Ende des 18. Jahrhunderts stärker auf dem europäischen Kontinent einsetzte, brachte bescheidenen Fremdenverkehr zunächst in der Schweiz, im 19. Jahrhundert auch in Österreich (am 28. Juli 1800: Erstbesteigung vom Großglockner, dann 1856: Besuch von Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Gattin Elisabeth der Franz-Josefs-Höhe).

Das Recht auf Urlaub (Urlaubsanspruch) ist etwa seit 1880 bekannt. Nach § 24 der Menschenrechtskonvention gibt es das Recht auf Erholung. Sogar die extrem kommunistisch geprägte UdSSR hatte in einer ihrer letzten Verfassungen im Artikel 41 die Förderung des Fremdenverkehrs ausdrücklich erwähnt.

Aber erst richtige Bedeutung gewann der Fremdenverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg, als durch die allgemeine technische und soziale Entwicklung auch die Freizeit deutlich zunahm. Im Gegensatz zu dem Begriff Fremdenführer wird seit Ende des 20. Jahrhunderts das Wort Tourismus bevorzugt.

3 Wirtschaftliche Bedeutung

Die Entwicklung des Fremdenverkehrs erfolgt über die wirtschaftliche Entwicklung, den Umweltschutz und der Wahrung der Identität der lokalen Bevölkerung. Eine enge Verbindung lässt sich auch zwischen der Entwicklung des Fremdenverkehrs und der Entwicklung des kulturellen Erbes herstellen: Der Fremdenverkehr schafft nicht nur Einkommen und Beschäftigung, sondern trägt auch zur Entwicklung einer lokalen und regionalen Identität bei. Der Fremdenverkehr bietet Beschäftigung und Einkommen für Personen, die in entwicklungsschwachen Regionen leben.

4 Zukunftsprobleme

Interessant ein Blick zurück, was man 1979 an Prognosen für den Fremdenverkehr sah. Der amerikanische Futurologe Herman Kahn erstellt 1979 in "The Futurist" eine Prognose bis 2029. Darin rechnete er weiterhin mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten und von stabilen gesellschaftspolitischen und nationalökonomischen Voraussetzungen. Was damals fehlte, waren nicht quantifizierbare und vor allem unberechenbare menschliche Faktoren.

Schon in den 1980er Jahren erkannte Mohamed A. Tangi vom United Nations Environment Program, was für ein verträgliches Neben- und Miteinander von Gast und Einheimischen notwendig sein wird[4]:

  • 1. Die Unterbringung von Touristen soll nicht länger auf Hotels beschränkt werden, das würde zu Freundschaften zwischen Fremden und der örtlichen Bevölkerung führen;
  • 2. Der Fremdenverkehr soll sich von den überfüllten Küstenregionen weg in Gegenden hin entwickeln, die dünn besiedelt sind;
  • 3. In allen Fremdenverkehrsregionen müssen Naturreservate geschaffen werden;
  • 4. Es sollen sowohl auf seiten der Gastgeber wie der Gäste besondere Vermittler ausgebildet werden, die nach Kenntnissen und Charakter geeignet sind, wechselseitiges Verständnis zu wecken;
  • 5. Es mus ein Tourismuskodex entwickelt werden, den beide Seiten anerkennen;
  • 6. Bei allen am Meer gelegenen Orten müssen Höchstraten für den Touristenstrom festgesetzt werden, etwa ein Maximum von 600 Menschen pro Hektar Strand;

Heute, 2007, kann man feststellen, dass im Grunde kein einziger Punkt realisiert wurde, wenn man von Ansätzen der Schaffung von Naturreservaten absieht. Das bedeutet, dass die Zukunftsprobleme für den Fremdenverkehr und in weiterer Folge für den Tourismus allgemein in diesen Ansätzen zu finden sind. Einer Reihe von Empfehlungen, die eine nachhaltige Entwicklung im Fremdenverkehr und die Beziehung zwischen Fremdenverkehr und Raumordnung verbessern sollten, wurden bei einem Seminar (CEMAT) des Europarats in Palma de Mallorca (Spanien) im Mai 1999 erarbeitet.

5 Marketing im Fremdenverkehr

Jost Krippendorf definiert es: Marketing im Fremdenverkehr ist die systematische und koordinierte Ausrichtung der Unternehmenspolitik von Fremdenverkehrsbetrieben sowie der privaten und staatlichen Fremdenverkehrspolitik der lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Ebene afu eine bestmögliche Befriedigung der Bedürfnisse bestimmter Konsumentengruppen unter Erzielung eines angemessenen Gewinns[4].

Prof. Dr. Paul Bernecker erkannte, dass der Fremdenverkehr durch seine starke wirtschaftliche Verflechtung mit großteils kapitalintensiver Struktur angesichts der immer kürzer werdenden Amortisationsfristen zur Steuerung seiner wirtschaftlichen Umwelt gezwungen wird. Dis geschieht am ehesten mit Marketingmethoden und -instrumenten.

6 Literatur

7 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Hunziker, W. / Karpf, K. [1942]: Grundriss der Allgemeinen Fremdenverkehrslehre, Zürich: Poligrafischer Verlag, S. 21.
  2. siehe Wikipedia Deutschland: Geschichte der Tourismusforschung
  3. zitiert in Ernst Spatt "Allgemeine Fremdenverkehrslehre", Innsbruck, Inn-Verlag, 1975, ISBN 3-85123-018-3
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Ferner, Müller, Zolles: Marketingpraxis im Fremdenverkehr, ORAC Verlag, 1989 und spätere Ausgaben, ISBN ISBN 3-7015-0182-3

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