Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde

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"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." So beginnt der biblische Schöpfungsbericht nach der Übersetzung von Martin Luther. [1]

1 Weltbild

Der erste Satz der "Heiligen Schrift" handelt also vom ersten Ereignis überhaupt; er fasst es kurz und bündig zusammen. Kürzer geht es kaum. Vielleicht hätte es statt "Himmel und Erde" noch der Kürze halber "Welt" heißen können. Aber bedeuten beide Ausdrücke dasselbe? Das dürfte von unserem Weltbild abhängen. Unser heutiges Weltbild ist gewöhnlich das eines Universums, das Erde, Sonne, Mond und Sterne umfasst. In all diesen Fällen handelt es sich nach dem modernen Verständnis um Himmelskörper – ja, auch bei unserem eigenen Planeten. Ginge es dagegen nach dem Augenschein, dann wäre die Erde vom Himmel ausgenommen, weil sie sozusagen den flachen Boden – die Erdscheibe – bildet, über den sich der Himmel wölbt. Diesem alten Weltbild scheint der erste Satz der Bibel zu entsprechen, wenn darin einerseits vom Himmel und andererseits von der Erde die Rede ist, somit einerseits vom Gewölbe, andererseits von der Scheibe.

2 Mehr als eine Welt

Zum angemessenen Verständnis des ersten Bibelverses verhilft eher ein anderer Bibelvers, nämlich ein Jesuswort aus dem Johannesevangelium. Im Verhör vor Pilatus, der ihn schließlich zum Tode verurteilte, erklärte er diesem: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt." [2] Jesus unterscheidet demnach zwischen (mindestens) zwei Welten: zwischen "dieser Welt" und (mindestens) einer anderen. In diesem Licht betrachtet, steht der geschaffene Himmel nicht etwa für einen Teil der einzigen geschaffenen Welt, sondern er ist eine Welt für sich. Als Gott Himmel und Erde geschaffen hat, hat er, so gesehen, mindestens zwei Welten geschaffen. Dass es mehr als zwei sind, lässt sich vermuten, weil in manchen Bibelausgaben "Himmel" in der Mehrzahl steht. So heißt es in der für ihre sehr wörtliche Übersetzung berühmten Elberfelder Bibel: "Im Anfang schuf Gott die (!) Himmel und die Erde." [3]

3 Verbundene Welten

Die übrigen Verse des Schöpfungsberichts scheinen nur davon zu handeln, wie Gott die Erde und das irdische Leben erschuf. Vom Himmel ist nur noch im Sinne des natürlichen Lichtes, also ebenfalls im weitesten irdischen Sinne die Rede. Im weitesten Sinn sind noch die fernsten Himmelskörper "Erde", also die ganze natürliche Welt. Aber es scheint nur so, als ginge es lediglich um die Natur. Vielmehr geht es von Anfang an um die schöpferische Verbindung dieser sichtbaren Welt mit der unsichtbaren. Die Verbindung besteht zunächst darin, dass der Geist Gottes auf dem Wasser schwebt[4]. Letzten Endes besteht sie und damit die vollendete Schöpfung im Heil der Welt. Das Heil der Welt ist schon immer eine vollendete Tatsache dadurch, dass Gott die Erde zusammen mit seinem Himmelreich geschaffen hat, die sichtbare Welt zusammen mit der unsichtbaren, die Natur zusammen mit den geistigen Kreaturen. Dieses Zusammensein kehrt in jedem einzelnen Geschöpf wieder, in jedem Elementarteilchen (wofür im Schöpfungsbericht das Wasser steht) wie in jedem Menschen, mit dem sich Gott auf die sinnerfüllteste Weise schöpferisch verbündet. Ein Bündnis, dass alle Zeiten überdauern kann; denn "Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen."[5]

4 Nachweise

  1. www.die-bibel.de (Online-Ausgabe der Lutherbibel, Revision von 1984)
  2. www.die-bibel.de (Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 18, Vers 36)
  3. Die Heilige Schrift. Elberfelder Bibel. Revidierte Fassung, R. Brockhaus 1985
  4. Lutherbibel 1984 (Das erste Buch Mose, Kapitel 1,2)
  5. Lutherbibel 1984 (Matthäus 24,35; Markus 13,31; Lukas 21,33)