Fünf Klavierstücke (op. 34) (Komposition von Paul Ben-Haim)

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieser Artikel wurde exklusiv für das Fernbacher Jewish Music Research Center geschrieben und darf ausdrücklich und unter Strafandrohung nicht in anderen Projekten/Wikis verwandt werden.


Der Komponist Paul Ben-Haim am Klavier

Die Fünf Klavierstücke (op. 34) sind eine Komposition für Klavier zu zwei Händen des jüdischen Komponisten Paul Ben-Haim aus dem Jahr 1944.

1 Details

  • Ben-Haim komponierte das 1948 veröffentlichte Werk im Jahr 1944.

2 Musik

  • Das Werk besteht aus fünf kurzen Miniaturen im Stile von Béla Bartóks Mikrokosmos, erinnert aber auch an Musik des französischen Impressionismus und weißt orientalischen Flair auf. Die israelische Musikwissenschaftlerin Ronit Seter schreibt zu Ben-Haims op. 34 u.a.:
"Mit Fünf Stücke op. 34 für Klavier fand Ben-Haim 1943 schließlich zu jenem von der Musik des Orients inspirierten, auf westlichen Kompositionstechniken basierenden Klangbild, das zum Inbegriff des Mittelmeerstils wurde."

2.1 Pastorale

Takt 3 und 4 mit der fünftönigen Figur und Takt 5 und 6 mit der siebentönigen Figur in der Pastorale
  • Bestimmendes musikalische Intervall des 37 Takte umfassenden Stückes ist die Sekunde, die in der linken Hand als Begleitung, aber später auch in der rechten Hand führend, auftritt. Die Pastorale beginnt mit einer pentatonischen Skala G - A - C - D - E aufwärts, die dann inkl. Verzierung wieder abwärts geführt wird. Ab Takt 5 wird dieses Modell dann auf andere Skalen weitergeführt. Dabei wird die fünftönige Skala aber auf sieben bzw. acht Töne erweitert (zuerst bsp. in Takt 5 mit den Tönen A - Cis - Dis - Fis - Gis - Fis - E - Fis -E - D - H - A). Das Stück wirkt durch diese "Skalen/Modi" recht exotisch. Die viertönige 32-tel-Figur wird dann erweitert auf 32-tel-Quintolen und 32-tel--Sextolen (Takt 13 und Takt 16). Ab Takt 19 folgen bewegtere abwärtsführende und verzierte Sekundschritte, teilweise in Quint- und Sextintervallen. Ab Takt 24 erscheinen fünf Takte lang Pendelfiguren in Sekunden zu einem an bäuerliche Tänze erinnernden Rhythmus. In Takt 27 wird mit mf auch der dynamische Höhepunkt der Pastorale erreicht. Doch schon in der zweiten Hälfte von Takt 28 stoppt der Tanz in langen Pausen. Danach folgt in ppp eine Wiederholung der ersten neun Takte.

2.2 Intermezzo

  • Das Intermezzo ist rhythmisch nach einem barocken Siciliano (punktierte Achtel, 16-tel, Achtel, Viertel) gebildet. [1] Hauptmerkmal des ersten Motivs A ist eine abwärts fallende Quinte. Das Motiv B in Takt 4 und 5 bringt gebrochene Dreikänge (D-Dur - e-Moll - D-Dur - C-Dur) in 16-teln. Das ab Takt 6 zu hörende Motiv C ist durch einen aufwärts geführten Oktavsprung gekennzeichnet. In den Takten 11 bis 15 werden dann Quartintervalle in der rechten und linken Hand abwärts geführt.

2.3 Capriccio agitato

2.4 Canzonetta

  • Die nur 44 Takte lange und knapp zwei Minuten dauernde Canzonetta stellt einen "Ruhepunkt" zwischen den beiden turbulenten Sätzen Capriccio agitato und Toccata dar. Die Begleitung in fließenden Arpeggien erinnert an träumerische Nocturnes von Frédéric Chopin. Die Dynamik bewegt sich im Bereich ppp, pp und p. Dynamischer Höhepunkt ist das mezzopiano in Takt 25. Das Stück beruht auf einer sich schrittweise bewegenden Melodie, die Ben-Haim in die meist viertönigen Akkorde der rechten Hand verlegt. Der formale Aufbau ist klassisch: Auf einen viertaktigen Vordersatz folgt ein ebenso langer Nachsatz, der die Melodie in die Unterquint versetzt und leicht abwandelt. Die Takte 9 bis 16 wiederholen die ersten acht Takte mit der um eine Oktave nach oben versetzten Melodie. Harmonisch stehen die ersten 16 Takte in a-Moll, welches durch ein hinzugefügtes fis manchmal zu Am6 erweitert ist. Mit Takt 17 beginnt ein neuer Abschnitt: Die Melodie ist nun in Mittellage und die Harmonik wechselt zu E-Dur.

2.5 Toccata

  • Die in rasend schnellen 16-teln gehaltene Toccata hat wie die meisten Toccaten einen regelmäßigen und vorwärtstreibenden Rhythmus. In den abwechselnd von der linken und rechten Hand ausgeführten schnellen Tonfolgen ist eine Melodie verborgen: [2] In den geraden Takten (2, 4, 6, usw.) erklingt in der linken Hand zuerst zweimal das absteigende Motiv g - f - e - d und danach das Pendelmotiv d - fis - d - fis sowie d - fis - g -fis. Danach übernimmt die linke Hand die repetierte Note e und die rechte Hand legt darüber das Pendelmotiv h - a - h - a sowie danach a - g - a - g. In Takt 26 wird der bisher harmonische Verlauf mit einem d und fis links gegen die Töne e und f rechts im nächsten Takt mit einem f und des links gegen ein e rechts mit kleinen Sekundreibungen erstmalig dissonant.
    Anfang der Toccata aus Ben-Haims op. 34
  • Eine erste Unterbrechung der permanenten 16-tel-Bewegung tritt ab Takt 51 auf. Die linke Hand geht in Achtelbewegung über und bringt eine über eine Oktave ansteigende chromatische Linie. Die rechte Hand lässt einige 16-tel aus (z.B. die ersten beiden 16-tel in Takt 51, die ersten drei 16-tel und das fünfte und seibte 16-tel in Takt 54). Die Takte 61, 63 und 66 wechseln ganz in Achtelbewegung.

3 Links und Quellen

3.1 Siehe auch

3.2 Weblinks

3.2.1 Bilder / Fotos

3.2.2 Videos auf Youtube

3.3 Quellen

3.4 Literatur

  • Maurice Hinson: Guide to the Pianist's Repertoire, Indiana University Press, 3. Aufl., 2001, Seite 105
  • Hadassah Guttmann: The music of Paul Ben-Haim - A performance guide, Scarecrow Press, 1992, Seite 39 bis 66
  • James Friskin und Irwin Freundlich: Music for the Piano, Dover Publications, 1973, Seite 211
  • Philip Vilas Bohlman: The Land Where Two Streams Flow - Music in the German-Jewish Community of Israel, University of Illinois Press, 1989, Seite 198 ff.

3.5 Naviblock

3.6 Einzelnachweise

  1. Maurice Hinson: Guide to the Pianist's Repertoire, Indiana University Press, 3. Aufl., 2001, Seite 105
  2. Hadassah Guttmann: The music of Paul Ben-Haim - A performance guide, Scarecrow Press, 1992, S. 58

4 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Fünf Klavierstücke (op. 34) (Komposition von Paul Ben-Haim)) vermutlich nicht.