Kleinkastell Petersbuch

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Kleinkastell Petersbuch
(Kleinkastell Kaldorf)
Limes ORL -- (RLK)
Strecke (RLK) Rätischer Limes,
Strecke 14
Datierung (Belegung) bis spätestens um 260 n. Chr.
Typ Kleinkastell
Größe 20,2 × 20,2 m = 0,04 ha
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand leichte verschwommene Bodenerhebung
Ort Titting, Petersbuch
Höhe 574 m ü. NHN
Vorhergehend Kleinkastell Raitenbuch (nordwestlich)
Anschließend Kleinkastell Biebig (östlich)
Rückwärtig Kleinkastell „In der Harlach“ (nordwestlich)
Kastell Pfünz (südsüdöstlich)

Das Kleinkastell Petersbuch ist ein ehemaliges römisches Militärlager, das nahe der zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Rätischen Mauer errichtet wurde und heute westlich des Dorfes Petersbuch im Landkreis Eichstätt in Bayern liegt.

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1 Lage und Forschungsgeschichte

Lage zum Limes
KK Petersbuch (oben links) mit seinem östlichen Limesumfeld
Das Kleinkastell nach den Vermaßungen der Reichs-Limes-Kommission

Die heute in einem Wald versteckte kleine Anlage wurde an einem südwestlich verlaufenden Stück der Rätischen Mauer, kurz bevor diese in 200 m Entfernung einen Knick in westöstliche Richtung macht, errichtet. Friedrich Winkelmann, ein Streckenkommissar der Reichs-Limes-Kommission (RLK), beschränkte sich bei seinen Untersuchungen darauf, die Lage, Größe und Umwehrung beschreiben zu können. Teilweise wird dieser römische Stützpunkt auch als Kleinkastell Kaldorf bezeichnet. Unmittelbar neben dem Kleinkastell befinden sich zwei tiefe Dolinen.

2 Baugeschichte

Das quadratische, 20,2 × 20,2 m (≈ 400 Quadratmeter) große in Stein errichtete Kleinkastell war mit seiner Prätorialfront nach Nordosten zum rund 30 m entfernten Limes ausgerichtet. Dort befand sich der einzige Einlass mit einer einspurigen Zufahrt. Über dem zweieinhalb Meter breiten Tor, das nach innen und außen hervorspringende, einen Meter breite und zweieinhalb Meter tiefe Wangen besaß, erhob sich möglicherweise ein Turm. Die Umfassungsmauer war 90 cm stark und besaß einen umlaufenden Wehrgang. Als Annäherungshindernis wird ein umlaufender Spitzgraben anzusprechen sein, der an der Durchfahrt aussetzte. Da es seit Winkelmann keine Untersuchungen mehr gegeben hat, bleiben die Einzelheiten der Anlage unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass die sich wohl um einen Innenhof gruppierende Innenbebauung aus Holz bestand.

3 Limesverlauf zwischen den Kleinkastellen Petersbuch und Biebig

Spuren der Limesbauwerke zwischen den Kleinkastellen Petersbuch und Biebig.
ORL[1] Name/Ort Beschreibung/Zustand
KK[2] Kleinkastell Petersbuch siehe oben
Wp 14/56[3] „An der Limesecke bei Petersbuch“
Limesknick bei Wp 14/56, Lage
Limesknick bei Wp 14/56, Grundriss
Die RLK ergrub an diesem Limesknick einen 6,4 × 6,3 m großen Steinturm,[4] an den die Steinmauer nachträglich angebaut worden war. In der ebenfalls eingeknickten Palisade erkannte sie einen Durchgang. Auch der Flechtwerkzaun wurde festgestellt. Heute ist hier nichts mehr zu sehen.
Wp 14/57 Turmstelle wird vermutet.[5]
Wp 14/58 Turmstelle wird vermutet.[6]
Wp 14/59 „Bei Petersbuch“
Wp 14/59, Lage
Wp 14/59, Grundriss
Der Steintum[7] war 6,5 × 5,7 m groß. In seinem Inneren wurde eine Feuerstelle vorgefunden, die Rückseite war sehr schlecht erhalten. Deutlich war auch an diesem Turm die nachträglich angefügte Limesmauer zu erkennen. Die RLK erkannte an dieser Stelle auch Palisade und Flechtzaun. Heute ist hier nichts mehr zu sehen.
Wp 14/60 Turmstelle wird vermutet.[8]
Wp 14/61 „Westlich von Eckertshofen“
Lage und Grundriss

Aus den wenigen Überbleibseln dieses Steinturms[9] ließ sich dennoch seine Größe feststellen. Sie betrug 5,9 × 7,5 m. Die Palisade lag vor der Mauer. Heute ist hier nichts mehr zu sehen.

Wp 14/62 Turmstelle wird vermutet.[10]
Wp 14/63
Der rekonstruierte Wachturm 14/63
Der Gedenkstein zwischen Wp 14/63 und Wp 14/64
Die Turmstelle wird nur vermutet.[11] Jedoch wurde 1992[12] eine steinerne Rekonstruktion[13] in diesem Bereich, gut 100 m östlich der vermuteten Stelle errichtet.[14] Die steinerne Limeswachtürme waren in der Antike weiß verputzt. Mit einem dann aufgetragenen roten Fugenstrich wurde Quadermauerwerk vorgetäuscht. Neben der Rekonstruktion ist ebenfalls 1992 ein Parkplatz mit Hinweistafeln errichtet und ein 3,5 Kilometer langer Limeslehrpfad eröffnet worden. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Gedenkstein zwischen Wp 14/63 und Wp 14/64 wurde von der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft restauriert.
Wp 14/64 „Im Herlingsharder Wald“
Lage und Grundriss

Die Steinmauer durchschneidet den rund 400 m weiter stehenden älteren Holzturmhügel.[15] Östlich liegt der 6,45 × 5,77 m große, von der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft restaurierte Steinturm,[16] in dessen Inneren zwei Feuerstellen aufgefunden wurden. Der Turm wurde wie üblich direkt an die Mauer gesetzt. Der Schuttwall des Limes ist in diesem Bereich gut sichtbar.

Wp 14/65 „Im Emsinger Gemeindewald“
Lage und Grundriss

Rund 600 m weiter liegen die ebenfalls von der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft restaurierten, inzwischen aber wieder verfallenen Fundamente des 18 m hinter der Rätischen Mauer frei stehenden 6,4 × 5,6 m großen Steinturms.[17] In seinem Inneren wurden ebenfalls zwei Feuerstellen freigelegt. Östlich davon liegt der gut erhaltene fast zwei Meter hohe Holzturmhügel.[18]

Wp 14/66 „Im Waldbezirk Biebig“
Grundriss
Die Limesmauer wird in diesem Bereich an einem ansteigenden Hang zunächst von einem Forstweg als bis zu 1,5 m hoher Unterbau genutzt. Im oberen Hangabschnitt wird der Schuttwall wieder sichtbar. Die nun südlich, parallel zum Forstweg sichtbar werdende Terrassierung könnte zu einem Altweg, eventuell aus der Limeszeit, gehört haben. Auf dem Höhenrücken ist der rund 20 bis 40 cm hohe Schuttwall in einer Breite von fünf bis sechs Metern zu erkennen. Kurz vor der Hangkante hinab ins östlichen Wassertal wurde der heute überwachsene Schutthügel des 4,9 × 6,9 m großen Steinturms von der RLK ergraben. Besonders in vegetationslosen Zeiten läßt er sich als schwache Erhebung ausmachen. Auch die lineare Vertiefung der einstigen Palisade wird im Hanggelände sichtbar.[19] Wp 14/66 steht zehn Meter hinter der steinernen Limesmauer.
KK Biebig Rund 100 m weiter südlich befindet sich das Kleinkastell Biebig.

4 Denkmalschutz

Das Kleinkastell Petersbuch und die erwähnten Anlagen sind als Abschnitt des Obergermanisch-Rätischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes. Außerdem sind sie geschützt als eingetragene Bodendenkmale im Sinne des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.

5 Siehe auch

6 Literatur

7 Anmerkungen

  1. ORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limes-Kommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes
  2. KK = nicht nummeriertes Klein-Kastell
  3. Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm.
  4. Bei 48° 58′ 55,55″ N, 11° 9′ 16,14″ O7
  5. Ungefähr bei 48° 58′ 53,44″ N, 11° 9′ 54,27″ O7
  6. Ungefähr bei 48° 58′ 51,06″ N, 11° 10′ 39,51″ O7
  7. Bei 48° 58′ 48,67″ N, 11° 11′ 24,17″ O7
  8. Ungefähr bei 48° 58′ 46,92″ N, 11° 11′ 57,88″ O7
  9. Bei 48° 58′ 45,6″ N, 11° 12′ 25,02″ O7
  10. Bei 48° 58′ 43,98″ N, 11° 13′ 0,56″ O7
  11. Ungefähr bei 48° 58′ 41,49″ N, 11° 13′ 48,9″ O7
  12. Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 130.
  13. Bei 48° 58′ 41,07″ N, 11° 13′ 54,35″ O7.
  14. Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. 4. Auflage. Gebr. Mann, Berlin 2000, ISBN 3-7861-2347-0, S. 302.
  15. Bei 48° 58′ 38,71″ N, 11° 14′ 36,97″ O7
  16. Bei 48° 58′ 38,7″ N, 11° 14′ 37,56″ O7
  17. Bei 48° 58′ 36,41″ N, 11° 15′ 10,31″ O7
  18. Bei 48° 58′ 36,88″ N, 11° 15′ 11,12″ O7
  19. Bei 48° 58′ 34,62″ N, 11° 15′ 56,85″ O7

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