Wolfgang Czysz

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Wolfgang Czysz [Tschech] (* 25. März 1949 in Wiesbaden) ist ein deutscher Provinzialrömischer Archäologe. Mit der Untersuchung der römische Gräberfelder von Schwabmünchen und Günzburg erbrachte Czysz bedeutende Beiträge zur Erforschung der römerzeitlichen Bestattungssitten. Weitere wichtige Forschungsfelder umfaßte die römische Siedlungskunde, speziell zur ländlichen Besiedlung sowie die Erforschung römischer Keramik.

1 Leben[Bearbeiten]

Wolfgang Czysz besuchte in Wiesbaden die Volksschule sowie das humanistische Diltheygymnasium. Nach dem Abitur 1967 begann er ein Studium der Klassischen Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Alten Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. 1969 wechselte er an die Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, um Provinzialrömische Archäologie zu studieren. Akademische Lehrer waren unter anderem: Frank Brommer, German Hafner, Rafael von Uslar, Hans Ulrich Instinsky, Hans Klumbach, Hans Jürgen Hundt, Kurt Böhner und an der Universität Heidelberg Vladimir Milojčić sowie Hans Schönberger.

1970 wechselte Czysz an die Universität Oxford (Balliol College) und anschließend an die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dort promovierte er 1975 mit einer Arbeit über die Siedlungsgeographie und Geschichte der Römerzeit und frühalemannischen Landnahme im Nördlinger Ries bei Günter Ulbert. Von 1975 bis 1977 war er im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekts zur Erforschung der römischen Kastelle von Heldenbergen beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden beschäftigt. Danach wurde Czysz als wissenschaftlicher Referent beim Rheinische Landesmuseum Bonn tätig und wechselte im Herbst 1977 an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in Augsburg (Gebietsreferat Bayerisch-Schwaben). 1979 wurde er dort zum Konservator und 1984 zum Oberkonservator ernannt. Ab 1990 bestellte ihn das Bayerische Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst zum Leiter der archäologischen Außenstelle Schwaben im ehemaligen Benediktinerkloster Thierhaupten. Im Jahr 2000 erhielt Czysz die Ernennung zum Hauptkonservator. Neben dem Gebietsreferat, der Dienststellen- und Referatsleitung ist er im Referat Fachliche Fragen für die Archäologie der römischen Kaiserzeit in Bayern zuständig.

Am 25. Januar 2002 wurde Wolfgang Czysz an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck habilitiert und eine Lehrbefugnis als Universitätsdozent für das Fach „Provinzialrömische Archäologie“ erteilt; 2011 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor. Er ist ordentliches gewähltes Mitglied der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft in Augsburg und des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland. 2001 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts gewählt.

2 Schriften[Bearbeiten]

2.1 Monographien[Bearbeiten]

  • Ein bajuwarisches Reihengräberfeld des 7. Jahrhunderts in Öxing. Ein Beitrag zu Grafings Frühgeschichte. Grafing 1973 (Grafinger heimatkundliche Schriften 7).
  • Der römische Gutshof in München-Denning und die römerzeitliche Besiedlung der Münchner Schotterebene. Lassleben, Kallmünz 1974 (Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung München 16).
  • mit Erwin Keller: Bedaium. Seebruck zur Römerzeit. 1. Auflage, München 1978; 2. Auflage 1981
  • mit Hartmut Kaiser, Michael Mackensen, Günter Ulbert: Die römische Keramik aus dem Vicus Wimpfen im Tal. Theiss, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0761-5 (Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte Baden-Württemberg 11).
  • mit Sebastian Sommer: Römische Keramik aus der Töpfersiedlung von Schwabmünchen im Landkreis Augsburg.Lassleben, Kallmünz 1983, ISBN 3-7847-5122-9 (Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung München 22)
  • mit Werner Endres: Archäologie und Geschichte der Keramik in Schwaben. Neusäß 1988 (Neusäßer Schriften 6).
  • Steinguthfabrique Louisensruh. Archäologie und Geschichte einer Steinzeugmanufaktur des 19. Jahrhunderts bei Aystetten in Bayerisch-Schwaben. Neusäß 1992, ISBN 3-8242-9970-4 (Neusäßer Schriften 7)
  • mit Lothar Bakker, Karlheinz Dietz, Hans-Jörg Kellner, Thomas Fischer: Die Römer in Bayern. Stuttgart 1995, 2. Auflage 2001; 3. Auflage Lizenzausgabe 2005, ISBN 3-8062-1058-6.
  • Die ältesten Wassermühlen. Archäologische Entdeckungen im Paartal bei Dasing. Thierhaupten 1998.
  • Neues aus dem alten Schwabmünchen. 20 Jahre Ausgrabungen im römischen Töpferdorf. Begleitheft zur Sonderausstellung. Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen. Friedberg 1999
  • Der Tod im Topf. Ausgrabungen im römischen Gräberfeld von Oberpeiching bei Rain am Lech. Friedberg 1999.
  • Mit Seume nach Syrakus. Eine literarische Reise durch Italien im Jahr 1802. Friedberg 2001, ISBN 3-9807628-1-5.
  • Gontia-Günzburg in der Römerzeit. Archäologische Entdeckungen an der bayerisch-schwäbischen Donau. Friedberg 2002, ISBN 39807628-2-3
  • Heldenbergen in der Wetterau. Feldlager, Kastell, Vicus. Mainz 2003, ISBN 3-8053-2834-6 (Limesforschungen 27).
  • Burg Mangoldstein in Donauwörth. Archäologie und Geschichte. Likias, Friedberg 2011, ISBN 978-3-9812181-3-8 (Archäologie in Bayerisch-Schwaben 3).

2.2 Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit Hans-Gert Bachmann: Das Grab eines römischen Malers aus Nida-Heddernheim. In: Germania 55, 1977, S. 85–107.
  • Die mittelrömischen Funde aus den Grabungen bei St. Ulrich und Afra. In: Joachim Werner (Hrsg.): Die Ausgrabungen in St. Ulrich und Afra in Augsburg 1961–1968. München 1977, S. 453–456 (Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 23)
  • Archäologische Nachuntersuchung am Kleinkastell Neuwirtshaus bei Hanau. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 6, 1977, S. 121–128.
  • Ein römischer Gutshof am Fundplatz 77/132 im Hambacher Forst. In: Ausgrabungen im Rheinland '77, 1978, S. 118–127 (Rheinisches Landesmuseum Bonn, Sonderheft)
  • Situationstypen römischer Gutshöfe im Nördlinger Ries. Auszug aus: Siedlungsgeographie und Geschichte der Römerzeit und frühalemannischen Landnahme im Nördlinger Ries. Inauguraldissertation der Ludwig-Maximilians-Universität München, 1975. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 72, 1978, S. 70–94.
  • Ausgrabungen im Kastell Kesselstadt in Hanau, Main-Kinzig-Kreis. In: Fundberichte Hessen 17/18, 1977/78 (Wiesbaden 1980), S. 165–181.
  • Die Römer im Ries. In: Hans Frei, Günther Krahe (Hrsg.): Archäologische Wanderungen im Ries, 1979, S. 73–87 (Führer zu archäologischen Denkmälern Bayern, Schwaben Bd. 2.).
  • Eine neue raetische Sigillata-Manufaktur bei Schwabmünchen, Lkr. Augsburg. In: Jahresbericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 21, 1980, S. 155–174.
  • Der Sigillata-Geschirrfund von Cambodunum-Kempten. Ein Beitrag zur Technologie und Handelskunde mittelkaiserzeitlicher Keramik. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 63, 1982, S. 281–348.
  • Römische Kastelle Kesselstadt und Salisberg; Römische Militärlager und Vicus Nidderau-Heldenbergen; Das Kleinkastell Neuwirtshaus. In: Dietwulf Baatz, Fritz-Rudolf Herrmann (Hrsg.): Die Römer in Hessen (1. Auflage 1982), S. 334–337; 337–340; 450–455.
  • mit Michael Mackensen: Römischer Töpfereiabfall von der Keckwiese in Kempten. Zu den römischen Töpfereien von Kempten-Cambodunum. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 48, 1983, S. 129–164.
  • Zur Herstellung römischer Bildlampen. In: Germania 62, 1984, S. 67–73.
  • mit Marino Maggetti, Giulio Galetti, Hans Schwander: Die spätrömische Töpferei und Ziegelei von Rohrbach im Landkreis Aichach-Friedberg. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 49, 1984, S. 215–256.
  • Das römische Töpferdorf Rapis und die Terra-sigillata-Manufaktur bei Schwabegg. 10 Jahre Ausgrabungen des Bayer. Landesamts für Denkmalpflege 1978–1988 in der Stadt Schwabmünchen, Landkreis Augsburg, Schwaben. In: Das archäologische Jahr in Bayern 1987 (1988), S. 123–132.
  • Römische Staatsstraße via Claudia Augusta. Der nördliche Streckenabschnitt zwischen Alpenfuß und Donau. In: La Venetia nell'area Padano-Danubiana. Le vie di comunicazione. Padua 1990. S. 253–283.
  • Der römische Gutshof im Maienbachtal bei Holheim. In: Rüdiger Krause: Vom Ipf zum Goldberg. Archäologische Wanderungen am Westrand des Rieses. (1992), S. 129–136 (Führer zu archäologischen Denkmälern Baden-Württemberg 16)
  • Eine bajuwarische Wassermühle im Paartal bei Dasing. In: Antike Welt 25, 1994, S. 152–154.
  • Bad Wörishofen-Schlingen, Spätantiker Straßenposten, (S. 137–138); Buchenberg-Eschach, Große und Kleine „Schwedenschanze“ (S. 147–149); Dirlewang, Der römische Gutshof auf dem Galgenberg (S. 154–157); Füssen, Die römische Staatsstraße Via Claudia Augusta (S. 163–167); Füssen, Spätrömisches Kastell auf dem „Schloßberg“ (S. 167–168); Heimenkirch-Dreiheiligen, Burgus (S. 177–179); zusammen mit W. Schmidt: Immenstadt, Frühneuzeitliche Talsperr-Befestigung (S. 181–184); Marktoberdorf-Rieder, ein Depot römischer Bronzeglocken (S. 198–201); Schwangau, Römische Villa (S. 224–226); Türkheim, Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen auf dem Goldberg (S. 234–237). In: Wolfgang Czysz, Hanns Dietrich, Gerhard Weber (Hrsg.): Kempten und das Allgäu. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1150-7, (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 30).
  • Das Umland von Augsburg in der römischen Kaiserzeit. In: Walter Pötzl, Otto Schneider (Hrsg.): Vor- und Frühgeschichte, Archäologie einer Landschaft. Der Landkreis Augsburg Band 2. Augsburg 1996, S. 203–266.
  • Ein frühkaiserzeitlicher Handelsplatz an der Via Claudia Augusta im Lechtal bei Dietringen. In: Elisabeth Walde (Hrsg.): Via Claudia. Neue Forschungen. Innsbruck 1998, S. 285–307.
  • Günzburg. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 13, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, S. 154–158.
  • mit H. Dietrich: Landesarchäologie in Bayerisch-Schwaben. In: Peter Fassl (Hrsg.): Geschichte, Sanierung und heutige Nutzung des Klosters Thierhaupten. Augsburg 2000, S. 159–167.
  • Via Claudia Augusta. Auf einer römischen Staatsstraße durch die Geschichte. In: Kulturberichte aus Tirol 55, 2001, S. 140–146.
  • Handwerksstrukturen im römischen Töpferdorf Schwabmünchen und in der Sigillata-Manufaktur bei Schwabegg. In: Karl Strobel (Hrsg.): Forschungen zur römischen Keramikindustrie. Produktions-, Rechts- und Distributionsstrukturen. Mainz 2000, S. 55–88 (Trierer Historische Forschungen 42).
  • mit Karlheinz Dietz: Die Römer in Schwaben. In: Max Spindler, Andreas Kraus: Geschichte Schwabens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Handbuch der bayerischen Geschichte, Teilband III, 2, C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-39452-3, S. 46–95.
  • Der römische Gutshof. Landwirtschaft in großem Stil. In: Wilfried Menghin, Dieter Planck (Hrsg.): Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland, Ausstellungskatalog, Berlin, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1596-0/3-88906-467-7, S. 274–280.
  • Gastmahl mit Göttern. In: Archäologie in Deutschland 3, 2003, S. 34–35.
  • 350 Meilen vom Po zur Donau. In: Archäologie in Deutschland 4, 2003, S. 36–39.
  • Münzen für Mithras. Archäologie in Deutschland 4, 2003, S. 43.
  • mit Andrea Faber u.a.: Der römische Gutshof von Nördlingen-Holheim, Landkreis Donau-Ries. In: Berichte der bayerischen Bodendenkmalpflege 45/46. Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Bonn 2004/05, S. 45–172.
  • Hölzerne Zeugen der Zeit. In: Archäologie in Deutschland 1, 2006, S. 30–31.
  • Versenkte Götter. In: Archäologie in Deutschland 1, 2006, S. 45–46.
  • Archäologie im Karpfenteich. Neues aus dem römischen Vicus von Dambach. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Neue Forschungen am Limes. 4. Fachkolloqium der Deutschen Limeskommission 27./28. Februar 2007 in Osterburken. Stuttgart 2008, S. 173–181 (Beiträge zum Welterbe Limes Bd. 3).
  • mit Frank Herzig: Neue Dendrodaten von der Limespalisade in Raetien. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Neue Forschungen am Limes. 4. Fachkolloqium der Deutschen Limeskommission 27./28. Februar 2007 in Osterburken. Stuttgart 2008, S. 183–195 (Beiträge zum Welterbe Limes Bd. 3).
  • mit Andrea Faber: Die villa rustica am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden. (mit Beiträgen von F. Herzig, R. Holzer, H. Obermaier, M. Scholz) 2008, S. 227–365 (Berichte der Bayerischen Bodendenkmalpflege 49).
  • Zwischen Stadt und Land – Gestalt und Wesen römischer Vici in der Provinz Raetien. In: A. Heising (Hrsg.): Neue Forschungen zu zivilen Kleinsiedlungen (vici) in den römischen Nordwest-Provinzen. Akten der Tagung Lahr 21.-23.10.2010. Haberlt, Bonn 2013, ISBN 978-3-7749-3759-8, S. 261–377.
  • mit W. Schmid und Beiträgen von J. Hense, K. Panagiotopoulos, F. Schäbitz, K. Schittek, A. Scharf und F. Herzig: Die Römerstraße im Unterzeller Bachtal bei Dasing im Lkr. Aichach-Friedberg. Eine Studie zur Landschaftsgeschichte im Alpenvorland. Ber. Bayer. Bodendenkmalpflege 54, 2013, S. 9–44.
Profil.png Profil: Czysz, Wolfgang
Beruf deutscher Archäologe
Persönliche Daten
25. März 1949
Wiesbaden


3 Andere Lexika[Bearbeiten]