Wasserversorgung von Jerusalem

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Der Siloa-Teich am Ostfuß des Berges Zion
In Jerusalem gibt es seit historischer Zeit zahlreiche Wasserquellen, Teiche und eine ausgeklügelte Wasserversorgung.

Trotz seiner turbulenten Geschichte hat Jerusalem nie unter Wassermangel gelitten. Seine zahlreichen Quellen und die angelegten Brunnen und Teiche lieferten in Kriegs- und Friedenszeiten immer genügend Wasser.

In der Halbwüste des Nahen Ostens sind natürliche Wasserquellen kostbarer als alles andere. Seit alten Zeiten haben die Einwohner hier gelernt, das kostbare Nass zu speichern, und entwickelten Methoden, das Verdunsten zu verhindern.

Die Gihon-Quelle ist die älteste bekannte Wasserquelle Jerusalems. Sie ergießt sich südwestlich der Säule Absaloms ins Kidrontal. Ihre Wasser kommen von den westlichen Hügeln, wo reichlich Regen fällt. Als Hauptquelle auf der judäischen Wasserscheide zog die Gihon-Quelle die Amoriter und Jebusiter an, die ihre Siedlungen in der Nähe gründeten. Neuere archäologische Ausgrabungen weisen darauf hin, dass wahrscheinlich die Jebusiter einen Schacht bis zu dem Grund des Quellen-Teiches trieben, um den Zugang von der Stadt aus zu ermöglichen, was in Kriegszeiten von entscheidender Bedeutung war. In alter Zeit war Gihon eine heilige Stätte: Hier wurde König Salomo gesalbt und Jesus heilte hier später einen Blinden. Ursprünglich wurde das Wasser direkt aus dem Gihon geholt, doch mit der Zeit sammelte man es im Teich von Siloa, damit es für die Bewohner der Stadt leichter erriechbar war. Als Sanherib gegen Jerusalem zog, grub Hiskia - der König von Juda - einen Tunnel, durch den das Wasser in die Stadt geleitet wurde. Eine hebräische Inschrift bezeichnet die Stelle, wo die einander entgegen arbeitenden Arbeiter aufeinander trafen. Hiskia blockierte auch einen Ablauf der Quelle außerhalb der Stadtmauern und leitete das Wasser in einen Teich, den er innerhalb von Jerusalems Befestigungen anlegen ließ (2. Kön. 20,22; 2. Chr. 32, 2-4 und Jes. 22, 11).

Aufgrund der prekären militärischen Situation Jerusalems - einer Stadt auf hartem Felsen mit spärlichen Regenfällen und einer knappen Wasserversorgung - kamen die Einwohner auf die Idee, in ihren Häusern Zisternen zu graben, diese zu pflastern und darin das Regenwasser zu sammeln. Um den Tempelberg herum wurden spezielle Reservoirs für die Pilger erbaut.

Offenbar verfügten die Bewohner Jerusalems schon im 1. Jahrtausend v. Chr. über eine wohlorganisierte Wasserversorgung. Darauf deutet zumindest der Fund eines unerwartet großen, unterirdischen Reservoirs am Tempelberg im Jahr 2012 hin. Datierungen zufolge stammt es aus der Zeit des ersten jüdischen Tempels und ist vermutlich das größte bekannte Depot dieser Art in Jerusalem.

Zur Zeit des Zweiten Tempels gab es viele gegrabene Becken. Einer davon war der sogenannte Sultansteich (Birket al-Sultan) bzw. Schlangenteich, der von Flavius Josephus im 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt wird. Suleiman der Prächtige baute ihn 1536 wieder auf, und auf dem Damm errichtete er einen Trinkbrunnen.

Der Teich der Türme befand sich beim Jaffa-Tor und dürfte den Palast des Herodes und dessen Schutzanlagen mit Wasser versorgt haben.

Als die Jerusalemer Bevölkerung in herodianischer Zeit sprunghaft anstieg, wurde eine reichlichere Wasserversorgung unentbehrlich. Zur Lösung dieses Problems wurde ein komplexes System von Aquädukten erbaut. Dadurch wurde das Wasser aus den Hügeln Hebrons und aus allen Teichen Salomos gesammelt und durch die Schwerkraft nach Jerusalem geleitet. Diese Aquädukte versorgten die Stadt jahrhundertelang mit Wasser, und einzelne Teile davon sind auch heute noch zwischen Jerusalem und Hebron zu sehen. Aus späteren historischen Dokumenten lässt sich ersehen, dass mindestens ein Aquädukt Jerusalem bis in die neuere Zeit mit Wasser versorgte. Eine Inschrift aus byzantinischer Zeit wurde gefunden, die besagt, dass es den Bauern verboten war, das Land innerhalb einer Distanz von fünfzehn Fuß vom Aquädukt zu bebauen. Wer gegen dies Dekret verstieß, wurde mit dem Tode bestraft und sein Besitz wurde beschlagnahmt. Ein christlicher Pilger, der Jerusalem zur Zeit der Omayyaden besuchte, beschrieb eine auf Bogen stehende Brücke und darauf eine Wasserleitung, die das Hinnomtal in der Nähe des Sultansteiches überspannte. Auch im Mittelalter blieben die Wasserleitungen in Gebrauch und brachten das kostbare Nass von den Hügeln Hebrons zu Salomos Teichen und von dort in die Stadt. In osmanischer Zeit reparierten die Türken die Wasserleitungen, und sogar nach der britischen Eroberung Palästinas im Jahr 1917 funktionierte die Wasserleitung von Jerusalem noch.

Ambitionen der türkischen Behörden, ein modernes Leitungsnetz zur Wasserversorgung zu installieren, kamen niemals zur Durchführung. Erst nachdem die Briten im Dezember 1917 die Stadt von den Türken übernahmen, wurden hier moderne Versorgungsanlagen eingerichtet. Die Briten verlegten drei große Rohrleitungen von außerhalb, welche die Wasserversorgung Jerusalems um ein Wesentliches steigerten.