Schlieffenplan

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Der Schlieffenplan war der Aufmarschplan des Ersten Weltkriegs, wie ihn die deutsche Oberste Heeresleitung 1914 zur Ausführung brachte. Er geht in seinem Ursprung auf das Jahr 1906 zurück, wo ihn der damalige Generalstabs-Chef Alfred von Schlieffen konzipierte. Er war die Antwort darauf, wie ein Zweifronten-Krieg gegen einen zahlenmässig überlegenen Gegner gewonnen werden könnte und war im Sinne eines Präventivkrieges konzipiert, indem zur Bekämpfung des Triple Entente-Gegners Russland zunächst das allenfalls an der Eskalation gar nicht beteiligte Frankreich mit einem schnellen Angriff besiegt werden sollte, bevor man sich dem eigentlichen Gegner Russland mit von der Westfront zusätzlich an die Ostfront verschobenen Truppen mit voller Wucht zuwenden konnte. Grundlage dafür war, dass Russland z.B. aufgrund logistischer Probleme (zu wenig Eisenbahnlinien nach Westen Richtung Deutsches Reich) seine Mobilmachung nur relativ langsam durchführen konnte. Der Schlieffenplan sah auch eine gegen das Völkerrecht verstossende Verletzung der Neutralität Belgiens vor.

Die Umsetzung im Krieg funktionierte vor allem an der Westfront nicht wie von der Generalität erwartet. Dies vor allem aus waffentechnischen und strategischen Gründen. Es erwies sich, dass die neue Waffe Maschinengewehr und auch relativ feste Artillerie-Stellungen der französischen oder französisch-britischen Verteidiger, kombiniert mit den besseren Ortskenntnissen der französischen Verteidiger auf heimischem Boden, den auf schnelle mobile Fortbewegung angewiesenen und damit weitgehend auch auf das traditionelle Infanteriegewehr und Handgranaten beschränkten deutschen Angreifern eher überlegen waren.

Abgestützt auf den Schlieffenplan war auch die seit spätestens 1912 vom Generalstab stets wieder erneuerte Forderung an Kaiser Wilhelm und die Regierung, den Präventivkrieg "je eher, desto besser", also möglichst bald zu führen. Dies aus der Position heraus, dass die Entente und vor allem Russland in näherer Zukunft militärisch immer stärker würden, auch weil der Bau weiterer Eisenbahnlinien Richtung Westen, unter anderem zum schnelleren Aufmarsch an die deutsche Grenze, zügig voranschreite. Die zunehmende russische Stärke bestand in den Augen der deutschen Militärs zum guten Teil auch in dem sehr grossen Arsenal an Soldaten, welche dem riesigen Zarenreich zur Verfügung stünden. Ignoriert wurde dabei die gewaltige waffentechnische Überlegenheit der deutschen Land-Steitkräfte. Man verfügte z.B. über mehr mobile schwere Artillerie-Geschütze als die gesamte Entente zusammen. Von den über eine Million russischen Infanteristen mussten sich anderseits im Krieg aus Ressourcenmangel sogar jeweils zwei ein einzelnes Gewehr teilen. Ein anderes Beispiel zur Illustration wäre die deutsche Roheisen-Produktion (einschliesslich ziviler Bedarf)[1]: Sie belief sich 1908 auf 11 Millionen Tonnen. Das war mehr als Grossbritannien, Frankreich und Russland zusammen mit 10 Millionen Tonnen. Zu Deutschland gesellte sich auch noch die Produktion der Verbündeten Österreich-Ungarn mit 1,3 Millionen Tonnen und Osmanisches Reich von unbekannter Höhe.

1 Literatur[Bearbeiten]

  • A. Gasser: Preussischer Militärgeist und Kriegsentfesselung 1914
  • A. Mombauer: Die Julikrise - Europas Weg in den Ersten Weltkrieg
  • M. Geyer: Deutsche Rüstungspolitik 1860 bis 1980

2 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. K.H. Mommerz: Bohren, Drehen, Fräsen - Geschichte der Werkzeugmaschinen, S. 126