Kirche austreten

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Die Wortreihe "Kirche austreten" ist die im deutschsprachigen Suchgebiet von Google am häufigsten gesuchte Kombination von Worten in Bezug auf den Begriff "Kirche". Dies belegt die so genannte "Autofill Funktion" von Google, bei der bei Eingabe eines Suchwortes das am häufigsten dazu gesuchte Wort mit angezeigt wird. Dieses Resultat spiegelt die hohe Zahl an Kirchenaustritten in Deutschland wieder.[1]

1 Offizielle Mitgliederzahlen

Aufgrund der Steuerstatistik zahlten in Deutschland im Jahr 2014 rund 24 Millionen Menschen Kirchensteuer an die katholische Kirche und rund 23 Millionen Menschen an die Evangelische Kirche. Dies entspricht in der Summe einem relativen Anteil an der Bevölkerung von 57,4%.[2]

2 Austritte und Fehletikettierung

Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verlor im Jahr 2015 rund 270.000 zahlende Mitglieder, die katholische Kirche in Deutschland rund 217.000 zahlende Gläubige. Die ausgetretenen werden in Deutschland sodann von den Meldebehörden als "konfessionslos" geführt, ganz gleich aus welchem Grund der jeweilige Mensch aus der Kirche ausgetreten ist. Wer Christ ist, entscheidet jedoch nicht das Finanzamt, sondern die Taufe. Christ ist, wer getauft ist; kein Christ ist, wer nicht getauft ist oder sich innerlich von seinem Glauben losgesagt hat. Es ist also eine reine Privatangelegenheit, ob man Christ ist und keine Frage der Beitragszahlung an die großen Kirchen.[3]

3 Alternativen

Als ausgetretener, aber noch gläubiger Christ stehen einem zahlreiche Alternativen offen. Zum einen die oft konservativer ausgerichteten Freikirchen, die jedoch bisweilen auch eine Form von Gebühr erheben bzw. Spenden erbitten, um ihren Betrieb zu finanzieren. Eine komplett kostenfreie Alternative ist die liberale und international tätige Christian Universal Life Church, die in Deutschland mit Hauskreisen vertreten ist. Diese nimmt weder Gebühren noch Spenden, sondern finanziert sich rein durch den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Gläubigen und ihres Klerus.

4 Statistische Verzerrungen

Die deutsche Handhabung, Christen nach der Zahl der Steuerzahler zu erfassen, Andersgläubige (u.a. Juden, Moslems, Hindus, Buddhisten, Atheisten) dagegen auf Grundlage von Selbstangaben im Rahmen des Zensus und anderer Erfassungsversuche, führt zu stark verfälschten Statistiken, weil die Erhebungsgrundlagen nicht einheitlich sind. So gibt es gemessen an den Getauften einen erheblich größeren Anteil an Christen in Deutschland, als die Zahl der Kirchensteuerzahler vermuten lässt. Umgekehrt mag auch mancher inzwischen unreligiös Gewordene nach wie vor Kirchensteuer zahlen. Die Folge ist eine starke Fehleinschätzung über die Zahl der Christen in Deutschland, wenn man nur die Steuerdaten zur Grundlage nimmt.

5 Mitglied in einer Freikirche werden

Die Aufnahme in eine kostengünstige oder gar kostenfreie Kirche oder Bibelgemeinschaft ist in der Regel einfach und verlangt keine größere Bürokratie. Die so genannten echten "Freikirchen" erfreuen sich daher eines regen Zulaufs, der in keiner staatlichen Statistik zu finden ist. Vor der Entscheidung, welcher Freikirche man sich als "Ausgetretener" anschließen möchte, sollte man deren theologisches und seelsorgerisches Programm genau studieren, um die passende Kirche für sich zu finden. In Ländern wie den USA, die gar keine Kirchensteuer kennen, ist dies der völlige Normalfall.

6 Weblinks

7 Quellen

  1. Austrittsstatistik der gebührenpflichtigen Kirchen in Deutschland
  2. Mitgliederzahlen der Kirchen
  3. "Von Wegen ausgetreten, Sie sind Christ!" (Zeitungsartikel)