Der grosse Basar

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Der grosse Basar: Gespräche mit Michel Lévy, Jean-Marc Salmon, Maren Sell ist ein von Michel Lévy, Jean-Marc Salmon und Maren Sell 1975 veröffentlichtes Buch auf Basis von Interviews mit Daniel Cohn-Bendit über sein Leben von 1968 bis 1975. Die Originalausgabe erschien bei Éditions Belfond unter dem Titel Le grand bazar. Das Werk wurde durch Thomas Hartmann aus dem Französischen übersetzt und erschien 1975 in deutscher Übersetzung im Trikont-Verlag. Inhaltlicher Schwerpunkt des Buches sind die politischen Ereignisse vom Mai 1968 und die Rolle Cohn-Bendits hierbei. Das im Vorwort als „ein buntes Warenhaus des Linksradikalismus“ angekündigte Buch wurde aber vor allem durch einzelne Äußerungen zur Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen bekannt, die Jahrzehnte nach Erscheinen des Buches eine Pädophilie-Debatte auslösten.

1 Debatte über Äußerungen zur Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen

Insbesondere einige Äußerungen Cohn-Bendits über die von ihm berichteten angeblichen Erfahrungen während seiner Arbeit in einem Kinderladen in Frankfurt am Main wurden wiederholt öffentlich aufgegriffen. Gegenstand der Debatte war folgende Passage:

„Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. [...] Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: ‚Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?‘ Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“

Daniel Cohn-Bendit: Der grosse Basar, München 1975, S. 143

Bereits in den 1970er Jahren gab es dazu Kritik an Cohn-Bendit, etwa von Jürgen Klocke in der Zeitung Kommunismus und Klassenkampf:

„Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wird von der Arbeiterklasse eine nützliche Arbeit zugewiesen bekommen, etwa in einer Fischmehlfabrik in Cuxhaven, oder er wird während der Revolution durch die Massen an den nächsten Baum befördert.“

Erst im Januar 2001 bezichtigte die Journalistin Bettina Röhl Cohn-Bendit des sexuellen Missbrauches von Kindern und bezog sich dabei unter anderem auf Textpassagen, die auch in diesem Buch veröffentlicht wurden. Der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel (FDP) forderte im Januar 2011 Cohn-Bendit in einem offenen Brief dazu auf, sich von den Äußerungen zu distanzieren. Cohn-Bendit antwortete Kinkel:

„Vor 25 Jahren, als wir über Kindersexualität diskutierten, war uns und der Gesellschaft das Problem nicht bewusst. Wir stellten uns die Frage, wie kann ein Erzieher, wie können Eltern der kindlichen Sexualität und der kindlichen Neugier nicht-repressiv begegnen, ihre Autonomiewünsche ernst nehmen. Die Gesellschaft der 60er und 70er Jahre, in der wir lebten, wurde unserer Meinung nach diesen Bedürfnissen nicht gerecht. Bei Diskussionen in Wohngemeinschaften, in den Kinderläden und in der Öffentlichkeit versuchten wir, in einem kollektiven Diskurs eine neue Sexualmoral zu definieren. In diesem Zusammenhang muss man meine ich-bezogene Selbstreflexion im ‚Grossen Basar’ verstehen.[1]

Cohn-Bendit erklärte mehrfach, dass er niemals sexuellen Missbrauch begangen habe. 2001 wurde er durch die Aussage einer Mutter entlastet, dass sich Cohn-Bendit niemals an Kindern vergangen habe. Die Zeugin räumte auf Nachfragen der FAZ erst im April 2013 ein: „Mein Sohn war damals nicht in der Universitäts-Kita, um die es in dem Buch ging, sondern in der Krabbelstube im Haus der Freien Schule“.[2]

Im März 2013 sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, seine zugesagte Laudatio zur Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Cohn-Bendit mit der Begründung ab, Cohn-Bendit habe sich „in nicht unproblematischer Weise über die Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern geäußert“.[3][4][5][6][7][8][9][10]

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel im Mai 2013 erklärte Cohn-Bendit, Der grosse Basar sei „nicht nur furchtbar schlecht geschrieben, sondern auch eine merkwürdige Kolportage aus Fiktion und Erlebtem“. Das Buch sei „aus einem Interview entstanden, als eine Art Manifest gegen die bürgerliche Gesellschaft“.[11]

2 Ausgaben

  • Le grand bazar. Entretiens avec Michel Lévy, Jean-Marc Salmon, Maren Sell. Belfond, Paris 1975. ISBN 2-7144-3010-4 Neuausgabe: Le grand bazar : Mai et après. Bibliothèque médiations Bd. 175, Denoel/Gonthier, Paris 1978
  • Der grosse Basar: Gespräche mit Michel Lévy, Jean-Marc Salmon, Maren Sell. Aus dem Französischen übersetzt von Thomas Hartmann. Trikont, München 1975, ISBN 3-920385-82-9.

3 Rezensionen

4 Literatur

5 Weblinks

6 Einzelnachweise

  1. Die Kinkel-Cohn-Bendit-Kontroverse
  2. Pressemitteilung von netzwerkB, 22. Juli 2013 (online)
  3. Missbrauchsdebatte: Cohn-Bendit bedauert Äußerungen über Intimitäten mit Kindern, in: Der Spiegel, 20. Mai 2013.
  4. Äußerungen zur Sexualität mit Kindern: Voßkuhle sagt Festrede für Cohn-Bendit ab, in: Der Spiegel, 14. März 2013.
  5. Marcus Klöckner: Das "Monster Cohn-Bendit" und die Kinder: Alles ein großes Missverständnis? in: Telepolis, 22. Mai 2013.
  6. Cohn-Bendit irrte – doch war er kein Pädophiler, in: Die Welt, 19. Mai 2013.
  7. Martin Kessler, Eva Quadbeck: Einfluss Pädophiler in der Partei. Grüne kämpfen mit ihrer Vergangenheit, in: RP Online, 15. Mai 2013.
  8. Ansgar Siemens: Opfervertreter klagt an. „Cohn-Bendit ist mitverantwortlich für Kindesmissbrauch“, in: Focus, 17. Mai 2013.
  9. Alexander Marguier: Cohn-Bendit und ein unappetitliches Plädoyer von links, in: Cicero, 14. Mai 2013.
  10. Inge Günther: Debatte über Daniel Cohn-Bendit. Der Kinderfreund Daniel Cohn-Bendit, in: Stuttgarter Zeitung, 16. Mai 2013.
  11. Interview mit Daniel Cohn-Bendit, Der Spiegel, Ausgabe 20/2013

7 Init-Quelle

Entnommen aus der Wikipedia: