Charles de Gaulle

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Charles André Joseph Marie de Gaulle (* 22. November 1890 in Lille, Nord; † 9. November 1970 in Colombey-les-Deux-Églises, Haute-Marne) war ein französischer General und Politiker. Er war von 1959 bis 1969 Staatspräsident Frankreichs.


Während des Ersten Weltkrieges diente der Berufsoffizier de Gaulle als Leutnant und Hauptmann der Infanterie. Er wurde dreimal verwundet. Nach dem Krieg diente er u.a. als Verbindungsoffizier in Polen; als Ausbilder an französischen Stabsschulen; als Stabsoffizier; sowie als Stabsoffizier. Er stieg zum Dienstgrad Oberst auf.

Während der deutschen Invasion befehligte er als Brigadegeneral eine Infanteriedivision. Nach der französischen Niederlage floh er nach England, wo er am 25. Juni 1940 das Komitee „Freies Frankreich“ gründete und Chef der „Freien Französischen Streitkräfte“ (Forces Françaises Libres, FFL) sowie des „Nationalen Verteidigungskomitees“ wurde. Nach der alliierten Landung in Nordafrika setzte auch de Gaulle im Mai 1943 nach Algerien über, wo er das französische Komitee für die nationale Befreiung (CFLN) gründete. Nach der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944, an der minoritär auch französische Soldaten beteiligt waren, nahm das CFLN den Namen Gouvernement provisoire de la République Française (GPRF) an und zog am 25. August 1944 in das befreite Paris ein.

General Charles de Gaulle wurde am 16. November 1945 von der französischen Nationalversammlung zum Präsidenten der provisorischen Regierung Frankreichs gewählt. Der General hatte seit seinem Einzug in Paris am 26. August 1944 de facto die Regierungsgewalt über das befreite Frankreich gehalten. Zwischen Januar 1945 und Januar 1946 hielt er den Vorsitz des Ministerrates in der provisorischen Regierung. Er überwarf sich aufgrund seiner Befürwortung einer starken, überparteilichen Präsidentschaft schnell mit den Parteien, die grösseren Einfluss des Parlamentes über die Regierungsgeschäfte forderten. Am 20. Januar 1946 trat er überraschend von seinem Präsidialamt und dem Ministerpräsidentenamt zurück und wurde von Felix Gouin ersetzt. Dem Rücktritt ging vor allem ein grundlegender Streit zwischen den Parteien in der Nationalversammlung über Höhe und Verteilung des Staatsbudgets voraus, der die Regierungsgeschäfte behinderte. De Gaulle sah dies als unerträgliche parlamentarische Hemmung der Regierung, die er mit dem Staat gleichsetzte. De Gaulle erklärte seinen Schritt damit, dass das bereits vor dem Krieg herrschende “Parteienregime” sich wieder etabliere – damit wolle er nichts zu tun haben. Eine der tiefgreifendsten Entscheidungen de Gaulles während seiner Amtszeit war die Beauftragung des Geschäftsmannes Jean Monnet mit der Erarbeitung des wirtschaftlichen Wiederaufbau- und Modernisierungsplanes für Frankreich.

1947-1953 führte de Gaulle das von ihm gegründete Rassemblement du Peuple Français. 1958 wurde er Ministerpräsident und kurz darauf Präsident der von ihm verfassungsrechtlich geformten Fünften Republik mit starkem Präsidentenamt. Eine Niederlage in einer von ihm veranlassten Volksabstimmung war für de Gaulle, der während seiner Amtszeit aufgrund seines Charismas weitgehend mit parlamentarischen Mehrheiten seiner Partei, den Gaullisten, regieren konnte, Anlass zum Rücktritt vom Präsidentenamt am 28. April 1969. Er starb am 9. November 1970 an den Folgen eines Schlaganfalls. Einer seiner weitreichendsten Beschlüsse war die Entlassung der Kolonie Algerien in die Unabhängigkeit.

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