Deutschsprachige Wikipedia

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Deutschsprachige Wikipedia
Werbespruch Die freie Enzyklopädie
Kommerziell nein
Beschreibung Onlinelexikon
Registrierung optional
Sprachen Deutsch
Artikelanzahl 2,3 Millionen
Eigentümer Wikimedia
Urheber Wikipedia-Gemeinschaft
Erschienen 16. März 2001
Status aktiv
URL de.wikipedia.org

Die deutschsprachige Wikipedia ist die Ausgabe der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia in deutscher Sprache. Die deutsche Sektion der Wikipedia steht seit einigen Jahren unter scharfer Kritik aufgrund intransparenter, oligarchischer Strukturen und wegen Bildung von diversen Seilschaften, die das Massenmedium - vor allem im politischen Themenbereich - auf einen unfreiheitlichen Kurs zu trimmen versucht.[1] Das Führungspersonal setzt sich zunehmend aus problematischen Charakteren zusammen, und die Zahl der Wikipedia-Opfer nimmt unaufhörlich zu.[2]

Mit derzeit ca. 2 Millionen Artikeln ist die deutschsprachige Wikipedia eine der größten Wikipedia Versionen. Bis 2013 stand sie hinter der englischen an zweiter Stelle. Die Wikipedia hat sich nach einer im Auftrag der Zeitschrift Stern erstellten Studie zu einem Leitmedium entwickelt.[3][4][5]

Eine unabhängige Alternativen zur Wikipedia als Universallexikon ist im deutschsprachigen Raum PlusPedia mit gegenwärtig mehr als 45.000 Artikeln. Es gibt daneben zahlreiche Wikipedia-Alternativen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

1 Preise und Auszeichnungen

2016 ging ein Preis für Journalisten und Schriftsteller, der alle zwei Jahre von der Gesellschaft Deutscher Chemiker verliehen wird, an die Redaktion Chemie. Diese Redaktion ist ein freiwilliger Zusammenschluss und besteht aus rund 15 ehrenamtlichen Autoren.

Die Katholische Journalistenschule in München hat sich vorgenommen, die besten deutschsprachigen Wikipedia-Artikel des Jahres auszuzeichnen. Ein Mitglied der Jury warnt jedoch: „Wir denken viel zu oft: Was auf Wikipedia steht, stimmt alles.“ Seiner Einschätzung nach würden manche Autor Quellen und Aussagen verwenden, die nicht das belegen, was einer näheren Überprüfung standhält.[6]

2 Organisation

Jede Sprachversion von Wikipedia hat ihre eigene Organisationsform entwickelt. So gab es 2018 rund 10.000 aktive Benutzer in der deutschsprachigen Wikipedia. An der Wahl zu den Administratoren nahmen 2018 rund 3000 stimmberechtigte Wikipedianer teil.[7] Die Wahlen finden jährlich statt.[8]

In der deutschsprachigen Wikipedia werden neue Artikel oder Artikeländerungen neuer Autoren erst akzeptiert, nachdem sie „gesichtet“ wurden.[9] Dass Beiträge eines Autors automatisch gesichtet werden und keiner fremden Sichtung mehr bedürfen, geschieht nach wenigstens 150 Bearbeitungen und 30 Tagen seit der Registrierung automatisch. Autoren besitzen nach 60 Tagen und 300 Bearbeitungen auch die aktiven Sichtungsrechte.[10] Das Recht, die Änderungen von Autoren zu sichten, deren Sichtung noch nicht automatisch erfolgt, wird nur auf Antrag und von Administratoren nach deren eigenem Ermessen vergeben.[9] Diese Regelung wurde Anfang Mai 2008 in der Wikipedia eingeführt, aber inzwischen wegen des damit verbundenen Aufwands inzwischen etwas verändert.

Mit dem Sichten soll gewährleistet werden, dass der Leser eine Version sieht, die frei von offensichtlichem Vandalismus ist. Ausdrücklich nicht erreicht werden kann mit einer gesichteten Version eine fachliche Kontrolle.[11]

3 Seilschaften und Lobbyarbeit

Hans-Olaf Henkel schrieb 2012 im Handelsblatt: „Im Internet ist die Pressefreiheit besonders bedroht. Neuerdings ist Wikipedia das Schlachtfeld perfider Anschläge auf die Pressefreiheit. Ideologen geht es dabei nicht mehr nur um Einflussnahme auf Presseorgane, sondern um ihre Vernichtung.“[12]

Im Jahr 2015 wiesen Historiker im als „exzellent“ bewerteten Artikel Massaker von Katyn, verfasst vom Hauptautor Gerhard Sattler, mehr als 130 fachliche, teils schwerwiegende Fehler nach. An der Abstimmung über die Einstufung als „exzellent“ hatten zwar nur ein paar Dutzend Wikipedianer teilgenommen, doch das wurde zunächst als einziges Argument zur Rechtfertigung angeführt.[13]

Im Herbst 2015 wurde durch einen Journalisten der Zeitung Junge Welt eine Manipulation der deutschen Wikipedia durch einen Administrator aufgedeckt, der zeitgleich auch bedeutender Mitarbeiter des Pharmakonzerns Merck ist (siehe Merck-Wikipedia-Skandal). Für bestimmte Medien wird offenbar gezielt Werbung gemacht: Im Jahr 2017 gehörte Die Welt der Axel Springer AG zu den zehn meistzitierten Quellen in der deutschsprachigen Wikipedia.[14]

Bei der Abstimmung über die Abschaltung der deutschsprachigen Wikipedia am 21. März 2019 waren nur die Stimmen von 139 Nutzern für die Entscheidung nötig.[15] Die Zahl der aktiven Nutzer liegt dagegen bei weit über 10.000.[16]

4 Widersprüche in der Relevanz

Ab dem Jahr 2004 wurden in der deutschen Wikipedia Regeln aufgestellt, was angeblich relevant ist und was nicht. So gilt inzwischen jeder See, jeder kleine Ort und jedes Gebäude als relevant. Es wird ohne nähere Prüfung der Geburtsort einer Person als relevant eingestuft, obwohl viele dieser Menschen dort nicht den Mittelpunkt ihres Lebens sehen. Der langjährige Bürgermeister einer Stadt hat also den gleichen Stellenwert wie eine Person, die zufällig nur in dieser Stadt geboren wurde. Der Geburtsort mag aus statistischen Gründen interessant sein, für die Relevanz ist es aber zunächst ohne Bedeutung. Jeder Abgeordnete in einem Parlament erscheint relevant, auch wenn er nie öffentlich in Erscheinung getreten ist. So gelingt es schnell, sämtliche Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu erfassen, die ohnehin auf der Internetseite dieser Institution zu finden sind.

Andererseits wird die Relevanz anderer Personen genau geprüft, ob sie z.B. mehrere Bücher geschrieben haben, in Zeitungsberichten erwähnt werden usw. So kann es schnell vorkommen, dass Artikel über bekannte Künstler oder Schriftsteller gelöscht werden, weil der Autor des Artikels sich noch nicht die Mühe gemacht hat, weitere Quellen anzugeben. Eine konstruktive Zusammenarbeit findet oft nicht statt. In der englischen Wikipedia gibt es ein Stufensystem für die Prüfung der Relevanz, so dass es nicht so schnell zu einer Löschung kommt.

Manchmal erscheinen skurile Artikel auf der Titelseite von Wikipedia, die an der Ernsthaftigkeit des ganzen Projektes zweifeln lassen oder sich schon der Lächerlichkeit preisgeben, wie etwa der Artikel Jeremy (Schnecke).[17]

5 Mangelnde Verständlichkeit

Weder von der Sprache noch von der Systematik her ist die deutsche Wikipedia in großen Teilen für den Durchschnittsleser verständlich oder nachvollziehbar. Dies liegt vor allem daran, dass reine Definitionen im Gegensatz zu den anderen Sprachversionen nicht erwünscht sind.[18] Stattdessen wird auf Wiktionary verwiesen, das jedoch als Wörterbuch nur sehr kurze Erklärungen ohne Zusammenhang liefert. Ein weiterer Grund ist die akademische Bildung vieler Autoren, die sich jedoch nicht auf das Niveau des Durchschnittsdeutschen „herablassen“ wollen. Sie betrachten sich als Elite und sind zugleich dadurch fern vom Volk. Ein Besipiel ist folgender Satz: „Gleichberechtigung bezeichnet die Gleichheit verschiedener Rechtssubjekte in einem bestimmten Rechtssystem.“ Eine allgemein verständliche Definition ist das nicht, weil allein der Begriff Rechtssubjekt erklärt werden müsste.[19] Die Erklärung dieses Begriffs wiederum ist für die meisten Leser noch weniger verständlich: „Rechtssubjekt (oder (Rechts-)Person) bezeichnet in der Rechtswissenschaft einen von der Rechtsordnung anerkannten (potenziellen) Träger von subjektiven Rechten und Pflichten.“

6 Einzelnachweise

  1. Danisch: Politisch-Ideologische Filterung in der Wikipedia (2012)
  2. Katrin McClean: Die Gesinnungswächter der Wikipedia
  3. Stern.de Artikel: "Wikipedia schlägt Brockhaus"
  4. Chip.de "Wikipedia schlägt Brockhaus"
  5. Statistiken zur Wikipedia
  6. Wikipedianer: Nicht jedem Artikel des Online-Lexikons vertrauen auf web.de am 4. November 2017
  7. https://www.pressenza.com/de/2018/09/propaganda-in-der-wikipedia
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Adminwiederwahl/Kurzstatistik
  9. 9,0 9,1 Wikipedia:Gesichtete Versionen/Rechtevergabe Wikipedia:Gesichtete Versionen/Rechtevergabe
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Gesichtete_Versionen#Sichterstatus
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Gesichtete_Versionen
  12. Hans-Olaf Henkel: Pressefreiheit unter Beschuss, Handelsblatt am 29. Oktober 2012
  13. Wikipedia: Mehr als hundert Fehler, Süddeutsche Zeitung am 16. Dezember 2015
  14. Analysis of References Across Wikipedia Languages. In: Communications in Computer and Information Science. 756, 2017-09-23 , S. 561–573. doi:10.1007/978-3-319-67642-5_47
  15. Christian Meier: Für den ersten Wikipedia-Blackout aller Zeiten stimmten nur 139 Personen. In: Die Welt, 21. März 2019
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Statistik
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_(Schnecke)
  18. Thomas Wozniak u.a. (Hrsg.): Wikipedia und Geschichtswissenschaft, Oldenbourg Verlag, Berlin 2015, Seite 21
  19. https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberechtigung

7 Andere Lexika




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