Unglück bei der Loveparade 2010

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Bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 starben vor Ort 16 Menschen und 21 Menschen insgesamt. Darunter waren auch ausländische Gäste aus Holland, Australien, China und Italien.


1 Hergang

Lageplan des Veranstaltungsgeländes auf dem Güterbahnhof Duisburg

Vor dem eingezäunten Gelände des Güterbahnhofs hatte sich ein Besucherstrom gestaut. Nachdem das Veranstaltungsgelände wegen Überfüllung geschlossen wurde, kam es zur Überfüllung im einspurigen Tunnel der Karl-Lehr-Straße am Alten Güterbahnhof, der als Haupteingang des Geländes diente. Tausende wollten das Gelände verlassen, um zu einer zweiten, außerhalb des Geländes liegenden Bühne zu kommen. Doch gleichzeitig kamen massenweise Besucher am anderen Ende des Tunnels an, welche zur Bühne auf dem Hauptgelände wollten. Nach Angaben der Duisburger Polizei haben Besucher versucht, über eine gesperrte schmale Nottreppe zum Gelände hochzusteigen, andere haben ein leiterartiges Lautsprechergerüst dazu genutzt. Einige der Kletterer seien auf die Massen abgestürzt und hätten schließlich die Panik ausgelöst.[1]Es kam somit zur Entstehung von panischen Fluchtbewegungen in Menschenmassen. Augenzeugen berichteten dem WDR, einige der Opfer seien "einfach umgefallen" und "totgetrampelt" worden. Erst nach Mitternacht verließen die Leichenwagen den Unglücksort.

2 Kritik

Kritisiert wurde vor allem bei Sozialen Netzwerken wie Twitter, dass Bild.de mehrere Bilder der Leichen veröffentlichte. Daraufhin erhielt der Presserat bisher rund 100 Beschwerden aufgrund unangemessener sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid.[2] [3] Laut News25.de geben einige Augenzeugen der Polizei die Schuld. Nach Informationen der WAZ-Mediengruppe haben einige Augenzeugen berichtet, dass einige Besucher umgefallen seien, die Polizei die Menschen aber immer weiter von beiden Seiten in den Tunnel geschickt habe. Unmittelbar vor dem Unglück habe die Polizei den Eingang zum Gelände geschlossen, wie auch bei einem YouTube-Video zu sehen ist.[4] Loveparade-Gründer Dr. Motte sieht die Schuld für die Katastrophe bei den Veranstaltern. Zudem wirft er den Organisatoren "Profitgier" und einen Management-Fehler vor. Sicherheitsapekte seien nicht hoch genug einzustuft worden. Die Stadt Duisburg wird ebenso verantwortlich gemacht. Der Unglücksbereich aber auch der Veranstaltungsort in Duisburg bot im Gegensatz zum Tiergarten in Berlin nur wenige Eingangs- uns Ausgangspunkte. Auch verfüge die Stadt Duisburg nicht über ausreichend große Reserven im öffentlichen Personennahverkehr. Zudem sah es Dr. Motte als pietätlos an, dass die Veranstaltung nach der Katastrophe nicht abgebrochen wurde und die Besucher weiterfeiern ließ.[5]

Eva Herman veröffentlichte ihre Sicht der Dinge zur Loveparade-Tragödie auf der Internet-Seite des Kopp-Verlags unter dem Titel "Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg". Es entstand darauf unter anderem Empörung, wenige Stunden nach Veröffentlichung wurde der Beitrag in einer "entschärften" Version eingestellt.[6][7]Als Reaktion wurde dazu unter anderem im Netz ein offener Brief an Eva Herman veröffentlicht.[8]Laut Spiegel-Online zeige ein internes Verwaltungsdokument gravierende Mängel beim Sicherheitskonzept für die Love Parade. Demnach war das Gelände in Duisburg lediglich für 250.000 Menschen freigegeben, weswegen man anscheinend versucht, die Besucherzahlen runterzurechnen. Seit der Katastrophe kursieren höchst unterschiedliche Angaben darüber, wieviele Besucher anwesend waren.[9]Bei einer Dienststelle der Bundespolizei habe man inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. Es wird eine Vertuschungsaktion vermutet.[10]Positiv wurde dagegen aufgenommen, dass die DJs David Guetta und Westbam ihre Auftritte absagten. Derzeit werden beim Online-Auktionshaus eBay T-Shirts mit aufgedruckten Sprüchen wie "Ich sah das Licht am Ende des Tunnels" oder "Loveparade 2010: Ich habs überlebt" angeboten. Kritisiert wird auch, dass der Fernsehsender PRO 7 trotz des Unglücks Werbung für die neue Loveparade 2010 CD macht. In einigen TV-Berichterstattungen scheint man auf die Eigenheiten der Techno-Kultur zurückzugehen, wobei man penetrant wirkend von spaßfixierten “Ravern” statt von Menschen spricht - Denn das Desaster hätte genauso auch bei einem Death-Metal-Festival, einem Mega-Event der Volksmusik oder einer Sportveranstaltung ereignen können. Ein ähnliches Desaster beim Public Viewing während einer Fußball-WM könnte man deshalb kaum auf den “Fußballfanatismus der deutschen Fans” zurückführen. Kritisiert wird auch die bemerkenswerte Selbstgerechtigkeit, die durch viele Berichte über die Loveparade zu schimmern scheint. Ungestellt bleibt unter anderem die Frage, ob das Unglück passiert wäre, wenn Journalisten diese Loveparade organisiert hätten.[11]

Der Oberbürgermeister Adolf Sauerland wurde ebenfalls heftig kritisiert und mehrfach zum Rücktritt von verschiedenen Seiten aufgefordert.

3 Vermutungen und Spekulationen zum Thema

Kritiker werfen zum Teil vor, dass die Verantwortlichen auf der Pressekonferenz wenige Informationen, dagegen vielmehr Ausflüchte und Lügen von sich gaben. Laut Aussage des Polizeipräsidents Duisburgs, Detlef von Schmeling, starben 14 Personen durch Stürze an der Metalltreppe, zwei an einer Plakatwand, was schließlich zur Massenpanik geführt hätte. Im Tunnel selbst starb demnach niemand. Das Unglück sei somit passiert, weil „einige hinter dem Tunnel versucht haben, schneller auf das Gelände zu gelangen“.[12]Diese Aussagen werden von Kritikern als fragwürdig angesehen, da auf Bild.de und Spiegel-Online mehrere Bilder abgedeckter Leichen im Tunnel zu sehen waren. Nach den Obduktionsergebnissen sollen alle Toten an Brustquetschungen gestorben sein, was für einen Tod im Tunnel durch Erdrücken spricht. [13]Diese Äußerungen werden als ein Versuch angesehen, die Verantwortung für die Katastrophe von sich abzuleiten und den Toten selbst die Schuld zu geben. Die Obduktion hat demnach diese Aussagen als Täuschungsversuch entlarvt.[14]

4 Folgen (Teilweise Spekulativ)

Laut Pressekonferenz vom Sonntag 25. Juli 2010 bedeutet das Unglück laut Veranstalter das Aus der Loveparade (in dieser Form).

Der Veranstalter der Loveparade, die Loveparade GmbH (Geschäftsführer: Rainer Schaller) wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen mit massiver Kritik beschäftigen müssen. Auch der Hauptsponsor, die McFit Fitness GmbH wird sich mit Kritik beschäftigen müssen, von welcher Rainer Schaller ebenfalls der Geschäftsführer ist. Mögliche Schadenersatzklagen werden für die Loveparade GmbH vielleicht das wirtschaftliche Ende bedeuten.

5 Sonstiges

Die Website loveparade.de wurde geschwärzt.[15]Während der Veranstaltung wurden kurz vor der Katastrophe Aufkleber mit der Aufschrift "Dance Or Die" verteilt. Der MSV Duisburg wird mit dem FC Schalke 04 in der Schauinsland-Reisen-Arena ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Opfer bestreiten. Mit der Internetseite www.loveparaderavercount.de wird versucht, die tatsächliche Anzahl der Besucher zu ermitteln.

Nachdem bei YouTube die meisten Videos das Drama aus mehr oder weniger sicherer Entfernung zeigten, wurden nun bei YouTube kürzlich einige Videos eines Betroffenen (User pizzamanne)[16]der Katastrophe veröffentlicht, besonders eindrucksvoll zeigen, welcher Angst die Besucher ausgesetzt waren. Die meisten Videos bisher stellten die Massenpanik nicht deutlich genug dar.[17]

6 Einzelnachweise

  1. Massenpanik bei der Loveparade: Zahl der Toten auf 18 gestiegen Focus.de
  2. Presserat erhält bisher rund 100 Beschwerden zu Loveparade abacho.de
  3. Link zum Beschwerdeformular des Deutschen Presserates
  4. Loveparade: 18 Tote, 100 Verletzte news25.de
  5. Loveparade-Gründer Dr. Motte: "Die Veranstalter sind schuld" sueddeutsche.de
  6. Sodom und Gomorrha
  7. "Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg" im Google-Cache
  8. Offener Brief: Sehr geehrte Frau Eva Herman de-live.de
  9. Love-Parade-Trickserei: Die wundersame Schrumpfung der 1,4 Millionen Spiegel-Online
  10. Katastrophe bei der Love Parade: Partygelände war nur für 250.000 Menschen zugelassen Spiegel-Online
  11. Die Loveparade in den Medien: Ein einziger Blick in die Zukunft hätte doch gezeigt faz.net
  12. Gemeinsame Presseerklärung von Staatanwaltschaft und Polizei. polizei-nrw.de, Duisburg, 25. Juli 2010 – 15:51 Uhr
  13. http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/loveparade-opfer_starben_alle_an_brustquetschungen_1.6933387.html Opfer starben alle an Brustquetschungen]
  14. http://www.derwesten.de/nachrichten/Die-schlimmste-Luege-von-Dietmar-Seher-id3294181.html Die schlimmste Lüge – von Dietmar Seher] derwesten.de
  15. loveparade.de
  16. Pizzamanne bei YouTube
  17. Loveparade: Erschreckendes neues Video aufgetaucht Gulli.com

7 Weblinks

8 Andere Lexika