Maos Rolle in der Kulturrevolution

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Die Kulturrevolution war die letzte große politische Kampagne Mao Tse-Tungs, die er in seiner Zeit als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas startete. Auslöser war die Entstalinisierung in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten Europas und Asiens. Mao hatte Angst, dass der Volksrepublik China - vor allem aber ihm selbst - dasselbe Schicksal bevorstehen könnte. Mao und seine Genossen glaubten nämlich, „das Mutterland des Kommunismus hätte die Farbe gewechselt“ und China könnte es genauso ergehen. Dieser Artikel soll nun speziell auf Maos Rolle während dieser Zeit eingehen.

1 Grundidee[Bearbeiten]

Mao wollte, Stalins Schicksal im Hinterkopf habend, seine Machtposition innerhalb der Partei stärken. Als offiziellen Grund führte er allerdings an, „dass er die Partei säubern und von bürokratischen Fehlentwicklungen befreien wolle.“[1] Mao formulierte in einem Brief an seine Frau Jiang Qing den berühmten Spruch, man müsse „großes Chaos unter dem Himmel kreieren, um dann große Ordnung unter dem Himmel zu schaffen.(<<天下大乱,达到天下大治, tiānxiàdàluàn dádào tiānxià dàtái>>)“[2] Dazu wollte er sich der Jugend Chinas bedienen, die sich in den so genannten „Roten Garden“ organisieren sollten. Maos Ideen waren immer sehr radikal. Er wollte durch die Kulturrevolution Tabula rasa machen d.h., die Gesellschaft und die Verhaltensweisen der Menschen sollten sich grundlegend ändern. Eine klassenlose Gesellschaft sollte kreiert werden, niemand sollte den „kapitalistischen Weg“ gehen. Mao propagierte den Klassenkampf, aus dem die Arbeiterklasse/ das Proletariat als Sieger hervorgehen und die einzig existierende Klasse sein sollte. Die alten Parteikader sollten von ihren Positionen geworfen und das System komplett umgekrempelt werden. Im so genannten „16-Punkte-Plan“ [3] legte er die Ziele der Kulturrevolution fest. Seiner Meinung nach war zwar die Bourgeoisie gestürzt, aber die Menschen hielten dennoch an den alten Ideen, der alten Kultur, den alten Gebräuchen und Gewohnheiten fest. Diese wurden die „Vier alten Dinge“ genannt. Aufgabe der Roten Garden war es nun, diese Dinge zu zerstören. Dazu gab es die Kampagne „Zerstört die Vier Alten Dinge 破四旧 pòsìjiù“. Als alt galt alles, „was nicht chinesisch, revolutionär oder dem maoistischen Denken zugeordnet werden konnte.“[4]


2 Ausführung[Bearbeiten]

1959 wurde von Mao ein Bericht in Auftrag gegeben und von Wu Han, einem ehemaligen Geschichtsprofessor der Qinghua Universität und Experten auf dem Gebiet der Ming-Dynastie verfasst. Dieser Bericht trug den Namen „Hai Rui wurde des Amtes verwiesen“ und handelte von dem als sehr aufrichtig geltenden Beamten Hai Rui aus der Ming-Zeit. Hai Rui wurde aufgrund harscher, aber berechtigter Kritik am Kaiser seines Amtes entlassen. Doch auch danach blieb er standhaft bei seiner Meinung und stand für sie ein. Der Beamte Hai Rui sollte den Parteimitgliedern als Vorbild dienen. 1961 wurde daraus sogar ein Theaterstück. Zuerst war Mao ganz begeistert von dem Stück und ehrte den Autor sogar mit einer Kopie seiner „Ausgewählten Werke“. Seine Frau Jiang Qing allerdings war anderer Meinung. Sie sah das Stück als einen Angriff auf Maos Politik. Schließlich glaubte das auch Mao selbst und schickte sie am 24. Februar 1965 auf geheime Mission nach Shanghai. Mao dachte, dass öffentliche Kritik keine Wirkung hätte, weil die Intellektuellen dies bereits gewohnt waren. Jiang Qing sollte dort durch eine Polemik gegen Wu Hans Stück die Kulturrevolution ins Rollen bringen. Die so genannte „Kampagne gegen Wu Han“ zeigt deutlich, dass Mao ein sehr wankelmütiges Gemüt hatte. Zuerst lobte er das Stück, dann ließ er sich von seine Frau überzeugen, dass es Kritik gegen ihn und seine Politik enthielte.[5]

Im nächsten Schritt wurden im Sommer 1966 alle Schulen und Universitäten geschlossen. „Arbeitsgruppen“ übernahmen die Leitung aller Bildungsinstitutionen. Dies war allerdings nicht Maos Idee gewesen. Sie stammte von Liu Shaoqi, wurde aber, wie alle Pläne und Dokumente, von Mao Zedong abgesegnet.[6] Mao war zu dieser Zeit gar nicht in Peking. Seine Abwesenheit während wichtigen Entscheidungen machte selbst hochrangigen Kadern die Entscheidung über das weitere Vorgehen nicht immer leicht. Bei Fehlentscheidungen mussten sie nämlich um ihre Stellung fürchten. Im August 1966 änderte Mao Zedong seine Meinung bezüglich den Arbeitsgruppen. Er ließ alle abziehen, mit der Begründung, dass die Masse/das Volk nun genügend Anleitung gehabt hätte und „dass sie sich nun selbst befreien sollte.“ Nun kam es zur Bildung der Roten Garden, die aber meist nur aus Kindern hochrangiger Kader bestanden. Die übrigen Mittelschüler organisierten sich in anderen Rebellengruppen. Dazu kam, dass es weitere Gruppen, als Gegenströmung zu den Roten Garden gab. Diese ganzen Gruppierungen lieferten sich erbitterte und vor allem bewaffnete Kämpfe. Diese Kämpfe brachten Mao zu einer neuen Idee. Während einer Sitzung warf er die Frage in den Raum „Warum können wir nicht auch die Studenten und Arbeiter bewaffnen?“ und, ohne eine Antwort abzuwarten, sagte er: „Ich sage, wir sollten sie bewaffnen!“ Diese Idee Maos wurde als „Bewaffnet die Linken!“ bezeichnet. Sie brachte die ohnehin schon gereizte Stimmung auf den Siedepunkt. Außerdem stellte sie einen Wendepunkt in der Kulturrevolution dar: Mao war bereit, einen Bürgerkrieg zu riskieren, um seine Ziele durchzusetzen.

3 Konsequenzen[Bearbeiten]

Im Oktober des Jahres 1968 änderte Mao seinen Plan für die Kulturrevolution radikal. Es sollten nun „Revolutionskomitees“ gebildet werden. Doch woher plötzlich dieser Wandel von „Bewaffnet die Linken!“ zu „ Revolutionskomitees“? Als Mao sah, welche Ausmaße seine „Große Proletarische Kulturrevolution“ mittlerweile angenommen hatte, als er erkannte, dass bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten und die Situation außer Kontrolle zu geraten drohte, bekam er Angst. Denn nun wurden im die Konsequenzen seiner Kampagne vor Augen geführt. Ende 1986 wurden fast alle Roten Garden „landverschickt“. Sie waren nur ein Instrument für Mao gewesen mit dem er seine Interessen hatte durchsetzen können.

4 Mao als treibende Kraft:[Bearbeiten]

Mao war nicht nur der Initiator der Kulturrevolution, er war auch sehr von seinen Ideen überzeugt. Alle sollten das „Maoistische Denken“ übernehmen, denn er hielt einzig und allein dies für richtig. Doch warum war Mao so erpicht darauf, dass alle dieses Denken übernahmen? Er wollte, wie oben schon erwähnt, seine Machtposition sichern. Dazu benötigte er die Jugend, welche in seinen Augen allerdings zu schwach waren, die Revolution voranzutreiben. Daher wollten Mao und seine Anhänger ihnen deutlich machen, dass die Revolution „sterben“ könnte, sie also kein Selbstläufer sei. Vor allem liberales Gedankengut, das aufkam, war in Maos Augen eine große Bedrohung. Auch diejenigen, die meinten, es müsse Alternativen zu seiner Politik geben, wurden von ihm verlacht und als „Weiber mit gebundenen Füßen“[7] bezeichnet. Um anti-maoistischem Denken vorzubeugen wurden seine Reden und Aussprüche in einem kleinen roten Buch, der so genannten „Maobibel“ zusammengefasst. Diese wurde kostenlos an alle verteilt; die Lektüre dieses Buches war überall, auch in den Schulen, Pflicht. Mao wusste genau, dass er die „Massen“ brauchen würde, wenn seine Revolution funktionieren sollte. In seiner Rede „Über die Koalitionsregierung“ vom 24. April 1945 sagte er: „Das Volk und nur das Volk ist die Triebkraft, die die Weltgeschichte macht.“ „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetungs“, [8] Wenn Mao seine Reden hielt, dann stellte er es immer so dar, als ob er sich selbst zu den Massen zählte, also einer von ihnen war. Damit hielt er sie auf seiner Seite. Mao war sich seiner gehobenen Stellung innerhalb der Partei und innerhalb des Volkes aber sehr wohl bewusst.


5 Maokult[Bearbeiten]

Im Folgenden soll nun erläutert werden, welche Rolle Mao für das Volk und seine Parteigenossen gespielt hat bzw. wie sie ihn sahen. Anfangs wurden nur seine Gedanken und Ideen (siehe auch „Maoismus“) verehrt. Bald übertrug sich diese Verehrung aber auch auf die Person Mao Zedongs. Es wurden beispielsweise Loblieder auf ihn geschrieben („Mao ist wie die rote Sonne“), die dann mit Text und Noten in der „Volkszeitung“, der 人民日报rénmín rìbào, abgedruckt wurden. Somit konnte das ganze Volk zu Hause Loblieder auf den „herrlichen Führer, den herrlichen Meister im Denken“ singen. Aber es wurden nicht nur Loblieder auf den Großen Vorsitzenden gesungen. Die Mittelschüler und Studenten, die ja in den Roten Garden organisiert waren, kamen aus ganz China zu Millionen nach Peking, um Mao zu sehen und vor ihm aufzumarschieren. Sie hatten in Mao die lang gesuchte Person, zu der sie aufsehen und der sie sich hingeben konnten, gefunden. So kam es, dass sich alle Gruppierungen, egal wofür sie kämpften, auf Mao beriefen. Dies zeigt deutlich, dass sich die Verhältnisse verschoben hatten: anfangs war die Partei das Höchste, nur was sie sagte, war richtig. Nun aber wurde dies alles auf Mao übertragen. Die Partei existiere nur durch Mao, alle Siege, die sie errungen hat, seien auf Mao zurückzuführen, sie wurde sogar als Maos persönliche Schöpfung bezeichnet, auch, wenn dies historisch nicht korrekt ist.[9]

Heute wird mit Mao Zedong Chinas aufstieg zur Weltmacht verbunden, was das enorme Ausmaß des Kultes um seine Person deutlich macht.

6 Schlussbemerkung[Bearbeiten]

Entgegen der allgemeinen Meinung spielte Mao während der Kulturrevolution eher eine passive Rolle. Er war zwar der „Große Vorsitzende Mao“, den alle zufrieden zustellen versuchten, aber seine Ideen und Pläne waren immer sehr vage formuliert. Oft war es so, dass Mao eine „Idee“ zum Ausdruck brachte, über die Umsetzung aber nichts Konkretes verlauten ließ. Diese überließ er dann anderen, während er häufig unterwegs und deshalb schwer zu erreichen war. So mussten die anderen selbst überlegen und entscheiden. [10] Mao war, genau genommen, nicht die ausführende Kraft der Kulturrevolution, wie man denken könnte. Allerdings gilt er, neben Stalin und Hitler, als einer der größten Tyrannen des 20. Jahrhunderts [11], weswegen es während der Kulturrevolution auch keine offiziellen Gegenstimmen gab. Selbst 32 Jahre nach Ende dieser Zeit sind sowohl Mao als Person als auch die Kulturrevolution selbst ein sehr umstrittenes Thema. Mittlerweile hat die Kommunistische Partei Chinas die negativen Folgen, die diese Zeit hatte, zugegeben. Mao selbst blieb bisher jedoch unangetastet, was ein weiterer Beweis für seine übermächtige Stellung und seinen Kultstatus ist.

7 Literatur[Bearbeiten]

  • Roderick MacFarquhar, Michael Schoenhals, „Mao's last revolution“, The Belknap Press of Harvard University Press, London 2006
  • Helwig Schmidt-Glintzer, „Das neue China. Von den Opiumkriegen bis heute“, C.H. Beck Wissen, 4. überarbeitete Auflage, München 2006
  • Simon Leys, „Maos neue Kleider. Hinter den Kulissen der Weltmacht China.“, Verlag Kurt Desch GmbH, München 1972
  • Jaques Gernet, „Die chinesische Welt“, Insel Verlag Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1997
  • „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung“, Ausgewählte Werke Mao Zedongs, Band II, Verlag für Fremdsprachliche Literatur, Peking 1972
  • Robert Jay Lifton, „Die Unsterblichkeit des Revolutionärs. Mao Tse-Tung und die chinesische Kulturrevolution“, List Verlag, München 1970

8 Weblinks[Bearbeiten]

9 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Das neue China. Von den Opiumkriegen bis heute“, Kapitel 5, S. 89
  2. „Mao's last revolution“, Kapitel 3, Seite 52
  3. „China´s Cultural Revolution, 1966-1969 – Not a dinner party“
  4. „Die Unsterblichkeit des Revolutionärs“, Kapitel 4, S. 60
  5. „Mao's last revolution“, Kapitel 1, Seite 15
  6. „Mao´s last revolution”, Kapitel 3, Seite 64
  7. „Die Unsterblichkeit des Revolutionärs“, Kapitel 3, S. 44
  8. Seite 140, Ausgewählte Werke Mao Zedongs, Band III
  9. „Maos neue Kleider. Hinter den Kulissen der Weltmacht China.“, Kapitel 2, Seite 97
  10. „Mao´s last revolution”, Kapitel 3, Seite 63
  11. „Mao's last revolution“, Glossar, Seite 471

10 Andere Lexika[Bearbeiten]

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Erster Autor: Shishi, weitere Autoren: FischX, Lutheraner