Loudness War in der Metalmusik

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Gerade in der Metalmusik, hier die Band Sakrileg, gilt ein hoher Lautstärkepegel fälschlicherweise oft als Garant für die angestrebte Härte und Brutalität der Musik.
Als Loudness War in der Metalmusik bezeichnet man in diesem Genre den Versuch der Bands / Toningenieure / Plattenfirmen ihre Aufnahmen mit einem immer höheren Aufnahmepegel zu versehen, wobei die Dynamik der Musik zunehmend auf der Strecke bleibt.

1 Details[Bearbeiten]

  • Seit über 20 Jahren ist man generell in der Pop- und Rockmusik zunehmend bemüht, den Aufnahmepegel immer höher zu schrauben. [1] Man verspricht sich davon eine höhere Aufmerksamkeit des Hörers. [2]
  • Als die Band Guns'n'Roses im Jahr 1987 ihr Album Appetite for Destruction herausbrachte, setzte sie in punkto Loudness neue Maßstäbe. Weil der fette Sound beim Publikum gut ankam, zogen nun andere Studios nach und produzierten ebenfalls lauter. [3]
  • Der US-amerikanische Musiker und Produzent Colin Marston meinte zu den Gründen für den Loudness War u.a.:
    Von links nach rechts die Pegelverläufe kurzer Auschnitte der Songs Transilvania von Iron Maiden (1980), Heaven and Hell von Black Sabbath (1987) und The Judas Kiss von Metallica (2009).
"Many engineers tout that heavily compressed material can sound good, but its takes a lot work. I generally agree, but I am also of the belief that at a certain point, the material can never really sound great at the current industry level volumes. Where do you feel the point of no return is when it comes to applying dynamic range compression and is there some material that really warrants copious amounts of it?" [4]
  • Da es auf CD`s aber ein Lausstärkemaximum gibt (0 Dezibel), ist eine Steigerung der Lautstärke ab einer gewissen Grenze nur dadurch möglich, indem man mittels eines Kompressors die leiseren Stellen im Lautstärkepegel anhebt. Dies ebnet die Unterschiede zwischen Laut und Leise, die Musik ja gerade spannend und hörenswert machen, ein. Ein Song pendelt nun fast immer auf demselben Lautstärkeniveau.
  • Dies zeigt ein Vergleich zwischen älteren und neueren Aufnahmen:
Mittels Kompressoren werden in Tonstudios die Dynamikabstufungen der Musik eingeebnet.
  • Das Album Brothers in Arms von Dire Straits hatte im Jahr 1985 noch eine Range von 17 Db zwischen Leise und Laut. Auch Bruce Springsteens Born in the USA hatte noch 17 Db. Selbst harte Musik, wie z.B. Ace of Spades von Motörhead hatte noch 11 Db Range zwischen leiseren und lauterem Teilen. [5]
  • Später wurde dieser Db-Abstand dann immer geringer. Justin Biebers Album My World 2.0 von 2010 hatte nur noch 6 Db. Damit sind Aufnahmen des weichgespülten Popsängers effektiv lauter als die älteren Aufnahmen der Rumpelrocker von Motörhead. Den wohl geringsten Db-Abstand hat Death Magnetic von Metallica aus dem Jahr 2009. Hier sind es nur noch 3 Db. Entsprechend einheitlich und ungenießbar hört sich dieser Klangbrei dann auch an.
  • Dazu kommt ein weiteres Problem: Um ein ganzen Song auf fast maximalem Pegel bei fast 0 Db zu halten, werden sogar kurze Klangspitzen (Peaks) abgeschnitten, was zum unangenehmen Höreffekt des Clipping führt. [6] Auf Metallicas Album Death Magnetic ist dies leider zu hören. [7]
Pegelunterschiede in Deep Purples Song Smoke on the Water - oben die Originalversion von 1972 und unten eine remasterte Version von 2010.
  • Auch wenn man innerhalb der Metalmusik vergleicht fällt diese Tendenz auf.
  • Das Album Heaven and Hell von Black Sabbath aus dem Jahr 1987 hatte noch eine Db-Range von 13 Db.
  • Während ältere Alben von Iron Maiden noch zwischen 11 und 14 Db Pegelunterschiede aufweisen, hat z.B. das Album Heroes der Metalband Sabaton von 2014 nur noch 6 Db Abstand.
  • Aber auch bei remasterten Aufnahmen älterer Heavy Metal-Musik ist man vor dem Loudness War nicht sicher.
  • Während die Originalaufnahmen von Deep Purples Album Burn von 1974 noch 12 Db aufweisen, sind es in der remasterten Japan Box von 2010 nur noch 8 Db.
  • Inzwischen sind auch viele Metal-Fans unzufrieden mit zu stark durch Kompression bearbeiteten Alben. [8]

2 Links und Quellen[Bearbeiten]

2.1 Siehe auch[Bearbeiten]

2.2 Weblinks[Bearbeiten]

2.2.1 Bilder / Fotos[Bearbeiten]

2.2.2 Videos[Bearbeiten]

2.3 Literatur[Bearbeiten]

2.4 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anm.: Das erste Musiklabel, das diesen Trick bereits in den sechziger Jahren anwandte, war die legendäre Soulschmiede Motown. Wenn ein Kneipenbesucher sie in der Jukebox drückte, klangen die Singles von Marvin Gaye, den Supremes oder den Temptations schärfer als die der Konkurrenz. (siehe Loudness War - Volle Dröhnung)
  2. Anm.: Nach dem selben Prinzip läuft es im Fernsehen, wo die Werbeeinblendungen heutzutage um circa 9 Db lauter sind als das eigentliche Fernsehprogramm vor und nach den Werbeblöcken.
  3. www.zeit.de
  4. Interview: Colin Marston of Menegroth The Thousand Caves www.metal-fi.com
  5. www.productionadvice.co.uk
  6. AudioHQ » Grundlagen und Hintergrundwissen » ReplayGain (Lautstärkeanpassung)
  7. STEREO fühlt dem Dynamikwahn auf den Zahn
  8. www.productionadvice.co.uk

3 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Loudness War in der Metalmusik) vermutlich nicht.