Großer Sprung nach vorn

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大跃进宣傳畫:比人更大的冬瓜 (dtsch: mehr als eine Melone) Propaganda-Plakat 1958

Großer Sprung nach vorn war das Motto der zweiten Fünfjahresplanung in der kommunistischen Volksrepublik China in den Jahren 1958 bis 1963. Der Große Sprung führte zu einer humanitären Katastrophe immensen Ausmaßes.

Mao Tse-Tung, der Gründer der Volksrepublik China, ist mit diesem Plan und seinen Folgen als einer der größten Massenmörder der Weltgeschichte in die Annalen eingangen.[1]

Ziel des zweiten Fünfjahresplans von Mao Tse-Tung war es, die Produktivität in der Landwirtschaft durch die Schaffung von Großbetrieben zu erhöhen und damit den Arbeitskräftebedarf auf dem Land zu senken. Die freigesetzten Arbeiter sollten dann für den weiteren Aufbau des Landes beschäftigt werden. Anders als die Sowjetunion, die den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung auf zentralisierte Großbetriebe legte, setzte die Volksrepublik China auf kleine dezentrale Betriebe, in denen versucht wurde, durch verstärkten Einsatz zusätzlicher Mitarbeiter mit einfachen Maschinen die Produktivität zu steigern.

Der Versuch, Stahl in kleinen dezentralen Hochöfen auf dem Lande zu produzieren, war eine Fehlentscheidung und wurde schnell wieder eingestellt. Während des großen Sprungs nach vorn kam es in der Bevölkerung zu einer katastrophalen Hungersnot (1959 bis 1961). Es gab in diesen Jahren in China zwar auch schwere Überschwemmungen und Trockenperioden, jedoch war das Ausmaß dieser Hungersnot wesentlich durch politische Fehler bedingt.

Der in Hongkong lebende Historiker Frank Dikötter erklärte auf dem Independent Woodstock Literary–Festival, dass während des von Mao 1958 propagierten „Großen Sprungs nach vorn” mindestens 45 Millionen Menschen innerhalb von vier Jahren in „einer der größten Katastrophen der Menschheit” umkamen.[2]

1 Einzelnachweise

  1. Frank Dikötter: Mao's great famine: the history of China's most devastating catastrophe 1958-62. Bloombury publishing 2010, ISBN 978-1-4088-1003-3
  2. Mao's Great Leap Forward 'killed 45 million in four years', Independent 17. September 2010

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