Benutzer:Messina/Israel und die Bombe IV

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Filmdaten
OriginaltitelIsrael und die Bombe
Der Kalte Krieg im Nahen Osten (Arbeitstitel)
Israel’s Bomb (fremdsprachiger Titel) )
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2012
Länge52 Minuten
Stab
RegieDirk Pohlmann
DrehbuchDirk Pohlmann
ProduktionAnja Kühne
MusikMona Mur


Israel und die Bombe ist ein Fernseh-Dokumentarfilm aus dem Jahr 2012, der die Geschichte des israelischen Nuklearwaffenprogramms behandelt. Die Regie führte Dirk Pohlmann, der auch das Drehbuch schrieb. Eine Ausstrahlung des 52 Minuten langen Films fand am 7. Juli 2012 auf ARTE statt. Die Redaktion hatten Martin Pieper (ARTE) sowie Annette Tewes (ZDF) inne.[1][2]

1 Inhalt[Bearbeiten]

Der Film umfasst unter anderem Interviews mit dem Journalisten Peter Hounam, dem israelischen Wissenschaftler Avner Cohen, mehreren Publizisten wie Gideon Remez, Isabella Ginor, Pierre Péan und Sasha Polakow-Suransky, dem Militärhistoriker Martin van Creveld und dem ehemaligen Botschafter von Israel in Deutschland Avi Primor.

Es werden zu Anfang – als ahistorische Schilderung – verschiedene Ereignisse in der Geschichte Israels gezeigt: So die Fertigstellung der israelischen Atombombe (Sechstagekrieg, 1967), der Fall Vanunu (1986) sowie der USA-Besuch von Eschkol (1963). Damit sollen die Kernthesen des Dokumentarfilms (der militärischen Geheimhaltungs- und Abschreckungspolitik Israels) vorgestellt, die im weiteren Verlauf des Dokumentarfilmes wiederholt angesprochen werden.

Zuerst wird eine Szene nachgestellt, bei der ein Israeli am „Vorabend“ des Sechstagekrieges 1967 in Hebräisch „אַף פַּעַם“ (af pa'am „nie wieder“) auf die gerade fertiggestellte israelische Atombombe geschrieben habe, was den angeblichen Beweggrund Israels für atomare Bewaffnung aufzeige.

Es folgt ein ausführliches Interview mit Hounam über den Fall Vanunu 1986, um einleitend die These zu belegen, dass die Israelische Politik mehrdeutig sei: Tabuisierung des Themas im Inland - gleichzeitige Duldung von Spekulationen im Ausland. Hounam erklärt das Tabu Israels: So soll laut Hounam Schimon Peres die israelische Presse zusammengerufen haben um ihnen davon zu berichten, dass die Sunday Times etwas Schwerwiegendes (Fall Vanunu) bringen würde, über das sie nicht schreiben sollten. Damit soll die Filmthese verdeutlicht werden, dass es in Israel gar keine Diskussion über die eigenen Atomwaffen geben soll, weil der Staat Israel die Existenz von Atomwaffen offiziell bestreite, um sich der Kontrolle durch die entsprechenden internationalen Gremien und Verträge zu entziehen. Genau das mache aber - lt. Film - die Strategie der Undurchschaubarkeit aus: der Rest der Welt soll über israelische Atomwaffen spekulieren, das Wissen um ihre Existenz diene Israel als Abschreckung.[3]

Es wird dann beschrieben, wie bei einem Besuch der USA auf Einladung von US-Präsident Johnson im Jahr 1963 sich Eschkol und Johnson auf eine Formel einigten, dass Israel nicht der erste Staat sei, der Atomwaffen im nahen Osten einführe. Die von Schimon Peres[4] ausgedachte Formulierung [5] sei demzufolge integraler Bestandteil der Strategie der „Undurchschaubarkeit“ ( „עֲמִימוּת“ , Amimut „Mehrdeutigkeit“) der israelischen Regierung und solle einer Abschreckungspolitik[6] dienen. Noch 1969 habe Jizhak Rabin als Botschafter in den USA mit den Amerikanern um die Bedeutung gestritten; dabei sei es um die Bedeutung von „Erste Einführung von atomaren Waffen im Nahen Osten“ gegangen: „Heißt das: ein Atomtest, heißt das, die Existenz öffentlich zu bestätigen oder ist es einfach nur der Besitz?“[7]Die drei Bedeutungen verwendet Gideon Remez zur Verdeutlichung der gewollten Mehrdeutigkeit des Begriffs "Einführung".

Im Hauptteil des Films wird dann - als historische Schilderung – die Geschichte der israelischen Atombombe beschrieben.

Die Entwicklung israelischer Atomwaffen wird als Antwort beschrieben sowohl auf den „nationalsozialitstischen Rassenwahn“ sowie auf das Gefühl der Erniedrigung der Zionisten in Israel, das durch die Haltung der jüdischen Opfer entstand, die sich „wie Lämmer zur Schlachtbank führen“ ließen, wie Avi Primor ausführt.[8]Der Film stellt die Argumentationskette auf, dass nach der Erfahrung des Holocaust und des zweiten Weltkrieges, in dem sich die Alliierten nicht um die Rettung der Europäischen Juden bemüht hätten, Israels Zionisten klar gewesen sei, dass Juden „nie wieder Opfer werden, nie wieder wehrlos sein“ dürften, und dass im Ernstfall nur Juden für die Sicherheit des jüdischen Volkes einstehen würden. Im Hinblick auf die Gründungssituation Israels sagte David Ben Gurion „Sie müssen nur einmal gewinnen um uns zu vernichten. Wir müssen aber jeden Krieg gewinnen um zu überleben“. Daher müsse es eine dauerhafte militärische Überlegenheit Israels gegeben sein. Die militärische Überlegenheit der USA gründe sich auf die Atombombe, deren Existenz hauptsächlich jüdische Wissenschaftler ermöglicht hätten. Daher müsse der Staat Israel alles daran setzen, ebenfalls Atommacht zu werden. Damit könne laut Cohen ein zweites Auschwitz verhindert werden.[9]Mit Hilfe der USA wurde der „Nachal Sorek Reaktor“ (Soreq Nuclear Research Center) errichtet, womit jedoch kein waffenfähiges Plutonium erzeugt werden konnte.

Daher suchte Israel den Kontakt zu Frankreich, die auch über eine Atombombe verfügten; so pflegte Israel ab 1954 enge Beziehungen mit Frankreich.[10] Die auf geheimen Absprachen der beteiligten Politiker - Mollet, Bourgès-Maunoury und Peres - beruhende Verbindung führte demnach zum geheimgehaltenen Bau des Negev Nuclear Research Center bei Dimona im Jahre 1957.[11] [12] Pierre Péan betont eine der Kernthesen der Dokumentation, dass dieser Vorgang, ohne die notwendige demokratische Legitimierung und Kontrolle des französischen Parlaments vollzogen wurde.

Die Haltung zum Bau der israelischen Atombombe war bei den US-Präsidenten verschieden: Zu Eisenhower kommt der damalige Bildauswerter der CIA, Brugioni, zu Wort, der berichtet, dass sein Chef ihm gesagt habe, sein Bericht habe den Präsidenten nicht interessiert.[13] Kennedy wird im Film beschrieben, dass er wie kein anderer Präsident versucht habe, den Bau der israelischen Atombombe zu verhindern.[14] Erst unter dem US-Präsidenten Lyndon B. Johnson „entwickelte sich die Freundschaft mit Israel“. Aus der Zeit des US-Präsidenten Johnson stammte die von Schimon Peres erfundene und von Levi Eschkol benutzte Formulierung „Israel wird nicht der erste Staat sein, der im mittleren Osten Atomwaffen einführt“. Das israelische Atomwaffenprogramm interessierte Johnson nicht mehr und er wollte auch nichts mehr davon wissen.[15]

Nach Kennedys Tod standen – laut Darstellung im Film – nun die arabischen Staaten und die Sowjetunion alleine da mit ihrer Forderung das israelische Atomwaffenprogramm zu beenden.

Ginor & Remez stellen Thesen aus ihrem Werk "Foxbats over Dimona" auf, demzufolge die Arabische Liga im Jahre 1965 auf einer Konferenz beschlossen habe, mit Unterstützung der Sowjetunion einen Angriff auf Israel zu führen, um das israelische Atomwaffenprogramm zu beenden. „Trotz oder wegen“ des israelischen Angriffs auf das US-Spionageschiff Liberty im Sechstagekrieg 1967 durfte demzufolge mit Einverständnis der USA nun Israel Atommacht werden und Nixon schloss mit Meir im Jahre 1969 diesbezüglich ein geheimes Abkommen.[16]

Nach Darstellung im Film hatte Israel versprochen einen atomaren Erstschlag zu vermeiden[17] und die USA wollten im Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973 keine nukleare Eskalation. Die Aufstellung nuklear bestückter Jericho-Raketen im Jom-Kippur-Krieg durch Golda Meir wurde als Drohung[18] verstanden und sei der Grund für die Luftbrücke der Amerikaner gewesen, bei der Israel mit militärischem Material unterstüzt wurde, damit es nicht zum Mittel eines atomaren Erstschlags (Samson-Option[19]) greifen müsse. Die Raketen spielten demnach eine Rolle in der Diplomatie des kalten Krieges.[20]

Sasha Polakow-Suransky berichtet über ein angebliches Atomprogramm unter Shimon Peres und Pieter Willem Botha, mit einem möglichen Atombombentest im Jahre 1979 (Vela-Zwischenfall). Das israelische Atomwaffenprogramm spielte laut Beschreibung im Film wieder eine Rolle in der Diplomatie, da parallel zum Atombombentest die Verhandlungen zum israelisch-ägyptischen Friedensvertrag unter Jimmy Carter stattfanden; wichtig war wieder die Geheimhaltung.[21]

Saddam Husseins Scud-Angriffe auf Israel während des Zweiten Golfkriegs im Jahre 1991, führten laut Martin van Creveld dazu, dass David Levy gegenüber Hans Dietrich Genscher Vorwürfe gemacht habe, was schließlich zur Lieferung von U-Booten führte. [22] Auch hier war wieder Diskretion wichtig, was von Avi Primor [23] und Karsten Voigt[24]beschrieben wird.

Zum Schluss wird nochmals die Abschreckungs- und Geheimhaltungspolitik thematisiert. Dies wird von Avi Primor am Ende des Films erläutert.[25] Auch die Geheimhaltungspolitk, das "radioaktive Tabu" wird nochmals Gegenstand der Beschreibung. [26]

2 Weblinks[Bearbeiten]

3 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Israel und die Bombe. Arte. Abgerufen am 22. Juli 2012.
  2. Israel und die Bombe. Ein radioaktives Tabu. Februar Film GmbH, Berlin. Abgerufen am 25. August 2012.
  3. „Vanunu hat gegen das Tabu des Staates Israel verstoßen, dort darf niemand über die eigenen Atombomben reden … offiziell gibt es sie nicht … Israel will sich nicht kontrollieren lassen … der Rest der Welt aber soll über das israelische Atomwaffenarsenal sprechen … zur Abschreckung …“ Zitat nach Filmkommentar.
  4. Zitat von Gideon Remez: „Schimon Peres hat sich das ausgedacht.“
  5. „Israel wird nicht der erste Staat sein, der im mittleren Osten Atomwaffen einführt“
  6. „… der Rest der Welt aber soll über das israelische Atomwaffenarsenal sprechen … zur Abschreckung“
  7. Filmzitat von Gideon Remez bei 6:45 ff.
  8. („sie ließen sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen“) Zitat nach Avi Primor
  9. ( „um einen zweiten Holocaust, ein zweites Auschwitz zu vermeiden, meinten die jüdischen Politiker, sie müssten die Macht haben ein zweites Hiroshima, ein zweites Nagasaki zu verursachen … Mit der Möglichkeit ein zweites Hiroshima zu schaffen, sollte ein zweiter Holocaust vermieden werden“ ) Zitat nach Avner Cohen
  10. Zitat Pierre Péan: „auf höchster und geheimster Ebene miteinander verbunden, anders ausgedrückt sie sind verfilzt“
  11. Zitat nach Pierre Péan: „geheimes israelisch-französisches Atomwaffenprogramm“
  12. Filmkommentar: „Paten dieses Geheimprojektes“
  13. („Eisenhower, der interessierte sich nicht dafür … der tat das ganze wieder als unwichtig ab“) Zitat nach Dino A. Brugioni
  14. („Kenney würde wie kein zweiter US-Präsident versuchen die israelische Bombe zu verhindern“) Zitat nach Sprecher des Films
  15. („Ihr Israelis erzählt uns nichts und wir Amerikaner wissen von nichts … ab jetzt werden die USA nicht mehr genau hinsehen was sich in Dimona tut“) Zitat nach Martin van Creveld.
  16. („treffen ein geheimes Abkommen … Israel darf jetzt Atommacht sein“) Zitat nach Sprecher des Films Dirk Pohlmann
  17. („Israel hielt sein Versprechen seine nuklearen Waffen nicht für den atomaren Erstschlag einzusetzen“) Zitat nach Sprecher des Films Dirk Pohlmann.
  18. („stumme Drohung … Drohgebärde“) Zitat nach Sprecher des Films Dirk Pohlmann
  19. („Wird Israel seine Nuklearwaffen einsetzen und die Samson-Option wahrmachen ?“) Zitat nach Sprecher des Films Dirk Pohlmann
  20. („die israelische Atomwaffen bekommen Gewicht in der Diplomatie des kalten Krieges“) Zitat nach Sprecher des Films Dirk Pohlmann
  21. ( „komplette […] Geheimhaltung über alles, was in den Verhandlungen besprochen, beschlossen und vereinbart worden war, es ging soweit, dass sogar die Existenz des Vertrages abgestritten werden sollte“.) Zitat nach Sasha Polakow-Suransky
  22. („ in Israel musste der deutsche Außenminister Genscher sich Vorträge unseres Außenministers David Levy anhören wie böse die Deutschen wären, weil sie Saddam Hussein Raketen verkauft hätten, was gar nicht stimmte, aber was solls … wieder einmal hat Israel den Nichtjuden ein schlechtes Gewissen gemacht, besonders natürlich den Deutschen und es hat wieder geklappt, es klappt in vielerlei Hinsicht bis heute … “) Zitat nach Martin van Creveld
  23. („die Deutschen haben immer so getan als hätten sie es nie verstanden, nie gewusst und ich spreche von der höchsten Ebene der Bundesregierung … ich glaube dass die Deutschen es nicht wissen wollten“) Zitat nach Avi Primor
  24. ( „es wäre das Schlimmste gewesen wenn uns die Israelis eine ehrliche Antwort gegeben hätten“) Zitat nach Karsten Voigt
  25. („…man will es auch nicht dementieren, man will dass sich jeder Gedanken macht und keiner es wirklich wissen soll … es ist ein Abschreckungsmittel.“) Zitat nach Avi Primor
  26. („… der Staat entzieht sich jeder Kontrolle und hat seine Bürger zum Schweigen verpflichtet, seit den Anfängen gilt: Israels Nuklearwaffen sind ein radioaktives Tabu, sie unter liegen nicht den Regeln der Demokratie“) Zitat nach dem Sprecher des Filmes: Dirk Pohlmann