Kältestrahlung

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Kältestrahlung wird umgangssprachlich und in Veröffentlichungen über Wärmedämmung ein Wärmeentzug durch Körper bezeichnet.[1] Aus Sicht der heutigen Thermodynamik ist diese Bezeichnung unsinnig, sie wird dennoch scherzhaft[2] und zur Beschreibung der Wärmedämmung von Gebäuden verwendet[3][4].

1 Irrige Annahme[Bearbeiten]

Benjamin Thompson wollte im 19. Jahrhundert die Existenz einer „Kältestrahlung“ nachweisen.

Physikalisch gibt es keine Kältestrahlung, sondern lediglich Wärmestrahlung. Diese wird von jeder Oberfläche eines Körpers mit (absoluter) Temperatur <math>T > 0K</math> emittiert. Ist beispielsweise in einem gleichmäßig temperierten Wohnraum ein deutlich kälterer Körper vorhanden, etwa im Winter eine schlecht isolierte Außenwand, so misst man aus allen Richtungen Wärmestrahlung, aber weniger aus Richtung des kälteren Körpers.[5] Von diesem „strahlt“ somit scheinbar Kälte aus[6], tatsächlich wird jedoch in Gegenrichtung verstärkt Wärmestahlung aus der Umgebung absorbiert.

2 Wissenschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Noch im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde die Frage, ob es eine 'Kältestrahlung' gibt, unter Wissenschaftlern diskutiert. So führte der britische Experimentalphysik]er und Erfinder Benjamin Thompson, Graf Rumford, der einen bedeutenden Anteil an der Weiterentwicklung der Wärmelehre hatte, mehrfach Experimente durch, deren Ergebnisse die Existenz einer solchen Strahlung nahezulegen schienen.

Dazu näherte er der Kugel eines Thermoskops gleichzeitig und in gleicher Entfernung von beiden Seiten zwei Zylinder, „deren einer ebenso viel wärmer, der andere ebenso viel kälter war als die Temperatur der Kugel, und als sich kein merklicher Einfluß zeigte, glaubte Rumford hierin den Beweis zu finden, daß die Kältestrahlen von gleicher Intensität seyen, als die Wärmestrahlen.[7]

In einem am 25. Juni 1804 vorgestellten Bericht [8] schilderte er die Wiederholung des Experiments, hauptsächlich zur Beweisführung, „daß es keinen Wärmestoff gebe, sondern dass die diesem beigelegten Phänomene von Wärme- und Kältestrahlen herrühren, wobei er jedoch zugesteht, dass diese auch in Undulation]en des Aethers bestehn können, welcher die Molecüle der Körper umgiebt und ihre Repulsion bewirkt.[9]

Eine andere Auffassung äußerte damals der Schweizer Philosoph und Physiker Pierre_Prévost, „indem nach seiner Ansicht die stärkeren Wärmestrahlen heißerer Körper die schwächeren kälterer überwinden“.[9] Das Ende der Diskussion um die angebliche 'Kältestrahlung' läutete einige Zeit später ein anderer Schweizer ein, Raoul Pictet], ein Physiker mit Forschungsschwerpunkt Tieftemperaturphysik, der in Berlin ein Laboratorium aufbaute, an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität lehrte und Kältemaschinen produzierte sowie vertrieb.

3 Siehe auch[Bearbeiten]

4 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Technische Universität München: „Kältestrahlung“
  2.  Friedhelm Kuypers: Physik für Ingenieure und Naturwissenschaftler: Band 1 – Mechanik. 2012, S. 693 (Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“#v=onepage eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Suchbegriff= BuchID= Seite= Band= SeitenID= Hervorhebung= Linktext= Land= KeinText= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch |template= Vorlage:Google Buch |format= }}).
  3.  Maarten Meijs,Ulrich Knaack: Bauteile und Verbindungen: Prinzipien der Konstruktion. Birkhäuser Verlag AG, Basel Boston Berlin 2009, ISBN 978-3-6743-8669-6, S. 23.
  4.  Georg Hopfensperger,Stefan Onischke,Harald Spöth: Renovieren und Modernisieren für Vermieter. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG, Niederlassung München 2009, ISBN 678-3-448-07588-5, S. 64,65.
  5.  Friedhelm Kuypers: Physik für Ingenieure und Naturwissenschaftler: Band 1 – Mechanik. 2012, S. 693 (Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“#v=onepage eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Suchbegriff= BuchID= Seite= Band= SeitenID= Hervorhebung= Linktext= Land= KeinText= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch |template= Vorlage:Google Buch |format= }}).
  6.  Stefan Onischke, Harald Spöth: Der Renovierungsplaner. 2010, S. 89 (Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „{“#v=onepage eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Suchbegriff= BuchID= Seite= Band= SeitenID= Hervorhebung= Linktext= Land= KeinText= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Google Buch |template= Vorlage:Google Buch |format= }}).
  7. Johann Samuel Traugott Gehler's Physikalisches Wörterbuch, Band 1, E. B. Schurckert, 1825, S. 423
  8. Benjamin Thompson, Mémoires, S. 129
  9. 9,0 9,1 Johann Samuel Traugott Gehler, op. cit.

5 Weblinks[Bearbeiten]