Friedrich Jansen

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Profil.png Profil: Friedrich Jansen
Beruf Weinhändler
Persönliche Daten
05.09.1883
Krempel/ Kreis Dithmarschen
15.05.1945
Meldorf


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Der Stolperstein für Friedrich Jansen in Meldorf/ Kreis Dithmarschen, Südermarkt 2.

„Der Parteigenosse Diekmann, Bürgermeister der Stadt Meldorf, führt seit Kriegsbeginn ebenfalls in vorbildlicher Weise den Kreis Süderdithmarschen. Seiner Arbeit ist es im wesentlichen zu verdanken, dass alle an dioe Partei herangetragenen Fragen in vorbildlicher Weise und ohne Schwierigkeiten gelöst werden können.“

Hinrich Lohse, Gauleiter der Nordmark der NSDAP[1][2]: Aus einem Empfehlungsschreiben Hinrich Lohses aus dem Jahr 1942. Hinrich Lohse schlägt Ferdinand Diekmann für das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse vor.[3]

Friedrich Jansen war ein Weinhändler, der, wie Ferdinand Diekmann, im dithmarsischen Meldorf lebte.
Seine florierende Weinhandlung befand sich mitten in der Stadt, am Südermarkt 2.
Von 1929 bis 1938 war er Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Meldorf. Eine Woche nachdem der Sturmhauptführer des NS-Kraftfahrerkorps (NSKK), Georg Herwig, in den Vorstand aufgenommen wurde, sah sich Jansen "leider gezwungen" aus dem Sparkassenvorstand auszutreten.
Kurze Zeit später wurde Jansen mit einer Strafzahlung in Höhe von 15.000,- Reichsmark vom Finanzamt Meldorf belegt.
Der Vorwurf: Fortgesetzte Steuerhinterziehung.

Die folgende Begebengheit geschah am 11. Mai 1945.
Drei Tage zuvor ist die Kapitulationsurkunde unterzeichnet worden.
Seit dem 9. Mai befanden sich britische Truppen in Meldorf.
Eine Gruppe von Männern aus allen politischen Lagern trafen sich bei Friedrich Jansen. Es ging darum, wie in Meldorf nun wieder ein Neuanfang geplant werden könne. Sie sprachen auch darüber, dass die Nationalsozialisten den Kampf in Meldorf noch nicht aufgegeben hätten, denn es hielten sich Gerüchte, dass Werwolf-Einheiten und bewaffnete Mitglieder der Hitler-Jugend Überfälle auf britische Soldaten planten.
Sie waren sich einig, dass auch Ferdinand Diekmann als NSDAP-Bürgermeister abgelöst werden müsse, daher beschloss die Versammlung bei der britischen Militärverwaltung, welche am kommenden Tag in Meldorf ihre Arbeit aufnehmen würde, vorzusprechen und den Rechtsanwalt Dr. Nagel als neuen Bürgermeister vorzuschlagen. Doch Diekmann war noch im Amt.
Was also tun?
Man beschloß, sofort eine Delegation zum Meldorfer Rathaus zu entsenden und Ferdinand Diekmann zu bitten, sein Amt niederzulegen.
Mit dieser Aufgabe wurden Friedrich Jansen, Max Nommensen und Friedrich Schröder berauftragt. So zumindest ist es im "Meldorfer Hausfreund", in der Ausgabe vom 10. Mai 1955 erschienen, überliefert.
So begaben sich die Männer zum Rathaus. Im Amtszimmer jedoch war Ferdinand Diekmann nicht zu finden. Auch nicht in seiner Privatwohnung. Also gingen sie zurück zum Rathaus und trafen Diekmann endlich hinter dem Rathaus vor dem Eingang in den Luftschutzkeller an.
Es soll sich, so die späteren Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Itzehoe, sinngemäß folgendes Gespräch abgewickelt haben:
"Du Ferdinand, hast du mal einen Augenblick Zeit? Du weißt ja, wie die Sachlage ist. Wir sind beauftragt, dich zu bitten, dass du deinen Bürgermeisterposten niederlegst."
Diekmann zog seine Pistole: "Ihr Spitzbuben, ihr Verräter!" Dann schoß er Jansen zwei oder dreimal in den Bauch und in den Oberschenkel. Die anderen Mitglieder der Delegation ergiffen die Flucht. Vom Hausmeister des Rathauses wurden die Beamten der Stadtwache, welche auch im Rathaus untergebracht war, zur Hilfe gerufen.
Wachführer Heinrich Kammrath griff zu seinem Karabiner und rannte in den Garten. Dort sah er den schwerverletzten Jansen und auch den Bürgermeister, welcher sofort auf den Wachführer schoss. Kammrath erwiederte das Feuer und traf Diekmann tödlich mit einem Kopfschuss.
Umgehend wurden 22 führende Nationalsozialisten Meldorfs verhaftet.
Friedrich Jansen starb an seinen schweren Verletzungen am 15. Mai 1945 im Meldorfer Krankenhaus.

Der Zeitungsartikel im "Meldorfer Hausfreund" (Ausg. v. 10.5.1955), welcher die geschilderte Begebenheit wiedergibt, veranlasste einige anonyme Einwohner Süderdithmarschens einen Brief an die Itzehoer Staatsanwaltschaft zu schicken. Dem Inhalt zufolge soll sich Diekmann bedroht gefühlt haben, zumal der "Kommunist Schröder" Delegationsmitglied war.
Diekmann so das Schreiben weiter, habe in Notwehr geschossen und sei von Kammrath erschossen worden, obwohl dieser ihn nicht hätte töten müssen. Das Schreiben erweckt so den Eindruck, dass Ferdinand Diekmann absichtlich bzw. durch einen Komplott ermordet wurde [3]. Am 22.5.1955 eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Untersuchungsverfahren "Ermittlungssache zum Nachteile Diekmann". Nach der Befragung verschiedener Zeugen kam die Staatsanwaltschaft jedoch zu der Überzeugung, dass Heinrich Kammrath in Notwehr gehandelt habe. Somit wurde die Akte geschlossen.
Ein Untersuchungsverfahren gegen die anonymen Briefeschreiber wurde nicht eingeleitet.

In Meldorf, am Südermarkt, dort, wo sich bis 1978 die Weinhandlung Jansen befand, verlegte Gunter Demnig am 8. August 2008 einen Stolperstein.

1 Einzelnachweise/ Fußnoten[Bearbeiten]

  1. "vimu.info - Fachhochschule Kiel; Sokratesplatz 1; D-24149 Kiel: "Weg zum neuen Staat - Propaganda, Gewalt und Wahlen: Aufstieg der NSDAP in Schleswig-Holstein"
  2. "Deutsche Biographie - Bayerische Staatsbibliothek: Lohse, Hinrich"
  3. 3,0 3,1 Gerd Wohlenberg (HG): "Bin bei mein Willem bis Mitternacht - Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus in Meldorf"]

2 Quelle dieses Artikels[Bearbeiten]

3 Andere Wikis[Bearbeiten]