Stalinrede vom 5. Mai 1941

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Von der Stalinrede vor den Absolventen der Militärakademie Frunse vom 5. Mai 1941 wurde keine originale Mitschrift verfasst. Dass die Rede gehalten wurde, gilt hingegen als historisch verbürgt. Von der sowjetischen Führungsspitze waren Timoschenko, Budjonny, Mechlis und Wyschinski anwesend.

1 Inhalt

Die Prawda berichtete am folgenden Tag in aller Kürze:

„Genosse Stalin sprach in seiner Rede von einer tiefgreifenden Veränderung, die in den vergangenen Jahren in der Roten Armee stattgefunden hat, und betonte, die Rote Armee sei auf der Grundlage der modernen Kriegführung umstrukturiert und neu bewaffnet worden. Genosse Stalin begrüßte die Kommandeure, die die Militärakademien beendet haben, und wünschte ihnen Erfolg bei ihrer Arbeit. Die Rede des Genossen Stalin dauerte ungefähr 40 Minuten, sie wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört.“

Rekonstruktionsversuche sind zuerst durch den britischen Korrespondenten in Moskau, Alexander Werth („Russia at War“), als auch durch den deutschen Botschaftsrat, Gustav Hilger („Wir und der Kreml“), geleistet worden. Hilger hatte drei in Gefangenschaft geratene höhere sowjetische Generalstäbler, Teilnehmer an der Veranstaltung im Kreml über die Stalin-Rede vom 5. Mai 1941 verhört: General Wlassow, den Divisions-Kommandeur Oberst Bojerski und den Regiments-Kommissar Oberst Kerness. Sie wurden am 7. August 1942 zu gleicher Zeit, aber getrennt voneinander in Feldmark (Winniza) vernommen. Bei Hilger wird die Position Stalins wie folgt wiedergegeben:

„Nach diesen Mitteilungen habe der Leiter der Kriegsakademie der UdSSR, Generalleutnant Chosin, einen Toast auf die Friedenspolitik der Sowjetunion ausbringen wollen, worauf Stalin scharf ablehnend reagierte, indem er sagte, daß mit dieser Defensivlosung jetzt Schluß gemacht werden müsse, weil sie überholt sei. Zwar sei es der Sowjetunion gelungen, unter dieser Parole die Grenzen der Sowjetunion im Norden und Westen weit vorzuschieben und ihre Bevölkerungszahl um 13 Millionen zu vergrößern. Damit könne man aber keinen Fußbreit Boden mehr gewinnen. Die Rote Armee müsse sich an den Gedanken gewöhnen, daß die Ära der Friedenspolitik zu Ende und die Ära einer gewaltsamen Ausbreitung der sozialistischen Front angebrochen sei.“[1]

In der Version von Alexander Werth lautet es:

„Nach Ausbruch des Krieges erhielt ich ziemlich detaillierte Berichte über diesen Empfang, dem man seinerzeit in Moskau erhebliche Bedeutung beigemessen hatte. Ich erfuhr, daß die Hauptpunkte der Rede Stalins am 5. Mai 1941 folgende waren:
1. Die Situation ist äußerst ernst. Mit einem deutschen Angriff in naher Zukunft muß man rechnen. Deshalb: Bereit sein, jeder möglichen Überraschung zu begegnen.
2. Die Rote Armee ist noch nicht stark genug, die Deutschen ohne weiteres schlagen zu können. Ihre Ausrüstung ist alles andere als zufriedenstellend; besteht noch ernster Mangel an modernen Panzern, modernen Flugzeugen und vielem anderen. Die Ausbildung großer Massen von Soldaten ist noch längst nicht abgeschlossen. Die Verteidigungsanlagen in den neuen Grenzgebieten sind unzulänglich.
3. Die Sowjetregierung will mit allen ihr zur Verfügung stehenden diplomatischen Mitteln versuchen, einen bewaffneten Konflikt mit Deutschland zumindest bis zum Herbst hinauszuzögern, weil es um diese Jahreszeit für ein deutschen Angriff zu spät sein wird. Dieser Versuch kann gelingen, kann aber auch fehlschlagen. Wenn er gelingt, wird der Krieg mit Deutschland fast unvermeidlich im Jahre 1942 stattfinden, und zwar unter viel günstigeren Bedingungen, da die Rote Armee dann besser ausgebildet und besser ausgerüstet sein wird. Je nach der internationalen Situation wird die Rote Armee einen deutschen Angriff abwarten oder aber selbst die Initiative ergreifen, da eine dauernde Vorherrschaft Nazi-Deutschlands in Europa ‚nicht normal’ ist.“

Von Lew Bezymenskij wurde die Rede neu dokumentiert, auf dem Bankett äußerte sich Stalin laut Bezymenskij wie folgt:

„Die friedliche Politik ist eine gute Sache. Bis zu einer bestimmten Zeit haben wir die Linie der Verteidigung vertreten, bis zum Zeitpunkt, bis wir unsere Armee noch nicht umgerüstet haben, die Armee noch nicht mit modernen Kampfmitteln ausgerüstet haben. Jetzt aber, da wir unsere Armee umgestaltet haben, jetzt, da wir stark geworden sind, jetzt muss man von der Verteidigung zum Angriff übergehen. Bei der Verwirklichung der Verteidigung unseres Landes sind wir verpflichtet, offensiv zu handeln. Wir müssen von der Verteidigung zu Militärpolitik des offensiven Handelns übergehen. Wir müssen unsere Erziehung, unsere Propaganda, Agitation, unsere Presse im offensiven Geist umbauen. Die Rote Armee ist eine moderne Armee, eine moderne Armee ist aber eine offensive Armee.“[2]

2 Deutsche Kenntnis der Rede

Der deutsche Botschafter in Moskau, von der Schulenburg, erhielt Anfang Juni 1941 über einen Informanten eine Version dieser Rede zugespielt.[3]

3 Literatur

  • Gustav Hilger: Wir und der Kreml. Deutsch-sowjetische Beziehungen 1918-1941. Erinnerungen eines deutschen Diplomaten, Frankfurt am Main / Berlin 1955
  • Alexander Werth: RußIand im Krieg 1941 – 1945, München / Zürich 1965
  • Lev Bezymenskij: Stalins Rede vom Mai 1941 – neu dokumentiert. In: Gerd-R. Ueberschär, Lev Bezymenskij (Hrsg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese, Darmstadt 1998, S. 131–144

4 Weblinks

5 Einzelnachweise

  1. Gustav Hilger: Wir und der Kreml: deutsch-sowjetische Beziehungen 1918-1941. Erinnerungen eines deutschen Diplomaten, 1956, S. 307f
  2. Stalin, Dritter Trinkspruch beim Bankett am 5. Mai 1941, zit. nach: Lev Bezymenskij: Stalins Rede vom 5. Mai 1941 – neu dokumentiert, in: Ueberschär: Angriff, S. 141f
  3. Vgl. Bezymenskij, in: Gerd R. Ueberschär, Lev Bezymenskij: Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese, S. 131-144, S. 132f



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