Schlachten von Bornhöved

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Open-Street-Map-Karte von Bornhöved und Umgebung
Bornhöved liegt östlich von Neumüster.
(Hier: Am rechten Kartenrand.)

1 Die Schlacht von 798

Der Sventanastein auf dem Adolfplatz in Bornhöved erinnert an die Schlacht von 798 auf dem Sventanafeld (heute Schwentinefeld).

Eine der ersten Schlachten von denen, im Bereich des heutigen Schleswig-Holsteins, berichtet wurde, war die Schlacht bei Bornhöved im Jahr 978 auf dem Sventanafeld (heute Schwentinefeld). Es kämpften die seit dem 7. Jahrhundert in Ostholstein ansäßigen Abodriten gegen die Sachsen. Das slawische Volk der Abodriten war mit den Franken und ihrem König, Karl dem Großen, verbündet. Sie gewannen den Kampf und bereiteten so den Boden für die Christianisierung im Bereich des heutigen Schleswig-Holsteins vor. Auslöser war, wahrscheinlich, die Ermordung fränkischer Boten Karls des Großen.[1][2][3]

2 Die Schlacht von 1227

Von diesem "Feldherrenhügel" aus, Königsberg genannt, soll König Waldemar II. seine Truppen befehligt haben.
Er befindet sich ca. 850 Meter westlich des BAB-Anschlusses Bornhöved.
Am Fuß des Königsberges ist dieser Schwertstein zu finden.
Dieser Obelisk steht in Bornhöved auf den Adolfplatz.
Er trägt die Inschrift:
"Gegen dänische Fremdherrschaft wahrte mit dem Schwerte der holsteinische Graf Adolf IV. das eigene Recht, des Reiches Nordmark. Zur Erinnerung an die Schlacht von Borhöved 22.Juli 1227 Im 7. Jahre des Deutschen Reiches. Errichtet am 22. Nov. 1874."

Nach Nelsen[4] zog König Waldemar II. von Dänemark mit seinem Heer nach Nordfriesland und verstärkte sein Heer mit den dortigen Freiwilligen, welche nur allzugern gegen die Dithmarscher ziehen wollten. Hatten sie doch die Jahrhunderte zuvor durch die kriegerischen Einfälle der Dithmarscher leiden müssen.
Waldemar II. fiel über die Eider nach Dithmarschen ein und gewann die Schlacht. Er rief daraufhin die Dithmarscher zum Kampf gegen Holstein auf.
Heinrich von Schwerin und Adolf IV. stellten sich ihnen entgegen, jedoch wurden die holsteinsichen Heere bei Rendsburg geschlagen.
Erzbischof Gerhard II. von Bremen sandte Hilfstruppen, die den Vormarsch Waldemars verlangsamten, so das weitere Hilfe herangeführt werden konnte. Gerhard II. verband sich mit mecklenburgischen Grafen, mit Herzog Albert von Sachsen und auch mit anderen norddeutschen Adeligen. Sie vereinigten ihre Streitkräfte in Lübeck und rückten nach Holstein vor. Bei Bornhöved trafen die Heere aufeinander.
Anton Viethens erzählt von der Schlacht in wenigen Sätzen:

„(...)
Ihr oberster Feldherr war Graf Adolf der III. ein ein Mann von 70 Jahre, und der vorhin von Woldemaro war vertrieben worden. In dieser Schlacht sind die Dithmarscher, ihrer Zusage nach, von dem König abgefallen, haben ihre Schilder umgekehret, und tapfer gefochten. Nach vielem Blut-Vergiessen ist der König zuletzt in die Flucht geschlagen, wie er denn selbst ein Auge verlohren, und beynahe wieder wäre gefangen worden. Diese sonst merckliche Schlacht ist geschehen am Tage Mariae Magdalenae Ao. 1227. In dem folgenden Jahr kam der König wieder mit einigen Trouppen in Hollstein, und belagerte Rendsburg, er wurde aber von Graf Adolff und Graf Heinrich von Schwerin mit Gewalt davon geschlagen. Von da ging er in Dithmarschen, und wolle sie bestraffen wegen dessen daß sie in der Schlacht von ihm abgefallen. Endlich belagerte Itzehoe und Segeberg, wie er aber vor beyden Oertern von denen Hollsteinern viel Schaden gelitten, ging er mit schlechten Vortheil, nach dem er Hollstein verwüstet, wieder nach Dannemarck, muste in Frieden Adolffum alles lassen behalten, und die Dithmarscher kamen zu ihrer alten Freyheit.“

Anton Viethens, Höchfürstl. Schleswig-Hollsteinischen Cammer-Assessoris,: "Beschreibung und Geschichte des Landes Dithmarschen oder Geographische, Politische und historische Nachricht vom bemeldeten Lande.", Hn. Jo. Alberti Fabricci, D. und Prof. Publ. in Hamburg; Gedruckt und verlegt von seel. Thomas von Wierings Erben bey der Börse im güldnen A, B, C. 1733; ebd. S. 269

Der Historiker Nelsen[4] berichtet etwas ausführlicher:
Auf dänischer Seite hielt König Waldemar das mittlere Heer. Die linke Flanke befehligte Prinz Abel, die rechte Herzog Otto von Lüneburg, ein Neffe des Königs. Die Reservetruppen wurden von den Dithmarschern gebildet. Auf der deutschen Seite befehligte Erzbischof Gerhard II. und Adolf IV., dem linken Flügel stand Herzog Albert von Sachsen vor, der rechte wurde von Graf Heinrich von Schwerin und dem Bürgermeister von Lübeck, Alexander von Soltwedel angeführt.
Der Erzbischof machte den ersten Angriff. Es sah so aus, als ob keiner der beiden Parteien gewinnen würde. Waldemar ersann eine List und zog sich langsam hinter seine beiden Flankenheere zurück, so dass Erzbischof Gerhard II. mit seinen Truppen plötzlich von Feinden umringt war. Waldemar II. holte nun zu einem Angriff gegen das deutsche Heer aus, während Prinz Abel und der Herzog von Lüneburg die Zange endgültig schlossen. Die Deutschen suchten ihr Heil in der Flucht. Adolf IV. gelobte Gott, dass, wenn er Hilfe von ihm bekäme, so wolle er sich ganz in dem Dienst der Kirche stellen.
König Waldemar II. rief nun seine Reservetruppen, die Dithmarscher: Sie sollten den Feind vollends zurückwerfen und die Flüchtenden verfolgen.
Die Dithmarscher schlugen als Zeichen zum Angriff ihre Schwerter so laut auf ihre Schilde, dass es weit über das Schlachtfeld dröhnte. Zum Entsetzen König Waldemars wandten sich die Dithmarscher aber nicht gegen die deutschen, sondern griffen sein eigenes Herr, das dänische an. "Tod den Dänen!" so riefen die Dithmarscher.
Erzbischof Gerhard II. nutze die Gelegenheit und drang wiederum auf das Heer Waldemars ein. Der verletzte Waldemar verlor die Schlacht. Er hatte ein Auge verloren und sank bewußtlos zu Boden. Seine Macht war nun für immer verloren. Ein unbekannter Ritter aus Lüneburg soll ihn auf sein Pferd gehoben haben und nach Kiel geritten sein. Einer anderen Überlieferung zufolge soll der unbekannte Ritter Adolf IV. gewesen sein:

„Adolph IV. bewies nach der Schlacht, daß er ein eben so edler wie tapferer Fürst war. Durch einen Zufall kam er an die Stelle, wo der verwundete Dänenkönig von allen seinen Leuten verlassen, neben seinem tödtlich getroffenen Streithengste auf dem Boden lag und den Tod herbeisehnte. Der Graf erkannte seinen Feind, labte[5] ihn und hub ihn aus sein Pferd; er selbst ging zu Fuß neben her und geleitete den König nach Kiel, wo er ihn auf ein Schiff brachte, das im Begriff war, die Anker zu lichten und nach Kopenhagen zu segeln. "Wer seid Ihr?" fragte Waldemar, als sein Retter sich von ihm verabschiedete. "Laßt mich Euer Antlitz sehen, damit ich Euch wiedererkenne und Euch mit Beweisen meiner Dankbarkeit überhäufen kann." Adolph schlug sein Visir auf und zeigte dem überraschten Könige die Züge seines Todseindes. "Vergeßt die Züge nicht," sagte er; "Ihr werdet ihnen stets begegnen, wenn Ihr es wagt, in meine Heimat einzufallen. Lebt wohl und gedenkt des Tages Mariä-Magdalenä."“

Anton Viethens, Höchfürstl. Schleswig-Hollsteinischen Cammer-Assessoris,: Schleswig-Holstein - Meerumschlungen. - Kriegs- und Friedensbilder aus dem Jahr 1864 von Graf Adelbert Baudissin.", Stuttgar- Druck und Verlag von Eduard Hallberger. 1865; ebd. S. 299

Auf dänischer Seite gab es, nur an diesem einen Tag, 4000 Tote.
Der Sinneswandel der Dithmarscher während der Schlacht war zuvor mit Erzbischof Gerhard II. abgesprochen worden. Sie haben sich ausbedungen, dass die Fürsten und Herren zukünftig das Land Dithmarschen ihrer alten landesfreiheit überlassen sollen. Wenn Waldemar geschlagen werden würde, so wollten sie sich unmittelbar dem Bremer Erzstift zuwenden und mit den Holsten nicht mehr zu tun haben. Alle deutschen Verbündete stimmten den Bedigungen zu. Selbst Adolf IV. verzichtete ausdrücklich auf alle von holsteinischer Seiter aufgebotenen Ansprüche gegen das Land Dithmarschen.
Waldemar II. kam noch im Folgejahr, 1228, nochmals über die Eider und überfiel Dithmarschen und auch Holstein, er musste sich jedoch, als er bemerkte, dass er gegen massiven Widerstand ankämpfte, einsehen, das er vollends verloren hatte. Er zog sich nach Dänemark zurück und schloß 1229 mit dem Grafen Adolf IV. ein Friedensabkommen.

Albert von Sachsen hatte mit Erzbischof Gerhard über die Sicherung der Oberherrschaft über Dithmarschen verhandelt. Mit Datum vom 15. Mai 1228 unterschrieb Herzog Albert eine Urkunde, welche Dithmarschen, die Grafschaft Stade und weitere Ländereien, dem Erzbischof Gerhard von Bremen zugesprochen wurden.[6]
Die Dithmarscher Chronisten berichten später, dass die "Schlacht von Bornhöved", am 22.7.1227, ein bedeutender Wendepunkt für Dithmarschen gewesen ist.
Die Dithmarscher machten sich an diesem Tage von jeglicher Herrschaft der Fürsten, Herzöge, Kaiser und Könige frei:
Sie erlangten ihre Freiheit, welche sie bis zur Letzten Fehde im Jahr 1559 behielten.[7]

3 Einzelnachweise

  1. "Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Schleswig: Bornhöved"
  2. "Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Schleswig: Sventanafeld / Schwentinefeld"
  3. "Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Schleswig: Abodriten"
  4. 4,0 4,1 s. auch: Rudolf Nehlsen: "Geschichte von Dithmarschen"; Tübinger Studien 2. Band/ 2. Heft, Verlag der H. Laupp'schen Buchhandlung: Tübingen 1908; ebd. S. 22ff.
  5. "Laben": Mittelhochdeutscher Begriff: "mit Speise oder Trank erquicken, erfrischen" Quelle: "Duden" (der Erstautordes Art.)
  6. "Urkundenbuch zur Geschichte des Landes Dithmarschen. Gesammelt und Namens des Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte herausgegeben von Andr. Ludw. Jac. Michelsen, Doctor der Rechte und Philosophie, Professor der Geschichte in Kiel, Mitglied der kön. norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Drontheim, der kön. dänischen für vaterländischen Geschichte und Sprache, der isländischen literären, der kön. Gesellschaft für nordische Alterthumskunde zu Kopenhagen, correapond. Mitglied der pommerschen und d. z. Sectretair der schleswig-holstein-lauenburgischen historischen Gesellschaft. - Altona bei Johann Friedrich Hammerich. 1834.: ebd. S. 10. In Latein. Sprache.
  7. s.a.:PlusPedia-Artikel Dithmarschen: J. Bremer: Politische Lage Dithmarschens im ausgehenden Mittelalter/"Letzte Fehde 1559" (Eroberung von Dithmarschen)

4 Weblinks