Lorenzo Dalla Torre

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😃 Profil: Dalla Torre, Lorenzo
Beruf italienischer Maler
Persönliche Daten
1904
Venedig
1972
Villiers-sur-Seine


Lorenzo Dalla Torre (* 1904 in Venedig; † 1972 in Villiers-sur-Seine). war ein italienischer Maler.

1 Leben

Als Sohn eines Bäckers geboren. Zunächst blieb er in der Familientradition, erlernte das Bäckerhandwerk und arbeitete in dem väterlichen Laden.

Im Sommer 1932 lernt er die Gebrauchsgrafikerin Maddalena Stein aus Hamburg kennen, die im Auftrag des Kunsthistorikers Abi Warburg in Venedig die Fresken von Guariento im Palazzo Ducale restauriert.

Sie engagiert Lorenzo als Dolmetscher und Organisator. Während Sie hoch auf dem Gerüst arbeitet, macht Lorenzo unten seine ersten zeichnerischen Versuche. Maddalena hat ihm einen Zeichenblock in die Hand gedrückt, damit er sich nicht langweilt.

Lorenzo zeichnet und malt Menschen, Tiere und die Objekte seiner Umgebung – alles regt die Phantasie des Bäckersohnes zu fast zwanghaftem Arbeiten an. Im Ofen werden die Bilder getrocknet,damit sie schnell auf die Reise zu Maddalena nach Hamburg gehen können. Die wiederum zeigt sie dem Kunstprofessor Willy Habl, der das ungewöhnliche Talent des Italieners erkennt. Diese erste Anerkennung seiner Arbeit löst bei Dalla Torre eine unerwartete Reaktion aus. Er bricht alle Brücken hinter sich ab, verkauft seine Anteile an dem Familienunternehmen, packt seine Sachen und reist nach Hamburg.

Lorenzo besucht für kurze Zeit die Malklasse von Willy Habl an der Kunstgewerbeschule Hamburg (heute:Hochschule für bildende Künste Hamburg). Der Schulbetrieb befriedigt ihn jedoch nicht. Er braucht größere Intensität, die er nur findet, wenn er für sich allein arbeitet. Er bittet Willy Habl, ihn privat zu korrigieren. Lorenzo Dalla Torre lernt schnell. Schon nach drei Jahren erhält er die ersten Ausstellungsangebote, die ihn jedoch wenig interessieren. Er stürzt sich wie ein Besessener in die Arbeit, um versäumte Malerjahre nachzuholen. Es bleibt kaum Zeit, um die politischen Veränderungen in Deutschland wahrzunehmen. Und doch werden auch diese beiden jungen Menschen von den Ereignissen eingeholt. 1936 wird Maddalena für 14 Tage inhaftiert, weil sie eine jüdische Freundin bei sich beherbergt hat. Von nun an fühlen sich Maddalena und Lorenzo unsicher und versuchen, die nötigen Papiere für eine Ausreise nach Kolumbien zu bekommen. Der Plan scheitert. Lorenzo Dalla Torre und Maddalena Stein heiraten 1940 und verlassen Deutschland endgültig, nur mit dem nötigsten Gepäck. Ihr Ziel ist Venedig. Es folgen Jahre der Entbehrung. Lorenzo malt und Maddalena versucht, sie beide mit Aushilfsarbeiten und dem kalligraphischen Kopieren von Büchern über Wasser zu halten. Sie leben in äußerst beengten Verhältnissen bei Lorenzos Mutter. Lorenzo steht unter dem Einfluss des Futuristen Arturo Martini (1889 – 1947), der ihn dazu anregt, nicht mehr Licht und Schatten zu beobachten, sondern sich auf die eigentliche Farbe der Dinge zu konzentrieren.

Erste Anerkennung durch Ausstellungen in Venedig stellt sich ein. 1942 – Botteghe d’arte 1944 – Museum Venedig 1945 – Piccola Galleria

Nach Kriegsende beschließt Maddalena 1947, in die USA zu gehen, um dort unter besseren Bedingungen leben und arbeiten zu können.

Durch die Trennung hat Lorenzo die Freiheit gewonnen, sein Leben ganz der Malerei zu widmen. Gleichzeitig ist es auch der Beginn eines intensiven Briefwechsels, in dem Lorenzo Maddalena zu seiner Muse erklärt, ohne die er nicht mehr leben kann. Er arbeitet wie ein Besessener. Sein Motiv in dieser Zeit ist Venedig, seine Heimatstadt. Die Komposition wird straffer, die Farben beschränken sich auf Grautöne. Es ist ein melancholisches Venedig, das er immer wieder heraufbeschwört. Es ist ein Abschied von der Lagunenstadt.

Von Venedig aus nimmt er Kontakt zu Georges Rouault (1871 – 1958) auf, den er bewundert. Er möchte nach Paris in seine Nähe. Außerdem will er in den Pariser Museen Cézanne, van Gogh und Gauguin studieren. 1948 übersiedelt er nach Paris. Georges Rouault, der Dalla Torres Arbeiten hoch einschätzt, unterstützt ihn in der ersten Zeit. Er wohnt bei seinem venezianischen Freund, dem Delikatessenhändler Aldo Soravia in der Rue Chauchat, in einer Dachkammer. Aus Platzmangel werden die Formate seiner Bilder kleiner. In den ersten Monaten verkauft er einige Bilder für 200-300 $ an Engländer und Amerikaner. Galerien fangen an, sich für ihn zu interessieren und Ausstellungen zu organisieren. 1950 – Galerie Rive Gauche 1951 – Galerie Quai Voltaire 1953 – Galerie Saint Placide

Aber eigentlich ist er am Verkauf seiner Bilder nicht interessiert. Als eines Tages ein Sammler in die Galerie kommt und den Maler kennenlernen möchte, hängt er alle Bilder ab und schafft sie in einer Schubkarre fort. Er will nur eins: Malen, malen, malen. In der ersten Zeit in Paris malt er seine Heimat Venedig aus der Erinnerung. Allerdings werden nun die einzelnen Formen unter dem Einfluss Rouaults häufig schwarz umrandet. Dann ändert sich das Sujet allmählich. Es entstehen Bilder und Zeichnungen von Pariser Plätzen und Straßen. An den Wochenenden zeichnet er in der Umgebung von Paris. Dalla Torres Leben wird nun ausschließlich von der Malerei bestimmt. Der einzig wichtige Außenkontakt ist der Briefwechsel mit seiner Frau, die ihn lebenslang finanziell unterstützt. Als Maddalena 1949 zu Besuch nach Paris kommt, erkennen beide die Unmöglichkeit eines erneuten Zusammenlebens. Maddalena geht zurück in die USA. Lorenzo zieht aufs Land und lebt fortan in Villiers-sur-Seine. Hier fühlt er sich geborgen. Er passt seinen Lebensrhythmus, wie die übrigen Dorfbewohner auch, den Gegebenheiten der Natur an. Nur selten wird er durch den Besuch eines Freundes abgelenkt. Nichts hält ihn mehr vom Malen ab. Seine Farbpalette wird heller, der Pinselduktus breiter und expressiver, die Formen abstrahierter. Seine Themen findet er in der unmittelbaren Umgebung: Felder, Dörfer, Bäume, Blumen und immer wieder Stillleben.

Die intensive briefliche Verbindung mit Maddalena bleibt bestehen. 1955 macht sich Dalla Torre zu einer Reise in die USA auf, wo eine große Ausstellung in Madison, an der Universität von Wisconsin, geplant ist. Er bleibt ein halbes Jahr, erlebt den Erfolg seiner viel beachteten Ausstellung, aber er kann erst wieder frei atmen, als er zurück in Villiers bei seinen Bauern ist. Hier verbringt Dalla Torre die letzten 22 Jahre seines Lebens. Die regelmäßigen Käufe seines Freundes und Sammlers Aldo Soravia ermöglichen ihm ein knappes Auskommen. Er malt wie besessen. Immer heftiger werden die Farben. Vergessen ist der norddeutsche Realismus von Willy Habl. Venedig liegt weit zurück. Jetzt malt er die Landschaft in glühenden Farben, unbelastet von jedem Vorbild findet er zu völlig freien Formen. Über 70 Bilder produziert er in einem Jahr.

Die Malerei war für Dalla Torre die alles bestimmende Kraft in seinem Leben – neben der Liebe zu Maddalena. Beides ließ sich nicht miteinander vereinen. Die Kunst war es, die blieb. Seine Besessenheit half ihm, die Welt draußen zu vergessen – beinahe zu vergessen. „Leben ist wie Liebe“, schrieb er in einem Brief 1966, „wer mehr Gefühl hat, der ist verloren.“

In der Zurückgezogenheit seines ländlichen Lebens bleibt Dalla Torre die Bindung an Maddalena, die nun wieder in Hamburg lebt. Er entfernt die Keilrahmen von seinen Bildern, damit er sie besser stapeln kann. Er signiert frühe Arbeiten. Alles deutet auf die Vorbereitung zum Tod hin. Und schließlich das Testament, in dem er sein gesamtes Werk Maddalena vermacht: „Die Bilder gehören zu Dir“, schreibt er 1970. Zwei Jahre später, im Februar 1972, stirbt Lorenzo Dalla Torre in Villiers-sur-Seine. Maddalena reist zur Beerdigung und kehrt mit seinem Nachlass nach Hamburg zurück.

2 Ausstellungen

  • 1978: Lorenzo Dalla Torre, Öle, Zeichnungen, Galery Levy, Hamburg (mit Katalog)
  • 2010: Lorenzo Dalla Torre, Malerei, Kreissparkasse Northeim

3 Weblinks




4 Init-Quelle

Entnommen aus der:

Erster Autor: Assise angelegt am 31.10.2010 um 14:28,
Alle Autoren: Artmax, Textkorrektur, Eingangskontrolle, Andim, Bembel1971, Castle, Schnark, Gregor Bert, Gunnar1m, Assise


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