Gipsbett

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Ein Gipsbett ist eine in Bauchlage über den Rumpf, oft auch über den Hinterkopf und die Oberschenkel angepasste Liegeschale aus Gips und zählt zu den Dauergipsen. Das Gipsbett fand früher in der Orthopädie breite Anwendung, wurde aber inzwischen weitgehend durch moderne Orthesen (medizinische Korsetts) ersetzt. Gipsbetten dienen der Ruhigstellung der Wirbelsäule, etwa bei Wirbelbrüchen, nach Spondylodese zur Kyphosekorrektur meist als "Lorenz-Reklinationsbett" oder als Bauchliegeschale und auch häufig zur Skoliosekorrektur. Das Gipsbett fand bis in die achtziger Jahre hinein weiten Einsatz in der Behandlung von Fehlhaltungen des Rückens, ähnlich einer Zahnspange bei Zahnfehlstellungen, häufig kombiniert mit Physiotherapie (Krankengymnastik).[1][2]

Gipsbett in Korsettausführung beim Antrocknen (Illustration)

1 Herstellung und Anwendung[Bearbeiten]

Zur Herstellung eines Gipsbettes bzw. einer Gipsliegeschale werden streifenförmige Gipsbinden (klassischer Gips oder auch moderner Fiber-"Gips"), so genannte "Gipslonguetten" auf dem Rücken des Patienten feucht aufgelegt und in die gewünschte Form modelliert. Dazu wird bei der Behandlung von Wirbelsäulenfehlstellungen ("krummer Rücken", "buckelige Haltung")[3] der Patient in jene Haltung gebracht, die das Ziel des Tragens ist, wobei auch Kopf und Beine und Oberschenkel entsprechend der Indikation miteinbezogen werden. Ist das Gipsbett ausgehärtet, wird es an besonders empfindlichen Körperstellen mit einer Polsterung versehen, ggf. werden Hilfsmittel zur Notdurftverrichtung ergänzt (Blasenkatheter usw.).[4] Je nach Krankheitsbild verbringt der Patient dann sämtliche Zeit oder eine bestimmte Stundenanzahl im Gipsbett. Eine Behandlung im Gipsbett ist praktisch nebenwirkungsfrei, kann aber zu erheblicher Langeweile für den - meist jungen - Patienten führen.[5]Bei Problemen mit der Compliance (Mitarbeit des Patienten) sind fest angelegte Gipskorsetts eine adäquate Lösung, die heute jedoch unpopulär geworden ist.[6]

2 Therapeutischer Einsatz[Bearbeiten]

Durch die Entwicklung moderner Orthesen und die Weiterentwicklung der Physiotherapie kommen Gipsbetten heute praktisch nur noch in Kliniken zum Einsatz, während Gipsbettbehandlungen früher in der Regel auch zuhause durchgeführt wurden. In Kliniken werden Gipsliegeschalen weiterhin als kostengünstige und flexible Therapiemethode geschätzt. Aus der Behandlung von Rückenfehlhaltungen (Haltungsschaden) sind Gipsbetten allerdings seit den späten achtziger Jahren aus Gründen des Zeitgeistes trotz hoher Effektivität zunehmend verschwunden. So führt das neben PlusPedia zweite Universallexikon Wikipedia nicht einmal mehr einen separaten Eintrag zum Thema Gipsbett.

3 Quellen[Bearbeiten]

  1. Universal-Lexikon online, Ausgabe 2012
  2. Webseite wissen(.)de
  3. Becker. Erfolge bei Gipsbett-Behandlung frührachit. Rückgratverkrümmungen: unter besonderer Berücksichtigung der Skoliosen, 1928
  4. Münch, Reitz: Lehrbuch für Krankenpflege: ein prinzip- und praxisorientiertes Arbeitsbuch. Berlin, 1993
  5. Berg: Vom Gipsbett zum Burnout. In: Frankfurter Rundschau, 14. Juni 2012
  6. Strache: Moderne stabilisierende Verbände: Gips und Kunststoff. Kapitel 14. Berlin, 1987