Ernst Kämpfer

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Profil.png Profil: Ernst Kämpfer
Beruf Landarbeiter/ Kammerarbeiter/ Soldat/ "Zivilist"
Persönliche Daten
08.05.1902
Bruhnkaten/ Kreis Stormarn
23.04.1945
Schleswig auf der Kreuzung Knud-Laward-Straße/ Fischbrückstraße/Süderholmstraße


Über Ernst Kämpfer berichtet ein Aufsatz von Bernd Philipsen, der in der Schriftreihe: "Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte", ebenda in Heft 45/ 2005 veröffentlicht wurde.
Dieser Plus-Pedia Artikel nutzt in weiten Teilen diesen Aufsatz als Informationsquelle.[1]

Am Montag den 23. April 1945 peitschen drei Schüsse über eine kleine Kreuzung in Schleswig Holstein. Die letzte Kugel als der Walther P.P.K., Kaliber 7,65 trifft Ernst Kämpfer tödlich.
60 Jahre lang wurde dieser Mord Tabuisiert und ignoriert - von den Zeitungen, der Familie des Täters aber auch von der Familie des Opfers selbst. Erst Bernd Philipsen gelang es, ein wenig Licht in diese Ereignisse zu bringen. Er veröffentlichte am 23. April die Geschichte um Ernst Kämpfer in den Zeitungsausgaben des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages und im Verlag A. Beig (Pinneberg).

1 Die Erschießung[Bearbeiten]

Der 25jährige Hauptmann und Träger des Eisernen Kreuzes II. und I. Klasse, Johann K.[2], kam mit einem Motorad mit Beiwagen aus Bollingstedt und wollte die Kreuzung Knud-Laward-Straße/ Fischbrückstraße/Süderholmstraße überqueren als er einen lauten Ruf hört. Er bemerkte eine Personengruppe: "Hurra der Krieg ist aus!", hörte er. "Kommt aus euren Häusern heraus, der Krieg ist aus, die Halunken in Berlin baumeln schon!" Direkt an die beiden Soldaten auf dem Motorad gewandt rief einer der Leute: "Ihr seid Kriegsverlängerer und Lumpen und gehört darum an dem Galgen!".

Johann K. fühlte sich, als Ritterkreuzträger stark provoziert und in seiner Ehre verletzt. In der späteren Gerichtsverhandlung äußert er, daß er den Straftatbestand der "Zersetzung der Wehrkraft" erfüllt sah und zum Handeln gezwungen gewesen sei. K. war der Ansicht, daß er gegen den Passanten vorgehen müsse. Er sei ein gefährlicher Fanatiker und Aufwiegler. Der Offizier Johann K. wollte daraufhin den Zivilisten Ernst Kämpfer festnehmen und untermauerte seinen Willen mit gezogener Pistole. Ernst Kämpfer sagte jedoch nur: "Was geht mich das an, lassen sie mich in Ruhe. Von euch Lumpenpack lasse ich mich nicht festhalten, ich will jetzt nachhause zu meiner Mutter."
Ernst Kämpfer wandte sich mit diesen Worten ab, ging in die Fischbrückstraße in Richtung Rathaus.
"Halt, oder ich schieße!" rief im Johann K. hinerher.
"Das tut ihr ja doch nicht, dazu seid ihr zu feige!"
"Weg da oder wir nehmen keine Rücksicht auf sie! Straße frei!", rief K. in die mittlerweile größer gewordene Menschenmenge.
K. drückte dreimal ab. Auf die ersten beiden Schüsse reagierte Kämpfer überhaupt nicht. Die dritte Kugel aber traf ihn in seiner Luinge und verletzte ihn tödlich.
Johann K. soll, Augenzeugenberichten zufolge, den anwesenden Kindern und Jugendlichen zugerufen haben: "Alles, was gegen uns ist, wird umgelegt!", und "So springt man mit Verrätern um!".

Die Leiche Kämpfers wurde von den beiden Offizieren zunächst in die Gaststätte Friesenhalle" gebracht. Ein Polizeibeamter nahm die Personalien des Täters und des Opfers auf und ließ anschließend den Leichman in die Leichenhalle des Krankenhauses transportieren.

Am 27. April 1945, gut vierzehn Tage vor Kriegsende, wurde Ernst Kämpfer auf dem Michaelisfriedhof an der Husumer Straße beigesetzt.

2 Das Gerichtsverfahren[Bearbeiten]

Datum: 22. September 1950
Ort: Die III. Strafkammer des Landgerichts Flensburg
Nach fünf Jahren musste sich Johann K. vor Gericht verantworten.
Das Gericht entschied zu seinen Gunsten auf fahrlässige Tötung. Dennoch kam nur eine empfindliche Freiheitsstrafe in betracht.
Johann K. wurde zu einer Gefängnisstrafe zu 10 Monaten sowie den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Kaum hatten die Gerichtsjournalisten ihre Berichte veröffentlicht, konterte die Flensburger Staatsanwaltschaft und informierte die Öffentlichkeit, dass die tat unter das inzwischen in Kraft getretene Straffreiheitsgesetz falle. Somit wurde die Strafe gegen Johann K. sofort gegen Bewährung freigelassen.
Am 29. September 1952 findet sich eine Notiz des Flensburger Oberstaatsanwaltes: "Die Vollstreckung gegen K. ist erledigt."
Anfang des Jahres 2005 lebte Johann K. als Rentner in einem Stadtteil Duisburgs.

3 Das Opfer Ernst Kämpfer: Kurzbiografie[Bearbeiten]

Ernst Kämpfer ist in einfachen Familienverhältnissen am 8. Mai 10902 in Bruhnkaten im Kreis Stormarn geboren.
Er war zunächst Landarbeiter, dann Kammerarbeiter in der Kaserne Schloss Gottorf.
Militärisch brachte er es nur bis zu einem Gefreiten, da er unter gelegentlichen Epilepsieanfällen litt. 1943 und 1944 wurde er deshalb mehrfach für einige Wochen in die Landes-Heilanstalt Schleswig-Stadtfeld zur Behandlung eingewiesen.
Er wurde, der damaligen NS-Ideologie zufolge, von Nachbarn, Arbeitskollegen und Behördenvertretern als "Geisteskrank" eingestuft, obwohl dieses aus medizinischer Sicht nicht richtig war.
Ernst Kämpfer war seit 1925 verheiratet und, zur Zeit seiner Erschiessung, Vater von drei minderjährigen Kindern.

4 Der Täter Johann K.: Kurzbiografie[Bearbeiten]

Johann K., an 13 januar 1920 in Rheinhausen am Niederrhein geboren, meldete sich, nach seinem Abitur, bei den Fliegern, um die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Späteren Aussagen zufolge bezeichnete er sich selbst als überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus. Er sah sich den NS-Idealen verpflichtet.
In seiner militärischen Laufbahn erwies er sich als mutig und umsichtig - so bescheingten ihn jedenfalls seine Vorgesetzen.
Er bekam hohe Auszeichnungen: Das "Eiserne Kreuz II. Klasse", das "Eiserne Kreuz I. Klasse" und, am 7. Februar 1945 auf dem Fliegerhorst Eggebek, das Ritterkreuz als Anerkennung für 30 Feindabschüsse.
Als erst 25jähriger kommandierte er die I. Gruppe des Nachjagdgeschwaders 4 des Fliegerhorstes Eggebek bei Schleswig.

5 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Philipsen: ""So springt man mit Verrätern um" - Kurz vor Kriegsende: Ritterkreuzträger erschießt Zivilisten; Aufsatz in: "Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte", Heft 45/ 2005; HG: "Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V. (AKENS)", ebd.: S. 47ff
  2. Zum Schutze der Persönlichkeitsrechte sind die Familiennamen aller Personen, die in dem zugrundegelegten Aufsatz erwähnt werden, in diesem PlusPedia-Artikel abgekürzt.

6 Literaturquelle[Bearbeiten]

  • Bernd Philipsen: ""So springt man mit Verrätern um" - Kurz vor Kriegsende: Ritterkreuzträger erschießt Zivilisten; Aufsatz in: "Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte", Heft 45/ 2005; HG: "Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V. (AKENS)"