Elektrische Straßenbahn

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Die Elektrische Straßenbahn (kurz Straßenbahn oder süddeutsch Tram, wenn weitgehend auf eigenem Gleiskörper auch Stadtbahn) ist ein schienengebundenes, elektrisch betriebenes Massenverkehrsmittel im Personennahverkehr, das den speziellen Bedingungen des innerstädtischen Straßenverkehrs angepasst ist. Zum größten Teil sind die Fahrwege der Straßenbahnen von den Fahrbahnen getrennt (Stadtbahn), es ist jedoch auch möglich, dass die Straßenbahn auf der Fahrbahn fährt. Das Kreuzen von Fahrbahnen und Straßenbahnschienen ist nicht vermeidbar, und das Überfahren der Schienen sind kein Problem. Eine Gefahr stellen die Schienen für Radfahrer dar, wenn sie im spitzen Winkel die Schienen überfahren. Der Hauptgrund, den öffentlichen Personennahverkehr auf eigene Trassen zu legen, ist jedoch, dass er nur so einen merklichen Vorrang gegenüber dem allgemeinen Straßenverkehr haben kann.

1 Technik[Bearbeiten]

Die französische „Straßenbahn auf Gummirädern“ - auch als Oberleitungsbus bezeichnet

Die Antriebsenergie einer elektrischen Straßenbahn wird mittels Stromabnehmer von Oberleitungen abgenommen. Zur Energieversorgung wird fast immer Gleichstrom mit einer Spannung zwischen 500 und 750 Volt verwendet. Der Wert der gewählten Spannung variiert zwischen den Unternehmen. Es gab vormals an manchen Orten Straßenbahnen, die mit Drehstrom versorgt wurden. Wegen der aufwändigen dreipoligen Oberleitung wurde es nur selten angewendet und blieb nicht dauerhaft im Einsatz. Die Antriebsmotoren sind allerdings bei vielen modernen Wagensystemen Drehstrom-Maschinen, von der Bauart zumeist Drehstrom-Asynchronmotoren. Dafür wird mit Wechselrichtern aus dem Gleichstrom ein 3-Phasen-Wechselstrom erzeugt, mit dem die Motoren betrieben werden. Über Änderung der Frequenz wird die Drehzahl der Motoren und damit die Fahrgeschwindigkeit geregelt. Daneben verfügen zahlreiche Straßenbahnen über Gleichstrommotoren, die mit einem Gleichstromsteller auf Thyristorbasis in der Drehzahl gesteuert werden.[1]

Ältere Fahrzeuge (Baujahr vor ca. 1965) haben Gleichstrommotoren, die über Vorwiderstände gesteuert werden. Gelegentlich sind bei diesen Fahrzeugen zwei Widerstandsätze vorhanden, einer auf dem Dach und einer unter den Bänken, der im Winter auch die Funktion der Fahrzeugheizung übernimmt.

Bei modernen Straßenbahnfahrzeugen werden zum Bremsen die Motoren als Generatoren geschaltet, so dass elektrische Energie zurück in die Fahrleitung gespeist wird. Diese Einrichtung wird auch als Nutzbremse bezeichnet. Ihr Vorteil ist, dass sie sich weniger abnutzt als eine Bremse, die auf Reibung basiert.

2 Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Straßenbahn
Moderne Niederflurbahn in Bremen

Im Jahre 1881 baute die Firma Siemens & Halske die erste elektrische Straßenbahn, die am 16. Mai in Lichterfelde bei Berlin ihren Betrieb aufnahm. Die Stromzuführung erfolgte durch die beiden Schienen, was die Gefahr von Unfällen mit sich brachte. Siemens & Halske löste dieses Problem mit der heute noch üblichen Oberleitung, d.h. dem dazugehörigen Bügelstromabnehmern.[2]

Die Elektrische Straßenbahn Lichterfelde–Kadettenanstalt gilt als erste elektrische Straßenbahn der Welt. Nachdem Siemens auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879 die erste elektrische Lokomotive der Welt präsentiert hatte, versuchte er Konzessionen für elektrische Hochbahnen zu erhalten. Für die Errichtung der Haupt-Kadettenanstalt in Lichterfelde war eine 2,4 Kilometer lange regelspurige Materialtransportbahn angelegt worden. Siemens & Halske konnten die Strecke erwerben und für den geplanten Betrieb umbauen. 1890 wurde die Strecke bis zum Bahnhof Groß-Lichterfelde (heute S-Bahnhof Lichterfelde West) verlängert. Nach der Bildung von Groß-Berlin lag die Strecke auf Berliner Gebiet, am 16. April 1921 wurde sie von der Berliner Straßenbahn übernommen, die sie am 10. September 1923 in die Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH einbrachte.

3 Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Fiedler: Bahnwesen: Planung, Bau und Betrieb von Eisenbahnen, S-, U-, Stadt- und Straßenbahnen. Werner, Neuwied; Auflage: 5., neu bearb. u. erw. A. (März 2005), ISBN 3804116124
  • Andreas Steimel: Elektrische Triebfahrzeuge und ihre Energieversorgung: Grundlagen und Praxis. Oldenbourg Industrieverlag; Auflage: 2., überarb. A. (25. Januar 2006), ISBN 3835630903 und Elektrische Triebfahrzeuge, S.183 Straßenbahn, books.google.de

4 Quellen[Bearbeiten]

5 Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Straßenbahn im Lexikon wissen.de
  2. Hans-Joachim Braun: Die 101 wichtigsten Erfindungen der Weltgeschichte. Seite 71. Beck; Auflage: 2., aktualis. A. (23. August 2007), ISBN 3406564666 und Die erste elektrische Straßenbahn, S. 71, books.google.de