Revolution

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Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der in relativ kurzer Zeit erfolgt. Er kann friedlich oder gewaltsam vor sich gehen. Revolutionen gibt es in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Dagegen stehen die Begriffe Evolution und Reform für langsamer ablaufende Entwicklungen beziehungsweise für Änderungen ohne radikalen Wandel. Die genaue Definition ist oft umstritten, eine umfassende und allgemein anerkannte Theorie über die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für die Entstehung einer Revolution, die Phasen ihres Verlaufs und ihre kurzfristigen und langfristigen Folgen, gibt es bisher nicht. Weitgehend unstrittig ist heute die Verwendung des Revolutionsbegriffs für gravierende Kontinuitätsbrüche, die nicht nur Technik und Wirtschaft berühren, sondern alle Lebensbereiche umwälzen.

1 Begriffsverständnis

Das Begriffsverständnis wurde besonders durch den Marxismus geprägt, der in den Revolutionen die treibenden Kräfte in der Menschheitsgeschichte sieht. So schrieb zum Beispiel Friedrich Engels über die industrielle Revolution: Sie sei eine „Revolution, die zugleich die ganze bürgerliche Gesellschaft umwandelte“.[1] Spezielle Begriffsbildungen sind in diesem Zusammenhang:

  • Revolutionen „von unten“ - diese gehen von großen Teilen der Bevölkerung bzw. von Gesellschaftsschichten aus, die im Sinne des Marxismus als „unterdrückt“ gelten, beispielsweise
    • die als Bauernkriege bezeichneten Aufstände, die vom 14. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein immer wieder in Europa aufflammten;
    • der erste als „Revolution“ bezeichnete Umsturz war die Emder Revolution von 1595 in Ostfriesland.
  • Revolutionen „von oben“ - diese gehen von der Regierung oder einer herrschenden Minderheit aus, beispielsweise
  • die Frühbürgerliche Revolution für revolutionäre Bewegungen in Europa von etwa 1450 bis 1800,
  • und die Konservative Revolution.[2]

Die Anwendung des Revolutionsbegriffs ist im Fall der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland umstritten.[3][4] Insbesondere am Begriff Frühbürgerliche Revolution zeigt sich das unklare und widersprüchliche Begriffsverständnis. So reichte in der deutschsprachigen Wikipedia die Zeit „für revolutionäre Bewegungen vom Ende des Mittelalters bis zum Beginn der Neuzeit in Europa“,[5] wobei sich jeder Leser fragen müsste, was denn zwischen Mittelalter und Neuzeit stattfand.[6] Ein aktuell diskutierter Begriff ist die Digitale Revolution.

2 Andere Lexika




3 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. (1845). In: MEW. Band 2, Berlin 1976, S. 237.
  2. Karl Marx, Friedrich Engels: Reden auf der Gedenkfeier in Brüssel am 22. Februar 1848 zum 2. Jahrestag des Krakauer Aufstandes von 1846.
  3. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C.H. Beck, München 2003, S. S. 601 f. und 619 ff.
  4. Horst Möller: Die nationalsozialistische Machtergreifung. Konterrevolution oder Revolution? (1983) [1] bei ifz.muenchen.de
  5. Version bis 22. Dezember 2019
  6. Auch die Jahreszahl 1850 war eher willkürlich gewählt und orientiert sich offenbar am Erscheinungsjahr der Schrift Das Kommunistische Manifest

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