PlusPedia wird derzeit technisch modernisiert. Aktuell laufen Wartungsarbeiten. Für etwaige Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung; es sind aber alle Artikel zugänglich und Sie können PlusPedia genauso nutzen wie immer.

Neue User bitte dringend diese Hinweise lesen:

Anmeldung - E-Mail-Adresse Neue Benutzer benötigen ab sofort eine gültige Email-Adresse. Wenn keine Email ankommt, meldet Euch bitte unter NewU25@PlusPedia.de.

Hinweis zur Passwortsicherheit:
Bitte nutzen Sie Ihr PlusPedia-Passwort nur bei PlusPedia.
Wenn Sie Ihr PlusPedia-Passwort andernorts nutzen, ändern Sie es bitte DORT bis unsere Modernisierung abgeschlossen ist.
Überall wo es sensibel, sollte man generell immer unterschiedliche Passworte verwenden! Das gilt hier und im gesamten Internet.
Aus Gründen der Sicherheit (PlusPedia hatte bis 24.07.2025 kein SSL | https://)

Bei PlusPedia sind Sie sicher: – Wir verarbeiten keine personenbezogenen Daten, erlauben umfassend anonyme Mitarbeit und erfüllen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vollumfänglich. Es haftet der Vorsitzende des Trägervereins.

PlusPedia blüht wieder auf als freundliches deutsches Lexikon.
Wir haben auf die neue Version 1.43.3 aktualisiert.
Wir haben SSL aktiviert.
Hier geht es zu den aktuellen Aktuelle Ereignissen

Drei Lieder für Bariton, Klarinette, Viola und Violoncello nach Versen von Artur Rimbaud in der Nachdichtung von Vítězslav Nezval (Hans Krása)

Aus PlusPedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Achtung! Dieser Artikel wurde exklusiv für das Fernbacher Jewish Music Research Center geschrieben. Der Text oder Teile daraus dürfen ohne Quellenangabe nicht in anderen Projekten/Wikis verwandt werden.
Bild 1: Foto des jüdischen Komponisten Hans Krása

Die Drei Lieder für Bariton, Klarinette, Viola und Violoncello nach Versen von Artur Rimbaud in der Nachdichtung von Vítězslav Nezval sind ein im Sommer 1943 im Ghetto Theresienstadt entstandener Liederzyklus des 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten jüdischen Komponisten Hans Krása. Der tschechische Originaltitel des Werkes lautet Tři písně pro baryton, klarinet, violu a violoncello na versě Arthura Rimbauda v přebásnění Vítězslava Nezvala. [1]

Entstehungsgeschichte

Der 1899 in Prag geborene Hans Krása war bereits früh sowohl mit der tschechischen wie deutschen Sprache und Kultur vertraut, da sein als Rechtsanwalt arbeitender Vater Tscheche und seine Mutter Deutsche war. Der Junge besuchte eine deutsche Schule, erhielt ab dem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht und erlernte ab dem Alter von zehn Jahren das Violinspiel. [2] Nach der Schulzeit studierte er vermutlich ab 1918 als Schüler von Alexander von Zemlinksy an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag oder privat bei Zemlinksy [3] Musik. [4]

Nach Abschluss des Studiums arbeitete Krása auf Anregung Zelinskys ab 1921 als Korepititor am Neuen Deutschen Theater in Prag. Zwei Jahre später reiste er nach Paris, um als Schüler Albert Roussels zu lernen. Dort lernte er auch Komponisten der sogenannten Groupe des six kennen und einige seiner Kompositionen, wie seine Symphonie für Alt und kleines Orchester oder ein Streichquartett wurden aufgeführt und erhielten gute Kritiken. Ab 1925 konnte er seine Werke dann bei der Universal Edition in Wien publizieren. [5] Zwei Jahre danach soll er - was allerdings nicht verifizierbar ist - zusammen mit Zemlinsky an die Berliner Kroll-Oper gewechselt haben. [6] Da Krása durch die Unterstützung seines Vaters finanziell relativ unabhängig war, führte er zeitweilig das Leben eines Bohèmien und schlug auch einige Stellenangebote aus. Dennoch entstanden weitere Werke, wie beispielsweise seine 1932 in Prag uraufgeführte Psalmkantate Die Erde ist des Herrn oder die ein Jahr später erstmalig in Prag gegebene Oper Verlobung im Traum. [7]

Bild 2: Von Bedřich Fritta 1943 in Theresienstadt gezeichnetes Stilleben mit Violine und Notenpapier hinter Gitterstäben. [8]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde auch für Hans Krása das Leben härter: Er komponierte die nächsten Jahre hauptsächlich Bühnenmusik, die aber (vermutlich aufgrund seiner jüdischen Herkunft) nicht mehr verlegt wurde und in Deutschland gar nicht mehr aufgeführt werden durfte. Er wandte sich nun immer mehr von der deutschen Kulturszene Prags ab, pflegte intensivere Kontakte zu jüdischen Künstlern und wandte sich stärker genuin tschechischen Stoffen zu. 1938 entstand seine Kinderoper Brundibár, die posthum zu seinem heute bekanntestem Werk wurde. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei 1939 wurde es für Hans Krása dann noch gefährlicher. [9] Noch 1941 traf sich Krása mit anderen Musiker um eine Aufführung von Brundibár zu besprechen. Doch schon am 10. August 1942 wurde er dann verhaftet und ins Ghetto Theresienstadt deportiert. [10]

Das Ghetto Theresienstadt war - so zynisch das vielleicht klingen mag - damala eines der wichtigsten Zentren des mitteleuropäischen Kultur- und besonders Musiklebens. Hier lebten, musizierten und komponierten trotz härtester Lebensbedingungen bekannte Musiker und Komponisten wie Gideon Klein, Pavel Haas, Karel Švenk, Egon Ledeč, Zuzana Růžičková, Viktor Ullmann, Willy Rosen, James Simon, Karel Berman, Raphael Schächter, Carlo Sigmund Taube, Karel Ančerl, Paul Kling, Coco Schumann oder Karel Reiner. Es fanden Theateraufführungen, Lesungen sowie Symphoniekonzerte und Abende mit Kammermusik statt. Das kulturelle Leben wurde von der Lagerleitung sogar noch gefördert, da man Thereisenstadt der internationalen Presse und Organisationen wie dem Roten Kreuz als vorbildlichen und humanen Ort präsentieren wollte. [11] Obwohl Krása sich anfänglich nicht am Musikleben im Ghetto beteiligen wollte, wurde er schon bald zum Leiter der gesamten Musikabteilung der sogenannten Freizeitgestaltung. In dieser Funktion war er unermüdlich als Pianist, Begleiter, Dirigent, Arrangeur und Komponist tätig. Er komponierte u.a. das Streichtrio Tanec (dt.: Tanz) sowie eine Ouvertüre für kleines Orchester und überarbeitete ein älteres seiner Streichquartette unter dem Titel Thema mit Variationen, welches im Ghetto mehrmals aufgeführt wurde. In Theresienstadt fanden auch die Uraufführung und über 50 weitere Aufführungen seiner Kinderoper Brundibár aus dem Jahr 1938 statt. Im Sommer 1943 komponierte er die in diesem Artikel dargestellten Drei Lieder für Bariton, Klarinette, Viola und Violoncello nach Versen von Artur Rimbaud. Noch im August 1944 schrieb er eine Passacaglia und Fuge für Streichtrio. [12]

Am 16. Oktober 1944 wurde Hans Krása im Rahmen der sogenannten Herbsttransporte im Künstlertransport zusammen mit anderen Musikern wie Pavel Haas, Viktor Ullmann, Karel Ančerl und weiteren in das KZ Auschwitz gebracht und dort zwei Tage später in der Gaskammer ermordet. Erst in den 1980er-Jahren wurden seine Werke wiederentdeckt, u.a. in der Reihe musica reanimata thematisiert und immer wieder mal - meist im Rahmen von Gedenkveranstaltungen zum Holocaust aufgeführt und sind teilweise auch auf CD eingespielt. [13]

Musik

Krása verwendet in seinem Liedezyklus eine harmonisch gewagte Tonsprache - wie sie in der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts weit verbreitet ist - , welche aber weder atonal ist noch auf der Zwölftontechnik Arnold Schönbergs basiert. Die drei Lieder heißen:

  1. Čtyřversí (dt.: Vierzeiler)
  2. Vzrušení (dt.: Aufregung)
  3. Přátelé (dt.: Freunde)

Die Drei Lieder für Bariton, Klarinette, Viola und Violoncello nach Versen von Artur Rimbaud sind 2011 in der von Francesco Lotoro betreuten Reihe KZ Musik Vol. 21 [14] sowie auf dem Album Terezin / Theresienstadt aus dem Jahr 2007 erschienen. [15]

Čtyřversí

Das Lied beginnt mit einer viertaktigen Einleitung der Klarinette [16] im piano: Das dreitönige Motiv c1 - d1 - a in Vierteln in Takt 1 wird im folgenden Takt in Achtelnoten aufgelöst und variiert weitergeführt. Ab Takt 5 setzt die Gesangsstimme ein. Ein einfaches, zweitaktige Motiv steigt in Viertelwerten vom g zu c1 auf und führt in Takt 6 über die Achtelfigur des1 - c1 wieder zum g zurück. Die Viola begleitet mit chromatisch absteigenden Achtelfiguren, die Klarinette mit lang ausgehaltenen Liegetönen, und das Cello setzt dazu mit pizzicato vorgetragenen Viertelwerten die Basis im Bassbereich. Das Motiv aus den Takten 5 und 6 wird anschließend zwei mal wiederholt. Bei der zweiten Wiederholung ist das Achtelmotiv aus Takt 6 allerdings um einen Halbton höher zu d1 verschoben. Auch begleiten Klarinette und Viola jetzt in anderer Form in Viertelwerten.

Bild 3: Takt 1 bis 10 des Liedes Čtyřversí aus Krásas Liederzyklus

Mit Takt 13 folgt ein kurzer, viertaktiger instrumentaler Einschub. Die Klarinette bringt ihr Motiv aus den vier Anfangstakten. Viola und Cello setzen dazu Figuren in bewegten Achteln. Dann setzt wieder der Bariton mit einem vom Dreitonmotiv der Klarinette aus Takt 1 abgeleiteten Figur ein. Allerdings ist diese mit ihrer Tonfolge b - des1 - f gegenüber dem Motiv aus Takt 1 intervallisch geweitet, und umfasst anstatt einer Quarte den Tonraum einer übermäßigen Quinte. Der Bariton führt das Dreitonmotiv dann in kürzeren Notenwerten weiter. Die Musik wirkt jetzt dramatisch-erregter als in den bisherigen Passagen des Sängers: Die Viola begleitet nun auch in Achteltriolen, das Cello steuert pizzicati in dreitönigen Quintintervallen bei und die Klarinette bringt einen langgezogenen Triller sowie in Takt 19 einen rasant aufwärts schießenden Lauf in 16-tel-Triolen.

Ab Takt 21 schließt sich erneut ein zweitaktiges instrumentales "Intermezzo" an, bevor der Bariton die Melodie auf etwas höherer Stufe weiter führt. Die Klarinette illustriert die Gesangslinie mit abwärts stürzenden 16-teln über zwei Oktaven, welche von der Viola in Achteln und Achteltriolen noch eine Oktave weiter abwärts geführt werden. Die reslichen Takte des Liedes ab Takt 26 sind rein instrumental. Die Klarinette repetiert das Anfangsthema über tremoli der Viola in Achteltriolen sowie Basstönen und Quintintervallen des Cello. Die Musik dünnt immer mehr aus bis sie dann leise im pianissimo verebbt.

Vzrušení

Das mit der Vortragsbezeichnung Wie ein langsamer Marsch überschriebene Lied Vzrušení beginnt im piano mit einem langgezogenen Triller der Viola auf dem Ton c1 und daran anschließendem Terzsprung zum darunter liegenden Ton a. Diese Figur behält die Viola bis Takt 9 bei. Das Cello grundiert mit im pizzicato gespielten Basstönen in Vierteln und die Klarinette schweigt bis Takt 6.

Auf dem zweiten Viertel von Takt 3 setzt dann der Bariton mit einem kantablen Melodiezug ein: Einer Achteltriole folgt eine viermalige Tonwiederholung aus punktierter Achtel und nachfolgender 16-tel auf dem Ton c. Danach steigt die Gesangslinie diatonisch und auch mittels Terzsprung von d1 zu f in Achtelbewegung abwärts. Danach setzt die Klarinette mit einer zu Anfang chromatisch absteigenden Figur ein und der Sänger pausiert kurz. Ab dem zweiten Viertel von Takt 7 führt der Bariton die Gesangslinie weiter: Die Triole aus Takt 3 wird dabei zu zwei Achteln, die viermalige Tonwiederholung aus Takt 4 bleibt ähnlich und der Abstieg in Achteln aus Takt 5 wird hier zu einem Tonaufstieg - allerdings in größeren Intervallen - umgekehrt.

Bild 4: Takt 1 bis 6 des Liedes Vzrušení aus Krásas Liederzyklus

Der dritte Einsatz des Bariton ab Takt 12 führt in tiefere Tonlage und wird von der Viola nicht mehr mit der bekannten Trillerfigur begleitet. Stattdessen erklingen pizzicato gezupfte, dreitönige Intervalle aus Sexten, Quinten und Quarten. Das Cello bringt dazu anstatt einzelner Basstöne auf dem jeweils ersten Taktviertel Quintintervalle und die bisher zurückhaltende Klarinette tritt nun deutlicher in den Vordergrund. Die sich ab Takt 16 anschließende vierte Gesangsphrase lehnt sich thematisch wieder stark an den ersten Einsatz des Bariton ab Takt 3 an.

Die nachfolgenden fünf rein instrumental gehaltenen Takte 22 bis 27 werden von abwärts führenden Figuren der Klarinette in 16-teln eingeleitet und beendet. Die die rhythmisch pulsierenden pizzicati von Cello und Viola setzen aus. Viola und anschließend das Cello präsentieren nun wieder die Trillerfigur aus den Anfangstakten des Liedes. Dann setzt erneut der Bariton ein: Sein Vortrag nun zunehmend narrativ-rezitativen Charakter an. An Intervallen werden - neben häufigen Tonrepititionen - vom Sänger nur Sekunden und Terzen eingesetzt. Die Streichinstrumente begleiten in tremoli, die an das anfängliche Begleitmuster der Viola aus den Takten 1 bis 9 erinnert. machen in den Gesangspausen mit markanten Einwürfen auf sich aufmerksam. Die nun im forte vorgetragene Gesangslinie nimmt nun zunehmend dramatischeren Charakter an und auch die instrumentale Begleitung ist erregter. Ein rasant im forte aufwärts führender Lauf der Klarinette in 32-teln leitet zum erneuten Einsatz des Bariton über. Dabei wird dieser in Takt 32 nur von einem lang ausgehaltenen Ton der Klarinette begleitet. Der überraschend auftretende Sextsprung des Bariton aufwärts mit einer abschließenden punktierten Viertel stellt einen dramatischen Höhepunkt dar. Nach einem über zwei Oktaven in 16-teln abwärts stürzendem Lauf der Klarinette wird die Dynamik wieder zum piano zurückgefahren und die Gesangsphrase in Takt 34 abgeschlossen.

Ein nachfolgender fünftaktiger und piano vorgetragener Abschnitt sorgt wieder für Entspannung: Viola und Cello bringen in Takt 35 und 36 nur gemächliche Viertelnoten und die Klarinette zwei kleine 16tel-Figuren. In Takt 37 schweigen dann alle Instrumente bis auf die Viola, welche ruhig die vorherige Figur der Klarinette in Achteln portamento weiterführt. Mit den nächsten beiden instrumentalen Takten wird mit 16-tel-Figuren von Viola und Cello erneut "Fahrt aufgenommen". Mit Takt 40 setzt erneut der Bariton ein. Die Viola assistiert mit durchlaufenden 16-teln und das Cello steuert in der Tiefe Abfolgen von punktierter Achtel und nachfolgender 16-tel-Note bei. Die Klarinette legt Haltetöne in Vierteln und Halben darüber. In Takt 47 und 48 dann ein erneuter dramatischer Höhepunkt: Der Bariton springt mit erregter Geste vom d zu e1 um eine None in die Höhe. Viola und Cello uterstützen diesen "emotionalen Ausbruch" mit im forte gespielten 16-teln. Ein Figur der Klarinette in 16-tel-Quintolen in Takt 49 leitet zu den restlichen zehn, rein instrumentalen Takten von Vzrušení über.

Die Klarinette wiederholt über im pp vorgetragenen 16-teln der Streichinstrumente drei mal ein Dreitonmotiv. Ab Takt 54 greift die Viola dies Motiv auf und erweitert es im ppp zu einem Viertonmotiv. Das Cello begleitet weiter in 16-teln und die Klarinette schweigt. In den letzten beiden Takten des Liedes wird das Motiv auf eine absteigende Sekunde reduziert und im ritardando endet das Lied Vzrušení.

Přátelé

Das in flottem Allegro vivo stehende Přátelé beginnt mit einer neun Takte langen instrumentalen Einleitung im fortissimo: Die Klarinette wiederholt dabei vier mal mal ein zweitaktiges Motiv aus Achteltriole mit Punktierung der ersten Note, anschließendem Sextsprung aufwärts von f2 zu d3 und absteigenden Achteln in Takt 2. Die Viola bringt dazu in Achteln und 16-teln taktweise absteigende Läufe. Dabei beantwortet sie auf dem ersten Viertel von Takt 2 das Triolenmotiv der Klarinette aus dem Anfangstakt. Das Aufeinandertreffen der Töne a und as sowie f und e in Klarinette und Viola verleiht der Einleitung einen dissonant gespannten Charakter. Das Cello steuert schnelle 16-tel-Figuren im Wechsel mit Viertel- und Achtelnoten bei. In Takt 8 und 9 bringt die Klarinette einen langgezogenen Triller und Viola und Cello gehen zu chromatischen 16-tel-Läufen und einem aus punktierter Achtel und nachfolgender 16-tel bestehenden Rhythmus über.

Bild 5: Takt 1 bis 41 des Liedes Přátelé' im Autograph von Hans Krása

Der Bariton setzt in Takt 10 mit einer - zum Text des Liedes über Freundschaft und die Freuden des Alkohols passenden - fröhlich-beschwingten in Achteln aufsteigenden Melodie ein: An eine Viertelnote schließt sich ein Austieg in Achteln an und die 16tel-Note zu Beginn von Takt 12 mit anschließender Viertel führt diese erste Gesangsphrase mit kecker Geste zum Abschluss. Nach kurzer Pause schließt sich die zweite Gesangsphrase mit Quartsprüngen und diesmal abwärts führenden Achteln an. Die dritte Phrase des Sängers ab Takt 16 greift die erste Gesangsphrase auf (diesmal aber mit Aufstieg in 16-teln anstatt Achteln), und danach führt der Bariton in Achteln diatonisch abwärts.

Ab Takt 22 folgt ein achttaktiger instrumentaler Einschub. Dabei tritt die Klarinette mit einer aus der ersten Gesangsphrase abgeleiteten Figur hervor. Allerdings sind hier die Notenwerte vertauscht: Der Aufstieg in Achteln aus Takt 11 wird hier in 16-teln vollzogen und die abschließende 16-tel aus Takt 12 wird zur Achtelnote. Anschließend wirft die Klarinette in den Takten 27 bis 29 einen über zwei Oktaven an- und danach absteigenden 16-tel-Lauf ein.

Mit dem erneuten viertaktigen Einsatz des Bariton bekommt das Lied einen ruhigeren Charakter: Die Dynamik wird auf p runtergefahren und die Klarinette spielt nun keine schnellen Läufe mehr, sondern ein Modell aus punktierter Viertel und nachfolgender Achtel. Auch die Viola agiert nun zurückhaltender. Es folgt ein ebenfalls ruhiger 10-taktiger Instrumentalteil: Die ersten vier Takte führt die Viola mit einem aus den Gesangsphrasen extrahierten viertönigen Motiv und danach für ebenfalls vier Takte die Klarinette mit einer nur noch zweitönigen Geste. Mit Takt 44 wird die Musik bei angezogenem Tempo abrupt wieder lebhafter. Der Bariton präsentiert bis Takt 57 vier durch kurze Pausen unterbrochene Gesangsphrasen. Viola und Cello begleiten die ersten vier Takte zusammen in erregten 16-teln und die Klarinette schweigt. Danach geht das Cello in Achtelbewegung über. Dafür übernehmen Viola Und Klarinette die 16-tel-Bewegungen. Sieben rein instrumentale Takte schließen Přátelé dann ab: Die Klarinette bringt dabei zuerst das bereits aus Takt 1 im Cello bekannte aufsteigende Motiv in 16-teln und Viola sowie Cello begleiten tremolierend. Ein langgezogener Triller und Tutti-Schlag aller Instrumente beenden dann das Lied.

Text

Die Texte der Lieder basieren auf vom tschechischen Schriftsteller Vítězslav Nezval erstellten Nachdichtungen von Gedichten des französischen Dichters Arthur Rimbaud, eines Vorläufers des Symbolismus, Expressionismus und auch Surrealismus.

Čtyřversí

Der Text basiert auf Rimbauds Gedicht L'étoile a pleuré rose aus dem Jahr 1871. Rimbauds Text lautet in deutscher Übersetzung:

Der Stern in der Tiefe deiner Ohren weint Tränen aus Rosen,
Unendlich weiß fließen sie von deinem Hals zu deinen Hüften,
Das Meer an purpurner Brust wirft Streifen aus roten Perlen,
Der Mann gießt souverän sein schwarzes Blut in deinen Schoß. [17]

Vzrušení

Der Text dieses Liedes beruht auf Rimbauds Gedicht Sensation aus dem Jahr 1870. Rimbauds Text lautet in Übersetzung von Stefan Zweig folgendermaßen:

Bild 6: Der tschechische Originaltext des Liedes Vzrušení
An blauen Abenden geh ich auf Pfaden,
die eng gesäumt von goldnen Saaten sind,
in tiefen Traum. Mit leisen Wellen baden
das bloße Haupt mit Ernteduft und Wind.
Ich spreche nichts ... Ich denke nichts ... Ich träume nur.
Und eine Liebe ist in mir erwacht
so grenzenlos ... Ich wandle durch die Flur
so selig wie in einer Liebesnacht. [18]

Přátelé

Dieser Text basiert auf Rimbauds Gedicht Les amis aus dem Jahr 1872, in dem es um Freundschaft und die Freuden des Trinkens geht. Der Originaltext von Rimbaud lautet:

Bild 7: Die tschechischen Originaltexte der Lieder stammen vom Schriftsteller Vítězslav Nezval.
Viens, les vins vont aux plages,
Et les flots par millions!
Vois le Bitter suavage
Rouler du haut des monts!
Gagnons, pèlerins sages,
L'absinthe aux verts piliers ...
MOI: Plus ces paysages.
Qu'est l'ivresse, Amis?
J'aime autant, mieux, même,
Pourrir dans l'étang,
Sous l'affreuse crème,
Près des bois flottants. [19]

Weblinks

Audiolinks

Einzelnachweise

  1. Artikel über Hans Krása im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen des NS-Zeit (LexM)
  2. Artikel über Hans Krása auf Theresienstadt 1941 - 1945 - Ein Nachschlagwerk
  3. Anm.: Wann genau Krása seine Schulzeit beendete ist nicht sicher, da Dokumente über seinen Schulabschluss nicht erhalten sind. Auch zur Frage, ob er offiziel an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst oder privat bei Alexander von Zemlinksy studierte ist nicht eindeutig zu beantworten, da er nicht im Verzeichnis der Akademie zu finden ist.
  4. Clara-Marie Jantos: Brundibár in Terezín - Zur Bedeutung des Musiklebens im Konzentrationslager Theresienstadt, Diplomica Verlag, 2014, S. 16 und 17
  5. Artikel über Hans Krása im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen des NS-Zeit (LexM)
  6. Ingo Schultz: Krása, Hans; in Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart - Allgemeine Enzyklopädie der Musik, Band 10, Bärenreiter, 2. Aufl., Kassel, 2003, Sp. 613-616
  7. Kellie D. Brown: The Sound of Hope - Music as Solace, Resistance and Salvation During the Holocaust and World War II, McFarland & Company, 2020, S. 102 und 103
  8. Anm.: Zu Bedřich Fritta siehe Bedřich Fritta - Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt auf der Seite des Jüdischen Museums Berlin
  9. Artikel über Hans Krása im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen des NS-Zeit (LexM)
  10. Artikel über Hans Krása auf Theresienstadt 1941 - 1945 - Ein Nachschlagwerk
  11. Clara-Marie Jantos: Brundibár in Terezín - Zur Bedeutung des Musiklebens im Konzentrationslager Theresienstadt, Diplomica Verlag, 2014, S. 41 ff.
  12. Kellie D. Brown: The Sound of Hope - Music as Solace, Resistance and Salvation During the Holocaust and World War II, McFarland & Company, 2020, S. 103
  13. Artikel über Hans Krása im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen des NS-Zeit (LexM)
  14. Webseite der University of Wisconsin-Madison
  15. Webseite der University of Wisconsin-Madison
  16. Anm.: Krása schreibt hier eine Klarinette in B vor.
  17. Arthur Rimbaud und Michael Fisch: Poesie - Aus dem Französischen übertragen von Michael Fisch, Verlag Hans Schiler, Berlin/Tübingen, 2015, S. 106
  18. Übersetzung von Stefan Zweig in Die Gesellschaft - Monatsschrift für Literatur und Kunst 16, 1900, 4. Quartal, S. 46; zitiert nach Daniele Rauthe: Ich ist ein anderer - Die deutschsprachige Rezeption Arthur Rimbauds, VDG Weimar - Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, 2002, S. 55
  19. Arthur Rimbaud und Jean Nicholas: Rimbaud - Complete Works, Selected Letters, a Bilingual Edition, University of Chicago, 2010, S. 176

Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Drei Lieder für Bariton, Klarinette, Viola und Violoncello nach Versen von Artur Rimbaud in der Nachdichtung von Vítězslav Nezval (Hans Krása)) vermutlich nicht.