Scooterist

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„Scooterist“ (auch Scooterboy oder Rollerjunge) ist ein Mitglied einer (Jugend-)Subkultur, die sich in den 1960er Jahren in Großbritannien entwickelte. Wie andere ehemalige Jugendsubkulturen entwickelte sich bzw. alterte diese Bewegung auch zur Subkultur.

1 Geschichte

1.1 Die Wurzeln: Modkultur (1960er Jahre)

Die Ursprünge der Scooterists liegen in der Modkultur Großbritanniens der 1960er Jahre. Ein Großteil der Mods begeisterte sich für die italienischen Motorroller – insbesondere für Vespa und Lambretta – als "sauberes" und "smartes" Gefährt. Schon damals trafen sich die jungen Menschen an den Bank Holidays in den britischen Seebädern, um dort auf Weekendern Northern-Soul-Partys nächtelang zu feiern. „Allnighter/Weekender“ sind Partys, die die ganze Nacht/das ganze Wochenende dauern und oft in mehreren Clubs gleichzeitig stattfinden. Diese mit der Northern_Soul-Szene verwobene Kultur kann als die Vorläuferin der heutigen Ravekultur betrachtet werden. Aufputschmittel („Speed“) wurden hier ebenso als Tanzmusikdroge konsumiert, um die ganze Nacht durchtanzen zu können. Teile des damals üblichen Tanzstils fanden sich später im Breakdance wieder.

1.2 Neue Einflüsse: Scooter Skins (1970er Jahre)

Aus schwarzen Rude boys und weißen Mods entstanden zunächst die so genannten Hard Mods, aus denen sich Ende der 1960er die Skinheadbewegung entwickeln sollte, die sich in englischen Arbeitervierteln konzentrierte. Hard Mods grenzten sich früh von den modebewussten Mods, die aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelklasse stammten, sowie von den Hippies aggressiv ab. Die frühen Skinheads trugen wie die Hard Mods noch Anzüge, hörten aber bereits Ska und den so genannten Skinhead_Reggae. Die Anzüge verschwanden nach vollzogener Abgrenzung und wurden durch das heute bekannte, an Arbeiterkleidung orientierte, Outfit ersetzt. Seitdem kultivierten und zelebrierten Skinheads eine Ästhetik des Proletarischen. Der Begriff „Skinhead“ kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich „Hautkopf“ und benennt, zu Beginn der 1970er, in der androgyne Langhaarfrisuren zur Mode gehören, eine Kurzhaarfrisur bei der die Kopfhaut durchscheint. Die Frisur war damals ein #5 oder #6 Crop, was einer Länge von 5 bzw 6 Zehntelzoll entspricht, also etwa 1,2 bis 1,6 cm. Neben den Hard Mods entwickelten sich in den 1970ern aus den Mods erste Vorläufer der Scooterboys, nachdem sich die Szenen immer weiter diversifizierten und sich die Mods, die sich besonders für Roller interessierten, auf ihre Passion besannen. Damals nannten sich diese noch Scooter Skins. Die 1979 in die Kinos gekommene Verfilmung der Mod-Oper Quadrophenia von The_Who, die vor allem die Mod-Treffen im Seebad Brighton von 1964 darstellte, löste ein internationales Mod Revival aus, das auch zu einem neuen Boom in der Rollerszene führte und in den Scooterboy-Trend mündete.

1.3 Die Geburt: Scooterboys (1980er Jahre)

Zwischen 1978 und 1982 vollzog sich eine Trennung zwischen den Southern Mods und den Northern Scooterboys. 1978 trafen sich die Mods aus Südengland auf Scooter Runs in Clacton, Margate, Brighton und Southend, um die traditionelle Modkultur wieder aufleben zu lassen. Die Mods aus Nordengland, lebten eher die Ideale der Modkultur: Abgrenzung vom Mainstream durch eigenen Modestil und elitäres Verhalten. Sie trafen sich in Skegness oder Scarborough. 1979 trugen die Northern Mods Schlaghosen und hörten Musik der Yardbirds und der Stones. 1980 fanden überwiegend regionale Mod-Treffen als illegale Rennen (Pirate Runs)statt, wo sich die beiden Gruppen weiter voneinander abgrenzten. 1981 begannen die Norther Scooterists Docs, Tarnhosen und gebleichte Jeansjacken mit Aufnähern von besuchten Rollertreffen zu tragen. Das erste Mal entwickelte sich auch die Stile des Customizing der Motorroller auseinander. Die Northern Scooterists schnitten Ihre Seitenhauben aus und erste Airbrush-Lackierungen tauchten auf. 1982 verbreiteten sich die beiden Strömungen in jeweils in ganz Großbritannien. Während zu Ostern etwa 1000 Revival-Mods nach Hastings in Sussex zu einem Mod Run fuhren, nahmen 3000 in Armeekluft an einer vom LCGB organisierten Scooter rally in Scarborough in Yorkshire teil. Diese nannten sich nun Scooter Boys.

1.4 Geschichte der deutschen Scooterboyscene

In Deutschland sahen sich die Scooterboys damals auf den einzigen Rollertreffen (den Vespatreffen) einem Verein, dem Vespa Club von Deutschland (VCVD), gegenüber, der für Jugend, Spaß und ungewöhnliches Äußeres kein offenes Ohr hatte. Der damalige Präsident des VCVD, Arthur Eichner, spaltete die deutsche Rollerszene mit seinem Satz "Der Borwich is' mir Wurscht!", mit dem er den Wünschen eines damaligen Scooterboys eine Absage erteilte, endgültig in zwei Teile. Diese Spaltung existiert mit wenigen Überschneidungen bis heute. Diese Zweiteilung der Szene führte in den darauffolgenden Jahrzehnten zur relativ freien Entwicklung einer autonomen Rollerszene, ähnlich den outlawed Motorcycle Club´s in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Besucherzahlen der Treffen der freien Szene überholten in den 1980ern relativ rasch diejenigen der VCVD-Treffen, was nicht zuletzt an Presseberichten im Stern und in der Bravo lag.

2 Aussehen

Auch heute noch bestehen oft Ähnlichkeiten zwischen Scooterists und Skinheads, was sich häufig im Musikgeschmack und Kleidungsstil widerspiegelt. Die in den 1980er Jahren Üblichen MA-1-Bomberjacken, die damals in England Scooterjackets genannt wurden, werden von Scooterists heute aber nicht mehr ausschließlich getragen. Nach Waxcottonjacken und Lederschutzbekleidung haben sich inzwischen auch die modernen Funktionsjacken aus dem Motorradbereich etabliert, ebenso wie ab den 1990er Jahren auch die CWU-45 aus der feuerfesten Faser Nomex. Die früher auf die Bomberjacken genähten Run-Patches werden heute oft auf eine den Rockerkutten ähnliche Weste genäht. Häufig finden sich auf diesen auch Backpatches der jeweiligen Scooter Clubs. Nach Tarnhosen, die in den 1980ern fast ausschließlich von Scooterboys getragen wurden und Jeanshosen mit aufgenähten Bar-Towels, werden heut vermehrt unauffällige, einfarbige Combathosen und normale Jeans, Lederhosen oder Funktionshosen getragen. Die obligatorischen Doc Martens wurden durch Hi-Tex und später durch Turnschuhe abgelöst. Diese stellen jedoch eine gewisse Missachtung der Wurzeln dar, die bei der Kleidung Wert auf einen Bezug zur Arbeiterklasse legte und Mainstream missbilligte.

3 Musik

Neben Northern_Soul mit den dazugehörigen Allnightern und Weekendern gehören vor allem in England auch Ska und Rocksteady untrennbar zur Scooterboy-Szene.

4 Roller

Mit Scootern sind vor allem Vespa- beziehungsweise Lambretta-Roller älterer Baujahre gemeint, die in der Regel durch diverse modifiziert zum persönlichen Custom_Roller umgebaut werden.

5 Treffen

Bevorzugt in den Sommermonaten und zu den Bank Holidays fahren zahlreiche Scooterboys auf Rollertreffen, so genannte Scooterruns (in England Rallies), die häufig in den Seebädern stattfinden. In Deutschland spielten sich diese Treffen auch heute noch meist auf einer Wiese im Nichts ab, wo bei Bier, Musik und Fun-Games gemeinsam gefeiert und über Benzin geredet wird, Custom_Roller auf der Customshow bewundert werden oder kleine Ride outs stattfinden. Bei den Treffen finden auch so genannte Schaltrollerrennen und Quartermiles statt. Vermehrt auch an Event-Locations wie Kartbahnen (für ein Rollerrennen) oder Flugplätzen (für Quartermiles). Es gibt auch Oldierennen auf Rennstrecken Assen oder dem Nürburgring. In den letzten Jahren ist jedoch der Trend zu verzeichnen, dass die Sport- und die Treffenszene auseinanderdriften.

6 Weblinks

7 Init-Quelle

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