Milbenfossil im Aragonit

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Eine Raubmilbe im Aragonit aus dem Siegener Bergland


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] 1 Jason A. Dunlop & Ronald Falkenhagen

Raubmilben sind häufige Vertreter der Spinnentiere, die im Boden oder Höhlensysteme leben. Sie sind aber extrem selten als Fossilfunden, mit weltweit nur vier beschriebenen Arten. Ein Überrasungsfund aus dem Siegenener Bergland, der in einen Nachlass aufgetaucht ist, stellt eine Raubmilbe vermutlich aus der Familie Parasitidae da, die in Aragonit konserviert worden ist. Leider ist eine genauere Altersbestimmung kaum möglich. Es wird vermutet, dass das Tier ein „Subfossil“ ist, welches im nassen Sinter gefangen wurde.

Raubmilben (Acari: Mesostigmata) sind heute eine vielfältige Gruppe der Spinnentiere, mit über 11,400 Arten. Wie die Bezeichnung der Milbe schon aussagt, sind die meisten Vertreter räuberische flinke Tiere, die wie kleine blinde Tieger im Laub oder Boden alles was sie in den Mund bekommen verspeisen. Einige neigen aber in Richtung Parasitismus, und kommen im Fell oder Federn, sogar manchmal in der Nase ihres Wirtstieres vor. Aufgrund ihrer kleinen Körpergröße und ihrer nicht mineralisierten Kutikula, sind Raubmilbenfossilen extrem selten. Die zwei ältesten benannten Stücke stammen aus dem ca. 49 Mio. Jahre alten Baltischen Bernstein (Koch & Berendt, 1854; Witaliński 2000), wobei der von Koch & Berendt fragwürdig bleibt. Die anderen zwei kommen aus einem 16 Mio. Jahre alte Mexikanischen (Chiapas) Bernstein (Hirschmann 1971) vor, sowie aus einen jungen (1 Mio. Jahre?) Höhlensystem in New Mexico, USA (Błaszak et al. 1995). Andere „Subfossilen“ sind aus Neuseeland und Japan bekannt (Ramsay 1960; Aoki 1974), die aber nur bis zur Gattung oder Familie bestimmt wurden. Jeder Neufund einer versteinerten Raubmilbe ist dadurch bemerkenswert. In diesem Fall beschreiben wir ein ungewöhnliches Stück aus dem Siegener Bergland, welche im Aragonit gut konserviert ist (Abb. 1).

Jason Dunlop, Jahrgang 1970, ist Kurator für Spinnentiere und Tausendfüßer am Museum für Naturkunde Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit alle mögliche Fossilspinnentiere und pflegt ein Katalog alle beschriebene Artnamen in dieser Gebiet.

Roland Falkenhagen, Jahrgang 1963, arbeitet in einem Berliner Wohnungsbauunternehmen, in seiner Freizeit sammelt er Mineralien und Fossilien, ist aktives Mitglied in den Foren

[Bearbeiten] 2 Geschichte des Fundes

Im Jahr 2004 bekam Herr Falkenhagen die Gelegenheit, eine alte Sammlung mit der Beschreibung „Mineralien aus dem Siegener Bergland“ zu übernehmen. Die Sammlung an Mineralien wurde in den Jahren 1898 – 1932 zusammengetragen. Bei der Durchsicht des Mineralienlots wurde ein Belegstück mit einer dunklen Stelle im sonst weißen Aragonit auffällig. Bei genauerer Begutachtung wurde ein Fossil unbekannter Art erkannt. Am Ende des Jahres 2012, kam durch eine Inventur der Mineralsammlung das Stück erneut zu Tage. Durch eine mikroskopische Untersuchung, konnte nun das Fossil als Raubmilbe (Mesostigmata) bestimmt werden. Zu einer weiteren Aufarbeitung des Fundes wendete sich Herr Falkenhagen an Herrn Dr. Dunlop.

[Bearbeiten] 3 Das Stück aus Siegen

Wahrscheinlich stammt das Siegener Bergland Stück ursprünglich aus einer Grube oder einem Bergwerk. Das graue Muttergestein besteht aus Hydrozinkit. Dadurch kommen, nur folgende Fundstellen im Siegener Bergland in Frage: Eiserfeld, Grube Brüderbund, Grube Eisenzecher Zug; Eisern, Eisenhardter Tiefbau, Grube Adler, Grube Ameise, Grube Eiserner Union, Grube Herkules; Gosenbach, Grube Storch und Schöneberg; Wilnsdorf, Grube Landeskrone, Grube Marie, Grube Neue Hoffnung; Obersdorf, Grube Prinz Friedrich; Schöne Freundschaft, Wilden, Grube Bautenberg. Welche davon der genaue Fundort ist, bleibt leider ungewiss, was eine genauere Datierung des Fundes auch erschwert. Das Muttergestein ist zusätzlich mit einem weißen mineralischen Gestein überlagert worden. Analysen am Naturkundemuseum bestätigen den Verdacht, dass es sich hier um Aragonit handelt. Hierhinein ist die Milbe als kleiner hellbrauner Fleck eingebettet, was auf den Erhalt der original Kutikula deutet. Vermutlich wurde die Aragonitschicht langfristig aus kalkhaltigem Wasser gebildet. Wenn bei der Bildung des Aragonits eine nasse und ein wenig klebrige Oberschicht (oder Sinter) vorhanden war, kann man es sich vorstellen, dass das kleine Tier darüber gelaufen und stecken geblieben ist. In der Tat liegt das Tier auf dem Rücken. wobei es ein besseres Szenario gewesen wäre, wenn die Milbe auf dem Bauch gefallen wäre, um eine vereinfachte Bestimmung der Milbe abzugeben. Irgendwann ist eine Schicht abgerissen worden, und hinterließ nur die Dorsalseite (also Rückenpanzerung) sowie die Beine des Tieres. Die Milbe besteht aus zwei Körperteilen plus einigen Beinresten, und hat ein Gesamtkörperlänge von ca. 1 mm. Das vordere Körperteil ist deutlich schmaler sowie im vorderen Bereich abgerundet. Am Hinterteil sind mehrere kleine runde Punkte sichtbar, die zur Lebenszeit Borsten trugen. Augen sind nicht sichtbar, das normal für Raubmilben ist, da diese durchgehend blind sind. Einige Beine sind ein wenig stachelig.

[Bearbeiten] 4 Die Identität der Milbe

Raubmilben sind sehr vielfältig, und bei der letzten Zusammenfassung mit 109 Familien dokumentiert. Das hier in Aragonit gefangene Stück gehört wahrscheinlich der Familie Parasitidae (D. Walter, pers. Mitt.) an. Dafür spricht der allgemeine Habitus der Milbe, mit den zwei Rückenplatten die eine „podonotal“ und eine „opisthonotal“ Schild darstellen. Wenn diese Bestimmung richtig ist, wäre das ein Weibchen, weil Männchen nur eine ungetrennte Rückenplatte besitzen. Auch die Form der Beine passt gut zu dieser Milbengruppe. Leider ist eine genauere Bestimmung des Fundes nur schwer möglich. Die Unterseite, die hier komplett fehlt, bietet viele wichtige Merkmale an, die in der Systematik der lebenden Milben notwendig wäre. Moderne Gattungen mit ähnlichen gebauten Arten wäre, z.B. Antennoseius Berlese, 1916 oder xxxxxx (siehe Karg 1993).

[Bearbeiten] 5 Fazit

Das hier beschrieben Stück, mit einer Milbe in Aragonit ist einzigartig. Am ähnlichsten war der Fund von Błaszak et al. (1995), der beschrieb einige (ca. 1 Millionen Jahre alte) Raubmilben in Kalziumkarbonat, die in mineralisierten Wasser an einen aktiven Tropfstein in einen Höhlensystem in New Mexico gefangen worden sind. Ab und zu wurden Insekten in Aragonit gefunden, wie z.B. Wespen aus der Miozän von Spanien (Peñalver & Engel 2006). Leider ist es schwer zu sagen, wie alt unserer neue Milben ist. Auf Grund des guten Erhaltungszustandes der Kutikula schätzen wir, dass es sich auch um ein ‚Subfossil’ handeln kann.

[Bearbeiten] 6 Literatur

  • Aoki, J. (1974): [On the fossil mites in Mizunami amber from Gifu Prefecture, Central Japan.] Bull. Mizunami Foss. Mus. 1: 397–399 [Japanisch mit Englische Zusamenfassung].
  • Błaszak, J., J. C. Cokendolpher & V. J. Polyak (1995): Paleozercon cavernicolous, a new genus and new species of fossil mite from a cave in the southwestern U.S.A. (Acari, Gamasida: Zerconidae). Int. J. Acarol. 21: 253–259.
  • Hirschmann, W. (1971): A fossil mite of the genus Dendrolaelaps (Acarina, Mesostigmata, Digamasellidae) foundin amber from Chiapas, Mexico. Uni. California Pub. Entomol. 63: 69–70.
  • Koch, C. L. & G. C. Berendt (1854): Die im Bernstein befindlichen Myriapoden, Arachniden und Apteren derVorwelt. In Berendt, G. C. Die in Bernstein befindlichen organischen Reste der Vorwelt gesammelt in verbindung mit mehreren bearbeitetet und herausgegeben 1. Berlin, Nicolai, 124 pp.
  • Peñalver, E. & Engel, M. S. (2006): Two wasp families rare in the fossil record (Hymenoptera): perilampidae and Megaspilidae from the Miocene of Spain. Am. Mus. Novit. 3540: 1-12.
  • Ramsay, G.W. (1960): Sub-fossil mites from the Hutt Valley. Trans. Roy. Soc. New Zealand 88: 575–576.
  • Witaliński, W. (2000): Aclerogamasus stenocornis sp. n., a fossil mite from the Baltic amber (Acari: Gamasida: Parasitidae). Genus 11: 619–626.
  • „Mineralienatlas & Fossilienatlas“ sowie „Steinkern.de“

Schwerpunkt Sammlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz / Hunsrück / Birkenfeld / Herrstein, Verbandsgemeinde / Niederwörresbach / Steinbruch Juchem

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