Heinrich Fischer (Tübingen)

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Heinrich Fischer (* 18. Juni 1948 in Göppingen; † 27. Juli 2005) war ein deutscher Künstler (Maler, Montagen-Meister) und Schriftsteller.

1 Leben und Werk[Bearbeiten]

Heinrich Fischer wurde 1948 in Göppingen als Sohn des Elektroingenieurs und Hobbymalers Max Fischer und seiner Frau Johanna geboren. Ein Jahr später kam Bruder Frank Fischer auf die Welt, heute Hamburger Rockmusiker, den Lou Reed in seiner Band nicht missen wollte.

Heinrich Fischers Schullaufbahn endet 1964/65 mit dem Erwerb der Mittleren Reife an der Uhland-Realschule in Göppingen. Bei der Firma Schuler-Pressen in Göppingen absolviert er die Gesellenprüfung, arbeitet dort noch mehrere Jahre. Sein eigentliches Interesse aber gilt der Kunst.

Im Wintersemester 1972/73 beginnt Heinrich Fischer an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sein Studium. Die umfangreichen Arbeiten, die dort bei der Begabtenprüfung einzureichen waren, haben die Professoren überzeugt, dass sie einen förderungswürdigen Kandidaten vor sich hatten. Unter ihnen Alfred Hrdlicka († 2009), K. R. H. Sonderborg († 2008), Rudolf Hägele († 1998) und vor allem Paul Uwe Dreyer (jahrzehntelang Direktor der "Aka", † 2009), bei dem Heinrich Fischer Meisterschüler in Konstruktivistischer Malerei geworden ist. 1976 gewann Heinrich Fischer zusammen mit seinen Kommilitonen Koichi Nasu (1947 - 2003) und Frieder Kühner den Ersten Preis im Jugendwettbewerb der Künstlergilde Ulm.

Im selben Jahr zog Fischer nach Tübingen. In der Marquardtei fand er Wohnung und Atelier. Wenn der Fenstervorhang, der das in Arbeit befindliche Bild auf der Staffelei vor Sonneneinwirkung schützen sollte, nicht zugezogen war, dann wussten Eingeweihte den Künstler bei seiner Arbeit.

Es bleibt nicht bei konstruktivistischen Arbeiten. Es folgen gegenständliche Darstellungen. Kein Bruch in Fischers Kunst, sondern "Heinrich ging immer grade seinen Weg", wie es Professor Dreyer auf den Punkt gebracht hat. Wie auf Göppinger Märklin-Gleisen.

Bei der Ausführung seiner Arbeiten war die Ausbildung in konstruktivistischer Malerei bei seinem Lehrmeister Prof. Dreyer Gold wert. Talentiert wie Konrad Klapheck gelingt es ihm, die Feststellschraube einer Duschbrause oder die Wählscheibe eines Telefonapparates in Öl auf Leinwand zu realisieren. Manchmal werden ganz bewusst Fehler eingebaut: Eine falsche Schieblehre ("Die Größe des Augenblicks"[1], ein falsches Skelett("Die Nähe des Riffs"[2], Zähne werden nicht über-, sondern unterkrohnt ("Das hohe C"[3]).

In seinen Werken werden oft dieselben Motive sichtbar. Er thematisiert Ergebnisse menschlichen Erfindungsgeists. Technische Konstruktionen und deren Auswirkung auf unser Dasein werden ebenso dargestellt wie Ideen aus dem Bereich der Werbung, gegebenenfalls im Firmenblau der Firma Schuler, in "Schulerblau".


Assoziative Ironie. Moderater Surrealismus bezüglich Idee und Ausführung.

Ein Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte Heinrich Fischer seine Art der Dokumentation fertig. "Schneller Brüter": Ein Embryo angeschlossen an Brut- und Brennelemente.

Weltgeschichte und Philosophie auf Leinwand.

"Sieger"[4] präsentiert uns den Mündungslauf einer Pistole, an eine Uhr erinnernd und eingerahmt von Eichenlaub (noch zu DM-Zeiten). Gleichzeitig assoziieren wir bei der Betrachtung die Erde bei einer Sonnenfinsternis mit Korona. Sieger = Besiegte. Die einzig wirkliche Siegerin ist die Zeit, denn sie besiegt Besiegte wie Sieger im ganzen Universum: Im Bild dargestellt anhand von kreisförmig angebrachten Ziffern von 1 bis 12, die sich wiederum zifferblattartig um sich selber drehen, stellvertretend für Leben und Vergänglichkeit.

Die Themen Sieger - Besiegte, Machthaber - Untergebene, Große - Kleine, eingebettet in Zeit und Raum haben Fischer generell zu vielen Werken inspiriert.

Ideenvielfalt, Perfektion, Ironie, Assoziation, Humor, resultierend aus Fischers grandioser Allgemeinbildung und beeinflusst nicht zuletzt von Henri Magritte und James Ensor: Aus diesem Stoff sind auch seine Montagen gearbeitet. Mit geübtem Profiblick hat er Fotos montiert und mit einem markanten Titel versehen.

"Die Direktübertragung": Blitze, die in den Kölner Dom einschlagen. "Das Gerücht": Eine Zeitung in einem Ventilator.

Ca. 1000 Montagen hat Fischer geschaffen.

Außerordentlich vergnüglich zu lesen sind Fischers schriftstellerischen Werke: Zwei Bände "Parallelisierungen" und drei Bände "Montagen", jeweils geistreiche und witzige Texte zu Bild-Montagen aus der Hand des Meisters.

Heinrich Fischer ist 2005 gestorben.

2 Einige seiner Ausstellungen[Bearbeiten]

1976 Künstlergilde Ulm

1978 Kunstakademie Stuttgart

1978 Künstlergilde Ulm

1983 Kern-Galerie Reutlingen

2006 - 2010 Galerie "H. Fischer" Tübingen

Generell hat Fischer die Öffentlichkeit gescheut.

3 Bücher[Bearbeiten]

Zwei Bände "Parallelisierungen" (Montagen mit süffisantem Kommentar, 1994)

Drei Bände "Montagen" (Montagen, angereichert mit Erlebnisberichten, 1996, 1997, 1998)

4 Weblinks[Bearbeiten]



5 Init-Quelle[Bearbeiten]

Entnommen aus der:

Erster Autor: Hfelba angelegt am 24.10.2010 um 10:19,
Alle Autoren: Hfelba, Wolf170278, Gunnar1m, Lady Whistler, Mushushu, WWSS1, Eingangskontrolle, Papa1234, Ottomanisch, ChristophDemmer


6 Andere Lexika[Bearbeiten]

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