Giovannis Zimmer

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

James Baldwins Roman “Giovannis Zimmer” war einer der ersten amerikanischen Romane, die sich offen mit der Frage der Homosexualität befassen.

1 Inhalt[Bearbeiten]

Baldwin zeigt die Auswirkung des Konflikts zwischen den bürgerlichen Moralvorstellungen und der Akzeptanz alternativer Lebensführung. Dabei stellt er infrage ob die konventionelle Moral, die aufrichtige Liebesgefühle nicht anerkennt, wenn diese nicht den bürgerlichen Normen entsprechen, nicht die eigentliche Unmoral darstellt.

Das Buch besteht größtenteils aus Rückblenden. Der Erzähler David sinnt, am Fenster stehend, über die Ereignisse der letzten Monate nach, wissend dass sein ehemaliger Liebhaber in Kürze hingerichtet wird.

Der junge Amerikaner David reist nach Paris um “sich zu finden”. Nachdem seine amerikanische Verlobte Hella zu einer längeren Rundreise durch Spanien aufgebrochen ist, beginnt David – der als Jugendlicher bereits eine homosexuelle Begegnung hatte – eine Affäre mit dem italienischen Bartender Giovanni. Frustriert und unsicher über seine eigentliche sexuelle Orientierung bricht David nach der Rückkehr Hellas die Affäre mit Giovanni ab. Der Italiener, der sich in David verliebt hatte, ist verzweifelt. Er gerät seelisch aus dem Gleichgewicht und ersticht seinen Arbeitgeber, den Nachtklubbesitzer Guillaume, der ihn sexuell nötigte. Giovanni wird zum Tode verurteilt. David fühlt sich für dessen Abstieg verantwortlich. Er löst die Verlobung zu Hella, und zieht durch Hafenkneipen auf der Suche nach Matrosen.

Auch dieser Roman handelt in erster Linie von der Identitätssuche. David schämt sich seiner homosexuellen Neigungen. Dies führt letztendlich zu seinem Streit mit Giovanni, in dessen Verlauf David voller Abscheu und Selbsthass seinen Liebhaber sowie die Homosexualität als Ganzes abweist. Er ist noch unfähig, seine eigene Identität zu akzeptieren, und ist daher auch außerstande, die aufrichtigen Gefühle Giovannis zu erkennen. Nachdem Giovanni zum Tode verurteilt wurde, macht sich David Vorwürfe. Er ist überzeugt, dass seine Weigerung, die eigene Identität zu akzeptieren, dazu geführt hat, dass Giovanni sein seelisches Gleichgewicht verlor. Er begreift, dass Giovanni die große Liebe seines Lebens war. In der Überzeugung, dass er durch seine Heuchelei sowohl sein eigenes wie Giovannis Leben ruiniert hat, stürzt sich David am Ende in selbstzerstörerische Ausschweifungen.

Davids Selbstverneinung und die einengenden gesellschaftlichen Normen werden durch das Zimmer Giovannis symbolisiert. Es ist klein, düster, erdrückend. Das Zimmer stellt die Isolation der Homosexuellen dar, die in einem gesellschaftlichen “Untergrund” leben. “Giovannis Zimmer” zeichnet sich durch die Intensität der Dialoge und der vielschichtigen Darstellung der Protagonisten aus.

2 Quelle[Bearbeiten]

Sidney E. Dean, "James Baldwin", Kritisches Lexikon der fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, München.