Donnerlöcher von Kienberg (Meinungsartikel von Furchenstein)

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Gnome-globe.svg Kienberg_(Obb.): 48.03611N 12.4625E
Verteilung von 108 erfassten Donnerlöchern rund um Kienberg

Die Donnerlöcher von Kienberg sind Erdsenkungen/Erdfälle, die sich rund um Kienberg (Oberbayern) seit Menschengedenken ereignen. Einheimische beobachten, daß nach starken Gewittern und langanhaltenden Regenfällen die Erdeinbrüche vermehrt auftreten und gaben den Bodensenkungen den Namen Donnerlöcher.
Die Aufzeichnungen des Ortsheimatpfleger Herr Schiebl umfaßt 114 Fälle seit 1910.[1]

1 Donnerloch bei Kienberg No. 112[Bearbeiten]

Donnerloch Kienberg Nr. 112
Donnerloch Absperrung

Location auf Google Maps
Am 25. Oktober 2013 wurde von einer Pilzsucherin im Wald unweit der ST31 zwischen Kienberg und Rabenden ein neuer Erdfall entdeckt. Die alarmierte Feuerwehr dokumentierte eine Breite von 1,5m an der Oberfläche und ein Tiefe von 8m. [2]
Die Gestalt dieses Erdfalles erinnert sehr an einen Lösungsschlot der in der Fachwelt als Geologische Orgel bekannt ist.
Beispiel: Geologische Orgeln Oberschroffen. [3]

2 Standorte von Donnerlöchern[Bearbeiten]

Die vom Kienberger Ortsheimatpfleger Herr Schiebl geführte Liste von Erdeinbrüchen umfaßt 114 Fälle seit 1910. Erweitert wurde diese Liste durch Arbeiten der TU München und Recherchen des LfU auf derzeit 194 Fälle.
Die Verteilung ist dargestellt in dem 4 seitigen Ausstellungsposter des LfU (erschienen 2016, Seite 2, rechte Abbildung).[1]
In den GeoFachdatenAtlas des Bayrischen Landesamtes für Umwelt (LfU) unter Georisiken sind die Donnerlöcher eingepflegt und werden dort unter dem Begriff Doline geführt. (Unter Fachthemen ist zu aktivieren - Georisiken - Gefahrenhinweiskarten - Erdfälle/Dolinen)[4]

3 Geologie[Bearbeiten]

Beispiel für den Inneren Aufbau der Alzplatte

Kienberg befindet sich in der Naturregion Alzplatte. [5] [6]

„Im Gegensatz zur westlich des Inns gelegenen Jungmoränenlandschaft war die Alzplatte während der letzten Vereisung gletscherfrei. ... Sie baut sich daher aus Schotterfeldern und Moränengürteln älterer Eiszeiten auf (Altmoräne) und ist größtenteils mit Löss überdeckt. Die Alzplatte besteht aus einer bis zu 40 Meter hohen Schotterschicht, die von einer mehrere Meter starken Löss- und Lösslehmdecke überzogen ist. In die Schotter haben sich von Süden nach Norden ziehende, teils wasserlose Tälchen eingetieft, sodass sich ein schwachwelliges Relief ergibt.“

LKr. Mühldorf am Inn[7]

4 LfU - Donnerlöcher von Kienberg, eine Form von Subrosion[Bearbeiten]

Dem Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) sind die GeoRisiken des Gebietes um Kienberg bekannt und nimmt in Veröffentlichungen zu den Donnerlöchern Stellung.

Im Sommer 2016 veröffentlicht das LfU einen 4-seitigen Ausstellungsposter, der ausführlich die Geologie rund um Kienberg darstellt und die Hintergründe für das vermehrte Auftreten von Erdfällen in diesem Bereich erklärt.[1]

In einer kurzen Stellungnahme reagiert das LfU auf Medienberichte die behaupten daß die Donnerlöcher auf einen Meteoriteneinschlag zurückzuführen sind.

„Die Medien berichten derzeit von plötzlich aufgehenden Erdlöchern im Chiemgau. Diese sind nicht – wie von einigen behauptet – durch einen Meteoriteneinschlag entstanden. Die Geologen des LfU erfassen seit Jahrzehnten solche so genannten Erdfälle in ganz Bayern. Es gibt davon Tausende, nicht nur in den Alpen und im Alpenvorland, sondern auch im Frankenjura, viele davon sind sogar als Geotope für Wanderer ausgewiesen. Solche Erdlöcher entstehen, weil im Untergrund Gestein vorkommt, das durch Wasser leicht gelöst werden kann. Mit der Zeit bildet sich so ein unterirdischer Hohlraum, dessen Dach plötzlich und ohne Vorwarnung einstürzen kann. Die "Donnerlöcher" im Chiemgau bei Kienberg und auch in vielen anderen Gebieten sind häufig in Acker - und Wiesenflächen zu finden, die leicht eingedellt sind. Dann kann Regenwasser nicht abfließen, sondern versickert direkt im Untergrund. Sind im Untergrund dann noch sandgefüllte Höhlen vorhanden (siehe Foto: Geologische Orgeln von Oberschroffen; eines der hundert schönsten Geotope Bayerns), werden diese ausgespült -ein "Donnerloch" entsteht.“

– LfU[8]

In der Broschüre des LfU - Gefahrenhinweiskarte Alpen mit Alpenvorland - erschienen im Oktober 2013 wird im Abschnitt Subrosion (Seite 49 - 50) auf die Erdfälle von Kienberg eingegangen.

„Auffallend ist auch die Häufung im flachen Gelände, oft mit abflusslosen Senken.
Hier kann kaum Oberflächenabfluss erfolgen und ein Großteil des Niederschlagswassers muss direkt im Untergrund versickern.
Die Erdfälle liegen hauptsächlich in Gebieten mit Löß- bis Lößlehmüberdeckung von wenigen Metern Mächtigkeit über Altmoräne beziehungsweise über Konglomeraten der Deckenschotter.
Ganz offensichtlich handelt es sich um eine Form der Suffosion, also einer unterirdischen Ausspülung von Feinsanden in Hohlräume. Als geeignete Hohlräume kommen mehrere Möglichkeiten in Frage:
1. Offene Klüfte in den durch Eistektonik deformierten Konglomeraten
2. Hohlräume aufgrund der Verwitterung und Lösung von Geröllen, insbesondere in geologischen Orgeln
3. Unterirdische Ausspülungskanäle in Feinsanden bis Schluffen bis zu tiefer gelegenen Vorflutern“

LfU - Bericht zur Gefahrenhinweiskarte Alpen mit Alpenvorland, Traunstein(2013): Abschnitt Suffosion Seite 49-50[9]

5 Weblinks[Bearbeiten]

5.1 Video-Berichte[Bearbeiten]

5.2 Presse-Berichte mit Bildern auf chiemgau24.de[Bearbeiten]

5.3 Artikel von Robert Huber, Bremen[Bearbeiten]

6 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 LfU: Präsentation 2016 (4-seitig), "Donnerlöcher" - Erdfälle im Alpenvorland
  2. Einsatzbericht FF Kienberg
  3. LfU: Geologische Orgeln Oberschroffen
  4. LfU: GeoFachdatenAtlas
  5. Naturraum Alzplatte
  6. LfU - Kulturlandschaft Alz-Hügelland
  7. LKr. Mühldorf am Inn - Naturräumliche Gliederung
  8. LfU - Donnerlöcher
  9. LfU - Bericht zur Gefahrenhinweiskarte Alpen mit Alpenvorland, Traunstein (2013)

7 Andere Lexika[Bearbeiten]