Bernhard von Plesse(n)

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Datei:Kreuzritter Helmold III. von Plesse.gif
Ritterstatue, Hohen Viecheln, (?) Bernhard (1286-1325) von Plesse(n) - ältester Sohn des Stammvaters Helmold

1 Die Kirche und der Ritter von Hohen Viecheln

Das Dorf Hohen Viecheln - gelegen an den Grenzen des Landes Mecklenburg, der Grafschaft und des Bistums Schwerin - gehört seit dem Mittelalter zur Schweriner Diözese. . Wegen dieser exponierten Lage erlangte die Siedlung schon früh einige Bedeutung für den regionalen Handel und politische Zusammenkünfte. Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert gegründet, denn Zeuge einerbischöflichen Urkunde, die vermutlich aus dem Jahr 1178 stammt, war ein Geistlicher namens Symon de Vichele. Die Kirche von Hohen Viecheln selber wird jedoch erst am 24 April 1310 urkundlich erwähnt, als Heinrich II. Herr von Mecklenburg es dem Knappen Ludolf von Viecheln und dessen Schwiegermutter genehmigte, mit einem Drittel ihres Dorfes Kartlow eine Vikarstelle in Vicheln zu bewidmen. Zu den Zeugen der Genehmigung gehörten auch zwei Söhne des Burgherrn Helmold von Plessen - Johann Rosendal und Helmold (der Jüngere) Dieser Vorgang wäre nichts Außergewöhnliches, wenn nicht Bischof Gottfried von Schwerin am 13. September 1311 „der Familie von Plessen in nachdrücklichster Weise das Patronatsrecht über diese Stiftung eines Anderen“ bestätigt hätte. Das Kirchenpatronat – die Würde, das Amt und das Recht eines Schutzherrn - besaßen damals die Söhne des Burgherren Helmold - der Ritter Bernhard von Plessen und dessen Brüder. Sie stifteten ihrer Kirche in den Jahren 1313 - 1317 mehrfach Ländereien und unterstrichen damit ihr Interesse und ihre Rechte an Hohen Viecheln. Es muss schon damals ein altes und den Herren von Plessen wichtiges Patronat gewesen sein, denn in einer Urkunde vom 19. Februar 1351 belehnten die mecklenburgischen Herzöge Albrecht II. und Johann ihren Vasallen Johann von Plessen in Hohen Viecheln mit der Bede, allem Wagendienst, der niederen und hohen (!) Gerichtsbarkeit „und was dazwischen fallen mag“ sowie „mit deme kerklene in deme dorpe thu Vigle, alse he vnde sine elderen van unsen elderen dat vrigest hebben hat.“ Hohen Viecheln war also ein mit besonderen Rechten ausgestattetes Refugium der Herren von Plessen, in welchem sie keine konkurrierenden Patronatsrechte anderer Familien duldeten.

Schon aufgrund ihrer Größe und Gestaltung ist die Kirche Hohen Viechelns unter den Dorfkirchen Mecklenburgs eine Besondertheit. Sie ist als Hallenkirche auf einem rechteckigen Grundriss konzipiert und besitzt deshalb einen geraden Chorabschluss. Das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe sind gleich breit ausgeführt, wobei jedes Schiff aus fünf rechteckigen Jochen besteht, deren Gewölbe zum Mittelschiff hin von acht (4x2) Rundsäulen getragen werden. Von Friedrich Schlie wissen wir, dass für die Kirche zwar ein Turm. geplant war, der aber nie errichtet wurde. Das im Stil der Hochgotik errichtete Gotteshaus ist unstrittig ein Bauwerk des frühen 14 Jahrhunderts, so dass wir nicht den Burgherrn Helmold von Plessen (1263-1283) als Bauherrn ansehen dürfen, sondern einen (oder mehrere) seiner fünf Söhne, die zweifelsfrei damals das Patronat in Hohen Viecheln besaßen. Diese Erkenntnis korrigiert die Auffassung von M. Naumann, der es zunächst (1940) noch für möglich hielt, dass der Burgherr der Erbauer der Kirche war, später (1971) aber mutmaßte, der Livlandkreuzritter Helmold II. von Plesse habe das Gotteshaus gebaut

Zur heute in Hohen Viecheln verwahrten Kirchenausstattung gehören mehrere bedeutende gotische Holzfiguren mit religiösem Bezug und eine Ritterskulptur, die zufolge der Inschrift auf einer neuzeitlichen Konsole den Gründer dieser Kirche darstellt – „Helmoldus de Plesse“

2 Eine wohlfeile barocke Geschichte

Es mag zu anderen Zeiten durchaus Gründe gegeben haben, eine Familiengeschichte mit schmückender Phantasie ausmalen zu lassen. Aber solche durchaus unterhaltsamen Beiträge können eine unkritische genealogisch-historische Forschung auf Abwege locken. Die erste Geschichtsschreibung über die Mecklenburger Herren von Plessen ist dafür ein Beispiel und sorgt bis heute für Verwirrung. Der Mecklenburger Historiker und Pädagoge Bernhard Latomus hatte im Jahr 1611 - mit Unterstützung der Landesherren - eine Arbeit über den Landesadel als mehrbändiges Werk konzipiert, konnte es aber wegen seines vorzeitigen Todes nicht mehr abschließen. So blieb das bereits fertige Manuskript über die Herren von Plessen, das er ganz „nach dem Geschmack der Zeit“ verfasste, zunächst unveröffentlicht und wurde erst im Jahr 1743 in der „Monumenta Inedita“ herausgegeben.

Latomus zufolge haben die Plessen „ihren Ursprung aus dem Hartz vom Hause Plesse, und sind mit Herzog Hinrich aus Bayern und Sachsen, dem Löwen genant, für 600. Jahren die Slaven oder Wenden vertilgen zu helffen, in dis Land mit kommen.“ Damit wird die Abstammung der Mecklenburger Plessen von den Edelherren erstmals in der Geschichtsliteratur thematisiert. Angeblich waren es drei Brüder, die mit dem Welfenherzog gegen die Wenden in den Kampf gezogen sind, wovon nur einer – nämlich Helmold – überlebt und daraufhin umfangreichen Besitz in Mecklenburg und insbesondere „das Dorff Vichel am Schweriner See belegen“ erhalten haben soll. Dieser Helmold sei der Stammvater aller Mecklenburger Plessen. In Vichel habe er eine Kirche gegründet; dort würde „sein im Holtz gehauen und gantz übergüldet gewesenes Bild, mit einem Schwerd in der Hand und einer Pantzer-Hauben auf dem Kopff“ verwahrt. Zur Erhärtung und Illustration der Ausführungen des Latomus wurde im Jahr 1743 ein Kupferstich angefertigt, auf dem die Ritterskulptur abgebildet ist und die vom Graveur – Latomus dabei bestätigend und ergänzend – so beschrieben wird:

„Helmold Plesse

Gentis Plessiacae Megapol. Sator, Ducis Henrici Leonis
Praefectus militaris, Ecclesiarum Vichel, Bibau, Müsselmau,
Brül, Hertzberg, Wähmkau et Holstendorf fundator † A. 1186“. 

Die lebensgroße Bildhauerarbeit von Hohen Viecheln gehört zweifellos zu den herausragenden profanen Kostbarkeiten des Mittelalters, die in Mecklenburgs Kirchen verwahrt werden. Gleichwohl stand die Skulptur bisher nur dann im Mittelpunkt, wenn sich Forscher mit der Abstammung der Herren von Plessen befassten, wobei Latomus und der Kupferstich diese Diskussion ausgesprochen irreführend beeinflussten. Das Raffinierte an Latomus und dem Kupferstich ist, dass es durchaus so gewesen sein könnte, denn die Geschichte Mecklenburgs ist in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts recht ähnlich verlaufen. Warum sollten deshalb interessierte Leser am Wahrheitsgehalt der Darstellung des Latomus zweifeln? Warum sollte es nicht angehen, dass die seit Jahrhunderten in Mecklenburg ansässigen Plessen mit dem Welfenherzog ins Land gekommen waren und jene Kirchen gegründet haben, deren Patronate sie zur Zeit der Herausgabe der „Monumenta Inedita“ (1743) zum Teil immer noch besaßen?

Die Erzählungen des Latomus und Kupferstichs sind grob fehlerhaft, wenn man sie anhand belegbarer Tatsachen bewertet. Allein richtig, aber nicht urkundlich belegt ist, dass die Mecklenburger Herren von Plessen „ihren Ursprung aus dem Hartz vom Hause Plesse“ haben und dass in der Kirche zu Hohen Viecheln eine Statue verwahrt wird, die einen Ritter von Plessen darstellt. Alles andere ist erfunden, denn die Plessen sind weder mit Herzog Heinrich dem Löwen nach Mecklenburg gekommen, noch ist nachzuweisen, dass sie sich an seinen Unterwerfungszügen gegen die Slaven und Wenden beteiligt haben. Es gibt nicht den gigantischen Helmold, den militärischen Befehlshaber des Welfenherzogs, der sieben Kirchen in Mecklenburg gründete, zugleich auch der Stammvater der mecklenburgischen Linie des Geschlechts ist und im Jahr 1186 starb.

Trotz dieser erkennbaren Ungereimtheiten, haben Latomus und der Kupferstecher bis in unsere Zeit hinein das Bild beeinflusst, das sich die Herren von Plessen von ihren frühen mecklenburgischen Vorfahren machen (ließen). Als beispielsweise auf Initiative und mit Mitteln des „Familienverbandes derer von Plessen“ die Ritterfigur im Jahr 1910 renoviert und auf eine Konsole gesetzt wurde, wählte man für den Sockel folgende Inschrift: „HELMOLDUS DE PLESSE – FUNDATOR HUIUS ECCLESIAE“ (Übersetzt: „HELMOLD VON PLESSE – GRÜNDER DIESER KIRCHE“). Dieser Text erinnert stark an den Kupferstich von 1743 und vermittelt – gewollt oder ungewollt – ein falsches Bild, denn die Herren von Plessen haben nie Kirchen gegründet („fundare“), sondern Gotteshäuser erbaut („aedificare“) oder sie als Patronatsherren geschützt und erhalten. Wahrscheinlich wurde die Kirche von Hohen Viecheln bereits im Jahr 1178 gegründet, aber erbaut wurde dieses Gotteshaus („huius ecclesiae“) zweifelsfrei erst im frühen 14. Jahrhundert.

Als M. Naumann im Jahr 1940 die Stammfolge der Herren von Plessen für das 13. bis 20. Jahrhundert vorlegte, hielt er noch einen gewissen Abstand zu Latomus und dem Kupferstich, denn er äußerte die Vermutung, der Burgherr sei de Erbauer der Kirche zu Hohen Viecheln und ihn stelle die Ritterskulptur dar. Dagegen wollte er nicht ausschließen, dass der Livlandfahrer der Vater des Wismarer Burgherrn sei. Zum Todesjahr und insbesondere zum Ort der Beisetzung des Livlandfahrers machte Naumann im Jahr 1940 keine Aussagen.

Erstaunlicherweise haben Latomus und der Kupferstich in der zweiten Auflage der Plessen-Genealogie (1971) deutlichere Spuren hinterlassen, indem nunmehr der Livlandfahrer zur Schlüsselfigur von Hohen Viecheln erhoben wird und 1236 dessen Todesjahr gewesen sein soll. Dahinter steckt die von Naumann entwickelte These, 1186 scheide als Todesdatum aus, da Helmold II. für die Jahre 1191 bis 1226 mehrfach nachzuweisen ist. Deshalb müsse es sich im Text auf dem Kupferstich um einen Übertragungsfehler aus einer älteren Quelle mit lateinischen Ziffern handeln; denn 1186 = MCLXXXVI und 1236 = MCCXXXVI sähen sich in der dritten Stelle von links zum Verwechseln ähnlich. Aber leider nennt die „Monumenta Inedita“ nicht die Quelle, von der der Kupferstecher die Zahl 1186 übernommen hat, denn im Text von Latomus findet sich diese Jahreszahl nicht. Auch die Behauptung des Graveurs, Helmold II. von Plesse sei der „praefectus militaris“ Heinrichs des Löwen gewesen, gelangt wieder in die Plessen-Genealogie, als wenn nicht urkundlich belegt wäre, dass der Livlandfahrer in jungen Jahren (1191) nur einmal am Hof des Welfenherzogs nachzuweisen ist, im übrigen aber vor allem dessen Sohn - Kaiser Ottos IV. – eine Zeit lang intensiv begleitet hat. Außerdem deklariert die zweite Auflage der Plessen-Genealogie den Livlandfahrer faktisch zum Auswanderer nach Mecklenburg, indem Hohen Viecheln nicht nur als der Ort seiner Beisetzung und die Ritterskulptur als sein Abbild bezeichnet werden, sondern er wird auch als der mutmaßliche Erbauer dieser Kirche hervorgehoben; aber so verhält es sich nun wirklich nicht.

3 Stand der Forschung

Der unvoreingenommene Kirchen- und Kulturgeschichtler Friedrich Schlie sagt über Hohen Viecheln und zu den urkundlichen Belegen über die Herren von Plessen im Dorf, dies alles beweise, dass einer ihrer Ahnherren der Erbauer der Kirche war. „Erwägt man ferner, dass die hochgothischen Formen der Kirche auf die letzte Zeit des XIII. Jahrhunderts oder auch auf die Wende vom XIII. zum XIV. Jahrhundert hinweisen, sowie dass in der Kirche noch heute eine zweifellos dem XIII. Jahrhundert angehörende hölzerne Ritterstatue aufbewahrt wird, welche von alter Zeit her als jener Ritter gilt, der die Kirche gegründet habe und nimmt man hinzu, dass die schon angeführte bischöfliche Urkunde vom 13. September 1311 unter den damals lebenden älteren Gebrüdern den Ritter Bernhard von Plesse in auffälliger Weise hervorhebt, so ist es, wie wir glauben, nicht zu weit gegangen, wenn wir unbeschadet der Betheiligung der übrigen Familienmitglieder, ihn als den eigentlichen Erbauer der jetzt stehenden Kirche ansehen.“

Friedrich Schlies (1899) Zuordnung der Ritterstatue in das 13. Jahrhundert wurde inzwischen von Eckhard Michael (1980) präzisiert. Nach seiner bis in wichtige Details gehenden Beschreibung der Rüstung und einer Gegenüberstellung ihrer Zubehörteile mit Ritterskulpturen in ganz Europa gelangt er zu folgendem Ergebnis: „Kostüm- und waffenkundliche Vergleiche haben eine Entstehung der Ritterfigur in Hohen Viecheln für den Anfang des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich gemacht. Sie muß als Auflage für ein Hochgrab gedient haben. Dieses Grab ist vermutlich im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche in Hohen Viecheln als Ausdruck bewußter Traditionspflege errichtet worden.“ Auch wenn die Skulptur heute stehend gezeigt wird, gibt es keinen Zweifel darüber, dass sie einen liegenden Ritter darstellt, denn die entspannte Haltung der Füße und die übereinander gelegten Hände auf dem Schwert zeigen dies deutlich.

Die Forschung schließt aus, dass die Skulptur irgendwann nach Hohen Viecheln verbracht und dort nur verwahrt wurde, sondern nimmt an, dass sie als Auflage für ein Hochgrab in der Kirche konzipiert war. Ein Ritter konnte aber in der Kirche nur bestattet werden, sofern er als ihr Patron dazu berechtigt war. In Hohen Viecheln besaßen zur fraglichen Zeit nur die Herren von Plessen das Patronat, so dass die Figur zweifelsfrei einen ihrer Angehörigen darstellt. Mit Eckhard Michael sind wir der Meinung, dass das Grab „im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche in Hohen Viecheln als Ausdruck bewusster Traditionspflege errichtet wurde.“ Doch welchen Ritter der Familie stellt die Figur dar?

• Den Livlandfahrer und Edelherrn Helmold II. von Plesse (1191-1226)? Er ist zwar der Favorit von Latomus und zuletzt auch von Naumann, scheidet aber aus, da er weder zu Hohen Viecheln noch zu Mecklenburg einen erkennbaren Bezug hatte. Helmold II. war ein Ritter des frühen 13. Jahrhunderts, während die Kirche und die Skulptur zu Hohen Viecheln Schöpfungen des frühen 14. Jahrhunderts sind. • Den Wismarer Burgherrn Helmold von Plessen (1263-1283)? Mögliche ist es, dass schon er das Patronat von Hohen Viecheln besaß. Aus baustilistischen Gründen ist jedoch auszuschließen, dass die Kirche auf ihn zurückgeht. Der Bau ist einem seiner Söhne zuzuschreiben, so dass das Hochgrab – wenn es denn überhaupt für den Burgherrn geschaffen wurde, bereits in der Vorgängerkirche gestanden haben muss. Mit dieser Option lässt sich jedoch nicht in Einklang bringen, dass die Ritterskulptur kunsthistorisch ein Werk des frühen 14. Jahrhunderts ist, es sei denn, man hätte sie nachträglich für sein Grab angefertigt. Zweifel an dieser Version bleiben, weil es keinen zwingenden Grund gab, den Burgherrn in Hohen Viecheln zu bestatten, denn er hatte sich mit dem Bau des Chors der Franziskanerkirche zu Wismar einen würdigen Ort für seine Beisetzung geschaffen. Oder spekulativ gefragt: Ist es ein Zufall, dass die Gedenktafel im Chor der Franziskanerkirche zu Wismars im selben Jahr (1283) für den Burgherrn angefertigt wurde, als die Burg in Wismar abbrannte? • Den Ritter Bernhard von Plessen (1286-1325)? Er ist der älteste Sohn des Burgherrn und gehörte unter Heinrich II. Herr von Mecklenburg zu den führenden Köpfen im Land. Beispielsweise begleitete er seinen Lehnsherrn im Jahr 1289 zum Reichstag nach Erfurt (1289-1290), den König Rudolf I. von Habsburg dorthin einberufen hatte. Bernhard von Plessen hatte Besitz in Zarnekow und Ruthen und ist uns als Stifter und Patron einer Vikarie in Hohen Viecheln bekannt. Friedrich Schlie hält ihn für den Erbauer der Kirche zu Hohen Viecheln so dass die Ritterfigur von Hohen Viecheln wahrscheinlich für sein Hochgrab geschaffen wurde. Ein Beweis ist dies nicht, wohl aber eine nahe liegende Vermutung.

„Bis zum Jahre 1457 bleiben die Herren von Plessen im Besitz von Hohen-Viecheln … Da verpfändeten sie ihr ganzes Dorf und Gut für eine Summe von 2200 Mark Lübisch an Berthold Barsse (Bersse) auf Rambow, und von nun an mehrt sich nach Ausweis zahlreicher Akten, die Anlegung von Privat-Kapitalien in Renten aus dem alten Plessen´schen Kirchdorf. Unter denen, welche Viechelsche Renten kauften, mögen ausser dem Kloster Margenwolde in Lauenburg, das schon unter den Plessen´s seine Anrechte erworben hatte, die Papagoyen-Gesellschaft zu Wimar, die Vorsteherschaft von St. Marien ebendaselbst, die Antoniter zu Tempzin und die Kalandsbruderschaften von Zurow und Bibow genannt werden. Dazu manche angesehene Privatperson. Zwar gibt die Plessen´sche Familie eine Wieder-Einlösung Viechelns nicht auf. Sie „vergönnt“ das ihr seit 1377 zustehende Recht der „Gesamthand“ im Besonderen am 14. April 1504 dem Heinrich von Plessen auf Brüel († 1510), ist aber auch zu gleicher Zeit damit einverstanden, wenn die Herzöge einstweilen die Wieder-Einlösung übernehmen und der Familie ihr altes Recht reservieren wollen. Indessen drei Jahre später, den 26. August 1507, haben sich die Verhältnisse dahin geändert, dass die Herzöge Heinrich und Albrecht Gut und Dorf Viecheln mit Zustimmung des weitaus größten Theils der Familie (ein kleiner Theil protestierte noch im Jahre 1509) erb- und eigenthümlich für 3000 Mark übernehmen.“

Der Bericht Schlie´s beschreibt den Rückzug der Herren von Plessen aus Hohen Viecheln und ist einen Beleg dafür, was mit Denkmälern geschieht, wenn ihnen die ideell und materiell schützenden Hand erst einmal entzogen ist. Das Verantwortungsgefühl für das Hochgrab ist offensichtlich in relativ kurzer Zeit verloren gegangen. Diese Gleichgültigkeit ging einher mit dem Rückzug der Familie aus Hohen Viecheln in den Jahren 1457-1509 und hatte zur Folge, dass das Wappenschild des Ritters und die Grabinschrift irgendwann nicht mehr vorhanden waren. Und als es zu spät war, konnten Latomus (1611) und der Kupferstecher (1743) nur noch auf Mutmaßungen und nicht nachprüfbare Überlieferungen zurückgreifen. Dass wenigstens die Ritterskulptur die Zeit ohne Schaden überdauert hat, ist darauf zurückzuführen, dass man ihren besonderen Wert schon früh erkannt hatte und ihr einen angemessenen Schutz zukommen ließ. „Über eine entsprechende Maßnahme bereits des 17. Jahrhunderts unterrichtet der Schweriner Archivar Johann Schultz, der in Westphalens „Monumenta“ eine Fortsetzung der Latomus´schen Arbeit bis zum Jahr 1712 veröffentlichte. Im Anhang gibt er den Bericht eines Anonymus wieder, aus dem hervorgeht, dass man das Kunstwerk anläßlich der Renovierungsarbeiten im Jahre 1687 aus der Kirche hatte entfernen lassen. Dieser Anonymus habe jedoch den zuständigen Pfarrer dazu angehalten, diesen Schritt Rückgängig zu machen und der Statue einen würdigen Platz im Kirchraum zugewiesen.“



4 Init-Quelle

Entnommen aus der:

Erster Autor: Plessen angelegt am 05.09.2010 um 02:55,
Alle Autoren: Bwag, Codc, WWSS1, Plessen, HAL Neuntausend


5 Andere Lexika

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