Aktivator (Zahnspange)

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Ein Aktivator ist eine Zahnspange aus dem Bereich der "losen", also herausnehmbaren Zahnspangen. Er wird entweder einzeln oder in Kombination mit einer "festen", also nicht herausnehmbaren Zahnspange getragen. Manchmal Bedarf er für seine Wirksamkeit auch einer Kombination mit einer Facemask Spange, insbesondere einem Headgear oder ein Kopf-Kinn-Kappe.

Klassische Aktivator-Spange

1 Wirkung und Einsatzgebiet[Bearbeiten]

Aktivator Zahnspange mit Außenbügel

Aktivatoren werden sehr breit eingesetzt, gehören also zu den häufig angepassten Zahnspangen. Er besteht aus einem einzigen Teil für Ober- und Unterkiefer, sein Zweck ist die Regulierung der mechanischen Relation von Unterkiefer und Oberkiefer. Die Mundmuskulatur wird dabei als Kraftquelle genutzt, die durch die Spange in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Daher der Name: ein Aktivator aktiviert natürliche Muskelkräfte in eine gewünschte Richtung. Wo der normale Kaudruck nicht ausreicht oder wenn der Patient seinen Mund gewohnheitsmäßig leicht geöffnet hält, kommen auch externe Kraftquellen zum Einsatz wie Gummibänder der Facemask Spangen. Durch das Tragen des Aktivators werden auch die Gesichts- und Kaumuskeln trainiert, die das Wachstum im Kiefergelenk positiv beeinflussen und die Kieferposition zueinander justieren. Ein Aktivator kann nur bei Patienten angewandt werden, die sich noch im Wachstum befinden, da er ebendieses des Kiefers beeinflusst.[1]

2 Tragezeiten und Anwendung[Bearbeiten]

Außen-Headgear eines Aktivators

Ein Aktivator muss, soll er richtig wirken, möglichst immer getragen werden, mit Ausnahme der Mahlzeiten. Als absolutes Minimum gelten 12 bis 16 Stunden Tragezeit pro Tag. Nur, wenn der Patient seinen Aktivator ordnungsgemäß trägt und alle 6-8 Wochen beim Kieferorthopäden vorstellig wird, kann die Behandlung nach ca. 2 Jahren abgeschlossen werden. Ansonsten kann eine Behandlung auch bis zu mehreren Jahren dauern. Der Hauptnachteil eines Aktivators ist, dass der Patient damit nur nuschelnd sprechen kann. Ein verständliches Sprechen mit Aktivator kann schnell erlernt werden, jedoch ist eine klare Aussprache unmöglich, da ein Aktivator den Mund ausfüllt und die Zunge in ihrer freien Bewegung einschränkt.[2] Nachteilig ist auch, dass man als Eltern darauf achten muss, dass der Jugendliche bzw. junge Erwachsene die Spange regelmäßig trägt.[3]

3 Alternativen und Ergänzungen[Bearbeiten]

Kopf-Kinn-Kappe bei männlichem Patienten mit Aktivator

Hinsichtlich ihres spezifischen Zwecks und ihrer guten Wirksamkeit gibt es trotz der Weiterentwicklung der Kieferorthopädie auch auf längere Sicht keine Alternative zum Einsatz von Aktivatoren. Gemessen an ihrem großen Nutzen und ihrer schmerzlosen Anwendung sind die Nebenwirkung wie ein nuschelndes Sprechen vernachlässigbar. In vielen, bei weitem aber nicht allen Fällen, erhalten die Patienten ergänzend auch einen Headgear oder eine Kopf-Kinn-Kappe zur Steigerung der Druck- und Zugkräfte auf den Kiefer.[4] Eine zunehmend schlechte Compliance (Kooperation) der Patienten ist ein Problem, dem sich die Kieferorthopädie seit einigen Jahren gegenübersieht. Der "Markt" verlangt nach nicht "störenden" und möglichst unsichtbaren Apparaturen. Diese Entwicklung ist zwar in einem kleinen Teilgebiet der losen Zahnklammern (z.B. bei losen Ober- und Unterkieferspangen) ohne wesentliche Abstriche bei der Wirksamkeit darstellbar, nicht jedoch in der Breite der sich kieferorthopädisch präsentierenden Problemstellungen.[5]

4 Quellen[Bearbeiten]

  1. Cobourne u.a.: Clinical Cases in Orthodontics, Chichester. 2012
  2. Rakosi, Graber: Orthodontic and Dentofacial Orthopedic Treatment, Stuttgart 2011
  3. www.die-zahnspangen.de/zahnspangenarten/aktivator.html
  4. Singh: Textbook of Orthodontics. New Delhi/London, 2015
  5. Mizrahi: Orthodontic Pearls: A Selection of Practical Tips and Clinical Expertise, Second Edition. CRC Press, 2015

5 Andere Lexika[Bearbeiten]