Facemask Spange

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Unter einer Facemask-Spange versteht man Zahnspangen, die zu ihrer Wirksamkeit Konstruktionen außerhalb des Mundraumes benötigen. Im kieferorthopädischen Alltag werden diese aufgrund ihrer starken Auswirkungen auf das Aussehen des Patienten eher zurückhaltend eingesetzt. Dennoch bleiben diese Apparaturen bis auf Weiteres unersetzlich in der Kieferorthopädie.[1]

Klassische Facemask-Spange

1 Klassische Facemasks

Facemask-Spangen im engeren Sinn sind Apparaturen, die an Kinn und Stirn - über einen Nasenbügel verbunden - befestigt sind, um dadurch über Gummibänder bestimmte, eher seltene, Kieferfehlstellungen durch Zug in Richtung Front günstig zu beeinflussen.[2] Facemask-Spangen im weiteren Sinne sind große Varianten von "Headgears", metallische Außenbögen, welche durch Kopfgeschirre ("Kopfkappen") gehalten und gesteuert werden. Diese dienen meist der Rückwärtsverschiebung der großen Backenzähne oft in Kombination mit einer festen Zahnspange, seltener zusammen mit einem herausnehmenbaren Aktivator (Zahnspange).[3]

Klassische Kopf-Kinn-Kappe zum Dauertragen

2 Kopf-Kinn-Kappen

Eine etwas häufigere Variante von Facemask-Zahnspangen sind so genannte "Kopf-Kinn-Kappen". Dabei wird an ein Kopfgeschirr oder eine Art Helm über Gummizüge eine Kinnhalterung angebracht, die das Kinn nach oben zieht. So wird ein Mundschluss forciert. Diese Form der Apparatur wird für gewöhnlich als Ergänzung einer im Mund befindlichen, herausnehmbaren Zahnspange (meist vom Typ "Aktivator") verordnet und dienen dem Zug auf den Unterkiefer in Richtung Nacken und auch der Sicherstellung des Mundschlusses mit leichter Presskraft, um den Mund mit Druck geschlossen zu halten und die Wirkung einer Aktivatorspange im Mund zu erhöhen. In der Kombination eines "Aktivators" (Blockspange aus Kunststoff) und Kopf-Kinn-Kappe kann vor allem ein Zustand mit vorstehendem Unterkiefer effektiv behandelt werden.[4] Die Therapie ist oft langwierig, das Tragen der Kopf-Kinn-Kappe jedoch schmerzfrei und ohne Nebenwirkungen. Allerdings hat die Kopf-Kinn-Kappe, wie alle Facemask-Spangen, ein psychisches Akzeptanzproblem, so dann viele Patienten erst durch entsprechenden pädagogischen Druck seitens des Kieferorthopäden oder der Erziehungsberechtigten zu einem permanenten Tragen motiviert werden können. Dies ist auch deshalb wichtig und sinnvoll, weil möglichst lange Tragezeiten je Tag die Behandlung erst zielführend machen und eine lange Tragezeit bis zur Ausreifung des Kiefers sinnvoll sein kann. Gerade bei jungen Erwachsenen ist es somit wichtig, dass sie bereits frühzeitig an das Tragen ihrer Kopf-Kinn-Kappe gewöhnt werden, weil eine Neuverordnung einer Kopf-Kinn-Kappe in der Spätpubertät oder im jungen Erwachsenenalter von den Betroffenen kaum mehr akzeptiert wird bzw. angemessene Tragedauern nur durch schwierige erzieherische Maßnahmen ermöglicht werden können.. Eine frühzeitige, konsequente Gewöhnung an ein Leben mit Kopf-Kinn-Kappe oder anderen Facemask-Spangen erleichert die Akzeptanz mit steigendem Alter und ermöglicht ein konfliktfreies Tragen der Apparatur bis zum Ende des Kieferwachstums mit rund 20 bis 25 Jahren.[5]

3 Akzeptanzprobleme

Generell hat die Kieferorthopädie seit den 1990er Jahren das Problem, dass so genannte "große", aber sehr wichtige und wirksame Apparaturen von den Patienten immer schlechter angenommen werden. Besonders Face-Mask-Spangen stellen hier ein besonders großes Problem dar. Wurde die oft mit sozial problematischen Situationen versehene Eingewöhnungsphase (Hänseleien) früher durch die Autorität des Kieferorthopäden oder die Erziehungsberechtigten ausgeglichen bzw. durchgestanden, so steht heute meist nur der Wille des jungen Patienten im Vordergrund, gegen den sich durchzusetzen nicht mehr zeitgemäß erscheint. Dies führt meist dazu, dass diese vermeintlich das Aussehen entstellende Art von kieferorthopädischen Apparaturen kaum mehr ausreichend lange genug getragen werden (z.B. nur nachts oder nur zuhause), um ihr volles Potential auszuspielen. Versuche, nicht durch den Patienten selbst abnehmbare Apparaturen einzuführen, um das Tragen auf Dauer sicherzustellen, wurden zeitweise angedacht, kamen aber über vereinzelte Planungsstadien nie hinaus. So ist heute bei gleichbleibender Technik die Wirksamkeit der Apparaturen meist durch eine schlechte Kooperation des Patienten beeinträchtigt.[6]

Headgear-Spange mit Vollkopfgeschirr

4 Vor- und Nachteile

In der Zahnmedizin unstrittig ist die hochgradige Wirksamkeit dieser Apparaturen. Sie sind nebenwirkungsarm und präzise einsetzbar, meist mit sehr guten Ergebnissen. Nachteilig ist, dass sich die meist im Pubertätsalter befindlichen Patienten aufgrund der Apparaturen schämen und diese deshalb in der Regel zu wenige Stunden am Tag tragen. Mit dem Wandel zu antiautoritären Erziehungsstilen hat die Compliance der Patienten weiter stark nachgelassen. Dies stellt die Kieferorthopädie vor einige Probleme, da derartige Apparturen nicht ohne Weiteres durch weniger sichtbare Alternativen zu ersetzen sind. Der Verzicht auf Face-Mask-Elemente oder kürzere Tragezeiten pro Tag gehen auf Kosten der Therapieergebnisse.[7]

5 Weblinks

6 Quellen

  1. Cobourne u.a.: Clinical Cases in Orthodontics. Chichester, 2012
  2. American Association of Orthodontists, American Association of Orthodontists. Council on Orthodontic Education, 1968
  3. Singh: Textbook of Orthodontics. New Delhi/London, 2015
  4. Mizrahi: Orthodontic Pearls: A Selection of Practical Tips and Clinical Expertise, Second Edition. CRC Press, 2015
  5. English und andere: Mosby's Orthodontic Review. Elsevier, 2014
  6. Rakosi, Graber: Orthodontic and Dentofacial Orthopedic Treatment. Stuttgart 2011
  7. Phulari: Orthodontics: Principles and Practice. New Delhi, 2015

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