Autoritarismus

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Autoritarismus (von lateinisch auctoritas = "Einfluss" bzw. "Durchsetzungskraft") bezeichnet einen Führungsstil in Wirtschaft, Familie, Gesellschaft und Politik, bei der eine Person mit Macht ihren Willen von oben herab durchsetzt. Es handelt sich um keine politische Ideologie im engeren Sinne, sondern beschreibt einen technischen Aspekt von Machtausübung. So gibt es autoritär ausgestaltete Demokratien[1] (z.B. Ungarn, Türkei oder Japan - bedingt sogar Bayern sowie Russland, wobei beim zuletzt genannten Land seit 2012 der Übergang zum Faschismus fließend ist), aber auch nichtautoritäre Diktaturen (z.B. Jordanien, Marokko).[2]

Befehl und Gehorsam sind Merkmale des Autoritarismus.

1 Merkmale des Autoritarismus

Autoritäre Herrschaftsstrukturen zeichnen sich unter anderem durch folgende Merkmale aus:[3]

  • Wertschätzung des Prinzips von Befehl und Gehorsam
  • Achtung von Machtpositionen und Amtsträgern (Autoritäten)
  • Amtsgewalt bzw. Machtposition als eine Realität[4] ohne eine Verknüpfung mit anderen Ebenen wie persönlichen Befindlichkeiten (Beispiel: Ein Soldat ist im Dienst nicht Herr X, sondern ausführendes Organ des Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt unabhängig von seinen persönlichen Einstellungen und Emotionen)
  • Entscheidungen des Inhabers der Amtsgewalt werden umgesetzt, ohne diese in Frage zu stellen
  • Keine Debatten über getroffene Entscheidungen
  • Begrenzter kritischer Diskurs, es finden z.B. keine dialektischen Meinungsbildungsprozesse statt[5]
  • Große Bedeutung von Traditionen

2 Autoritarismus außerhalb der Politik

Autoritäre Strukturen, Merkmale und Entscheidungsprozesse finden sich auch

  • als Charaktereigenschaft
  • bei der Polizei und im Militär
  • im Management (klassische Unternehmenshierarchien)
  • in sozialen Verbünden wie Familien oder Freundeskreisen
  • generell überall dort, wo es Entscheidungsprozesse gibt

Für einige Aufgaben und Situationen sind autoritäre Entscheidungen zwingend notwendig, um ein schnelles Handeln zu ermöglich - etwa bei Unfällen oder in lebensbedrohlichen Situationen. Daher sind etwa Polizei und Militär nicht grundsätzlich autoritär, da auch innerhalb dieser Organisationen eine Diskussion stattfinden kann. So hat sich zum Beispiel die Bundeswehr in Deutschland in ihrer Entwicklung deutlich von der autoritären Struktur der Wehrmacht abgesetzt.

3 Soziologische und psychologische Aspekte

Ohne Autoritarismus ist jede Streitmacht unführbar.

Autoritarismus wird soziologisch und psychologisch als eine Persönlichkeitseigenschaft aufgefasst (autoritäre Persönlichkeit bzw. autoritärer Charakter). Psychologisch ist der Begriff mehrschichtig und weder gut noch schlecht per se. Er beschreibt dominantes Verhalten, aber auch ein Muss, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Autoritarismus ohne Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Rechenschaft ist kein Autoritarismus, sondern Willkür und Gewaltherrschaft. Gerade in Zeiten diffuser oder begründeter Unsicherheitsgefühle tendiert der Mensch eher dazu, sich Autoritäten zu unterwerfen um im Gegenzug Klarheit und Schutz zu erfahren.[6]

4 Autoritarismus und Freiheit

Gleichberechtigung und Freiheit im Sinne umfassender Mitsprache- und Mitbestimmungsmöglichkeit auf der einen Seite und einer Entscheidungsgewalt im Sinne des Autoritarismus auf der anderen Seite schließen sich als logisch miteinander unvereinbar aus. Jedoch ist eine Gleichberechtigung in der Bedeutung, dass jeder Mensch vor dem Gesetz gleich ist und die gleiche Würde hat, auch in autoritären Systemen, zumindest theoretisch, möglich.[7]

5 Quellen

  1. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/17321/demokratie
  2. Linz: Autoritäre Regime. In: Dieter Nohlen (Hg.): Wörterbuch Staat und Politik. München, 1996
  3. Linz: Totalitarian and Authoritarian Regimes. In: Fred I. Greenstein, Nelson W. Polsby (Ed.): Handbook of Political Science. Volume 3: Macropolitical Theory. Reading 1975
  4. sui generis
  5. http://www.harald-werner-online.de/index.php?id=93
  6. Rippl: Autoritarismus. Kontroversen und Ansätze der aktuellen Autoritarismusforschung. Springer Verlag, 2013
  7. Herkner: Lehrbuch der Sozialpsychologie. 6. Auflage. Bern, 2001

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