Marthe Hanau

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Profil.png Profil: Hanau, Marthe
Beruf Französische Anlagebetrügerin
Persönliche Daten
1890
'
1935


Marthe Hanau (1890-1935) war eine französische Anlage-Betrügerin, die die französischen Finanzmärkte in den 1920er und 1930er-Jahren um einige Millionen erleichterte und damit einen Skandal auslöste.

1 Leben[Bearbeiten]

Marthe Hanau wurde in Lille in eine jüdische Industriellenfamilie geboren. Sie heiratete Lazare Block, von dem sie sich später wieder scheiden liess. Im Jahr 1925 gründete sie mit ihm die Wirtschaftszeitschrift La Gazette du France, die sie auch nach ihrer Scheidung mit ihm weiter betrieb. In dieser Zeitschrift wurden regelmässig Aktientipps für Spekulanten verbreitet, und zwar wurden überwiegend Papiere solcher Unternehmen beworben, deren Miteigentümer die beiden waren, und hier wiederum häufig reine Firmenmäntel ohne operative Tätigkeit oder gar Scheinfirmen. Dennoch schossen die Kurse dieser Aktien einfach aufgrund des gesteigerten Handelsvolumens in die Höhe.

Hanau baute ihre Finanz- und Beratungsaktivitäten weiter aus, gründete eine Finanznachrichten-Agentur mit Namen Agence Interpress und brachte Bonds auf den Markt, die 8 Prozent Gewinn versprachen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden Banken und die konkurrierende Agentur Agence Havas auf die dubiose Geschäftemacherei aufmerksam und begannen, diese Machenschaften zu untersuchen und zu bekämpfen. Zunächst gelang es Hanau noch durch Bestechung verschiedener Politiker, Zeit zu gewinnen und den öffentlichien Skandal abzuwenden, am 17. Dezember 1928 aber wurden Hanau, Block und weitere Komplizen durch die Polizei verhaftet. Sie wurden des Betrugs angeklagt und sassen zunächst im St. Lazare-Gefängnis ein. Zu dieser Zeit hatten Investoren, die den verbrecherischen Anlageempfehlungen gefolgt waren, bereits 120 Mio. französische Francs verloren.

Fünfzehn Monate später fand die Prozesseröffnung statt. Marthe Hanau hielt dem Gericht vor, dieses verstehe nichts von Finanzgeschäften, behauptete, sie könne alles Geld zurückzahlen, und verlangte ihre Freilassung gegen Kaution. Als ihr dieses Ansinnen abgeschlagen wurde, trat sie in Hungerstreik und wurde drei Wochen später in eine Klinik in Neuilly verlegt, wo man sie zwangsernährte. In einem unbeaufsichtigten Moment konnte sie fliehen, kehrte aber wieder ins St. Lazare-Gefängnis zurück.

Die Hauptverhandlungen begannen am 20. Februar 1932, während derer Hanau die Namen aller Politiker bekannt machte, die von ihr bestochen worden waren, und damit einen Skandal auslöste. Sie wurde zu zwei Jahren Gefängnis veurteilt, wobei man ihr aber 15 Monate anrechnete, die sie schon abgesessen hatte. Block wurde zu 18 Monaten Gefängnis, die übrigen Komplizen zu Geldstrafen verurteilt.

Nach ihrer Haftentlassung erwarb Marthe Hanau das Forces-Magazin, geriet aber aufgrund Geheimnisverrats 1932 erneut mit dem Gesetz in Konflikt und wurde abermals zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie ging in Berufung, die aber abschlägig beschieden wurde, woraufhin sie floh. Der Polizei gelang es später, sie zu ergreifen, so dass sie ihre Haft antreten musste. Am 19. Juli 1935 tötete sie sich im Gefängnis mit einer Überdosis an Schlafmitteln.

2 Künstlerische Aufarbeitung[Bearbeiten]

1980 erschien der Kinofilm La Banquière, der das Schicksal Marthe Hanaus leicht verfremdet darstellte, mit Romy Schneider in der Hauptrolle der "Emma Eckhert".