Joseph Ziegler

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😃 Profil: Ziegler, Joseph
Persönliche Daten
17. November 1880
Wien
5. Juni 1941
München


Joseph Ziegler (* 17. November 1880 in Wien; [1] gest. 5. Juni 1941 in München [2] ) war ein jüdischer Dirigent, Kantor, Chorleiter und Komponist.

1 Vita

Ab 1917 wirkte Joseph Ziegler an der 1887 eingeweihten Alten Hauptsanagoge München
  • Er war der zweite Sohn von sieben Kindern von Wilhelm und Anna Ziegler. Sein Vater gehörte zum Ensemble des Königlichen Hof- und Nationaltheaters in München und war über 40 Jahre Mitglied des Münchner Synagogenchores. Mit fünf Jahren kam Joseph Ziegler mit seinen Eltern nach München. Nach Volks- und Realschule studierte er von 1899 [3] bis 1902 an der Akademie für Tonkunst Kompositionslehre bei Josef Gabriel Rheinberger, Klavier bei Eduard Bach und Berthold Kellermann, Orgel bei Josef Becht und Ludwig Maier sowie Horn bei Bruno Hoyer. [4]
  • Ab 1903 war Ziegler Dirigent am Stadttheater Schleswig. Danach vertiefte er seine Studien in Paris u.a. beim berühmten Organisten Charles-Marie Widor. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich arbeitete er von 1911 bis 1917 als privater Musiklehrer. Ab 1917 war er dann stellvertretender Leiter und seit 1923 Kantor und Chordirigent an der Hauptsynagoge von München. [5] [6]
  • Ziegler war auch als Komponist aktiv. So entstanden in Kooperation mit dem Kantor und Komponisten Emanuel Kirschner, der vokale Kompositionen schrieb Orgelkompositionen Zieglers, die sowohl in der Liturgie wie auch im Rahmen von Konzerten in der Synagoge eine musikalische Einheit bildeten. [7] Für seine Komposition Ma adam für Solo, Chor und Orgel erhält Ziegler 1927 den ersten Preis des Deutschen Kantorenverbandes. [8] Wie gut integriert und eingebunden die Juden Deutschlands zur Zeit des 1. Weltkrieges in das deutsche Kulturleben und auch den deutschen Patriotismus waren zeigt die Komposition Das ganze deutsche Volk betet von Ziegler und Kirschner, eine Vertonung eines Gedichtes von Karl Ernst Knodt, in dem es zum Ende heißt: "... dass deine Hand uns sende den Sieg zur rechten Zeit". [9] Weitere Werke Zieglers sind u.a. die Orgelphantasie Kol Nidrei, die Vertonung eines Gebets nach dem Text Herr, den ich tief im Herzen trage von Emanuel Geibel für drei Stimmen mit Orgelbegleitung, das Lied Und Friede auf Erden für Sopransolo mit dreistimmigem Frauen- oder Knabenchor und Orgel sowie eine Vertonung von Psalm 8:5.
  • 1925 heiratet Ziegler die in München geborene Sonja Sura Fleischer deren Eltern aus Odessa stammen. Das Paar bekam die beiden Kinder Manfred und Hannelore. Zieglers Frau Sonja war als Sängerin aktiv. Ihr Mann begleitete sie bei Liederabenden mit klassischen Werken und jiddischen Liedern am Klavier. [10]
  • Der von Ziegler geleitete Jüdische Gesangsverein München trat auch in anderen deutschen Städten auf. Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung schrieb über ein Konzert des Jüdischen Gesangsvereins München in Augsburg am 15. April 1930:
    Bericht über ein Konzert des von Joseph Ziegler geleiteten Jüdischen Gesangsvereins München in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung
"Zum Besten erholungsbedürftiger Gemeindemitglieder veranstaltete der Israelitische Frauenverein Augsburg jüngst in der hiesigen, für musikalische Darbietungen akustisch vorzüglichen Synagoge ein lange in der Erinnerung an das Gehörte und Empfundene nachwirkendes Wohltätigkeitskonzert. Eine besondere künstlerische Note erhielt dasselbe durch die gastweise Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereins München unter seinem erprobten Führer Kapellmeister Joseph Ziegler. Ob es sich in der klanggeschlossenen, technisch bis zur letzten Konsequenz der totalen Sauberkeit vorgedrungenen Wiedergabe um liturgische Gesänge mit Kantorsolo und Orgel wie: ‚Ma tobu‘ von Max Löwenstein, ‚Hajom haaras olom‘ von Emanuel Kirschner oder mit gesteigerter Schwierigkeit um den prächtig zu Gehör gebrachten a capella-Chor ‚Ribono schel olom‘ von S. Almon handelte, endlich um den krönenden Abschluss bildenden Schlusschor aus Psalm 42 von Felix Mendelssohn mit Orgel, welche der Augsburger Organist der Synagoge, Herr N. Frei, meisterte, gewann der Hörer durch feinnervige Abtönung und intelligente Phrasierung den Eindruck höchst beachtlicher qualitativer Fähigkeiten des Chores der Münchener Gäste." [11]
  • Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechtern sich auch die Lebensumstände der Zieglers: 1934 wird der Familie, da Sonja Ziegler und ihre Familie die polnische Staatsangehörigkeit besitzen, die 1928 gewährte bayerische Staatsangehörigkeit entzogen obwohl beide zu dem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten in München ansässig sind. Ab 1934 tritt Ziegler häufig im Rahmen des im selben Jahr gegründeten Jüdischen Kulturbundes als Dirigent auf und leitet das Münchner Jüdische Vokalquartett. [12]
  • Zum Jahrestreffen des Allgemeinen Rabbinerverbandes in München am 8. Juni 1938 erhielt die dortige jüdische Gemeinde von den Nationalsozialisten den Befehl, die Synagoge nebst Gemeindehaus dem Staat abzutreten und binnen 24 Stunden zu räumen. Am Morgen des 9. Juni begann der Abriss des Gebäudes. [13] Die entstandene freie Fläche wurde in einen Parkplatz umgewandelt und die jüdische Gemeinde mit einer lächerlich niedrigen Entschädigungssumme abgefunden. [14]
  • Ziegler musste mit seiner Familie im Januar 1941 in die Widenmayerstraße 38 umziehen. Bereits vier Monate später wurde die Familie genötigt im so genannten "Judenhaus" (Wohnhäuser aus jüdischem Eigentum in die ausschließlich jüdische Mieter und Untermieter zwangsweise eingewiesen wurden [15]) in der Jakob-Klar-Straße 7 [16] zu leben. Dort starb Joseph Ziegler am 25. Juni 1941 unter ungeklärten Umständen. [17]
  • Zieglers Ehefrau Sonja und die beiden Kinder wurden am 20. November 1941 aus München nach Kaunas deportiert und dort am 25. November ermordet.
  • Joseph Ziegler ist heute weitgehend vergessen. Keine einzige Sprachversion der Wikipedia verfügt über einen Personenartikel zu ihm. Auch in der Encyclopaedia Judaica, dem MGG, Riemanns Musiklexikon, auf hagalil und im Jewiki wird Ziegler nicht erwähnt.

2 Literatur

  • Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon, Band 38, Walter de Gruyter, 2011, Seite 3777

3 Weblinks

4 Andere Wikis

  • In der von Antisemiten infiltrierten deutschsprachigen Wikipedia gibt es keinen Personenartikel zu Joseph Ziegler.

5 Einzelnachweise

  1. Theo Siegel und Herbert Gerigk / zusammengestellt im Auftrag der Reichsleitung der NSDAP: Lexikon der Juden in der Musik, Bernhard Hehnefeld Verlag, Berlin, 1940, Sp. 300
  2. Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945, Band II (M-Z), Stadtarchiv München, 2003, S. 810
  3. DIE MÜNCHNER MUSIKSCHÜLTAGEBÜCHER (INSPEKTIONSBÜCHBR) VON JOSEF RHEINBERGER 1867 - 1891
  4. Ilse Macek: Joseph Ziegler, Musiker, Komponist, Dirigent des Synagogenchores und Sonja Sura Ziegler, geborene Fleischer, Sängerin
  5. Wilhelm Kosch: Deutsches Theaterlexikon, Band 38, Walter de Gruyter, 2011, S. 3777
  6. Chronik der Israelitischen Kultusgemeinde auf www.muk.gwi.uni-muenchen.de
  7. Musikmeister der Münchner Hauptsynagoge - Prof. Emanuel Kirschner et.al. / Nach Tina Frühauf "Orgel und Orgelmusik in Deutsch-jüdischer Kultur"; auf www.hagalil.com
  8. Ilse Macek: Joseph Ziegler, Musiker, Komponist, Dirigent des Synagogenchores und Sonja Sura Ziegler, geborene Fleischer, Sängerin
  9. Uta Schaumberg: „Unendliches Lied“ - Münchner Synagogalmusik in einem Werkstattkonzert und einer Kabinettpräsentation in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek
  10. Zeitungsbericht über einen Liederabend der Zieglers in Göppingen
  11. Augsburg - Jüdische Geschichte im 19./20. Jahrhundert / Betsäle und Synagogen; auf www.alemannia-judaica.de
  12. Ilse Macek: Joseph Ziegler, Musiker, Komponist, Dirigent des Synagogenchores und Sonja Sura Ziegler, geborene Fleischer, Sängerin
  13. Dan Diner: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Band IV (Ly-Po), Springer-Verlag, 2016, S. 276
  14. Richard Bauer und Michael Brenner: Jüdisches München - Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, C.H.Beck, 2006, S. 174
  15. Angelika Schwarz: Von den Wohnstiften zu den „Judenhäusern“; in Angelika Ebbinghaus und Karsten Linne (Hrsg.): Kein abgeschlossenes Kapitel - Hamburg im „Dritten Reich“, S. 246
  16. Winfried Nerdinger (Hrsg.): Ort und Erinnerung - Nationalsozialismus in München, Verlag Anton Pustet, 2006, S. 145
  17. Ilse Macek: Joseph Ziegler, Musiker, Komponist, Dirigent des Synagogenchores und Sonja Sura Ziegler, geborene Fleischer, Sängerin

6 Hinweis zur Verwendung

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