Byzantinisches Räuchergefäß in der Basilica di San Marco in Venedig

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Das byzantinische Räuchergefäß in der Basilica di San Marco in Venedig stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Gefäß in Gestalt eines Fünfkuppelbaus wurde vom venezianischen Dogen Enrico Dandolo nach der Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 von dort nach Venedig gesandt.
Das byzantinische Räuchergefäß in der Basilica di San Marco in Venedig

1 Details

  • Der aus teilweise vergoldetem, getriebenen Silber gearbeite Behälter mit 26 mal 30 Zentimetern ist vom im Grundriss her in ein Quadrat eingeschrieben. Über einem kleineren mittleren Quadrat erhebt sich die höchste Kuppel. Von diesem Quadrat gehen vier überkuppelte Apsiden ab. Sie werden verbunden mit vier dreieckigen Gebäudeteilen mit Pyramidendächern.
  • Die mit Ornamenten durchbrochenen Kuppeln, Dächer und oberen Gebäudeteilen dienten dem Zweck, dass der duftende Rauch entweichen konnte. Die Ornamentik der oberen Teile besteht aus Blättern, Blumen und Palmetten. Dann folgt ein Band aus Rosetten und Ranken. [1]
  • Unten befinden sich zwei Türen mit jeweils einer Person: Ein männlicher und mit Schild und Lanze bewaffneter Krieger steht für die Charaktereigenschaft des Mutes. Eine weibliche Person zeigt mit einer Hand an ihre Stirn. Sie wird von zwei kleinen Zypressen eingerahmt. Sie steht für Besonnenheit/Verstand. Seitlich der Türen befindet sich ein Greif und ein Löwe. Wenn man das Gefäß aus anderen Blickwinkeln betrachtet, findet man zwei Sirenen mit in Schlangenköpfen endenden Schwänzen. Eine von ihnen spielt Flöte. Außerdem sind eine sich an einen Korb klammernde Putte, ein die Trommel spielender Zentaur und ein Liebespaar vorhanden. [2]
  • Die Türen lassen sich öffnen und zeigen die Vorrichtung, mit der die Räucherwaren gahalten wurden. Außerdem gibt es Öffnungen, durch die das Feuer genug Sauerstoff bekam, um glimmen und räuchern zu können.
  • Da dies Räuchergefäß das Einzige in seiner Art ist, ist es auch schwierig, seine Herkunft zu bestimmen. Die sorgfältige Ausführung der Treibarbeiten und die beiden Figuren von Mut und Besonnenheit/Verstand lassen allerdings auf Konstantinopel als Entstehungsort schließen. Diese Allegorien erschienen damals nur in Verbindung mit kaiserlichen Darstellungen. Es könnte sich demnach um ein für den byzantnischen Hof hergestelltes Gefäß handeln. [3]

2 Literatur

  • Susanna Partsch: Kunst-Epochen - Band I / Frühchristliche und byzantinische Kunst, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 2004, Seite 153 bis 155

3 Weblinks

4 Bilder

5 Video und Audio

6 Siehe auch

7 Einzelnachweise

  1. Susanna Partsch: Kunst-Epochen - Band I / Frühchristliche und byzantinische Kunst, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 2004, S. 153 und 154
  2. Nicolette S. Trahoulia: The Scent of an Emperor - Desire and the San Marco Incense Burner; in Arte medievale, Nr. 1, 2008, S. 33
  3. Susanna Partsch: Kunst-Epochen - Band I / Frühchristliche und byzantinische Kunst, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 2004, S. 154 und 155