Talmud

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Der Talmud (hebräisch: תלמוד, talmūd "Belehrung, Studium") ist nach der jüdischen Bibel (dem Tanach) das bedeutendste Schriftwerk des Judentums und Gesetz seines religiösen Lebens.

1 Charakterisierung, Einleitung, Autoren

Um 500 Abschluss des Babylonischen Talmuds (Talmud bavli / bawli; „Talmud“ hebräisch = "Belehrung", "Studium", "Lehre".

Die vier Hauptautoren (der Erstfassung? Rolle der Saboräer nicht endgültig geklärt) sind:

1) Abba Areka / Abba Arikha = Raw / Rab (ca. 160-247);
2) Samuel (Jarchinai) = Mar (gest. 254?);
3) Rab (Rav) Aschi (gest. um 427);
4) und Ravina / Rab(b)ina / Rabina II. (gest. 499).

Die im 5. Jahrhundert abgeschlossene schriftliche Fixierung der gesetzesgelehrten Tradition des Judentums, besonders der Auslegungen, Anwendungen und Weiterbildungen des mosaischen Gesetzes (Tora). Der Talmud ist sehr viel umfangreicher als die Bibel; vollständige Ausgaben kommen auf fast 10 000 Seiten in einem Dutzend Bände (Zählungen ergaben 2,5 Mill. Wörter).

Der Talmud entstand im Lauf mehrerer Jahrhunderte als Zusammenfassung der Mischna [1].
Bei der Mischna handelt es sich um den Teil der Tora, den Gott nach jüdischer Tradition Moses am Berg Sinai mündlich geoffenbart hat und der in der Folgezeit auch zunächst nur mündlich weitergegeben [2]wurde.
In den beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde die Mischna schliesslich aber doch kodifiziert. Ihre endgültige Form gefunden hat die in Hebräisch abgefasste Mischna im 2. nachchristlichen Jhdt. unter redaktioneller Federführung von Jehuda ha Nasi; (sie ist im babylonischen und im palästinischen Talmud identisch) und der Gemara [3].

Der Talmud ist teils in hebräischer, teils in aramäischer Sprache abgefasst. Es gibt zwei Überlieferungsschulen; der ältere und wesentlich kürzere alästinische oder Jerusalemer Talmud [4] wurde vom jüngeren und umfassenderen babylonischen Talmud fast verdrängt.

Der babylonische Talmud ist Kanon und repräsentiert den Talmud schlechthin. Der Talmud ist in sechs „Ordnungen“ („seder“) eingeteilt Schischa Sedarim, abgekürzt SchaSs / Schas (einer der Namen des Talmud) (die "Ordnungen" wiederum enthalten zwischen 7-12 Traktate / "masechet" / Massechet (Gewebe, Text), Bezeichnung für die insgesamt 63 Einzelbücher der Mischna; die Traktate wiederum sind in Abschnitte / Kapitel = „päräq“ / Perek, Pl. Perakim eingeteilt, diese in Einzelregelungen / einzelne Lehrsätze = „mischna“, Pl. Mischnajot bzw. "Halacha", Pl. Halachot genannt – das Ganze nannte und nennt man ebenfalls Mischna):

2 Ordnungen und Traktate

3 1. Ordnung

1. Ordnung: Seraim / Zera'im ("Saaten", "Samen"): die vorgeschriebenen Benediktionen, Landwirtschaft, Pflichtabgaben von Bodenerzeugnissen an Priester, Leviten und Arme, Brachjahr des Ackers und Schonzeit der Früchte.

1.1 Brachot / Berachot / Berakhot („Segen“, „Segenssprüche“; umfasst 9 Kapitel): Benediktionen und andere Gebetsvorschriften, landwirtschaftliche Vorschriften, Nennung des Gottesnamens bei der Begrüssung; enthält auch ein "Traumbuch" (bT 55a-57b, hat aber bereits palästinische Quellen); einziger Mischnatraktat der Ordnung Zeraim, zu dem es Gemara gibt, offenbar, weil die mit der Landwirtschaft zusammenhängenden Gesetze nur in Palästina galten.

1.2 Pe’ah / Pea („Ecke“; 8 Kapitel): Ackerecken / Ackerwinkel für Arme, Armenrecht allgemein; Nachlese; Vergessenes; der Armenzehnte; der reisende Arme.

1.3 Demaj / Dammai / Demai („Zweifelhaftes“; 7 Kapitel): zweifelhaft Verzehntetes, Früchte verzehntet oder nicht; wann nachverzehnten?

1.4 Kilajim / Kilaim ("zweierlei", "Heterogenes", "Verschiedenartiges", "Mischungen"; 9 Kapitel): behandelt die unerlaubte Vermischung verschiedener Arten einer Gattung, besonders Pflanzen (Mischsaaten) und Tiere (Tierkreuzungen), Mischgewebe [Vermischungen auf drei Gebieten verboten: Tiere: Tiere verschiedener Art sollen sich nicht begatten (Nutzung aber erlaubt). Nicht Ochse und Esel zusammen vor den Pflug spannen ("Ochse und Esel" bezieht sich an allen Stellen auf alle Tiere). Pflanzen: Die Felder sollen nicht mit zweierlei Art besät werden. Bäume sollen nicht gepfropft werden, um die Art zu verbessern. Im Weinberg dürfen keine anderen Pflanzen angebaut werden (Nutzung eines derartigen Ertrags streng verboten). Kleider/Gewebe: Beim Vermischen von Geweben verbietet die Tora nur das Vermischen von Wolle und Flachs/Leinen (und zwar in einem Kleidungsstück; gemeinsam dürfen sie durchaus getragen werden, z.B. Wollpullover über Leinenhemd). Ein solch gemischtes Gewebe heisst Schatnes (Schaatnes). Wer das Verbot streng befolgt, bezieht es auch auf Sofas, Lehnstühle und andere Polstermöbel]; über Bastarde.

1.5 Schwiit /Schewiit / Schebiit ("Siebtes", "Siebentes Jahr"; umfasst 10 Kapitel): das siebente Jahr, Sabbatjahr; Schemitta / Schmitta, "Erlass", im pentateuchischen Gesetz Brach- (Ruhe-)jahr des Bodens, alle sieben Jahre wiederkehrend (nach sieben Sabbatjahren ein Jubeljahr); Brachjahr (Erlassjahr): Im Judentum hat die Zahl Sieben ein ganz besonderes Gewicht. Der siebte Tag ist der heilige Ruhetag; das siebte Jahr (Brachjahr) ist das Jahr, in dem das Land brachliegt. Die Gesetze für das Brachjahr sind umfangreich und kompliziert. Vor allem haben wir es hier mit drei Dingen zu tun: 1) dem Verbot, den Boden im siebten Jahr zu bebauen; 2) dem Verzicht auf die Ernte und Früchte dieses Jahres; 3) dem Schuldenerlass am Ende des siebten Jahres; Prosbul, Erklärung vor Gericht = pros boulen, dass man die Schulden jederzeit zurückfordern darf; die Vorschriften zum Brachjahr sind eng verbunden mit denen des Jobeljahrs.
Jobeljahr/Jubeljahr: Das Jobeljahr findet nach sieben siebenjährigen Zyklen einmal alle 50 Jahre statt. In diesem Jahr wird das gekaufte Land seinem ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben, hebräische Sklaven werden freigelassen und Tagelöhner entlassen, der Boden wird nicht bebaut, und man verzichtet wie im siebten Jahr auf die Ernte. Das Gesetz über das Jobeljahr gilt aber erst wieder, wenn ganz Israel im eigenen Lande wohnt. Das Jobeljahr wird durch Schofarblasen angekündigt.

1.6 Trumot / Terumot ("Abgaben", "Heben", "Hebe-Gaben"; 11 Kapitel): über die Hebe / Priesterhebe, Abgaben an Priester (Kohanim) und Leviten.

1.7 Ma’aserot / Maasrot / Maaserot / Masserot / Maaser Rischon (Maasser "Zehent" / bzw. "erster Zehnter"; 5 Kapitel): Zehnte, Verzehntung, Steuerabgaben an die Leviten ohne Land.

1.8 Ma’aser scheni / Maaser Scheni: zweiter Zehnt(er), Abgabe des zweiten Zehnten; umfasst 5 Kapitel; zweiter Zehnter bzw. dessen Geldwert in Jerusalem zu verzehren; der Weinberg im vierten Jahr; Wegschaffung (bi'ur) des Zehnten.

1.9 Challah ("Erstlingskuchen", "Teig"; 4 Kapitel): Teighebe [Challa, Teighebe/ Brothebe: Absonderung der Erstlingsgabe vom Brotteig, nur in Israel geboten, und nur, wenn sich das ganze Volk dort eingestellt hat. Wurde aber bereits auch im Ausland, befolgt, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Die Challa wird nach dem Kneten vom Teig abgesondert. Sie besteht nur aus dem Teig einer der fünf Getreidesorten und Wasser. Die Mindestmenge, von der man eine Challa absondern muss, beträgt etwa 1 700 Gramm. Dazu spricht man eine Benediktion. Ist die Teigmenge geringer (aber mindestens 1 200 Gramm), sondert man zwar Challa ab, spricht aber in diesem Fall keine Benediktion. Die heute abgesonderte Menge entspricht der Grösse einer Olive (etwa 27 Gramm). Sie wird im allgemeinen verbrannt. Am Schabbat und an Feiertagen wird keine Challa abgesondert. Die Absonderung der Challa ist eine Pflicht der Hausfrau. In Bäckereien, Konditoreien und öffentlichen Küchen muss ein Mann diese Aufgabe übernehmen, wenn es im ganzen Betrieb keine Frau gibt. Das Gebot über die Absonderung der Challa ist eines von drei Geboten, die nur für Frauen gelten (1. Absonderung der Challa, 2. die Nida und 3. das Lichteranzünden am Sabbatabend)].

1.10 Orlah / Orla ("Vorhaut", "Unbeschnittenes"; 3 Kapitel): „Vorhaut“ der Bäume, Baumbeschneidung, über dreijährige Schonzeit für Baumfrüchte etc. (Lev 19,23-25) [Orla, "Vorhaut"; "Wenn ihr in das Land kommt und einen Fruchtbaum pflanzt, sollt ihr seine Früchte behandeln, als ob sie seine Vorhaut wären. Drei Jahre lang sollen sie für euch etwas Unbeschnittenes sein, das man nicht essen darf. Im vierten Jahr sollen alle Früchte als Festgabe für den Herrn geheiligt sein ( = sie werden zur "vierten Pflanzung" und dürfen in Jerusalem gegessen oder ausgelöst werden). Erst im fünften Jahr dürft ihr die Früchte essen und den Ertrag für euch ernten" (3. Mose 19)].

1.11 Bikkurim („Erstlinge“; 3 Kapitel): Darbringung der Erstlingsfrüchte (an Schawuot); viele Mischna- und Talmudtexte fügen ein 4. Kapitel an über den Zwitter (androgynos)

4 2. Ordnung

2. Ordnung: Moed ("Festzeiten", "Festtag"): Vorschriften über Sabbat, Fest-

                                          und Fasttage 

2.1 Schabbat (Sabbat), 24 Kapitel [an dieser Stelle einige grundsätzliche

                                                Informationen zum Schabbat aus innerjüdischer Perspektive: Schabat 
                                                ("Ruhe", "Pause"), der 7. Tag = Ruhetag, der am Freitagabend beginnt. 
                                                Grundsätzliches: Das Gebot, den Schabbat heiligzuhalten, ist eines der 
                                                Zehn Gebote, eine der Säulen des jüdischen Glaubens. Es besteht ein 
                                                ewiger Bund zwischen dem Volk Israel und dem Schabbat. Er basiert 	          auf zwei Grundsätzen, der Ruhe und der Heiligkeit. Die Besonderheit 	          des jüdischen Schabbats kommt sowohl in der Ruhe nach den Mühen 
                                                und Aufregungen der Woche und in der geistigen Dimension zum 
                                                Ausdruck, die die Tagesordnung des Schabbats prägt. An einem Tag in 
                                                der Woche lässt man alles Weltliche, alle materiellen Dinge und das 
                                                tägliche Rennen hinter sich. Es ist ein Tag, der ganz auf geistige Werte 
                                                ausgerichtet ist, deren Abglanz auch noch in der Woche nachschimmert. 
                                                Wer den Schabbat heiligt, bezeugt damit  die Erschaffung der Welt 
                                                durch Gott. Der Schabbat ist das Gedenken des Schöpfungswerkes und 
                                                bildet damit das Fundament für den monotheistischen Glauben. Wer vor 
                                                dem Schabbatbeginn seine Arbeit beendet, bezeugt vor aller Welt, dass 
                                                er Gottes Beispiel folgt. Ein weiterer Grund, warum Juden den 
                                                Schabbat heilighalten, ist der, dass sie damit des Auszugs aus Ägypten 
                                                gedenken. An jedem Schabbat erinnern sie sich an das Wunder des 
                                                Auszugs aus Ägypten, das Wunder der Erlösung und des Auszugs  aus 
                                                der Finsternis ins Licht, aus der Knechtschaft in die Freiheit. 
                                                Demzufolge besitzt der Schabbat nicht nur einen universalen, sondern 
                                                auch einen nationalen Wert ersten Ranges. Ein weiterer Gesichtspunkt, 
                                                der das Wesen des Schabbats zum Ausdruck bringt, ist das Festigen der 
                                                Familienbande. Am Schabbat sind die sozialen Unterschiede 
                                                aufgehoben, alle sind gleich. Schabbat ist  der einzige Tag in der 
                                                Woche, der einen Namen trägt. Die anderen Wochentage werden nur 
                                                durch Zahlen bezeichnet. Erew Schabbat Am Schabbatabend stellt sich 
                                                nicht die Frage "Wohin heute abend?" Man geht nach Hause und bleibt 
                                                bewusst zu Hause und geht nicht aus. Die ganze Familie versammelt 
                                                sich um den Schabbattisch. Kerzen, eine weisse Tischdecke, ein festlich 
                                                gedeckter Tisch, der Kiddusch, Lieder zum Schabbat, Worte aus der 
                                                Tora und zum Nachdenken: Das alles zusammen führt zum Entstehen 
                                                einer besonderen Schabbatstimmung. Hier ist auch die Zeit für 
                                                Gespräche. Für die Ehepartner ist der Freitag Abend der Zeitpunkt für 
                                                den Geschlechtsverkehr (positives Gebot). Dieser ist Zeichen einer 
                                                totalen Annahme und Bejahung der Einzigartigkeit und Spiritualität des 
                                                Schabbats. Gleichzeitig sind das physische Wohlbefinden, das 
                                                Ausbleiben von Druck und die Musse am Schabbat die perfekte 
                                                Umgebung, um ein so hohes Mass an Intimität und Offenheit zum 
                                                Partner zu erlangen. Die Vereinigung wiederum bereichert und vertieft 
                                                das Gefühl des Wohlbefindens und das Selbstwertgefühl. Noch vor 
                                                Schabbatbeginn muss der Wochenabschnitt studiert werden ("zweimal 
                                                die Mikra und einmal den Targum"). "Erew Schabbat" bezieht sich auf 
                                                den ganzen Freitag, bevor es Abend wird. Sobald die Dämmerung 
                                                kommt, bezeichnet man ihn nicht mehr als "Erew Schabbat", sondern 
                                                als "Leil-Schabbat", d.h. Schabbatabend. Bei den übrigen Völkern 
                                                beginnt der neue Tag um Mitternacht, bei den Juden beginnt der neue 
                                                Tag jedoch mit der Abenddämmerung: "Es wurde Abend, und es wurde 
                                                Morgen: zweiter Tag." Der Jude/die Jüdin sollen sich auf den Schabbat 
                                                vorbereiten und alles, was für den Schabbat benötigt wird, vor seinem 
                                                Beginn vollenden. Nach der Halacha muss man sich zum Schabbat 
                                                baden, das Haar und die Fingernägel schneiden und besondere, nur dem 
                                                Schabbat vorbehaltene Kleider tragen. Im Haus selbst muss alles 
                                                aufgeräumt und sauber sein, auf dem Tisch ein schönes Tischtuch 
                                                liegen und der Tisch mit schönem Geschirr gedeckt sein. Je nach 
                                                Vermögen muss jede Familie ein aufwändigeres Mahl als sonst 
                                                während der Woche üblich zu Ehren des Schabbats vorbereiten. Das 
                                                Anzünden der Kerzen. Im jüdischen Haus wird der Schabbat mit dem 
                                                Anzünden der Kerzen begrüsst, und das ist eine Pflicht, die die 
                                                Hausfrau am Freitagabend erfüllen muss. Die Kerzen werden ungefähr 
                                                eine halbe Stunde vor Schabbatbeginn angezündet, und deshalb muss 
                                                die Zeit zum Anzünden der Kerzen genau eingehalten werden, die in 
                                                jeder Stadt verschieden ist - in Jerusalem werden die Kerzen zum 
                                                Beispiel vierzig Minuten vor Sonnenuntergang angezündet. Eine Frau, 
                                                die die Kerzen erst nach Schabbatbeginn anzündet, hat nicht nur das 
                                                Gebot des Anzündens nicht erfüllt, sie hat darüber hinaus auch noch 
                                                den Schabbat entweiht (Verbot, Feuer anzuzünden). Das Anzünden der 
                                                Kerzen ist eins der drei der Frau auferlegten Gebote. Ist keine Frau im 
                                                Haus, muss der Mann oder jemand anders aus der Familie die Kerzen 
                                                an ihrer Stelle anzünden. In bezug auf die Kerzen, die man anzündet, 
                                                gibt es zwei Bräuche: a) zwei Kerzen (weil das Gebot für den Schabbat 
                                                in den beiden Versionen des Dekalogs in zwei verschiedenen Fassungen 
                                                überliefert ist: eine Kerze für das "Gedenke" 2. Mos. 20,8, eine für das 
                                                "Hüte" 5. Mos 5,12; das Zünden von zwei Kerzen ist die häufigere 
                                                Tradition); b) eine Zahl an Kerzen, die der Zahl der Familienmitglieder 
                                                entspricht. Sobald die Kerzen angezündet sind, darf die Frau keine 
                                                Tätigkeit mehr ausüben, die am Schabbat verboten ist. Männer, die die 
                                                Kerzen im allgemeinen nicht anzünden, begrüssen den Schabbat mit 
                                                dem "Lied zum Schabbat" (Psalm 92) während des "Gebets zum 
                                                Empfang des Schabbats" in der Synagoge. Die Kerzenleuchter werden 
                                                auf den Tisch gestellt, um den sich die Familie zum Sabbatmahl 
                                                versammelt. Die Sabbat-Challot (mit Mohn bestreute Weissbrotzöpfe) 
                                                sind schon vorher auf den Tisch zu legen, noch bevor man die 
                                                Kerzenleuchter daraufstellt. Die Leuchter werden weder berührt noch 
                                                bewegt. Ist der Sabbattisch zu klein, darf man die Leuchter auch auf ein 
                                                anderes Möbelstück im Esszimmer stellen. Die Kerzen sollten gross 
                                                genug sein, damit sie während der ganzen Sabbatmahlzeit brennen. Auf 
                                                das Anzünden der Kerzen folgt der Segensspruch: "Gelobt seist Du, 
                                                Adonai, unser Gott, König der Welt, der uns mit seinen Geboten 
                                                geheiligt und uns befohlen hat, das Sabbatlicht anzuzünden". Baruch ata 
                                                Adonai Elohenu, melech ha olam, ascher kidschanu bemitzwotaw 
                                                weziwanu lehadlik ner schel schabat. Damit wird der Schabbat begrüsst. 
                                                Von diesem Augenblick an muss die Frau alle Schabbatverbote 
                                                beachten, und dazu gehört auch das Anzünden von Feuer; deshalb – 
                                                entgegen der sonst üblichen Reihenfolge - erst das Anzünden, dann der 
                                                Segensspruch. Daher erklärt sich, warum die Frau bei der Benediktion 
                                                das Gesicht mit den Händen bedeckt, die Handflächen den Lichtern 
                                                zugewandt, und die Kerzen erst nach dem Segensspruch anblickt. Damit 
                                                erfüllt sie das Gebot, über eine Handlung vor ihrer Ausführung die 
                                                Benediktion zu sprechen, indem sie "so tut als ob". Nach dem 
                                                Anzünden der Kerzen gehen die Familienangehörigen zum 
                                                Minchagebet, zur "Begrüssung des Sabbats", in die Synagoge. 
                                                U.a. singt man das Lied "Lecha dodi" ("Auf, mein Freund, der Braut 
                                                entgegen, Königin Sabbat wollen wir empfangen"; von Rabbi Salomo  
                                                Alkabetz, ein berühmter Kabbalist). Der Schabbat wurde als Ehrengast 
                                                betrachtet und erhielt den Kosenamen "Sabbatkönigin" oder die 
                                                "Braut", die ihr Schicksal mit dem des Bräutigams vereint. Mit 
                                                Bräutigam ist hier das Volk Israel gemeint, das die Braut, d.h. den 
                                                Schabbat, heiratet. Zur Sabbatmahlzeit versammeln sich alle 
                                                Familienmitglieder und Gäste um den Tisch. (Es ist ein alter, schöner 
                                                jüdischer Brauch, das Gebot der Gastfreundschaft besonders am Sabbat 
                                                und an Feiertagen zu verwirklichen.) Die am Tisch Versammelten 
                                                singen das vierstrophige Lied "Seid willkommen, Engel des Dienstes". 
                                                Jede Strophe wird dreimal gesungen. Kiddusch: Den Satz "Gedenke des 
                                                Sabbats: Halte ihn heilig" erklärten die Weisen mit "Gedenke seiner 
                                                über Wein". Deshalb kennzeichnet man den Beginn des Sabbats mit 
                                                dem Kiddusch und sein Ende mit der Hawdala. Den Kiddusch in der 
                                                Sabbatnacht spricht man über einem Glas Wein oder Most. Nur wenn 
                                                kein koscherer Wein zur Verfügung steht oder das Weintrinken vom 
                                                Arzt verboten wurde, darf man den Kiddusch auch über zwei Challot 
                                                sprechen. Wer den Kiddusch spricht, steht, und auch die um den Tisch 
                                                Versammelten sollten wenigstens während eines Teils des Kiddusch 
                                                stehen, wenn möglich bei den Sätzen "Vollendet", bezeugen sie doch 
                                                die Erschaffung der Welt durch Gott. Wie jede Zeugenaussage spricht 
                                                man sie deshalb im Stehen. Der, der den Kiddusch spricht, sagt den 
                                                Segensspruch über den Weinstock und einen weiteren über die 
                                                Heiligkeit des Sabbats. Die übrigen Familienmitglieder brauchen 
                                                ihrerseits keinen Kiddusch zu sprechen, wenn sie ihm zuhören und nach 
                                                den beiden Segenssprüchen "Amen" sagen. Der Kiddusch ist Sinnbild 
                                                zweier Elemente, auf denen der Sabbat beruht, einmal gedenkt er der 
                                                Schöpfung und zum anderen des Auszugs aus Ägypten. Auch ist der 
                                                Kiddusch eine Art Dank dafür, dass Gott die Juden als Bannerträger  
                                                auserwählt hat, die den Sabbat halten und damit auch den universalen 
                                                Gedanken über die Schöpfung zum Ausdruck bringen. Das Wunder des 
                                                Auszugs aus Ägypten bildet das Fundament der nationalen jüdischen 
                                                Existenz. Die Sabbatabendmahlzeit: Beim Kiddusch liegen auf dem 
                                                Sabbattisch zwei Challot (jiddisch Barches, von berachah, weil der 
                                                sabbatliche Segen darüber gesprochen wird), mit Mohn bestreute 
                                                Weissbrotzöpfe, die ein besonderes Tuch bedeckt. Diese beiden Challot 
                                                sind das sogenannte "Doppelbrot" (der Ausdruck rührt daher, dass nach 
                                                biblischem Bericht Gott zu Ehren des Sabbats zwei Rationen Manna für 
                                                die Kinder Israel in der Wüste vom Himmel fallen liess). Zwei Gründe, 
                                                warum die Challot zugedeckt sind: Der erste Grund ist der, dass das 
                                                Manna "wie in einer Dose lag", d.h. oben und unten von Tau bedeckt 
                                                war. Deshalb werden die Challot so auf den Tisch gelegt, dass sich die 
                                                Tischdecke unter ihnen und die Decke über ihnen befindet. Der zweite 
                                                Grund hat etwas mit der Art und Weise zu tun, wie die Segenssprüche 
                                                gesagt werden. Demzufolge muss erst über das aus Weizen hergestellte 
                                                Gebäck und erst dann über die Frucht des Weinstocks die Benediktion 
                                                gesprochen werden (da in dem Satz, der die sieben Arten aufzählt, der 
                                                Weizen vor dem Weinstock steht). Da vor dem Kiddusch jedoch nicht 
                                                mit dem Essen begonnen, noch sonst etwas geknabbert werden darf, 
                                                bedeckt man die Challot  und tut, als lägen sie nicht auf dem Tisch. Der 
                                                Kiddusch wird also zuerst über den Weinstock und dann über die 
                                                Challot mit der Benediktion "der du Brot aus der Erde hervorbringst" 
                                                gesprochen (Baruch ata Adonai Elohenu melech haolam hamozi lechem 
                                                min haarez). Das "Doppelbrot ist ein fester Bestandteil jeder der drei 
                                                Mahlzeiten, die für den Sabbat vorgeschrieben sind. Man muss den 
                                                Sabbat nämlich mit mindestens drei Mahlzeiten ehren: Die erste 
                                                Mahlzeit ist die in der Sabbatnacht; die zweite und dritte am Sabbat 
                                                selbst. Nach dem Kiddusch am Sabbatabend wäscht man sich die Hände 
                                                zur ersten Sabbatmahlzeit. Als erster wäscht sich der Familienvater die 
                                                Hände, als letzter das jüngste Kind. Das Familienoberhaupt nimmt die 
                                                Decke von den Challot, legt die Hand auf sie, kennzeichnet mit dem 
                                                Messer die Stelle, an der er die ihm am nächsten liegende Challa 
                                                anschneiden möchte, sagt laut den Segensspruch "der du hervorbringst" 
                                                und schneidet die Challa an der angegebenen Stelle an. Dann streut er 
                                                auf die Challascheibe Salz und isst davon. Anschliessend verteilt er 
                                                Challascheiben an alle Anwesenden. Sie selbst  brauchen über das Brot 
                                                nicht noch einmal getrennt den Segensspruch zu sprechen. Für die 
                                                Mahlzeit sollen so grosse Portionen wie nur möglich serviert werden. 
                                                Sie soll auch ein Fisch- und ein Fleischgericht umfassen, damit das 
                                                Gebot "Und du sollst den Sabbat ein Vergnügen nennen"  (Jesaja 58,3) 
                                                befolgt wird. Ausser in der Nahrung zeigt sich der geistige Wert des 
                                                Sabbats in Gesang und Wort. Die Lieder für den Schabbat-Abend, wie 
                                                sie in Gebetbüchern und Sonderbänden stehen, gehören zu den besten 
                                                Werken der jüdischen Dichter, angefangen von den Verfassern der 
                                                Kabbala bis zu den grossen Dichtern des Mittelalters. Jede ethnische 
                                                Gruppe hat ihre eigenen Texte und Melodien. Zwischen den einzelnen 
                                                Gängen diskutiert man die Tora, insbesondere den Wochenabschnitt. 
                                                Auch die Kinder sollen sich darauf vorbereiten und ihre Meinung sagen. 
                                                Sabbatmahlzeit: Wie am Sabbatabend, so darf man auch am Sabbat 
                                                selbst nichts essen, ohne vorher Kiddusch zu sagen. Am Sabbatmorgen 
                                                besteht der Kiddusch nur aus einem Segensspruch, dem über den Wein. 
                                                Dem werden jedoch einige Verse über den Tag selbst vorausgeschickt 
                                                (Halten des Sabbats, Sabbat als Zeichen u.a.). Die "dritte Mahlzeit": Die 
                                                Mahlzeit am Nachmittag vor Ausgang des Schabat. Nach dem 
                                                Minchagebet wäscht man sich die Hände und isst die "dritte Mahlzeit" 
                                                des Schabats. Diese Mahlzeit dient nicht nur, den Magen zu füllen, 
                                                sondern hat eine geistige Dimension. Worte aus der Tora, Gesang zur 
                                                geistigen Erbauung und vielleicht auch einige Gedanken, während 
                                                draussen die Abenddämmerung beginnt - das alles verleiht der Mahlzeit 
                                                ihre besondere Prägung. Nach Aussage der heiligen Bücher erfolgt die 
                                                endgültige Erlösung des jüdischen Volkes an einem Sabatnachmittag. In 
                                                die Melodien dieser Stunde mischen sich Träume und Trauer, 
                                                Sehnsucht und Hoffnung. Nach dem gemeinsamen Tischgebet, bei dem 
                                                der Aufgeforderte den Segensspruch über ein "Glas des Segens" sagt, 
                                                bleibt das volle Glas bis nach dem Abendgebet am Sabbatausgang 
                                                stehen. Dieses Glas Wein dient nach dem Abendgebet zur Hawdala am 
                                                Sabbatausgang (Motza´e Shabat). - (Melawei Malka, "Begleiten der 
                                                Königin". In der jüdischen Tradition ist der Schabbat eine Königin, die 
                                                einmal in der Woche zu Besuch kommt. Deshalb wird sie vor ihrer 
                                                Abreise mit einer besonderen Mahlzeit am Schabatausgang geehrt. Das 
                                                ist der so genannte "Melawei Malka". Diese Mahlzeit wird aber auch 
                                                "König Davids Mahlzeit" genannt, nach einer Erzählung der Weisen: 
                                                David wollte wissen, wann sein Ende komme. Gott antwortete, an 
                                                einem Schabat werde er sterben. Von jenem Zeitpunkt an bis zu seinem 
                                                Tode ass König David jede Woche nach dem Schabatausgang eine 
                                                feierliche Mahlzeit, mit der er Gott für eine weitere Lebenswoche 
                                                dankte, die ihm geschenkt worden war. Für diese Mahlzeit gibt es 
                                                besondere Gesänge, die u.a. auch dem Andenken an den Propheten Elija 
                                                gewidmet sind. Der Prophet Elija, der einst die Erlösung verkünden 
                                                wird, schreibt die Verdienste der Israeliten in ein besonderes Buch. 
                                                Deshalb denkt der fromme Jude an jedem Schabatausgang an ihn und 
                                                verherrlicht ihn); --  Ge- und Verbote: Man darf den Schabat nicht 
                                                durch irgendeine Tätigkeit entweihen noch durch etwas, was seiner 
                                                Heiligkeit widerspricht. Verboten sind: die 39 Hauptarbeiten und ihre 
                                                Ableitungen (säen, pflügen, ernten ... vgl. Mischna Schabbat VII, 2), 
                                                "Werktägliches" überhaupt. Keine Hausarbeit am Schabbat (backen, 
                                                kochen ... ), überhaupt keine körperliche Arbeit. Man zündet kein Licht 
                                                (Feuer) an, schaltet kein (auch kein elektrisches) Licht ein (also auch 
                                                nicht rauchen). Auch kein Licht ausschalten. Nicht fahren am Schabbat. 
                                                Man geht nicht aus und sieht nicht fern. Es ist verboten, an den Strand 
                                                zu fahren. Kein Fussball oder andere Ballspiele. Werktägliche Dinge, 
                                                Geschäfte, kaufen und verkaufen, Arbeit, gewöhnliches Studium, 
                                                Streben nach materiellen Dingen, sind am Schabat verboten. Die 
                                                Beschäftigung damit, das Sprechen darüber usw. Geld sollte nicht 
                                                einmal berührt werden. Ebenso die Lektüre von Börsenkursen, von 
                                                Geschäftsbriefen, Rechnungen usw. Schreiben überhaupt ist am Schabat 
                                                verboten. Aktives Bewegen von werktäglichen Dingen (diese 
                                                Gegenstände nennt man Mukze, d.h. während des Schabats 
                                                Abgesondertes) ist am Schabat verboten. Z.B. Federhalter, Geld, 
                                                Kraftwagen, Hammer, Säge. Auch nicht berührt oder gebraucht werden 
                                                Dinge der Gruppe "Mukze aus Abscheu": Scherben, Steine, Sand, 
                                                Abfall. Man trägt keine Gegenstände von einer Wohnung in die andere, 
                                                sogar der Tallit verbleibt den ganzen Schabat über in der Synagoge. 
                                                "Niemand verlässt seinen Ort am Schabat!": Man verlässt seinen Ort 
                                                nicht mehr als ca. 1 km, oder, wenn man rechtzeitig am Freitag vor 
                                                Sonnenuntergang zwei Mahlzeiten vorbereitet und an entsprechendem 
                                                Ort "versteckt" und man sich damit an diesem Ort angesiedelt hat, 
                                                maximal zwei Kilometer (d.h. vom Ort des Verstecks noch einmal 
                                                maximal einen Kilometer). Allerdings darf man sich an diesem Schabat 
                                                in der entgegengesetzten Richtung nicht mehr als einen Kilometer vom 
                                                Wohnort entfernen. Am Schabat geht man nicht wie an einem 
                                                Wochentag. Man vermeidet lange Schritte, Hetze, übermässige Hast, 
                                                unnötige Eile und alles, was den normalen Gang in der Woche 
                                                kennzeichnet. Verboten ist auch das Öffnen des Regenschirms. Rettung 
                                                aus Lebensgefahr: Das Leben ist der höchste Wert im Judentum. Davor 
                                                treten praktisch alle anderen Dinge zurück. Der Mensch darf jedes 
                                                Gesetz übertreten, wenn ihn die Gefahr um sein Leben dazu zwingt. 
                                                Nur drei schwere Sünden sind davon ausgenommen: Götzendienst, 
                                                Blutvergiessen und Blutschande. Bei Lebensgefahr wird der Schabat 
                                                nicht etwa aufgehoben, weil man ihn dann entweihen darf, sondern weil 
                                                die Rettung aus Lebensgefahr ein Gebot ist. Wird am Schabat jemand 
                                                unter Trümmern begraben oder läuft er Gefahr, zu verbrennen oder zu 
                                                ertrinken, oder hatte er einen Unfall oder wird er von einem Feind 
                                                angegriffen, befiehlt die Tora, auch und gerade am Schabat alles in 
                                                unserer Macht Stehende zu unternehmen, um ihn zu retten. Selbst wenn 
                                                es sich um einen Zweifelsfall handelt, darf man den Schabat entweihen. 
                                                -- Hawdala, "Trennung", "Unterschied", die Zeremonie der Trennung 
                                                von Schabbat und dem Rest der Woche, die Rückkehr aus dem Heiligen 
                                                in das Profane. So wie man zum Sabatbeginn das Gebot der 
                                                Sabatheiligung mit dem Kiddusch über Wein befolgt, erfüllt man das 
                                                Gebot der Hawdala am Sabbatausgang ebenfalls über (einem Becher 
                                                oder Glas) Wein. Falls jedoch kein Wein zur Verfügung steht, kann 
                                                man jedes andere Getränk dafür verwenden, vorausgesetzt, es hat einen 
                                                bestimmten Wert und wird normalerweise in dem betreffenden Land 
                                                getrunken, wie Milch, Bier usw. Man füllt das Glas bis zum Rand, bis 
                                                es zum Zeichen der Fülle überläuft, und zündet eine besondere 
                                                geflochtene Kerze mit mindestens zwei Dochten, ähnlich einer Fackel, 
                                                an. Auch legt man die Riechdose (Büchse mit wohlriechenden 
                                                Gewürzen: Bessamim) oder wohlduftende Hölzer bereit. Die Kinder 
                                                werden mit einbezogen, indem sie die Fackel halten dürfen. Man sagt 
                                                vier Segenssprüche: 1. Dank für den Wein, 2. Dank für den Genuss des 
                                                Duftes, 3. Dank für die Lichter des Feuers (die Fingerspitzen werden 
                                                kurz an die Flamme gehalten; das Licht spiegelt sich in den Nägeln), 
                                                4. Die Hawdala selbst: "Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, Herrscher 
                                                der Welt, der zwischen Heiligem und Profanem, zwischen Licht und 
                                                Finsternis, zwischen Israel und den Völkern, zwischen dem siebenten 
                                                Tag und den sechs Werktagen unterscheidet. Gelobt seist Du, Gott, der 
                                                zwischen Heiligem und Profanem unterscheidet." Danach trinkt man 
                                                den Wein und löscht die Kerze mit dem restlichen Wein aus dem Glas. 
                                                In der Zeit vom Schabatausgang bis zur Hawdala isst man nichts. Die 
                                                Zeremonie endet mit dem Wunsch "Gut´ Woch" oder "Schawua tow"; 
                                                -- historisch Schabbat, deutlicher als alle anderen jüdischen Gebote und 
                                                Bräuche der nichtjüdischen Umwelt ins Auge fallend, vom 
                                                "Heidentum" verspottet, von Christentum und Islam mit Veränderungen 
                                                übernommen;
                                                -- einige spezielle Schabbatot: 
                                                Schabat Bereschit = der erste Schabat nach Sukkot; Schabat des 
                                                     allerersten Tora-Abschnitts 
                                                Schabat ha-Gadol (der grosse Schabat): Schabat vor Pesach (im Monat 
                                                     Nissan; mehrere verschiedene Erklärungen, warum er der "grosse" 
                                                     Schabat heisst); 
                                                Schabat Sachor, der Purim vorausgehende Schabbat wird Sachor 
                                                     genannt und bedeutet "Schabbat der Erinnerung" (an das, was 
                                                     Amalek dem jüdischen Volk angetan hat);
                                                Schabat Chason und Schabat Nachamu, die Schabatot vor und nach 
                                                     dem 9. Aw, mit Jesajas Straf- bzw. Trostpredigt als Haftara; 
                                                Schabat Tschuwa / Schuwa: Busse-Sabbat zwischen Neujahr und 
                                                     Versöhnungsfest]

2.2 Erubin/Eruwin („Vermischungen“; 10 Kapitel): Schabbatbereiche,

                                                 Schabbatgrenzen, handelt vom Eruw, Eruw =  hebr. „Vereinigung“, 
                                                 eine Konstruktion zur Erleichterung der strengen Sabbatbestimmungen; 
                                                 z. B. theoretische Verbindung der privaten mit den öffentlichen 
                                                 Bereichen von Haus und Hof, um innerhalb eines ganzen Stadtgebietes 
                                                 das Tragen von Gegenständen – sonst nur im Hause erlaubt – zu 
                                                 ermöglichen; durch Ablegen von Speise am Ende des Sabbatwegs 
                                                 (2000 Ellen) gründet man einen "Wohnsitz", von dem aus man einen 
                                                 weiteren Sabbatweg gehen darf; durch die fiktive Vermischung der 
                                                 Höfe darf man von einem Privatbereich in einen anderen tragen, 
                                                 nachdem in einer der Wohnungen eine aus gemeinsamen Beiträgen 
                                                 hergestellte Speise deponiert worden ist

2.3 Pes(s)achim ("Pesachlämmer", "Pesachopfer"; 10 Kapitel): handelt vom

                                                 Pessach u. vom Pesachopfer; Wegschaffen des Sauerteigs; Zubereitung 
                                                 der ungesäuerten Brote; die bitteren Kräuter; am Rüsttag erlaubte 
                                                 Arbeiten; Schlachtung des Pesachlammes und seine Zubereitung; 
                                                 Ordnung des Pesachmahles etc.; Fol. 49 a f. verächtliche   
                                                 Betrachtungen über das "gemeine Volk": "Die Rabbanan lehrten: Stets 
                                                 verkaufe ein Mensch alles, was er besitzt, und heirate die Tochter eines 
                                                 Schriftgelehrten, denn er ist dessen sicher, dass, wenn er stirbt oder in 
                                                 die Verbannung gerät, seine Söhne Schriftgelehrte sein werden; er 
                                                 heirate aber nicht die Tochter eines Mannes aus dem gemeinen Volke, 
                                                 denn wenn er stirbt oder in die Verbannung gerät, sind seine Söhne 
                                                 Leute aus dem gemeinen Volke ... heirate er nicht die Tochter eines 
                                                 Mannes aus dem gemeinen Volke, denn sie sind ein Greuel und ihre 
                                                 Frauen sind ein Greuel, und von ihren Töchtern heisst es: verflucht sei, 
                                                 wer mit einem Tiere schläft; es wird gelehrt: Rabbi sagte: Ein Mann 
                                                 aus dem gemeinen Volke darf kein Fleisch essen, denn es heisst: das ist 
                                                 die Lehre inbetreff des Viehs und des Geflügels; wer sich mit der Tora 
                                                 befasst, darf Fleisch von Vieh und Geflügel essen, wer sich mit der 
                                                 Tora nicht befasst, darf kein Fleisch von Vieh und Geflügel essen; 
                                                 R. Eleazar sagte: Einen Mann aus dem gemeinen Volke darf man 
                                                 metzeln an einem Versöhnungstage, der auf einen Sabbat fällt; seine 
                                                 Schüler sprachen zu ihm: Meister, sage doch: schlachten! Dieser  
                                                 erwiderte: Dies erfordert einen Segensspruch, jenes erfordert keinen 
                                                 Segensspruch ... R. Schemuel b. Nachmani sagte im Namen 
                                                 R. Jochanans: Einen Mann aus dem gemeinen Volke darf man wie 
                                                 einen Fisch zerreissen. R. Schemuel b. Jitzchak sagte: Vom Rücken 
                                                 aus; es wird gelehrt: R. Akiba erzählte: Als ich noch ein Mann aus dem 
                                                 gemeinen Volke war, sprach ich: Wer gibt mir einen Schriftgelehrten 
                                                 her, ich würde ihn wie ein Esel beissen; seine Schüler sprachen zu ihm: 
                                                 Meister, sage doch: wie ein Hund. Dieser erwiderte: Jener beisst und 
                                                 zerbricht auch den Knochen, dieser beisst und zerbricht den Knochen 
                                                 nicht; es wird gelehrt: R. Meir sagte: Wenn jemand seine Tochter an 
                                                 einen Mann aus dem gemeinen Volke verheiratet, so ist es ebenso, als 
                                                 würde er sie binden und vor einen Löwen legen; wie der Löwe auf sein 
                                                 Opfer tritt und frisst, ohne Scham zu haben, ebenso verfährt ein Mann 
                                                 aus dem gemeinen Volke; er schlägt sie und vollzieht den Beischlaf, 
                                                 ohne Scham zu haben; es wird gelehrt: R. Eliezer sagte: Brauchten sie 
                                                 uns nicht geschäftlich, so würden sie uns erschlagen haben; R. Chija 
                                                 lehrte: Wenn jemand in Gegenwart eines Mannes aus dem gemeinen 
                                                 Volke sich mit der Tora befasst, so ist es ebenso, als würde er seiner 
                                                 Verlobten in seiner Gegenwart beiwohnen ... grösser ist der Hass der 
                                                 Leute aus dem gemeinen Volke gegen einen Schriftgelehrten, als der 
                                                 Hass der weltlichen Völker gegen Israel, und noch grösser als ihrer ist 
                                                 der ihrer Frauen ... etc. " 

2.4 Scheqalim / Schekalim ("Schekel", "Steuern"; 8 Kapitel): über die

                                                 Tempelsteuer (halber Schekel) zur Unterhaltung des Heiligtums 
                                                 (2. Tempel); Opferbüchsen im Tempel, Bundeslade, Reinigung des 
                                                 Tempelvorhangs, Kostbarkeit des Vorhangs vor dem Heiligtum; dieser 
                                                 Traktat enthält nur im T. Jeruschalmi eine Gemarah

2.5 Joma (aramäisch „der Tag“ = Versöhnungstag; 8 Kapitel): handelt vom

                                                Versöhnungstag; Vorbereitung des Hohenpriesters; Auslosung der 
                                                beiden Böcke; drei Sündenbekenntnisse des Hohenpriesters und sein 
                                                dreimaliges Eintreten in das Allerheiligste; Verbote für den 
                                                Versöhnungstag; wodurch versöhnt wird: Sündopfer, Schuldopfer, Tod, 
                                                Versöhnungstag, Busse (vgl. noch beim Kalender/Hillel II., 
                                                Jahre 345-365)

2.6 Sukka(h) („Laubhütte“), auch Plural: Sukkot; umfasst 5 Kapitel: über die

                                                Laubhütte und das Laubhüttenfest; Herstellung und Beschaffenheit der 
                                                Festhütte; vom Essen und Schlafen in ihr; der Feststrauss / Lulab, 
                                                Etrog; das Wasserschöpfen; die 24 Priesterabteilungen, ihre Arbeit bei 
                                                den Opfern, ihr Anteil an den Opferstücken und Schaubroten (vgl. noch
                                                beim Kalender/Hillel II., Jahre 345-365)

2.7 Betza (Beza / Betsa) („Ei“, nach dem Anfangswort) / oder (seltener)

                                                Jom tob, Festtag, genannt; umfasst 5 Kapitel: über Arbeit am Schabbat 
                                                und Festtag, über Sabbatspeise; Kauf von Lebensmitteln an Festtagen, 
                                                Beförderung von Nahrungsmitteln, Verbot, Feuer zu machen, usw.

2.8 Rosch ha-Schana: Neujahr, Neujahrsfest, 4 Kapitel; 4 x Neujahr: Nissan,

                                                Elul, Tischri, Schwat; Bezeugung und Heiligung des Neumonds, 
                                                Schofarblasen; Ordnung der Lobsprüche am Neujahrsfest: zehn 
                                                Malkhijjot, Bibelverse, in denen das Königreich Gottes erwähnt wird; 
                                                zehn Zikhronot, Bibelverse über das Gedenken Gottes; zehn Schofarot, 
                                                Verse, in denen das Schofar erwähnt wird (vgl. noch beim Kalender / 
                                                Hillel II., Jahre 345-365) 

2.9 Ta’anit / Taanit ("Kasteiung", "Fasten") / auch Plural Taanijot: Fasten,

                                                Fasttag, Fastenvorschriften u. ä.; wann beginnt man um Regen zu beten, 
                                                wann um Regen zu fasten? Die siebentägigen Fasten und die 
                                                dazugehörigen Gebete; an welchen Tagen kein Fasten; wann wird sonst 
                                                noch gefastet; Choni der Kreiszieher (berühmte Anekdote, Choni zieht 
                                                einen Kreis auf der Erde, stellt sich hinein und schwört, nicht mehr aus 
                                                diesem Kreis zu weichen, bis Regen fällt, der dann auch kommt: erst zu 
                                                wenig, dann zu viel, dann die richtige Menge ... ); wann bricht man bei                  
                                                beginnendem Regen das Fasten ab; 17 Tammuz, 9 Ab, 15 Ab 

2.10 Megillah / Megilla („Buchrolle“; 4 Kapitel): Estherrolle, Schriftrollen,

                                                Schriftlesung, über die Vorlesung der Megillat Esther zu Purim, Details 
                                                zum Purim-Fest und über die Auslegung der Esther-Rolle; vom Verkauf 
                                                heiliger Sachen; welche Texte dürfen nicht öffentlich vorgelesen, 
                                                welche dürfen nicht übersetzt werden; im Traktat findet sich auch (7b) 
                                                die bekannte, zum exzessiven Feiern auffordernde Stelle, es sei ein 
                                                Gebot, an Purim so viel (Alkohol) zu trinken bis man nicht mehr 
                                                unterscheiden kann zwischen "verflucht sei Haman" und "gesegnet sei 
                                                Mordechai"

2.11 Mo’ed qatan / Moed Katan / Moed Qatan ("Halbfeiertag"; 3 Kapitel),

                                                qatan, klein, unterscheidet den Traktat Moed von der gleichnamigen 
                                                Ordnung, manchmal nach dem Anfangswort auch Maschqin genannt, 
                                                "man bewässert"; über die Zwischenfeiertage, Tage zwischen dem 
                                                1. und 7. Tag des Pesach- bzw. zwischen dem 1. und 8. Tag des 
                                                Sukkotfestes, an denen bestimmte Arbeiten erlaubt sind; der Traktat 
                                                enthält als eine Seltenheit die wenigen poetischen Texte, die uns die 
                                                Talmudim überliefert haben: verschiedene Trauerlieder profaner Natur

2.12 Chagiga ("Festfeier", "Festopfer"; 3 Kapitel): die drei Wallfahrtsfeste,

                                                 behandelt die Hauptpflichten an den drei Hauptfesten (schalosch 
                                                 regalim) Pessach, Schawuot und Sukkot (die zur Zeit des 
                                                 Tempelbestandes von ganz Israel in Jerusalem begangen wurden); 
                                                 Dinge, über die man nicht jeden belehrt; Meinungsunterschiede 
                                                 hinsichtlich der Smicha; die rituelle Händewaschung; 7 Stufen der 
                                                 Reinheit und Reinheitsvorschriften


5 3. Ordnung

3. Ordnung: Naschim („Frauen“): rituelle Frauengesetze, Ehe und Eherecht

                                         (Verlöbnis, Vertrag, Bruch, Scheidung, Schwagerehe), Gelübde und Nasirat

3.1 Jebamot/Jewamot („Schwägerinnen“, auch vokalisiert als Jawmut /

                                                 Jabmut, Schwagerschaft; manchmal Naschim, Frauen, genannt; 
                                                 16 Kapitel): behandelt Schwagerehe, Leviratsehe, Eheverbote 
                                                 [Leviratsehe, Jibbum, gesetzlich vorgeschriebene Ehe einer kinderlosen 
                                                 Witwe mit dem Bruder des verstorbenen Mannes, Dt. 25, Thema der 
                                                 biblischen Tamar- / Gen. 38, und Ruth-Geschichte; Leviratsehe konnte 
                                                 durch Chaliza (Chaliza / Chaluza = "Ausziehen", nämlich des Schuhs) 
                                                 abgelöst werden, welche Zeremonie später die Leviratsehe gänzlich 
                                                 ersetzt hat]; darüber hinaus Aufnahme von Ammonitern usw. in die 
                                                 Gemeinde; Stellung der Proselyten; Weigerung einer Unmündigen, bei 
                                                 ihrem Mann zu bleiben; Bezeugung des Todes eines Ehemanns

3.2 Ketub(b)ot (Heiratsverträge, Eheurkunden; eigentlich: "das

                                                 Geschriebene", "Hochzeitsverschreibungen"; 13 Kapitel): handelt über 
                                                 den Ehevertrag, Kidduschin, formelles Verlöbnis, bei dem der 
                                                 Ehevertrag (ketuba) unterschrieben wird, womit die Frau bereits 
                                                 rechtskräftig verheiratet ist, obwohl sie noch nicht mit dem Mann 
                                                 zusammenleben darf, bevor nicht die Heimführung, die tatsächliche 
                                                 Hochzeit (nissuin) unter der chuppa, stattgefunden hat (vgl. weiter bei 
                                                 Kidduschin, 3. Ordnung, 7. Traktat); Ketubba ist sowohl der 
                                                 Ehevertrag als auch die in ihm der Frau für den Fall der Scheidung 
                                                 oder des Todes des Mannes ausgesetzte Summe; weiter: über die Heirat 
                                                 von Jungfrauen; Strafgeld bei Vergewaltigung eines Mädchens; 
                                                 Pflichten des Manns und der Frau gegeneinander; Besitz der Frau; 
                                                 Erbrecht nach der Frau; Rechte der Witwe

3.3 Nedarim ("Gelübde"; 11 Kapitel): über Gelübde [hierin das "Patriotismus-

                                                 Gebot" für den Juden, Staatstreue ist religiöse Vorschrift, ist Gesetz 
                                                 wie von Gott, Nedarim 28b]; Aufhebung von Gelübden; Qorban; vier 
                                                 von vornherein ungültige Gelübde; Notlügen; Deutung von Gelübden; 
                                                 welche Gelübde kann ein Gelehrter erlassen? Wer kann einer Frau oder 
                                                 Tochter die Gelübde aufheben, welche Gelübde?

3.4 Nazir / Nasir („Nasiräer“; 9 Kapitel), auch: Nezirut, "Nasiräergelübde":

                                                über das Nasiräat, den Nasiräer und sein Gelübde / Asketentum zur Zeit 
                                                des Tempels; Nasir = "Geweihter", Nasiräer, der ein freiwilliges 
                                                Gelübde abgelegt hat, auf eine gewisse Zeit sich des Weines zu 
                                                enthalten und sein Haupthaar nicht zu scheren, sondern lang wachsen zu 
                                                lassen (Nu 6); auch über Nasiräergelübde von Frauen und Sklaven

3.5 (3.6) Gittin („Scheidebriefe“, "Scheidungsurkunden"; 9 Kapitel):

                                                Scheidungsrecht (Ehescheidung, Ausstellung des Get) [einige 
                                                Erläuterungen: Get, Plural Gittin; Sefer keritut, der Scheidebrief des 
                                                Mannes an die Frau. Die Frau muss mit der Scheidung einverstanden 
                                                sein. Sie kann auch Bedingungen in bezug auf Unterschrift und 
                                                monatliche Alimentenzahlungen stellen, bevor sie die 
                                                Scheidungsurkunde akzeptiert. – Aguna =  "Angekettete", eine 
                                                verlassene Ehefrau, deren Ehemann sich weigert, eine religiöse 
                                                Scheidung, einen Get, zu gewähren (es gab Fälle, in denen versucht 
                                                wurde, den Mann durch – teils jahrelange – Haft zum Einverständnis 
                                                mit der Scheidung zu zwingen. Die "Aguna" darf nach der Halacha 
                                                nicht wieder heiraten, solange der Tod des Mannes nicht erwiesen ist 
                                                (ein grosses Problem, z. B. bei im Kriege Verschollenen). Eine religiöse 
                                                Scheidung gibt es nur mit Zustimmung des Ehemannes. Frauen ohne 
                                                Get (Scheidebrief) sind aus religiöser Sicht trotz ziviler Scheidung nach 
                                                wie vor an ihren Ehemann gebunden. Sie können innerhalb der 
                                                Orthodoxie nicht wieder heiraten, und wenn sie es ausserhalb tun, 
                                                werden etwaige Kinder aus dieser Ehe nicht als legitim anerkannt. 
                                                Männer können dagegen erneut heiraten, ohne dass ihnen oder 
                                                möglichem Nachwuchs Konsequenzen drohen. -- Mamser, Mamserim: 
                                                Nachkomme(n) aus einer halachisch verbotenen Beziehung, etwa aus 
                                                bestimmten blutsverwandten Beziehungen, oder das aussereheliche 
                                                (nicht das uneheliche) Kind einer jüdischen Frau mit einem Juden. 
                                                Mamser gelten zwar als Juden, sind auch in allen rechtlichen Belangen 
                                                gleichberechtigt, dürfen aber keinen Juden untadeliger Herkunft, 
                                                sondern nur andere Mamser oder aber Proselyten heiraten. Auch ihre 
                                                Kinder und Kindeskinder gelten für immer als Mamserim]; in Gittin  
                                                finden sich auch die Geschichte von Kamza und Bar-Kamza zur 
                                                Veranschaulichung von grundlosem Hass (ssinat chinam) sowie die 
                                                Traditionen über die beiden grossen Aufstände der Jahre 66-70 und 
                                                132-135 (55b-58a)

3.6 (3.5) Sota(h) ("die Ausschweifende", "untreu Werdende"): die des

                                                Ehebruchs verdächtige Frau; 9 Kapitel; Gesetze über den Ehebruch 
                                                (vgl. Nu. 5); Durchführung des Eifersuchtsordals vor dem grossen 
                                                Gerichtshof; Unterschiede zwischen Israeliten und Priestern in Rechten 
                                                und Strafen; wann gibt man das "Eifersuchtswasser" nicht zu trinken? 
                                                Nur auf hebräisch zu sagende Formeln; Tötung eines Kalbes durch 
                                                Genickbruch, wenn ein Mörder unbekannt bleibt/nicht gefunden wird 
                                                (dieser Brauch hörte später mit dem Überhandnehmen der Mordfälle 
                                                auf); im Anhang: Vorzeichen des Messias

3.7 Qidduschin / Kidduschin („Antrauung“, "Verlöbnis"; wörtlich: "Heiligungen"; 4 Kapitel): behandelt die Antrauung/Verlöbnis und

                                                andere Ehefragen [Was ist im Grundsatz die orthodoxe Lehre von der 
                                                Ehe, wie gestaltet sich eine jüdische Hochzeit? Wenn ein Mann eine 
                                                Frau heiraten will, muss er sie in Gegenwart von mindestens zwei 
                                                Zeugen erwerben, und danach wird sie seine Frau. Mit einem von den 
                                                drei folgenden Dingen kann eine Frau erworben werden: 1. mit Silber 
                                                (oder Geld; auf hebräisch das gleiche Wort: Kessef), 2. mit einer 
                                                Urkunde (so genannte Eheurkunde), Schetar, oder 3. durch Beischlaf, 
                                                Biah (die Weisen untersagten diese Form der Besitznahme). Diese 
                                                Dinge werden überall als Eheschliessung oder Anlobung bezeichnet. 
                                                Und eine Frau, die auf eine dieser drei Arten erworben wurde, wird als 
                                                geheiligt oder angelobt bezeichnet. Der Ring  Von den drei Formen der 
                                                Besitznahme hat sich heute nur noch die durch Silber / Geld erhalten. 
                                                Die Höhe des Betrages ist nicht festgelegt, heute gilt als üblich die 
                                                Anheiligung / Besitznahme durch einen einfachen Goldring. Das 
                                                Anlegen des Ringes ist ein zentrales Element bei der Chuppa und der 
                                                Eheschliessung. Dieser Akt symbolisiert nicht etwa die Eheschliessung, 
                                                sondern er vollzieht sie. Aus diesem Grund muss der Bräutigam den 
                                                Ring gekauft haben, sonst ist die Eheschliessung nicht rechtsgültig. Der 
                                                Vorschrift gemäss müssen beide Ringe den gleichen Wert haben, und es 
                                                muss ein Goldring ohne Schmucksteine oder eine sonstige Verzierung 
                                                sein, und er muss aus einem Stück gegossen sein. Der Mann heiligt 
                                                durch seine Eheschliessung die Frau, er wird umgekehrt nicht durch sie 
                                                geheiligt: Er ist der Mann (hebr. = Besitzer), und sie ist seine ihm 
                                                angetraute Frau. Der Bräutigam sagt bei seiner Eheschliessung: "Du bist 
                                                mir mit diesem Ring geheiligt, nach dem Glauben Moses und Israels." 
                                                Danach ist sie jedem anderen Mann verboten. Die Verlobung  Früher 
                                                gab es eine klare Trennung zwischen der Verlobung (= Eheschliessung) 
                                                und der Heirat (= die Frau zieht in das Haus ihres Mannes ein). Heute 
                                                findet beides zur gleichen Zeit in einer Zeremonie statt. Die Verlobung 
                                                (Erusin = Anloben) ist heute eine gegenseitige Verpflichtung, zu 
                                                gegebener Zeit einander zu heiraten. Diese Verpflichtung wird im 
                                                Rahmen eines "Abkommens" aufgesetzt, in dem die Verpflichtungen 
                                                der Schwiegereltern festgehalten werden, deren Kinder heiraten. In 
                                                diesen "Bedingungen" ist das Hochzeitsdatum festgelegt sowie auch, 
                                                wer für die Kosten der Hochzeit und die Bedürfnisse des jungen Paares 
                                                aufkommt. Diese Bedingungen sind im allgemeinen bindend. Die 
                                                Eheschliessung ist nur dann gültig, wenn beide Partner ihre volle 
                                                Zustimmung dazu gegeben haben. Wenn die "Bedingungen" 
                                                unterschrieben werden, zerbricht man einen Teller - so wie der 
                                                Bräutigam später bei der Hochzeit ein Glas zerbricht. (Im Unterschied 
                                                dazu: Schidduch = vorläufige Entscheidung einer Verhandlung um eine 
                                                mögliche Ehe, insbesondere in vorwiegend ostjüdischen Familien; 
                                                enthält auch Tenaim: Bestimmungen, die bei einer Entlobung erfüllt 
                                                werden müssen. Anlässlich der Zusammenkunft beider Familien zur 
                                                Unterzeichnung der Tenaim findet selbstverständlich eine kleine Feier 
                                                statt, die auch eine bestimmte Zeremonie begleitet.) Später wurde aus 
                                                Erusin > Kidduschin, heiligende Bestimmung; und die Eheschliessung 
                                                heisst Nissuin. Der Schabbat vor der Chuppa  Am Schabbat vor der 
                                                Hochzeit ehrt man den Bräutigam durch das Aufrufen zur Toralesung 
                                                und meistens zum Maftir, danach liest er dann die Haftara. In der 
                                                Synagoge singt man zu seinen Ehren Lieder, und die Frauen werfen von 
                                                der Frauengalerie Süssigkeiten auf ihn herab, damit das Leben des 
                                                jungen Paares versüsst wird. In vielen Gemeinden ist es üblich, dass die 
                                                Braut bei dieser Gelegenheit nicht in der Synagoge anwesend ist, denn 
                                                das Paar sieht sich mehrere Tage vor der Hochzeit nicht. In einigen 
                                                Gemeinden sieht es sich erst am Hochzeitstag selbst in dem Augenblick 
                                                wieder, in dem der Bräutigam sich anschickt, das Gesicht der Braut mit 
                                                dem Brautschleier zu verdecken. Am Schabbat vor der Hochzeit findet 
                                                ein grosser Kiddusch statt, bei dem der Bräutigam aus der Tora zitiert. 
                                                In der Zwischenzeit leisten die Freundinnen der Braut, die zu Hause 
                                                geblieben ist, Gesellschaft. Dieser Schabbat heisst ihr zu Ehren 
                                                "Schabbat der Braut". Der Bräutigam wird dagegen an seinem 
                                                Hochzeitstag als König betrachtet, und deshalb begleitet man ihn am 
                                                Tag seiner Hochzeit auch genauso, wie man einen König begleiten 
                                                würde. Der Tag der Hochzeit  Der Tag der Hochzeit wird dem Datum 
                                                entsprechend festgelegt, das für den ersten Geschlechtsverkehr des 
                                                jungen Paares in der Hochzeitsnacht geeignet ist (entsprechend der 
                                                Menstruation der Braut; sie muss in der Hochzeitsnacht rein sein). 
                                                Andere Gesichtspunkte (ob der Festsaal frei ist, Verwandte aus dem 
                                                Ausland anreisen können, Prüfungen abgelegt sind o. Ä.) spielen dabei 
                                                erst in zweiter Linie eine Rolle. Bevor die Braut unter die Chuppa tritt, 
                                                muss sie sich in der Mikwe gereinigt haben. Für Braut und Bräutigam 
                                                ist der Hochzeitstag wie ein Versöhnungstag, an dem sie ein ganz neues 
                                                Kapitel ihres Lebens beginnen. Es ist ein Tag, an dem sie vor sich 
                                                Rechenschaft ablegen, an dem sie füreinander Verantwortung 
                                                übernehmen. Entsprechend der Halacha fastet das junge Paar am Tag 
                                                seiner Hochzeit, um sich einerseits ganz auf Ernst und Bedeutung der 
                                                Hochzeit zu konzentrieren, und andererseits, um sich daran erinnern zu 
                                                lassen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Jugend hinter sich zu lassen und 
                                                die Ehe als neue Menschen zu beginnen. Der Mensch wird erst dann als 
                                                Mensch bezeichnet, wenn der Mann die Frau gefunden hat; denn vorher 
                                                haben sie noch nicht das Stadium der Vollkommenheit erreicht. Die 
                                                Vorschriften für das Fasten verlangen vom Bräutigam und von der 
                                                Braut, dass sie bis nach der Eheschliessung fasten. Findet die Hochzeit 
                                                allerdings in den späten Abendstunden statt, dürfen sie, sobald die 
                                                ersten Sterne am Himmel zu sehen sind, eine leichte Mahlzeit essen. 
                                                (An bestimmten Tagen muss das Paar überhaupt nicht fasten; an 
                                                bestimmten Tagen findet überhaupt keine Hochzeit statt.) Es ist üblich, 
                                                dass die Eltern der Braut dem Bräutigam am Hochzeitstag einen neuen 
                                                Tallit schenken, in den er sich am Tag nach der Hochzeit für das 
                                                Morgengebet einhüllt. Der Bräutigam schenkt seiner Braut an diesem 
                                                Tag seinerseits ein Gebetbuch, auf dessen Rücken ihre Initialen 
                                                eingeprägt sind, einen Blumenstrauss (den er zur Hochzeit mitbringt) 
                                                und eine kleine Flasche Parfüm. Die Ketubba  Als erster Akt am 
                                                Hochzeitsabend wird die Ketubba, d.h. der Ehevertrag, von zwei 
                                                Zeugen (die nicht zur Familie gehören dürfen) und dem Bräutigam 
                                                unterschrieben. Das muss vor der Hochzeit stattfinden; denn es ist 
                                                verboten, mit einer Frau allein zu bleiben, ohne dass eine Ketubba ihre 
                                                Rechte sichert. Die Ketubba ist eine Urkunde, die die Rechte der Frau 
                                                aufführt, zu denen sich der Ehemann verpflichtet (3 Rechte): 
                                                1. Unterhalt (Sch´era), 2. Bekleidung (Kesuta), 3. Geschlechtsverkehr 
                                                (Onata). Sie regelt auch die Versorgung der Frau mit dem Vermögen 
                                                des Mannes im Falle einer Scheidung oder beim Tod des Ehemannes. 
                                                Die Hochzeit selbst  Nach der Unterschrift unter die Ketubba beginnt 
                                                sogleich die Hochzeit selbst. Die Braut sitzt auf ihrem Brautstuhl; zu 
                                                ihrer Seite stehen die beiden Mütter. Den Bräutigam begleiten die 
                                                beiden Väter, während er auf sie zugeht, um ihr Gesicht für die 
                                                Zeremonie unter der Chuppa und den Weg dorthin zu bedecken. Die 
                                                Brautführer werden als "Schuschbinim" bezeichnet. Da der Bräutigam 
                                                am Tag seiner Hochzeit einem König gleicht, geht er nicht allein, 
                                                sondern erhält zu Ehren des Tages eine Begleitung, genau wie auch die 
                                                Braut. Diese Brautführer sind in der Regel die Eltern: zwei Väter für 
                                                den Bräutigam und zwei Mütter für die Braut. Der Bräutigam geht zur 
                                                Braut wie Gott auf den Sinai in einer Feuerwolke herniederstieg. Die 
                                                Brautführer und die Gäste halten während der Hochzeitszeremonie 
                                                Kerzen in den Händen. Der Bräutigam, von den beiden Brautführern 
                                                begleitet, die Kerzen in den Händen haltend, schreitet zum Brautstuhl, 
                                                auf dem die Braut sitzt. Er ergreift den Schleier auf ihrem Kopf mit 
                                                beiden Händen und bedeckt damit ihr Gesicht, damit bringt der 
                                                Bräutigam seinen Besitzanspruch auf seine Partnerin zum Ausdruck. 
                                                Der Rabbiner sagt zur Braut den gleichen Segen, den Rebekka während 
                                                ihrer Hochzeit mit Isaak hörte: "Du, unsere Schwester, werde Mutter 
                                                von tausendmal Zehntausend!" Vom Brautstuhl schreitet der Bräutigam 
                                                zur Chuppa, und während er schon unter ihr steht, wird die Braut zu 
                                                ihm geführt. Es ist ein weit verbreiteter Brauch, dass die Braut mit ihren 
                                                Brautführern den Bräutigam siebenmal umkreist, bevor sie sich neben 
                                                ihn stellt. Nach dem Segensspruch über den Wein sagt der Rabbiner den 
                                                Segensspruch für die Verlobung. Braut und Bräutigam nehmen einen 
                                                Schluck Wein. Danach werden zwei Zeugen aufgerufen, um der 
                                                Eheschliessung selbst beizuwohnen, wenn sich der Bräutigam an die 
                                                Braut wendet und zu ihr sagt: "Du bist mir mit diesem Ring nach der 
                                                Religion Moses und Israels geheiligt". Damit streift er ihr den Ring über 
                                                den Zeigefinger ihrer rechten Hand (keinen anderen Finger!) Nun liest 
                                                der Rabbiner die Ketubba vor, und der Bräutigam legt sie mit der 
                                                rechten Hand in die rechte Hand der Braut. Dann sagt der Rabbiner die 
                                                sieben Segenssprüche der Eheschliessung: 1. Frucht des Weinstocks, 
                                                2. alles zu seiner Ehre erschaffen, 3. den Menschen gebildet, 4. den 
                                                Menschen nach seinem Bilde, 5. die unfruchtbar war, in ihr versammeln 
                                                sich ihre Kinder in Freude, 6. dass sich die Liebenden freuen, 7. Dank 
                                                an Gott. Braut und Bräutigam trinken nach den sieben Segenssprüchen 
                                                nochmals einen Schluck Wein, und der Bräutigam zertritt das Glas mit 
                                                dem rechten Fuss (in einigen Gemeinden zertritt er es zu einem anderen 
                                                Zeitpunkt), denn gerade bei der Gründung der eigenen privaten Familie 
                                                betont man die Verbindung und Identifizierung mit dem Haus Israel als 
                                                Ganzem, dessen Symbol - der Tempel - immer noch zerstört ist und 
                                                dessen Bewohner grösstenteils immer noch zerstreut in der Diaspora 
                                                leben. Das Glas ist Ausdruck der Identifizierung mit der Zerstörung und 
                                                der Unvollkommenheit. Nach anderen symbolisiert das Glas die 
                                                Zerbrechlichkeit der Ehe. Die Eheschliessungszeremonie endet damit, 
                                                dass sich das Paar in ein Zimmer zurückzieht, in dem es allein ist. Die 
                                                Zeugen der Eheschliessung begleiten Braut und Bräutigam bis zu 
                                                diesem Zimmer, in dem sie sich zum ersten Mal als Mann und Frau 
                                                gegenüberstehen. Hier essen sie auch ihre erste leichte Mahlzeit nach 
                                                dem Fasten und nach der Erregung durch die Ereignisse um die 
                                                Hochzeit. Erst nachdem die beiden eine Zeit lang allein waren, ist die 
                                                Eheschliessungszeremonie beendet. In den orientalischen Gemeinden 
                                                ist dies erst nach dem Hochzeitsmahl in der Hochzeitsnacht der Fall. Es 
                                                sollte hervorgehoben werden, dass der Geschlechtsverkehr in der 
                                                Hochzeitsnacht im Judentum als eine Pflicht gilt wie jede andere, die 
                                                beide Parteien erfüllen müssen. Angesichts dessen sieht die Halacha 
                                                vor, dass das junge Paar seine Kontakte fortsetzen darf, selbst wenn 
                                                nach der ersten Berührung jungfräuliches Blut fliesst. Nach den ersten 
                                                Kontakten in der Hochzeitsnacht gilt die Frau als unrein für vier bzw. 
                                                fünf Tage, danach beginnt sie ggf. mit der rituellen Reinigung (vgl. 
                                                Nida). Das Judentum betont auch die Bedeutung, sich mit Braut und 
                                                Bräutigam an ihrem Hochzeitstag zu freuen, und diese Freude ist eine 
                                                Pflicht. Sie kommt nicht in einem aufwändigen Festmahl, noch in 
                                                einem lauten Orchester zum Ausdruck, sondern in der aufrichtigen 
                                                Freude, durch Gesang und Tanz vor der Braut. Zur Hochzeit gehört 
                                                auch die Pflichtmahlzeit, in deren Verlauf Torakommentare und erneut 
                                                die "sieben Segenssprüche" von den Anwesenden zu hören sind. Diese 
                                                Mahlzeit kann auch später, im engeren Familienkreis, stattfinden und 
                                                wird im Verlaufe von sieben Tagen wiederholt (z. B. Familie des 
                                                Bräutigams, der Braut, Arbeitskollegen, Kommilitonen usw.: Schewa 
                                                Jamim Hamischte). Dort kann man sich viel intensiver um seine Gäste 
                                                kümmern und seinerseits von ihnen Freundschaft und Anerkennung 
                                                empfangen. Eine "Hochzeitsreise" kennt die jüdische Tradition nicht. 
                                                Entsprechend den Vorschriften über die Reinhaltung der Familie darf 
                                                der junge Ehemann seine Frau nach der Hochzeitsnacht nicht anrühren]

6 4. Ordnung

4. Ordnung: Nesikin / Neziqin ("Schäden", "Beschädigungen"): Zivil- und

                                        Kriminalrecht, halachische (Edujjot) und agadische (Awot [Sprüche der 
                                        Väter], als einziger nicht-gesetzlicher Traktat der Mischna) Traditionen 

4.1 Baba qamma / Bawa Kamma ("erste Pforte", "erstes Tor" [des

                                                ursprünglich einheitlichen Traktats Nesikin mit 30 Kapiteln; 
                                                die drei "Pforten" / Babot bildeten nur einen, gleichfalls wie die 
                                                Ordnung Neziqin genannten Traktat; nur wegen seiner Grösse ist der 
                                                Traktat schon in talmudischer Zeit dreigeteilt worden, und zwar rein 
                                                mechanisch in drei "Pforten" zu je zehn Kapiteln ohne Rücksicht auf 
                                                dadurch getrenntes Zusammengehöriges]; Baba qamma umfasst 
                                                10 Kapitel): Schadensrecht einschl. Diebstahl, Raub, Körperverletzung, 
                                                Beschädigung durch den stossenden Ochsen, die nicht zugedeckte 
                                                Grube, durch Abweiden und Feuer; Abschätzung des Schadens, Ersatz; 
                                                bedenklicher Ankauf; Abfälle, die dem Fabrikanten bzw. dem 
                                                Handwerker gehören

4.2 Baba mezia / Bawa Metzia / Baba Metsia ("mittlere Pforte", "mittleres

                                                Tor"; 10 Kapitel): Fundrecht, Anvertrautes, Kauf, Verkauf, Miete, 
                                                Darlehen; Pfandnehmen; Lohnforderungen; Ansprüche, die sich aus 
                                                dem Einsturz eines Baus ergeben, etc.

4.3 Baba batra / Bawa Batra ("letzte Pforte", "letztes Tor"; 10 Kapitel):

                                                Besitzteilungsfragen, Erbschaftsrecht, Ersitzung (chazaqa); Mobilien, 
                                                Immobilien (Nutzen, Verkaufen, Messen von Grundstücken), 
                                                Ausstellung von Urkunden; Bürgschaft; Geschenke bei der Hochzeit; 
                                                enthält auch einen Traktat über Wunder und Visionen (bT 73a-75b)

4.4 Sanhedrin (aus griech. synhedrion, „Gerichtshof“; 10 Kapitel): Strafrecht

                                                und Gerichtswesen, Grundsätze des Glaubens; Gericht von drei 
                                                Männern; kleiner Sanhedrin von 23 Mitgliedern, grosser Sanhedrin von 
                                                71 Mitgliedern; Auswahl der Schiedsrichter; Zeugenschaft; wer kann 
                                                weder Richter noch Zeuge sein; Unterschied zwischen Zivil- und 
                                                Kriminalprozessen; Arten der Todesstrafe; der ungehorsame Sohn; der 
                                                Einbrecher; der Rückfällige; Hinrichtung ohne Urteil; wer hat keinen 
                                                Anteil an der kommenden Welt; der widerspenstige Lehrer (zaqen 
                                                mamre) und der falsche Prophet

4.5 Makkot („Schläge“; 4 Kapitel): Regelungen zur Prügelstrafe; Lohn der

                                                Gebote

4.6 Schebuot / Schewuot ("Schwüre", "Eide"; 8 Kapitel): über das Schwören,

                                                Wichtigkeit des Eides und seine Diskussion, Arten der Eide; vier Arten 
                                                der Hüter (mit oder ohne Lohn, Entlehner, Mieter)

4.7 Edujot/Edujjot ("Zeugnisse", "Bekundungen"; 8 Kapitel): Zeugenschaft,

                                                100 Sätze älterer Autoritäten / Zeugnisse späterer Lehrer über die Sätze 
                                                früherer Meister, auch Bechirta, "Auswahl", genannt; ausserdem 40 
                                                Fälle, in denen die Schammaiten erleichtern, die Hilleliten erschweren 
                                                (die meisten Sätze stehen in der Mischna noch an anderer Stelle gemäss 
                                                der Sachordnung)

4.8 Aboda zara / Awodah Sara („Götzendienst“; 5 Kapitel): Fremdkult,

                                                (Fernhalten vom) Götzendienst, Absonderung vom griechisch-
                                                römischen Heidentum, Umgang mit Götzendienern

4.9 Abot (("Aus)Sprüche der) "Väter“) / (Pirke) Awot ("Abschnitte",

                                              "Kapitel" der Väter“; 5 Kapitel): Der Traktat Abot, zu dem es eine 
                                              Parallelsammlung in den kleinen Talmud-Traktaten gibt (die 
                                              Abot de Rabbi Natan), enthält zu Beginn die tannaitische Traditionskette 
                                              von Mosche an bis zum Ende der tannaitischen Zeit und im übrigen 
                                              Wahlsprüche und Maximen der Schriftgelehrten und Tannaiten, gehört 
                                              sachlich also nicht in diese Rechtssammlung; er ist in der Tat erst später 
                                              (um 300?) eingefügt worden; wurde dann oft im Sinne der jeweiligen 
                                              Tendenzen in der jüdischen Ethik kommentiert; enthält grosse Weisheit; 
                                              viel gelesen; volkstümlichstes Stück der Mischna; Bestandteil der 
                                              Liturgie; als einziger Mischna-Traktat rein haggadisch; hier findet sich 
                                              auch (Jehuda ben Tema) die Einteilung der Lebensalter des Mannes:    	           mit 5 Jahren Beginn des Bibelunterrichts (Tora), 
                                                 mit 10 Mischna-Studium, 

mit 13 Gebotpflichtigkeit, mit 15 Talmud-Studium (Gemara), mit 18 Ehe, mit 20 Beruf, mit 30 Vollkraft, mit 40 volle Einsicht,

                                                 mit 50 Rat, 

mit 60 Alter,

                                                 mit 70 Greisenalter, 
                                                 mit 80 hohes Alter / Erreichen des höchsten Ziels, 
                                                 mit 90 gebeugtes Alter, 
                                                 mit 100 zum Tode bereit ("als wäre er schon gestorben, dahingegangen   
                                                       und geschwunden von der Welt")
                                            "Nicht das Lernen ist das Wichtigste, sondern das Tun." (Abot 1,17);  
                                            "Nicht liegt es an dir, das Werk zu vollenden, aber du bist auch nicht frei, 
                                            von ihm abzulassen." (Rabbi Tarphon, Abot 2, 16); - 
                                              erst in späterer Zeit kam Kapitel 6 dazu, die Lobrede auf das Gesetz 
                                              (qinjan tora, der "Erwerb der Tora"), die nicht zur Mischna gehört

4.10 Horajot ("Lehren", "Entscheidungen"; 3 Kapitel): irrtümliche

                                                 Entscheidungen (der Gerichtshöfe), Korrekturen der Urteile und ihre 
                                                 Sühne

7 5. Ordnung

5. Ordnung Kodaschim / Qodaschim / Kadaschim ("Heiliges",

                                              "Heiligkeiten"): kultische Anweisungen, vor allem zum Thema Opfer; 
                                              Opfer- und Schächtgesetz [an dieser Stelle einige allgemeine Hinweise: 
                                                 Opfer = Korban, "Darbringung", Hauptbestandteil des altisraelitischen 
                                                 Gottesdienstes (Lev 1-7) bis zur Zerstörung des 2. Tempels; Ablehnung 
                                                 des heidnischen Menschenopfers (Lev 18,21, Jer 7,31); Opfergabe: 
                                                 a) tierische (Sewach = Schlacht-Opfer, daher Misbeach =  
                                                 Schlachtungsstätte = Altar); b) pflanzliche (Mincha = Speise-, Nessech 
                                                 = Trank-Opfer); Arten des Opfers: allgemeines täglich 
                                                 immerwährendes (Tamid), sabbatliches und festtägliches Opfer (nach 
                                                 besonderem Ritual), für den einzelnen Sünd- (Chattat), Schuld- 
                                                 (Ascham), Dank- (Toda) Opfer; ältester und häufigster Typ: 
                                                 Brand-Opfer (Ola = Ganzverbrennung); gewisse Opfer-Gaben fielen 
                                                 den Priestern zu, vom Dank-Opfer hielt auch der Geber eine Opfer-
                                                 Mahlzeit; prophetische Stimmen gegen Äusserlichkeit des Opfer-
                                                 Dienstes (Hos 6,6); nach dem Tempelfall Ersatz des Opfers durch das 
                                                 Gebet; fortgesetzte Opfer-Darbringung bei Falascha und Samaritanern; 
                                                 - Schächten / Schechita: das rituelle Schlachten von Tieren im 
                                                 Judentum (und auch im Islam); bezweckt wird das möglichst 
                                                 rückstandslose Ausbluten des Tieres, da der Genuss von Blut sowohl 
                                                 im Judentum als auch im Islam verboten ist; die Tötung erfolgt im 
                                                 Judentum unbetäubt; im Islam ist eine elektrische Betäubung nach 
                                                 bestimmten Rechtsschulen zulässig; mittels eines speziellen Messers 
                                                 mit einem einzigen grossen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in 
                                                 dessen Folge die grossen Blutgefässe sowie Luft- und Speiseröhre 
                                                 durchtrennt werden, wird das Tier getötet; in der Tora steht 
                                                 geschrieben „Du sollst von Deinem Grossvieh und Kleinvieh 
                                                 schlachten, so wie ich Dir befohlen habe“, Dtn 12,21; da zu den 
                                                 Worten „wie ich Dir befohlen habe“ in der ganzen Bibel kein weiterer 
                                                 Hinweis zu finden ist, Regelung in der mündlichen Lehre, festgehalten 
                                                 im Talmud (Traktat Chulin 1-2), in Maimonides' Mischne Tora (Sefer 
                                                 Keduscha) und in Karos Schulchan Aruch (Jore De'a 1-28); das 
                                                 Schächtgebot – sehr umstritten - soll ein äusserst humanes, das Leid 
                                                 des Tieres schonendes Verfahren sein; das halachisch korrekte 
                                                 Schächten besteht aus einem Halsschnitt, der bei Säugetieren durch 
                                                 Luftröhre und Speiseröhre, bei Vögeln durch eine von beiden gehen 
                                                 muss. Der Schnitt muss durch Hin- und Herfahren ohne die geringste 
                                                 Unterbrechung mit einem scharfen, glatten und schartenfreien Messer 
                                                 ausgeführt werden; verboten ist: a) die kleinste Pause bei der 
                                                 Durchführung des Schnitts (hebr. Schehija); b) das Drücken des 
                                                 aufliegenden Messers in den Hals (hebr. Derassa); c) das Stechen des 
                                                 Messers in den Hals (hebr. Chalada); d) das Ausführen des Schnitts 
                                                 ausserhalb der für Schechita bestimmten Grenzen am Hals (hebr. 
                                                 Hagrama); e) das Losreissen der Halsgefässe durch den Schnitt (hebr. 
                                                 Ikur); der Schlachter (hebr. Schochet) selbst muss eine Ausbildung 
                                                 abgeschlossen haben, die sowohl praktische als auch „geistige“ 
                                                 Aspekte seiner Arbeit umfasst; das Schlachtmesser muss scharf wie 
                                                 eine gute Rasierklinge sein und darf keinerlei Scharten o. ä. aufweisen; 
                                                 auch der Schlachtprozess selbst ist festen Regeln unterworfen; erste 
                                                 Voraussetzung ist, dass das Tier im Judentum koscher (bzw. im Islam 
                                                 halal ist); mit einem einzigen Schnitt ist nun die Kehle zu 
                                                 durchschneiden, wobei beide Halsschlagadern, beide Halsvenen, die 
                                                 Luftröhre, die Speiseröhre sowie beide Vagus-Nerven durchtrennt 
                                                 werden müssen; diese Technik führt für gewöhnlich den Tod binnen 
                                                 3-4 Sekunden herbei; das Tier muss vollständig ausbluten, da der 
                                                 Genuss von Blut verboten ist; Schechita beschreibt nicht allein den 
                                                 Prozess der Schlachtung selbst, sondern auch die anschliessende 
                                                 Kontrolle des Tieres und des Fleisches; so müssen im Judentum z. B. 
                                                 alle Blutrückstände beseitigt werden, was gewöhnlich durch Waschen 
                                                 und Salzen geschieht; ausserdem müssen Fleisch und Organe auf 
                                                 eventuelle Unregelmässigkeiten (z. B. Krebsgeschwüre) untersucht 
                                                 werden, welche das Fleisch treif, d. h. nicht koscher, machen würden; 
                                                 Fisch unterliegt nicht dem Gesetz von Schechita; der Talmud lehrt dies 
                                                 im Traktat Chullin 27b, und auch der Schulchan Aruch geht auf diesen 
                                                 Sachverhalt im Abschnitt Hilchot Schechita 1 ein; hier ist nur das 
                                                 Faktum entscheidend, dass es sich um eine von der Tora als koscher 
                                                 genannte Fischart handelt; - Schächter: untersteht der Aufsicht des 
                                                 Rabbiners. Der Schächter ist Besitzer eines Diploms, das es ihm 
                                                 erlaubt, Grossvieh (Ochsen, Kühe) oder Kleinvieh (Schafe, Lämmer) 
                                                 zu schlachten; einige Schächter haben eine Genehmigung, 
                                                 ausschliesslich Geflügel zu schlachten; dem Schächter zur Seite steht 
                                                 der Menaker; er allein ist zuständig für das Entfernen des Talgfettes 
                                                 (Chelev) des Viehs, denn er kennt den Unterschied zwischen dem als 
                                                 Speise verbotenen Talgfett eines Tieres und seinem erlaubten Fett (das 
                                                 die Därme umgibt); der Menaker versteht sich auch auf das Entfernen 
                                                 der Hüftsehne, jenem Teil der Flanke eines Tieres, dessen Genuss 
                                                 ebenfalls verboten ist; - Bedika: die jüdisch-rituelle Fleischbeschau; der 
                                                 Schächter, der für die Schechita zuständig war, führt auch die 
                                                 Untersuchung durch, d. h. er ist gleichzeitig auch Fleischbeschauer]

5.1 Zebachim / Sevachim / Sewachim: Opferschlachtung, Schlachtopfer,

                                                 Gesetze zu den Tieropfern; 14 Kapitel; über die erforderliche Intention; 
                                                 wodurch ein Schlachtopfer untauglich wird und bei welchen Versehen 
                                                 es trotzdem tauglich bleibt; Blutsprengen, Vogelopfer, Vorrang von 
                                                 bestimmten Opfern gegenüber anderen; Reinigung der Gefässe; Anteil 
                                                 der Priester an den Opfern; Verbrennung von Stieren und Böcken; 
                                                 Geschichte der Opferstätten

5.2 Menachot: Speiseopfer, Darbringung von Speiseopfern; 13 Kapitel 5.3 Chullin ("Profanes" = profane Schlachtung): Schächtvorschriften

                                               (s. o. 5. Ordnung), Speisevorschriften; 12 Kapitel; Schechita; reine und 
                                               unreine Tiere; nicht Fleisch in Milch kochen; Abgaben von 
                                               Geschlachtetem an die Priester; Erstlinge von der Schafschur; Gesetz 
                                               vom Vogelnest

5.4 Bechorot / Bekhorot: Erstgeburten, Gesetze über die (männlichen)

                                              Erstgeburten von Vieh und Menschen; 9 Kapitel [zur Auslösung des 
                                              Sohnes/Pidjon ha-Ben: Wenn der erstgeborene Sohn dreissig Tage alt 
                                              geworden ist, muss man ihn vom Priester "auslösen". "Erstgeborener" 
                                              (Bechor) in dieser Hinsicht ist jener Sohn, der als Erster aus dem Schoss 
                                              seiner Mutter kommt (durch dessen Geburt die Frau zur Erstgebärenden 
                                              wird) und das Licht der Welt erblickt. Mit anderen Worten: Selbst wenn 
                                              der Säugling nicht der Erstgeborene seines Vaters ist - aber der seiner 
                                              Mutter - , muss er ausgelöst werden. Der Sohn muss nicht ausgelöst 
                                              werden, wenn der Vater ein Cohen oder Levit oder seine Mutter die 
                                              Tochter eines Cohens oder Levits ist. Auch wenn ein Kind zum Beispiel 
                                              durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist, muss es nicht 
                                              ausgelöst werden. Nach Schwangerschaftsunterbrechungen besteht eine 
                                              besondere Situation, hier hole man die Entscheidung eines Rabbiners ein. 
                                              Die Pflicht, den Erstgeborenen auszulösen, ist die zweite Pflicht seines 
                                              Vaters (die erste ist die Beschneidung). Wurde der Säugling aus 
                                              irgendeinem Grund nicht von seinem Vater ausgelöst, muss er es später 
                                              selbst nachholen - genau wie er auch die Beschneidung selbst nachholen 
                                              muss, wenn sein Vater ihn nicht beschnitten hat. Alle Erstgeborenen sind 
                                              dem Herrn geheiligt (im tradierten Erbrecht gebührt dem Erstgeborenen 
                                              der doppelte Anteil). Wenn ein erstgeborener Sohn auf die Welt kommt, 
                                              löst man ihn symbolisch aus - wegen der Tatsache, dass der Cohen, der 
                                              Priester, die Aufgabe übernommen hat, die eigentlich diesem 
                                              Erstgeborenen zugedacht war. Damit er der Familie rechtmässig zusteht, 
                                              muss man ihn deshalb vom Cohen auslösen, der seinen Platz 
                                              eingenommen hat. Der Säugling muss mit Geld ausgelöst werden (mit 
                                              fünf Silbermünzen, deren Reinsilbergewicht mindestens 117 Gramm 
                                              beträgt; solche Münzen gibt es, geprägt von der Bank Israel; es können 
                                              auch andere reine Silbermünzen verwendet werden). Die 
                                              Auslösungszeremonie (Überreichung der fünf Münzen an den Cohen als 
                                              "Lösegeld", begleitet von Segenssprüchen; die Zeremonie kann auch 
                                              ohne den anwesenden Säugling durchgeführt werden) findet während 
                                              einer Pflichtmahlzeit (Se´udat Mizwa) statt und muss tagsüber 
                                              durchgeführt werden (es gibt Ausnahmen; z. B. zur Umgehung des 
                                              Schabbat, an dem man keine "Geschäfte" macht), sie findet im 
                                              allgemeinen in den Nachmittagsstunden statt, und die anschliessende 
                                              Mahlzeit zieht sich dann bis in den Abend hin]; weiter enthält der Traktat 
                                              Aussagen über Fehler, die einen Menschen zum Priesterdienst untauglich 
                                              machen; über Erbrechte des Erstgeborenen; über Rechte des Priesters 
                                              hinsichtlich des Lösegelds; über den Zehnten vom Vieh

5.5 Arachin / Arakhin („Schätzungen“; 9 Kapitel): Schätzungen von (dem

                                              Tempel) gelobten Werten; Verpflichtung des Erben; Pfändung, wenn das 
                                              Äquivalent nicht bezahlt wird; Lösung des ererbten, erkauften oder 
                                              verkauften Ackers; ummauerte Städte

5.6 Temurot („Vertauschungen“) bzw. Temura ("Vertauschung"): über

                                              Ersatzleistungen, Opfertiere bzw. den Umtausch derselben (Lev. 27,10); 
                                              umfasst 7 Kapitel

5.7 Keritot / Keretot ("Ausrottungen", "Abtrennungen"; 6 Kapitel): behandelt

                                                 die göttliche Strafe des Karet (Ausrottung), die auf vorsätzliche 
                                                 Verletzung der religiösen und ethischen Grundgebote steht 
                                                 (Sabbatentweihung, Unzucht u. a.; insges. 36 verschiedene  
                                                 Übertretungsfälle, wobei Vorsatz erforderlich ist); die Strafe wird als 
                                                 im Alter von 20-50 Jahren erfolgender "natürlicher" Tod ohne 
                                                 Nachkommen gedeutet

5.8 Meila / Meïla / Me'ila („Veruntreuung“, "Vergreifen" [am Geheiligten]):

                                                 Veruntreuung des Geheiligten, von Tempeleigentum; Sakrileg; umfasst 
                                                 6 Kapitel

5.9 Tamid („beständig“, „täglich“): das ständige [2 x täglich] Opfer;

                                                 7, ursprünglich 6 Kapitel (spätere Unterteilung von Kapitel 6); 
                                                 Nachtwache der Priester im Heiligtum; das Aufräumen des Altars; die 
                                                 verschiedenen Aufgaben der Priester; die Darbringung des 
                                                 Opferlamms; das Morgengebet; das Räucheropfer; der Hohepriester 
                                                 beim Opferdienst; der Priestersegen und die Gesänge der Leviten

5.10 Middot („Masse“; 5 Kapitel): behandelt Masse und Einrichtung des

                                                Tempels zu Jerusalem und seiner Geräte; keine Gemarah

5.11 Qinnim / Kinnim ("Nester", "Vogelnester"; 3 Kapitel): über das Opfern

                                                 von Tauben (Lev. 12,8 u.ö.), die arme Wöchnerinnen und Arme 
                                                 überhaupt bei bestimmten Verfehlungen darbringen und das auch als 
                                                 freiwilliges Brandopfer möglich ist; Komplikationen, wenn Vögel, die 
                                                 verschiedenen Personen oder zu verschiedenen Opferarten gehören, 
                                                 durcheinander geraten

8 6. Ordnung

6. Ordnung: Toharot /Teharot / Taharot ("Reinheiten", "Reinigungen"):

                                          Vorschriften über Rein und Unrein, über rituelle Reinigung 

6.1 Kelim („Geräte“; 30 Kapitel): über die rituelle Unreinheit der Gegenstände

                                                des täglichen Gebrauchs (Geräte, Gefässe etc.)

6.2 Ohalot („Zelte“), auch: Ahilot ("Bezeltungen"), 18 Kapitel: über die

                                                 Verunreinigung von Räumen, Verunreinigung durch Berührung eines 
                                                 Leichnams (bzw. Verunreinigung von Personen und Dingen, die sich 
                                                 mit dem Leichnam unter einem Dach / im selben "Zelt" befinden); 
                                                 welche Öffnungen hindern bzw. fördern das Vordringen der 
                                                 Unreinheit? Auffinden von Leichnamen; Gebeinstätten; Häuser von 
                                                 Heiden

6.3 Negaim („Plagen“; 14 Kapitel): handelt von der Plage des Aussatzes =

                                                 Hautkrankheiten; Aussatz bei Menschen, Kleidern, Häusern

6.4 Para(h) („junge Kuh“; 12 Kapitel): Sühne durch die Asche einer roten Kuh

                                                (Num 19)

6.5 Tehorot / Toharot ("Reinheiten", euphemistisch für: Unreinheiten; umfasst

                                                10 Kapitel): leichte Verunreinigungen bis Sonnenuntergang; nicht 
                                                rituell geschlachtete Tiere (nebela); Grade der Verunreinigung durch 
                                                Berührung von Unreinem; zweifelhafte Unreinheit; Verunreinigung 
                                                durch Flüssigkeiten; Verunreinigung von Öl und Wein beim Pressen 
                                                und Keltern

6.6 Miqwaot / Mikwaot („Tauchbäder“; 10 Kapitel): Tauchbäder, rituelle

                                                Waschungen, über Bad und Mikwe [Mikwe = Sammlung (des Wassers) 
                                                = Tauchbad, Ritualbad, seit der ältesten Zeit bis in die Gegenwart in 
                                                jeder orthodoxen Gemeinde vorhanden und vorgeschrieben; religiöse 
                                                Kultbäder, besonders für Frauen nach Geburt oder Menstruation 
                                                vorgeschrieben, aber auch für Braut und Bräutigam vor ihrer Hochzeit 
                                                sowie von Kandidaten vor deren Konversion zum Judentum; Mikwe 
                                                darf nur "lebendes" (= quellendes = Fluss-) oder in Gruben 
                                                gesammeltes Regen-Wasser enthalten und muss mindestens 3 Kubik-
                                                Ellen = ca. 800 Liter Wasser umfassen; Mikwe dient auch zum 
                                                Eintauchen neuer Gefässe vor dem Gebrauch]

6.7 Niddah / Nidda ("die Menstruierende", "Unreinheit der Frau"): über

                                                Menstruation und Blutfluss, behandelt die Reinigungsvorschriften für 
                                                die Frau [hier einige erklärende Anmerkungen zum Thema aus 
                                                innerjüdischer Sicht: Nida = "menstruierende Frau" = die rituelle 
                                                Unreinheit der Frau. Die Frau ist während ihrer Menstruation 
                                                (Minimum: fünf Tage) aus ritueller Sicht unrein. Erst nachdem ihre 
                                                Unreinheit beendet ist - d.h. nach dem Abzählen von "sieben reinen 
                                                Tagen" und der Reinigung in der Mikwe - , darf sie Geschlechtsverkehr 
                                                haben. Eine Frau, die bei sich oder in ihren Kleidern einen Tropfen Blut 
                                                entdeckt - gleich welcher Färbung und sei er auch nur von der Grösse 
                                                eines Senfkorns - , und zwar zur Zeit der erwarteten Menstruation oder 
                                                ausserhalb dieser Zeit, während der Schwangerschaft, beim Stillen oder 
                                                sonstwann, darf nicht mit ihrem Mann in Berührung kommen. Für sie 
                                                gelten alle Vorschriften für ihre rituelle Unreinheit, die Nida. Dieses 
                                                Wort bedeutet: entfernen, sich absondern, denn sie muss sofort von 
                                                ihrem Mann Abstand halten und darf nicht in körperlichen Kontakt mit 
                                                ihm kommen. Für orthodoxe Juden gibt es Betten mit speziellen 
                                                Vorrichtungen, so dass das Ehebett während der Zeit der Nida 
                                                auseinandergezogen werden kann und sichergestellt ist, dass auch 
                                                während des Schlafs keine ungewollte Berührung geschieht. Die Tora 
                                                verurteilt einen Mann und eine Frau, die während der Nidda 
                                                miteinander Verkehr haben, sehr streng, und sie droht ihnen mit der 
                                                Todesstrafe. Die Frau ist dem Mann nicht nur verboten, wenn sie Blut 
                                                entdeckt, sondern auch von der "Periode" (= mindestens 24 Stunden 
                                                vorher) an, die der regelmässigen Menstruation vorausgeht. Jede 
                                                gesunde Frau hat normalerweise eine feste Menstruation, die auf eine 
                                                der folgenden Arten festgelegt wird: 1. Bei einigen Frauen setzt die 
                                                Menstruation an einem festen Tag im Monat ein. 2. Bei einigen Frauen 
                                                nach einer festen und bestimmten Zeit, auch wenn sie nicht immer zum 
                                                gleichen Zeitpunkt beginnt (zum Beispiel nach dreissig Tagen), und es 
                                                ist gleichgültig, ob es nun der Fünfte oder der Zehnte des Monats ist. 
                                                3. Bei einigen Frauen setzt die Menstruation in einer zunehmenden und 
                                                dann wieder abnehmenden Häufigkeit ein. 4. Bei einigen Frauen gelten 
                                                die Vorschriften über die rituelle Unreinheit nicht in regelmässigen 
                                                Abständen, sondern bei festen körperlichen Anzeichen, denen die Frau 
                                                entnimmt, dass ihre Menstruation kurz bevorsteht, zum Beispiel 
                                                Schmerzen an bestimmten Stellen, Schwäche in den Knien, sonstige 
                                                Schwäche und Müdigkeit, Schluckauf, Niesen und Ähnliches. Sollten 
                                                sich diese Anzeichen regelmässig wiederholen, können auch sie zu 
                                                einem Festlegen der Menstruation dienen. Die Frau muss demnach 
                                                jeden Verkehr mit ihrem Mann aufgeben, sobald sie eines der oben 
                                                erwähnten Anzeichen bemerkt. Wie reinigt sich die Frau von der Nida? 
                                                1. Warten, bis die Menstruation vorüber ist. 2. Die rituellen 
                                                Reinigungsvorschriften befolgen (sorgfältige Waschung, überprüfen, ob  
                                                Blutung wirklich beendet, Anziehen weisser Unterwäsche, 
                                                Auswechseln der Bettlaken). 3. Die sieben reinen Tage zählen (dabei 
                                                zweimal täglich weiter untersuchen). 4. Mikwe: Am Ende der sieben 
                                                reinen Tage geht die Frau noch vor Sonnenuntergang in die Mikwe, um 
                                                sich auf das Reinigungsbad selbst vorzubereiten, das stattfindet, sobald 
                                                am Himmel die ersten Sterne zu sehen sind. Zur Vorbereitung zählen 
                                                Haarwäsche, sorgfältiges Kämmen, Reinigung der Fingernägel, evtl. 
                                                Entfernen des Nagellacks, Ablegen von Schmuck und Haarnadeln, 
                                                Putzen der Zähne, evtl. Entfernen von Schmutzflecken, die zwischen 
                                                ihrem Körper und dem Wasser eine "Trennwand" bilden könnten. Ist ihr 
                                                Körper schliesslich völlig sauber, geht sie in das Tauchbad und taucht 
                                                vollkommen unter, weder Bücken noch Hinsetzen, sondern eine 
                                                Hockstellung einnehmen, damit das Wasser alle Körperteile umhüllt. 
                                                Nach einem entsprechenden Segensspruch taucht sie ein zweites Mal in 
                                                derselben Weise unter. Der Abend nach dem Reinigungsbad wird als 
                                                "Leil-Onata" bezeichnet, d.h. es ist die Nacht, in der sich ihr Mann ihr 
                                                wieder nähern darf. Der Mann muss seine Frau, die sich für ihn jeden 
                                                Monat aufs Neue reinigt und heiligt, mit Aufmerksamkeit, Liebe und 
                                                Zuvorkommenheit behandeln. Die Frau darf ihrerseits nicht das 
                                                Reinigungsbad aufschieben, selbst am Schabbat oder Feiertag. Gibt es 
                                                durchaus objektive Schwierigkeiten und hält sich ihr Mann darüber 
                                                hinaus in einer anderen Stadt auf, darf sie das Reinigungsbad auf den 
                                                Tag danach verschieben, keinesfalls damit jedoch einen ganzen Monat 
                                                lang warten, selbst wenn ihr Mann nicht zu Hause ist. Die Schwangere, 
                                                die Wöchnerin und die Stillende: Während der Schwangerschaft und 
                                                während der Zeit, in der die Frau ihr Kind stillt, ist sie dem Mann 
                                                erlaubt. Wenn sich hingegen in dieser Zeit Blutflecken zeigen, gelten 
                                                alle rituellen Reinigungsvorschriften für die Frau. Aber grundsätzlich 
                                                braucht die Frau in diesem Zustand nicht das Auftreten der 
                                                Menstruation zu befürchten, und aus diesem Grund muss sie sich auch 
                                                nicht eine Nacht vor dem gewöhnlichen Termin von ihrem Mann 
                                                trennen. Nach der Geburt gilt der bisherige Monatszyklus nicht mehr; 
                                                sie muss einen neuen festlegen, der sie in ihrem Verhalten leitet. 
                                                Bedeutung der rituellen Reinigungsvorschriften: Die Frau ist ihrem 
                                                Mann also zwölf bis dreizehn Tage im Monat verboten. Zwar ist eine 
                                                solche Trennung nicht leicht, da es sich aber um eine Vorschrift aus der 
                                                Bibel handelt, gaben die frommen jüdischen Vorfahren und viele 
                                                Fromme bis heute geben ihr Leben, um sie zu befolgen. Es gab Fälle, in 
                                                denen sich ein Ehepaar über einen längeren Zeitraum hinweg jeden 
                                                Kontaktes enthielt, nur weil es in ihrer Nähe keine Mikwe gab - und 
                                                dies alles, um nur ja nicht gegen die rituellen Reinigungsvorschriften 
                                                für die Familie zu verstossen, die ein Eckpfeiler jeder jüdischen Familie 
                                                sind. Selbst wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wäre das 
                                                Befolgen dieser Vorschriften sehr schwierig, so muss gesagt werden, 
                                                dass ihre praktische Verwirklichung sehr viel Zufriedenheit verleiht. In 
                                                der nichtjüdischen Welt träumt man sehnsüchtig von der 
                                                Hochzeitsreise; dank der rituellen Reinigungsvorschriften begibt sich 
                                                jede jüdische Familie einmal im Monat auf eine Hochzeitsreise. Wegen 
                                                der Wartezeit ist das Ehepaar füreinander bereit und blickt 
                                                hoffnungsvoll dem Augenblick entgegen, in dem es sich wieder 
                                                vereinigen kann. Zweifelsohne trägt diese Lage zu einer gegenseitigen 
                                                Verwirklichung und zur Entstehung tiefer Werte in den Beziehungen 
                                                des Ehepaares bei. Der Kontakt wird nicht zur Routine, zu etwas 
                                                Alltäglichem, und das sorgfältige Befolgen der rituellen 
                                                Reinigungsvorschriften für die Familie führt zur Entstehung einer 
                                                positiven Spannung, die die körperlichen Beziehungen auf eine höhere 
                                                Ebene hebt]; der Traktat Nidda umfasst 10 Kapitel über Blutfluss, 
                                                Wöchnerin, Menstruierende; über samaritanische, sadduzäische und 
                                                nichtisraelitische Frauen; verschiedene Lebensalter; Pubertät bei 
                                                Mädchen/Heranwachsenden usw.; einziger Mischnatraktat der Ordnung 
                                                Toharot, zu dem es Gemara gibt, vermutlich, weil man diese Gesetze in 
                                                Babylonien nicht beachtete

6.8 Makschirin / Machschirin / Makhschirin ("Geeignetes", "geeignet",

                                                 nämlich: unrein zu machen; umfasst 6 Kapitel): Verunreinigung durch 
                                                 Flüssigkeiten; auch: Maschkin / Maschqin ("Flüssigkeiten") genannt: 
                                                 nach Befeuchtung mit einer von sieben Flüssigkeiten können trockene 
                                                 Nahrungsmittel durch Berührung mit etwas Unreinem unrein werden

6.9 Zabim / Sawim ("Blutflüssige"): Ausflussbehaftete (m. + w.), über die

                                                 Bestimmungen Lev. 15; umfasst 5 Kapitel; vom Zählen der sieben 
                                                 reinen Tage, bis der Zab wieder als rein gilt; Fragen bei der Prüfung 
                                                 des Ausflusses; Verunreinigung durch einen Zab (mit unreinem 
                                                 Ausfluss Behafteter); Vergleich mit verschiedenen Arten von 
                                                 Unreinheiten; Aufzählung der Dinge, die Hebe untauglich (pasul) 
                                                 machen

6.10 Tebul jom / Tewul Jom ("gebadet / untergetaucht [aber unrein] auf

                                                 Tageszeit"; "der am selben Tag ein Tauchbad genommen hat"; 
                                                 4 Kapitel): Status eines Gereinigten zwischen Tauchbad und  
                                                 Sonnenuntergang (so lange ist er unrein); Profanes darf er berühren; 
                                                 Hebe, Challa und Geheiligtes macht er jedoch untauglich / pasul, wenn 
                                                 auch nicht unrein; wie wirkt sich die Berührung eines Teils auf das 
                                                 Ganze aus?

6.11 Jadajim („Hände“; 4 Kapitel): Unreinheit der Hände, rituelle Unreinheit,

                                                 die auf die Hände begrenzt ist; Händereinigung; wodurch werden die 
                                                 Hände verunreinigt? Schriften, die die Hände unrein machen, d. h. zum 
                                                 biblischen Kanon gehören: Debatte über Hoheslied und Kohelet; das 
                                                 Aramäische in Esra und Daniel; Unterschiede zwischen Pharisäern und 
                                                 Sadduzäern

6.12 Uqtzin / Ukzin / Uqtsin („Stengel“, „Stiele“ [der Frucht]; 3 Kapitel): das

                                                 Unreinwerden von Nebenprodukten bzw. Abfallprodukten bei 
                                                 Früchten; Stiele, Schalen und Kerne, die Unreinheit übertragen 
                                                 können.  ---

Man unterscheidet zwei Gattungen des talmudischen Stoffes: Halacha (Gesetz und Diskussionen über das Gesetz, die den weitaus grösseren Teil einnimmt) und Haggada = Agada ( = Belehrung, Unterhaltung, Erbauung, Geschichte und Sage, Ethik; sie findet sich nur in den beiden Kommentarschichten, nicht aber in der ausschliesslich aus Halacha bestehenden Mischna); beide sind nicht voneinander geschieden und gehen häufig unvermittelt ineinander über. Durch die Mischna mit ihrer systematischen Anordnung des Gesetzesstoffes ist eine inhaltliche Gliederung auch des ganzen Talmud vorbereitet, aber die Gemara schweift oft vom Gegenstand ab und schliesst andere Erörterungen an, die zum Teil thematische, zum Teil nur äusserliche Verwandtschaft mit der behandelten Materie haben: Dadurch ergibt sich zugleich der inhaltliche Reichtum, die Unerschöpflichkeit des Talmud, wie auch die Schwierigkeit, ihn ganz zu übersehen. Hauptform des Talmud ist die Diskussion, der Dialog; er überliefert die allmähliche Herausbildung des Gesetzes in den Gelehrtenschulen Palästinas und Babyloniens. Die Halacha wird direkt oder vermittels hermeneutischer Regeln aus der Bibel abgeleitet; manches gilt zugleich als uralte mündliche Tradition, mosaisches Gesetz, das in der Tora nicht niedergeschrieben wurde. Während die Mischna Kodex ist, trägt der Talmud als Ganzes enzyklopädischen Charakter und gibt mittel- oder unmittelbar über alle Lebensäusserungen des Judentums am Ausgang des Altertums Auskunft; der in ihm vereinigte Stoff ist zugleich Bibelerklärung wie selbständiges, vom biblischen unabhängiges Gut, vieles nur zeit- und landesgebunden, vieles von übernationalem dauerndem Wert. Der erste Druck des Talmud stammt von Daniel Bomberg, einem aus Antwerpen gebürtigen Christen, der zwischen 1516 und 1539 in Venedig tätig war. Die von Bomberg eingeführte Folio-Zählung wird heute noch benutzt. Der erste Druck der Mischna datiert aus 1492 und erschien in Neapel. – Natürlich bleiben viele Überlieferungen ausserhalb der Mischna erhalten, die sogenannten Baraitot (baraita, wörtlich die "draussen befindliche" Lehre, kurz für aramäisch matnita baraita), die dann aber in der späteren Schultradition der Amoräer aufgegriffen wurden und so zum Teil erhalten blieben. Eine Parallelsammlung zur Mischna aus dem 3.-4. Jhdt. n. Chr. und (ca. 4-fach) umfangreicher als diese ist die (entstehungsgeschichtlich recht undurchsichtige; Redaktion aber sicher in Palästina) Tosefta / Tossefta (aramäisch tosefta, evtl. tosifta; Plural tosafata; hebr. tosefet, Plural tosafot, in der Bedeutung: "Hinzufügung", "Ergänzung"), die parallel zur Mischna und auch fast ganz nach demselben Ordnungsmuster erstellt worden ist, sie hat allerdings nicht denselben autoritativen Rang wie die Mischna erreicht (auch wenn viele Inhalte im Talmud mit verwertet wurden). – Kleinere Talmudtraktate: Sowohl zum palästinischen wie zum babylonischen Talmud gibt es noch eine Anzahl von Traktaten, die ausserhalb des talmudischen Ordnungsrasters geblieben sind ("kleine Talmudtraktate", / "kleinere Talmudtraktate" / "ausserkanonische Traktate" [da sie nicht die Autorität des eigentlichen babylonischen Talmuds besitzen] / "kleine Traktate" ["klein" eher im Sinn geringerer Autorität, nicht notwendig im Sinn eines geringeren Umfangs], gewöhnlich abgedruckt am Ende der Ordnung Neziqin; man teilt die kleineren Traktate in zwei Gruppen: 7 selbständige Schriften und 7 thematische Sammlungen von Halachot zu bestimmten Themenkreisen (u. a. Proselyten, Sklaven, Schreiben von Thorarollen); oft bezeichnet man nur diese zweite Gruppe als "kleine Traktate" im eigentlichen Sinn). Unter den kleineren Talmudtraktaten befinden sich ausser den „Abot de R. Natan“ / Awot Rabbi Nathan [Paralleltraktat zu den Sprüchen der Väter] mehrere Traktate von religionsgeschichtlich hohem Quellenwert: „Soferim“ und „Sefär Torah“ über Schreibvorschriften und Schriftlesung der Bibel, „Ebäl rabbati“ / Ewel rabbati bzw. „Smachot“ / Semachot über Trauerbräuche (wörtlich: "Freuden", ein Euphemismus für Trauerfälle), „Abadim“ über Sklavenrecht, „Kutim“ über die Samaritaner. – Dezisoren (hebräisch Possekim, „Entscheider“): die rabbinischen Autoritäten vom Abschluss des Talmud bis zur Gegenwart, die das für die religiöse Praxis verbindliche Gesetz (Halacha) erschliessen und unter verschiedenen Überlieferungen und Lehrmeinungen die Entscheidung (Pessak) treffen. Einteilung: Kadmonim (die frühesten), bis zum 10. Jhdt. (Saadja); Rischonim (die ersten), bis zum 15. Jhdt. (Alfassi, Maimonides); Acharonim (die letzten), 16.-18. Jhdt. (Jakob b. Ascher, Josef Karo, Mose Isserles); Literaturformen: Kodizes; Responsen; elementare Pflege des Talmud- Studiums im Cheder, eindringende in der Jeschiwa; Talmud wird dem abgeschlossenen Judentum im Mittelalter zum religiösen Fundament, Quelle der Bildung, Nahrung des Geistes, Ursache der Erhaltung in äusserlich trübster Zeit


9 Fussnoten

  1. Sammlung der mündlichen Gesetzesüberlieferung; „Mischna“ = hebräisch „Wiederholung“)
  2. Pentateuchische Vorschrift, der schriftlichen Tora nichts abzuziehen und nichts zuzufügen – Dtn. 4,2; 13,1 – daher jahrhundertelanges Verbot der Abfassung von Gesetzesbüchern, "Schreibverbot" und Erhaltung des wachsenden halachischen Stoffes nur im Gedächtnis der Gelehrtenjünger
  3. Erläuterungen und Erörterungen zur Mischna in aramäischer Sprache; aramäisch „Gemara“ = Abschluss, Vollendung; gemar im babylonischen Aramäisch auch "lernen", das "Lernen der Tradition" bzw. die "traditionelle Lehre" selbst im Gegensatz zur sebara, der Ableitung neuer Lehren; bei der Gemara handelt es sich um die umfangreichen Diskussionen unter jüdischen Gelehrten insbesondere in den Hochschulen Palästinas und Babyloniens; ausgehend von den meist rein juristischen Fragestellungen wurden Verbindungen zu anderen Gebieten wie Medizin, Naturwissenschaft, Geschichte oder Pädagogik hergestellt; auch wurde der eher sachliche Stil der Mischna mit diversen Fabeln, Sagen, Gleichnissen, Rätseln etc. angereichert; die Gemara war zwischen dem 5. und 8. Jhdt. unserer Zeit abgeschlossen; anders als die einheitliche Mischna weicht die Fassung der Gemara in der babylonischen und der palästinischen Talmudausgabe voneinander ab
  4. Talmud Jeruschalmi; das Werk palästinischer Gelehrter als Ergebnis der Arbeit an der Mischna über zwei Jahrhunderte hinweg; hier gilt Rabbi Jochanan/Yochanan = Jochanan b. Nappacha als wichtigster Autor; die schon sehr früh verbreitete Bezeichnung "Jerusalemer Talmud" ist irrführend; das Werk entstand nicht in Jerusalem, das gar in talmudischer Zeit ein den Juden verbotenes Gebiet war