Siegfried Speyer

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Profil.png Profil: Speyer, Siegfried
Persönliche Daten
24. Oktober 1876
Gelsenkirchen
nach dem 31. August 1942
Auschwitz


Siegfried Speyer in der nationalsozialistischen Judenkennkarte
Siegfried Speyer (* 24. Oktober 1876 in Gelsenkirchen; gest. nach dem 31. August 1942 in Auschwitz [1]) war ein fast zwei Jahrzehnte in Karlsruhe wirkender jüdischer Kantor und Religionslehrer.

1 Vita

  • Siegfried Speyers Vater Levi Speyer war Kantor und Religionslehrer. 1879 zog die Familie nach Haigerloch, wo der Vater als Kantor und Religionslehrer wirkte. Ab 1894 hatte er auch den Posten des Rabbinats-Verwesers inne.
  • Nach Abschluss der Schule wurde Siegfried Speyer im Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg zum Kantor und Religionslehrer ausgebildet. Im Jahr 1911 heiratete er die 1883 geborene Fanny Godlewsky. Die beiden hatte drei Söhne: Alexander (* 1913), Manfred (* 1914) und Lothar (* 1916) sowie die Tochter Gertrud (* 1918).
  • Von 1913 bis 1922 war Speyer Kantor und Lehrer der jüdischen Kultusgemeinde von Wenkheim.
  • 1922 zog die Familie nach Karlsruhe, da Speyer sich erfolgreich um eine Kantor- und Lehrerstelle bei der dortigen Israelitischen Religionsgemeinschaft mit der Synagoge in der Kronenstraße beworben hatte. [2]
    Die in der Karlsruher Kronenstraße gelegene Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinschaft vor ihrer Zerstörung im Jahr 1938
  • Speyer gab in verschiedenen Schulen Religionsunterricht für jüdische Schüler. Bis 1933 war er dabei den übrigen Lehrkräften gleichgestellt und Gehaltsempfänger des Landes. Kurz nach der Machtergreifung wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und danach von der jüdischen Gemeinde bezahlt. Speyer gab an verschiedenen Karlsruher Schulen Religionsunterricht und lehrte Hebräisch, biblische und jüdische Geschichte sowie Religionslehre. 1936 wurde diese Form des Unterrichts dann verboten. Die Israelitische Gemeinde organisierte mit immer kleiner werdenden Schülerzahlen nun den Unterricht selber.
  • Der deutsch-konservativ eingestellte Siegfried Speyer schien das furchtbare Schicksal der Juden Deutschlands nach der Machtergreifung von 1933 nicht kommen zu sehen. Sein Sohn Lothar meinte später:
"Unsere Eltern und die alteingesessenen Juden, besonders jene, die im Weltkrieg für Deutschland gestanden hatten, waren immer noch optimistisch und hatten nie Verdacht auf ein solch schlimmes Ende." [3]
  • Siegfried Speyers Sohn Alexander Speyer bemerkte später sogar:
"Wir hofften, daß Hitler Deutschland aus dem Notstand herausbringen könnte. Wir haben das geglaubt - wir selbst." [4]
  • Nach der Reichspogromnacht im Jahr 1938 konnte Speyer noch der Verhaftung entgehen, indem er sich auf dem Dachboden seiner Wohnung versteckte. [5] Nach dem Abbruch der Reste der zerstörten Synagoge in der Kronenstraße wurde der Unterricht im Gemeindesaal in der Herrenstraße 14 oder der Wohnung der Familie Speyer abgehalten. [6]
  • Am 22. Oktober 1940 wurden Siegfried Speyer und seine Frau von der Gestapo verhaftet und in das in Frankreich gelegene Lager Gurs deportiert. Anfang 1941 wurde das Ehepaar dann nach Recebedou in der Nähe von Toulouse gebracht. [7] In einem Brief vom 27. Januar 1942 berichtet Fanny Speyer noch, dass sie und ihr Mann die Ausreise nach Palästina beantragt hätten.
    Postkarte Siegfried Speyers vom 23. August 1942 an seine in England lebende Tochter Gertrud
    Das Leben in Recebedou sei besser als in Gurs. Allerdings sei sie "schon zufrieden, wenn ich ein Stückchen Brot mehr essen kann als sonst." [8] Das letzte Lebenszeichen von Siegfried Speyer war eine Postkarte an seine in England lebende Tochter Gertrud vom 23. August 1942. [9] Am 31. August 1942 wurde das Ehepaar mit dem Sammeltransport Nr. 26 nach Auschwitz verlegt, wo beide vermutlich bereits nach kurzer Zeit ermordet wurden.
  • Siegfried Speyers Kinder überlebten den Holocaust: Lothar Speyer wanderte 1939 nach Palästina aus. Sein Bruder Lothar war bereits 1945 gegen den Willen seiner Eltern ebenfalls nach Palästina migriert. Die Tochter Gertrud wanderte 1938 nach England aus.
  • 2007 wurden zum Gedenken an Siegfried Speyer und seine Frau in Karlsruhe zwei Stolpersteine verlegt.
    Stolperstein für Siegfried Speyer in Karlsruhe

2 Links und Quellen

2.1 Weblinks

2.1.1 Bilder / Fotos

2.1.2 Audios / Video

2.2 Literatur

  • Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988
  • Jael Paulus: Die jüdische Gemeinde Karlsruhe; in Juden in Baden 1809–1984 - 175 Jahre Oberrat der Israeliten Badens, Karlsruhe, 1984

2.3 Einzelnachweise

  1. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 475
  2. Eintrag zu Siegfried Speyer in Gedenkbuch für die Karlsruher Juden
  3. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 32
  4. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 32
  5. Eintrag zu Siegfried Speyer in Gedenkbuch für die Karlsruher Juden
  6. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 283
  7. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 339
  8. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 341
  9. Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern - Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Badenia Verlag Karlsruhe, 1988, S. 341

3 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Siegfried Speyer) vermutlich nicht.