Kryptojuden

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Grabstein eines Kryptojuden mit hebräischer Schrift und christlichem Kreuz im Südwesten der USA
Als Kryptojuden werden Juden bezeichnet, die entgegen ihrer öffentlichen Religionszugehörigkeit weiterhin dem Judentum angehören. Häufig wird auch der Ausdruck Anusim (hebr. אנוסים, Plural von anús gezwungen) für Kryptojuden verwendet. Es ist eine rabbinische juristische Bezeichnung für Juden, die zum Verlassen des Judentums gegen ihren Willen gezwungen wurden und die, so weit ihnen nur möglich, das Judentum unter den repressiven Umständen weiter praktizieren. Er leitet sich ab vom talmudischen Begriff abera be’ones (Traktat Avoda sara 54a).

1 Europäische Kryptojuden

Die rabbinische Tradition unterteilt das europäische Judentum in Sepharad und Aschenas .

--> siehe Hauptstammlinien des euröpäischen Judentums

1.1 Sephardische Kryptojuden

Als sephardisches Judentum werden Juden bezeichnet, die ihre Stammlinie auf Juden aus Portugal und Spanien, eventell auch Frankreich, zurückverfolgen können. Aufgrund eines Ediktes der spanischen Krone, wurden Juden gezwungen, entweder zum Christentum zu konvertieren oder Spanien zu verlassen. Mehr als 100.000 spanische Juden machten sich 1492 aufgrund dieser ethnischen Säuberung in Spanien auf den Weg ins Exil. Manche gingen zunächst nach Portugal, doch von dort wurden sie 1497 ebenfalls ausgewiesen. Die meisten flüchteten in die Länder der Levante, nach Nordafrika, und wieder andere in die Nordseehäfen Antwerpen und Amsterdam sowie nach Hamburg oder Italien. Der Hauptstrom der Flüchtlinge fand im Osmanischen Reich eine neue Heimat.
Hinrichtung der vom Judentum zu Christentum konvertierten und des Rückfalls zum Judentum verdächtigten Francisca Nuñez de Carabajal am 8. Dezember 1596 in Mexiko City
Kryptojuden Land Beschreibung
Conversos Spanien und Portugal Als Converso (Pl. Conversos) wurden im spanischen und portugiesischen Sprachraum zum katholischen Christentum konvertierte Juden und deren Nachkommen bezeichnet. Konvertiten aus der maurischen Bevölkerung, die vom Islam zum Katholizismus konvertierten, wurden dagegen als Moriscos (zu Deutsch: Morisken) bezeichnet.
Marranen Spanien Marranen oder Marranos (Erläuterung siehe unten), auch Conversos oder Neuchristen (span. cristianos nuevos, port. cristãos-novos), sind iberische Juden und deren Nachkommen, die unter Zwang oder schwerem Druck zum Christentum bekehrt wurden. Oft wurde ihnen vorgeworfen, als Kryptojuden weiterhin jüdische Riten zu praktizieren. Der Begriff tauchte erstmals im spätmittelalterlichen Spanien auf.[1]
Xueta Mallorca, Spanien Die Xuetas sind eine soziale Gruppe auf der spanischen Insel Mallorca. Sie sind Nachfahren der zum Christentum übergetretenen mallorquinischen Juden. Über den gesamten Zeitraum seit dem Übertritt zum Christentum haben sie ein kollektives Bewusstsein über ihre Abstammung erhalten. Denn sie tragen einen der Nachnamen konvertierter Familien, die durch die Inquisition wegen heimlicher Ausübung des jüdischen Glaubens im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts verfolgt wurden. Historisch gesehen sind sie stigmatisiert worden und mussten isoliert leben. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Familien nur innerhalb der Gruppe geheiratet. Heute tragen zirka 18.000 bis 20.000 Personen auf Mallorca einen der Xueta-Nachnamen.[2]

1.2 Aschkenasische Kryptojuden

Als aschkenasische Juden werden Juden bezeichnet, die ihre Stammlinie auf Juden östlich des Rheins zurückverfolgen können. Die Bezeichnung stammt vom biblischen Personen- und Gebietsnamen Aschkenas. Im 9. Jahrhundert etablierten Juden, die in nicht römanische, wie z. B. dem östlichen Teil des Heiligen Römisches Reiches, eingewanderte sind, den Begriff Aschkenas als jüdische Kennzeichnung der jüdischen Stammlinie.

Im Gegensatz zum sephardisches Kryptojudentum wurde das aschkenasische Kryptojudentum bis Dato noch nicht wissenschaftlich erforscht.

1.3 Aschkenasische Kryptojuden

Im Gegensatz zu Spanien bestand für die Juden im Heiligen Römischen Reich die Möglichkeit sich entweder taufen zu lassen oder in einen anderen Reichsteil des Heiligen Römischen Reiches anzusiedeln. Im Gegensatz zu Spanien, bestandt für Juden in Deutschland somit, bei einem judenfeindlichen Edikt, welches z. B. Juden des Kurfürstentum Bayernims verwies, sich hiernach z. B. in der der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt anzusiedeln. Aber auch, wie in Spanien oder Portugal, in Kurfürstentum Bayernim als Kryptojuden zu leben. Somit bestand für das Judentum im Heiligen Römischen Reich immer die Möglichkeit dem Judentum treu zu bleiben oder als getaufte Juden das Judentum nicht mehr öffentlich zu leben. Zum Beispiel bestand für die jüdische / kryptojüdische Familie Lindauer die Möglichkeit, dass die heutige namensgebende jüdische Stammfamile der Lindauers aus Jebenhausen, in Jebenhausen weiterhin das Judentum im Deutschen Reich praktizieren konnten. Hingegen konnten die meisten anderen Stammlinien der Lindauers den jüdischen Glauben nicht mehr offen praktizieren. Kennzeichen dieser Ausformung dieses christlichen Krypto-Judentums in Deutschlamd ist, dass kryptojüdische Männer nur Frauen mit jüdischen Vorfahren heirateten. Welche weiteren Kennzeichen das Deutsche Kryptojudentum hatte, ist nicht bekannt.

Des Weiteren zeigte sich, dass z. B. jüdische / kryptojüdische Familie Lindauer versucht hat in den USA wieder das Judentum offen leben zu können. Aus Schweiz und Deutschland wanderten Lindauers nach Indiana aus. Evangelische Lindauers aus St. Einsiedeln (Schweiz) gründeten Tell City mit. Einer Ortschaft, direkt am Ohio River, wobei die katholischen Lindauers von Dudenhofen (Speyer)30 Kilometer vom Ohio-River, in der Nähe von Tell City 1844 Mariah Hill gründeten. Nach der Gründung von Mariah Hill zog der Jude Josef Lindauer von der jüdischen Stammfamilie der Lindauers aus Jebenhausen nach Mariah Hill. Genauso wie in Deutschland, heirateten die männlichen katholischen Lindauers in Indiana bis Mitte des 20. Jahrhunderts weiterhin Frauen mit jüdischen Vorfahren.

--> siehe Stammlinie der jüdischen Familie Lindauer

2 Nicht europäische Kryptojuden

Für Kryptojuden im islamischen Raum wird keine einheitliche Gruppenbezeichnung verwendet.[3] Im 19. Jahrhundert wurde in Maschad (Persien) eine Gruppe zwangsbekehrter Juden unter dem Namen Jadid al-Islam („Neulinge im Islam“) bekannt.

Kryptojuden Land Beschreibung
Dönme Türkei Die Dönme (osmanisch دونمه, „Konvertit“) sind die Mitglieder einer kryptojüdischen kabbalistischen Religionsgemeinschaft in der Türkei, die ein Zweig des Sabbatianismus sind. Ihre Zahl wird auf 30.000 bis 40.000 Mitglieder geschätzt. Nach außen hin praktizieren sie den Islam. Die Gemeinschaft geht auf Schabbtai Zvi (1626–1676) zurück, dessen Tradition einige hundert Familien nach seinem Tod weiterführten. 1683 kam es in Saloniki zu einer Massenkonversion, wodurch die Stadt zum Zentrum des Kults wurde.
Morisken (Mauren) Spanien Morisken, auch Moriscos genannt (spanisch: morisco ‚maurisch‘) sind zum Christentum zwangskonvertierte Mauren, die nach dem Abschluss der Reconquista in Spanien lebten.
Kryptojuden in Afghanistan Afghanistan Viele Juden waren in Afghanistan gezwungen, ihre Identität versteckt zu halten. Seit 1870 waren die Juden Verfolgungen seitens der afghanischen Behörden ausgesetzt, die sie zu vertreiben suchte. Bis 1948 verließen ca. 5000 Juden das Land, und nachdem ihnen 1951 die Auswanderung gestattet wurde, zogen die meisten nach Israel. Gegenwärtig leben mehr als 10.000 Juden afghanischer Herkunft in Israel.

3 Literatur

Deutsch
  • Robert Brockmann, Genealogisches Handbuch zur Dekodierung von jüdischen Namen, sowie die Bedeutung der Rekonstruierung der jüdischen Stammeslinien für die Wissenschaft, Erscheinungsdatum: 11.02.2017, ISBN: 978-3-7418-9152-6
  • Bernard Lewis: Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51074-4, (Beck'sche Reihe 1572).
Englisch
  • Miriam Bodian: Dying in the law of Moses. Crypto-Jewish martyrdom in the Iberian world. Indiana University Press, Bloomington IN 2007, ISBN 978-0-253-34861-6, (The modern Jewish experience).
  • David Martin Gitlitz: Secrecy and Deceit. The Religion of the Crypto-Jews. Jewish Publication Society, Philadelphia PA 1996, ISBN 0-8276-0562-5, (Auch: University of New Mexico Press, Albuquerque NM 2002, ISBN 0-8263-2813-X, (Jewish Latin America)).
  • Janet Liebman Jacobs: Hidden Heritage. The Legacy of the Crypto-Jews. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2002, ISBN 0-520-23346-8.
  • Renée Levine Melammed: Heretics or daughters of Israel? The crypto-Jewish women of Castile. Oxford University Press, New York NY u. a. 1999, ISBN 0-19-509580-4.

4 Weblinks

5 Einzelnachweise

  1. Erste schriftliche Erwähnung um 1380. Norman Roth 2002. S. 3 f.
  2. Schätzung basierend auf Daten des Instituto Nacional de Estadística de España auf den Balearen.
  3. Maurus Reinkowski: Kryptojuden und Kryptochristen im Islam. In: Saeculum 54 (2003), S. 13 - 37