Kol Nidrei

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Das Kol Nidrei, op. 47, ist ein Werk für Violoncello und Orchester des deutschen Komponisten Max Bruch aus dem Jahr 1881. Das Werk ist besetzt für Streichkörper, Holzbläsergrupe bestehend aus jeweils zwei Flöten, Oboen, Klarinetten in A und Fagotten, Blechbläsern mit vier Hörnern in D, zwei Trompeten in D und drei Posaunen, Pauken in D und A, Harfe und Solo-Cello. Es ist einsätzig als Adagio gehalten, und besteht aus Variationsfolgen über zwei Themen der jüdischen Musik in d-Moll und D-Dur. Das erste Thema enstammt dem Kol Nidre, einem jüdischen Gebet, das am Abend vor Yom Kippur ausgeführt wird, und eines der bekanntesten Stücke der jüdischen Musik ist.

Solstimme des Violoncellos mit dem Kol-Nidre-Thema

Die ursprüngliche Melodie des Kol Nidre ist unbekannten Ursprungs und erscheint erstmalig in Deutschland zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert. Es existierten verschiedene Melodieversionen, die von jedem Kantor zusätzlich unter Verwendung reichhaltiger Melismatik individuell abgewandelt werden. Im späten 18. Jahrhundert wurde die Melodie zunehmend in Notation festgehalten. Während die Melodien der ashkenasischen Juden relativ einheitlich sind, exitieren im sepharidischen Judentum große Unterschiede zwischen den verschiedenen Melodien. Die Versionen jüdische Musiker wie Salomon Sulzers und besonders von Louis Lewandowskis im 19. Jahrhundert (für Kantor, Chor und Orchester) wurden in vielen Gemeinden zur Standarversion.

Das zweite Thema beruht auf dem Mittelteil von "O Weep for those that wept on Babel`s stream" des englischen Komponisten Isaac Nathan aus dem Jahr 1815.